MAINSTYLE – Fotojörg – Frankfurt Graffiti

[ Article in English @ Vagabundler: MAINSTYLE & Fotojörg ]

Der Fotograf Jörg Udo Kuberek oder auch kurz „Fotojörg“ startete Ende der 80er Jahre, Frankfurter Graffiti und Straßenmalereien zu dokumentieren. Anfangs waren es noch politische Parolen an Fassaden oder lustige Sprüche an Toilettenwänden, doch schnell ist der passionierte Motivsucher auch auf bunten Wildstyle, auf schräge Characters und eben die richtigen Graffiti gestoßen.

Über die Jahre haben sich mehrere tausend Bilder aus der Mainmetropole und der Region angesammelt – das müsste man doch mal abdrucken! Die Idee zum Mainstyle Magazin war geboren, das aber zunächst nur mit sieben Printausgaben in schwarz-weiß zu Beginn der 90er erschienen ist – das erste am 24. Juli 1990. Nach einer kleinen Pause mit diversen Foto-Ausstellungen zur urbanen Straßenkunst, aber auch zu anderen Themen wie „Verlassene Orte“ ging Fotojörg mit Mainstyle dann 2011 online.

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Die Webseite ist ein wahres Paradies für alle Graffiti-Fans mit einem enorm großen Fundus an grandiosen Werken, vor allem vom Ratswegkreisel, der Friedensbrücke oder der Naxos Halle, aber auch mit Specials über bemalte Züge, mit Künstlerinterviews, Videos oder Jam Reports. Auf der Plattform sind nicht nur Pieces aus Frankfurt City, sondern auch von der Lincoln Wall in Darmstadt, dem Freibad in Bad Vilbel oder weiteren Spots im Umland.  Aktuell ist Jörg Mitten in der Arbeit an einem neuen Buch über die Anfänge der Graffiti-Szene in Frankfurt und der Region, trifft sich in Gesprächen mit Künstlern, die damals aktiv waren und bereitet das Bildmaterial auf. Nächstes Jahr ist die Veröffentlichung über die 80er und ersten 90er geplant, weitere Bände können noch folgen.

Wir haben uns mit Fotojörg in einem Interview über Mainstyle, die Ursprünge des Frankfurter Graffiti und das neue Buch unterhalten. Lauscht unserem Gespräch hier im Podcast oder lest die verschriftlichte Unterhaltung im Folgenden. Der Text ist außerdem gespickt mit einer schönen Auswahl an Graffiti-Werken aus den letzten 30 Jahren.  

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Wie hast du überhaupt mit dem Fotografieren angefangen und wie kam es dazu, dass du eine richtige Passion entwickelt hast, Graffiti hier im Rhein-Main-Gebiet zu dokumentieren.

Das ist tatsächlich schon sehr lange her. Da muss ich jetzt mal zurück denken. Ich bin glaub ich 1987 irgendwann auf Graffito oder Graffiti Sprüche gestoßen. Da gab es früher so politische Parolen. Oder wie hat man früher auch gesagt hat: Scheißhausparolen. Also man ist in die Toilette rein und dann stand da irgendwas. Und ich bin irgendwann mit zwei Filmen in Frankfurt danach auf die Jagd gegangen. 1987 und 1988 hab ich solche politischen Sprüche gesehen und die wurden mit Dosen an Hauswände angebracht. Teilweise aber auch schon mit Character. Also ganz einfache Character, die comicähnliche waren. Und ich hab zu der Zeit dann angefangen, das zu fotografieren.

Das war dann im Raum Frankfurt.

Das war Raum Frankfurt, genau. Und ich bin dann nach ungefähr eineinhalb Filmen auf Style-Graffiti gestoßen. Das heißt also bunte Bilder, die ähnlich waren wie die Graffitis in Amerika. Das war eigentlich so der Auslöser, dort hab ich meine Leidenschaft entdeckt für diese Graffitis und für diese bunten Bilder. Ich bin dann in Frankfurt auf die Suche gegangen und hab auch überall welche gefunden. Manchmal hab ich es sogar gerochen, wenn sie frisch waren.

