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Mode: Hör endlich auf, Dreck zu kaufen! (Und vier Möglichkeiten zum Bessermachen)

Als ich hier auf unserem Portal gelesen habe, dass „wir“ mit einem Artikel Primark promotet haben, ist mir erstmal die Kinnlade runtergefallen. Ich kann deshalb nicht umhin, hiermit meine eigene Meinung zum Thema Mode zu schreiben – und dich hoffentlich ein bisschen bewusster zu machen, auch wenn ich mir damit Feinde mache.

Ich kenne mich ganz gut aus, denn ich schreibe seit gefühlt 87567 Jahren über Modethemen. Das macht Spaß, klar. Aber zum Teil tue ich das mit einem mehr oder weniger schlechtem Gewissen, denn die Modeindustrie ist zum Teil ein Arschloch.

Tote bei Unfällen in Textilfabriken.

Es gibt unzählige Artikel, die Skandale um Modeketten wie Primark, Kik & Co. thematisieren, und ich möchte einfach nur kotzen. In Textilfabriken etwa in Bangladesch oder Pakistan gibt es immer wieder Katastrophen wie Brände oder Einstürze, bei denen hunderte und insgesamt tausende (!) von Mitarbeitern sterben.

Nicht nur Billigmodemarken, auch andere große Ketten und vermeintliche hochwertigere Marken beziehen ihre Stoffe teilweise aus Ländern, in denen miese und ungesunde Arbeitsbedingungen herrschen, die Gehälter ein paar Euro nicht übersteigen und die Umwelt beim Anbau der Ressourcen übelst mit Chemie belastet wird. Ihr könnt davon ausgehen, dass hinter Shirts und Schuhen, die nicht mehr als ein paar Euro kosten, nicht nur Gutes stecken kann.

Aber auch der Modekaufwahn bei uns richtet Schaden an. Mal abgesehen davon, dass es in den Läden teilweise derartig nach Plastik stinkt, dass mir schlecht wird (und was nicht gesund sein kann), hat das Zeug eine Wegwerfqualität. Das sieht man schon an den reduzierten Teilen, die da seit ein paar Monaten hängen und einfach schon auseinanderfallen, bevor sie nur einmal gewaschen wurden.

Umwelt im Arsch, dank Konsumgeilheit.

Weisst du, was für MASSEN an Müll zusammenkommen, wenn du immer wieder kaufst, wegwirfst, kaufst, wegwirfst? Abgesehen davon, macht diese Art von Konsum keinen Spaß: Der schnelle Kauf, sorgt erwiesenermaßen für ein schnelles Glücksgefühl und macht süchtig. „Primark befriedigt die niedrigsten Gelüste,“ sagt ein Experte bei der Huffpo. Zudem sieht man es einfach am Körper, dass es billiges Zeug ist. Willst du das? Nein, du willst einen feinen, eigenen Style haben.

Ich mag Mode, denn ich bin ein Ästhetikmensch. Meiner Meinung nach ist Style mehr als nur Klamotte, sondern eine Form, sich und seine Individualität auszudrücken. Zu mir passt so eine Mischung aus trashig, minimalistisch, sportlich mit einem Hauch Designermode (klingt irgendwie interessant, hüstel). Klar kostet ein halbwegs ordentlich produziertes Designerteil mehr als zwo Mack, aber dafür siehst du diesen Unterschied auf den ersten Blick, und du hast viel länger etwas davon als zwei verfickte Wochen. Echt. Macht mich sauer, so was.

Ein bewussterer Konsum für Mode bedeutet nicht, dass du ab sofort nur noch in Hanfsäcken rumlaufen musst und nie mehr bei großen Marken einkaufen darfst. Nein, ich fordere nur, dass du dein hübsches Köpfchen ein bisschen, ein bisschen mehr benutzt bei deiner Klamottenwahl. Und guckst, wo deine Sachen herkommen. Kauf lieber weniger und dafür gezielter.

Ich liste hier mal drei Alternativen zum Billozeug für dich auf:

fashiongrunge

1. Wähle das Label gut aus, das du an deine Haut lässt.

Es gibt unfassbar viele coole Designer und Marken, die auf Umwelt oder/und Mensch achten. Die schreiben sich das nur oft nicht so dick auf die Fahne (wie etwa Noble Denim). Viele Surfer-, Streetwear- und  Skaterlabels fallen darunter (schau mal bei Armed Angels). Achte darauf, wo sie produzieren. Ob sie in Europa oder zumindest nahe an ihrer Heimat das Zeug nähen. Schau auch auf das Material, denn viele benutzen Biobaumwolle (z.B. die Französchen Candy for Richmen) oder setzen auf Upcycling. Zumindest guck dir mal Jungdesigner und kleinere Labels an, die eben keine riesigen Ketten sind, denn die brauchen die Unterstützung. Vieles ist sogar Handarbeit (z.B. About Arianne, aus Spanien). Da die Straßen von den Megamodeketten überrollt werden, gehen kleinere Designer leider ein und brauchen euch. Sowas wie Pyromaniac Clothing oder Delapo freut sich über neue Fans. Ich persönlich mag Patrick Mohr, und er ist nun wirklich kein Mainstreamtyp, der sich an seinen Käufern schamlos bereichert. Und ich hab mich ein bisschen in MJSTC verknallt, das noch ziemlich neu ist.

2. Kauf Vintage ein – auch für Kerls.

Es gibt schon soviel Scheiße auf diesem Planeten, eigentlich müssten die Menschen gar nichts mehr produzieren. Zum Glück sind Vintagelooks immer wieder halbwegs undergroundig im Trend. Denn nein, du musst dir keine 90er-Jahre-Styles, Mom-Jeans, Normcore-Geschichten oder „vintage-inspirierte“ Looks für viel Geld kaufen. Die gibt es auch original in Thrift Stores – und du sparst auch noch einen Haufen Kohle. Bereichere dein Outfit mit einem geilen Designklassiker vom Flohmarkt von so was wie Fendi oder Chanel (Achtung: neu ist auch nicht ganz klar, wie nachhaltig die produzieren). Egal, was du Second Hand kaufst, es ist immer besser als neuer Kram. Viele Premium-Blogger zeigen, wie das aussehen kann. Zum Beispiel Lua P. kombiniert immer mal ein Vintageteil in ihren Outfits. Yours Truly sieht sehr süß aus in ihrem Look. Und ja, auch Männer wie Robin kommen rüber mit dem, was sie tragen. Fashiongrunge zeigt, wie geil null Mainstream und Scheißegal-Attitude aussehen können.

3. Konsumier einfach weniger.

Du kennst das Gefühl: ein Schrank voll und nix zum Anziehen. Das ist ja irgendwie Quatsch, oder? Allein um dem nicht mehr so ausgesetzt zu sein, ist es schon mal ein Fortschritt, weniger zu kaufen. Für die Umwelt, das Klima, für dich und deinen armen Schrank.

4. Do it yourself.

Das ist wahrscheinlich eher was für die Mädels, aber auch die Jungs können einfach mal eine Vintage-Jeans abschneiden. Das kriegen sie sicher hin. Das total bekannte Blog PS. I made this zeigt dir, wie du basteln kannst, was das Zeug hält, und hat großen Erfolg damit. Es gibt auch noch einen Haufen anderer Blogger, die selbermachen. Ich mag selbst nicht, wenn es zu gebastelt aussieht, aber alte Geschichten wurschtel ich gerne mal um, färbe, mache ein Crop-Top draus oder eine Jeans-Weste. Oder ziehe es Freundinnen zur Strafe beim Junggessellinnenabschied drüber (hähähä).

Und weißt du, wie herrlich das ist: Wenn du auf der Straße Bekannte triffst, die dein Outfit genau inspizieren. „Woher hast du das?“ Und du sagst: „Dies ist Vintage, das hab ich überarbeitet, das ist von der Oma von meinem Cousin der Schwester?“ Die Antwort darauf damals war: „Jaja, du bist ja soooo cool!“

Nö, ich hab einfach keine Lust, zum Konsumopfer zu werden (no offense).

Ein schönes Wochenende, ihr Hüpfer!

Fotos: Jonny’s Bird, Fashiongrunge

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