So ein frischer Geruch, hmmm, fast wie beim Bäcker.

Ja, Sparvar hatte damals einen ganz eigenen Geruch. Das hat man erkannt. Oder auch Auto-K oder die Baumarktdosen Dupli Color.

Da gab es noch kein Canpire.

Nein, da gab´s noch kein Capire. Da gab es noch keine Dosen, die extra fürs Sprühen hergestellt worden sind. Es war auch schwer zu sprühen und sauber zu sprühen. Ja, da hab ich glaub ich so zwei Jahre lang fotografiert und hab dann angefangen Dinge auszustellen. In Jugendhäusern hatte ich Fotoausstellungen gemacht. Irgendwann hab ich auch die Maler kennen gelernt, also die Frankfurter Maler. Dann wurde aus der reinen Fotoausstellung eine ganze Aktionswoche. Bei der nächsten Ausstellung waren dann Maler dabei, die haben live gemalt und ich hab gleichzeitig Fotos ausgestellt. Wenn es dann gepasst hat, wurde das sogar noch ergänzt mit einem DJ, der dann auch Musik gespielt hat bei der Vernissage oder bei der Finissage. Wobei Finissage hat man damals noch nicht gesagt. So hatte das dann einen Jam Charakter. Das war bei der vierten Ausstellung und das hab ich so bis 1992 gemacht. Aber dabei ist vorher bereits die Idee entstanden zum Thema Mainstyle als Graffiti Magazin. Das hat sich erst mal nur um Frankfurt gekümmert oder Frankfurt und Region, wie ich gerne sage. Weil da gehört auch Bad Homburg dazu und Friedrichsdorf oder Offenbach, also alles komplett drum herum.

Was viele Nutzer von deiner Webseite oder Follower bei Instagram vielleicht gar nicht so wissen, es gab ja anfangs Print-Ausgaben.

Ja, die gab es. Es gab tatsächlich anfangs sieben Print-Ausgaben. Das war damals noch sehr sehr einfach hergestellt. Das waren eigentlich Kopien, die zusammengeheftet wurden und die wurden aber europaweit verschickt. Man musste das abonnieren, also es gab jetzt keinen Laden oder so, wo ich das jetzt hingebracht hab und wo man das kaufen konnte.

Also dann erfolgte die Kontaktaufnahme per Email? Oder gab es da schon Emails?

Das gab es damals noch nicht. Also es gab wirklich zu der Zeit nur Telefon und Brief. Das heißt, die ersten Ausgaben wurden per Hand an Leute gegeben und innen drin war so ein Coupon, den musste man mir schicken mit 10 Mark und dann hat man die nächsten drei Ausgaben zugeschickt bekommen. Das hat sich aber sehr schnell verbreitet. Wir hatten mehr als hundert Abonnenten und das ging so zwei bis drei Jahre. Dann haben wir das aber wieder eingestellt.

Wieso habt ihr damit aufgehört?

Naja, das war eine Mischung aus mehreren Faktoren. Wir haben uns zu dritt nicht mehr so gut verstanden, also wir haben das Magazin zu dritt gemacht. Ich hab eine Lehre angefangen und hatte auf einmal auch weniger Zeit. Und es gab auch in der Szene so ein paar Reibereien. Das war dann alles auf einmal negativ, ich hatte ein negatives Gefühl und alles hatte einen negativen Tatsch. Man hat ja am Anfang so eine Euphoriephase, man wird auch gehypet und alle sind so „Ja, geil, geil!“ Dann kommen aber auch Leute, die kritisieren und haten. Es war einfach die Zeit vorbei, in der alle genug freie Zeit und positive Energie hatten. Ich glaub man hätte es zu der Zeit dann auch auf ein anderes Level bringen müssen. Man hätte mit Farbprints anfangen müssen und da waren wir alle nicht bereit dazu.

Graffiti nur in schwarz-weiß, da fehlt schon einiges vom Effekt.

Ja, auf jeden Fall. Unser Vorbild war damals das schweizer Magazin „14k“. Die sind sehr lange schwarz-weiß geblieben, also über 20 oder 30 Ausgaben glaub ich. Die haben das aber auch richtig professionell drucken lassen, da sah das noch ein bisschen besser aus. Ich sag mal im Nachhinein, wir haben Platz gemacht für das „On The Run“. Das ist nach uns gekommen. Und das „Tuff Stuff“ in Vollfarbe. Ich glaub das war das erste Graffiti Magazin weltweit in Vollfarbe. Das kommt  aus Aschaffenburg. Und ich glaub das „On The Run“ war anfangs noch teilweise schwarz-weiß, teilweise in Farbe, die Innenseite war in Farbe. Das ist dann aber auch später irgendwann vollfarbig geworden. Also so hat sich das entwickelt. Im Nachhinein war das sehr cool.

Hört sich auch cool an. Du hast quasi die Anfänge der Graffiti-Kultur in Frankfurt live mit verfolgt.

Genau. Also ich hab versucht, das so gut wie möglich zu dokumentieren und hab natürlich auch die ganzen ersten Maler kennen gelernt. Bis auf Einen, den hab ich damals nicht kennen gelernt. Oder mehrere, also die ZIP CREW, oder ZIP. Der war komplett undercover. Den kannte niemand und den haben glaub ich nur zwei Leute gesehen damals. Alle anderen Maler hab ich eigentlich kennen gelernt oder durfte ich kennen lernen. Ich hab dann auch Tipps bekommen, wo was gemalt worden ist und bin dann immer ganz schnell hin, bevor es irgendwie vielleicht wieder übermalt wurde oder gecrossed wurde. Und ja, ich hab dann bis 1993 aktiv und viel dokumentiert.

Und dann kam irgendwann die Webseite und du hast angefangen die Fotos online zu stellen.

Ja, also ich hab irgendwann mal eine Email bekommen. Ich weiß nicht genau, wie der Kerl mich gefunden hat, aber das ist ein Amerikaner und der hat wohl zu der Zeit um 1992 herum hier gelebt und seine ganze Jugend war geprägt von den Bildern, die ich damals gemacht hab. Der Amerikaner hat mich irgendwann angeschrieben, also SIMEONE heißt er und der hat mich dann gefragt, ob ich noch alte mainstyle Hefte hätte. Das war 2010. Und ob ich noch alte Fotos hätte. Der hat super geschwärmt und ich hab ihm dann ein paar Sachen gescannt und per Mail geschickt. Mittlerweile hat man ja Mail, also in 2010. Dann hat er geschrieben, er hätte noch so gerne mehr Ausgaben von dem mainstyle und ich hab die dann tatsächlich im Keller noch gefunden. Ich hab ihm das alles über den Teich geschickt und er hat sich super positiv an alles erinnert, war begeistert und hat davon geschwärmt. Irgendwie hab ich das dann als Impuls genommen und mir gedacht, ich bring jetzt die alten Sachen ins Internet! Ich mach jetzt die mainstyle Seite auf und poste alte Sachen! Das war so die erste Idee, das erste Konzept und ich hab das dann auch gemacht. Ich hab von ZIP Sachen gepostet und auch von Bomber. Ich hab mal eine Ausstellung gehabt mit der Martha Cooper in 2006, die Bilder hab ich dann auch dort hochgeladen. Das war so eine Ausstellung mit Helge Bomber Steinmann und der Martha Cooper zusammen. Es waren seine Bilder dabei und auch Fotos von mir, um auch den neuen Malern mal zu zeigen, was so vor 20 Jahren gemalt worden ist.

Das ist ja auch ein Teil Geschichte.

Ja, genau. Das ist Geschichte. Die Alte Schule oder Oldschool.

Wir haben durch das Audio hier ja auch jetzt den Ton dazu, wie spricht man denn Titel den aus? Also Mainstyle, wie der Fluss Main oder die englische Aussprache?

Also eigentlich Mainstyle, so wie der Fluss. Ich sag dazu aber tatsächlich auch immer wieder Mainstyle mit englischer Aussprache. Es ist aber eigentlich original so entstanden und soll auch so sein, also Main-Style, vom Fluss Main herkommend.

Was da auch nochmal ein cooler Nebeneffekt ist, wenn man es wie den Flussname ausspricht, dann wirkt  es ja auch zusätzlich wie ein Pronomen, also mein. So wie mein eigener Style, ich hab es gesammelt. Also deine Fotos, aber Frankfurter Style. Frankfurter Stoff, oder Stoff aus Frankfurt. 😉

Ja, genau. Guter Stoff aus Frankfurt. Grüße an FUEGO an dieser Stelle! 

Wir haben ja jetzt 2019, wie hat sich das dann bis heute weiter entwickelt? Wo stehst du mittlerweile und was ist mainstyle jetzt?

Also seit 2011, als die Seite online gegangen ist, hat sich das Konzept schon verändert. Anfangs hab ich tatsächlich nur die älteren Sachen gepostet. Auch manchmal im Vergleich dazu, was heute auf der Wand drauf ist. Das hat dann aber zwischen 2012 und 2013 umgeschlagen. Ich hab meine alte Liebe wieder entdeckt und bin auch wieder aktiv fotografieren gegangen. Das heißt, ich hatte Unmengen von aktuellen Fotos und hab auch im Netz nachgeschaut, ob es Seiten gibt, die das posten und veröffentlichen. Es gab zwar Seiten, die haben das aber nicht unbedingt in dem Ausmaß gemacht oder nicht alles gepostet. Die hatten sich teilweise spezialisiert auf Tags zum Beispiel oder nur auf Character. Ich finde eben das Stylewriting sehr interessant und hab dann angefangen auch aktuelle Dinge zu posten. Meistens immer eine Galerie von irgendwelchen Events, also das sind dann legale Events gewesen, bei denen ich einfach alles abfotografiert hab. Davon hab ich die schönsten Bilder dann auch veröffentlicht.

Zum Beispiel die Under Art Construction EZB Aktion, wo auch Naxos viel mitgemacht hat. Ich glaube das lief sogar damals über Naxos. Das hat sich bis heute dazu entwickelt, dass ich eigentlich jeden Jam, der im Raum Frankfurt irgendwie stattfindet besuche, wenn ich kann und auch fotografiere und die Fotos auch schließlich hochlade. Ergänzend gibt es auch mal Züge, die bemalt worden sind und die dort gepostet werden, aber auch Graffitis von Autobahnen. Dazu gibt es Specials. Oder es gibt auch mal ein Special über einzelne Künstler, die im Raum Frankfurt extrem viel gemalt haben. Ergänzend kommen dann auch immer Posts dazu, wo ich drauf hinweise, dass da und da ein Jam ist oder dort eine Veranstaltung. Es gibt auch einen kleinen Kalender, das heißt man kann sehen, was in den nächsten Monaten stattfindet und kann sich dort mit anderen Interessierten treffen.

Welche Locations kannst du hier in der Region empfehlen? Was sind denn so die öffentlichen Spots, die man gesehen haben sollte und wo schöne Werke entstehen?

Also der Hauptspott in Frankfurt, was jetzt die Quantität angeht, ist der Ratswegkreisel, der auch mittlerweile freigegeben wurde zum Malen. Ich glaube seit fünf Jahren, wenn ich das richtig in Erinnerung hab, ist es legal dort zu malen. Da sind nicht immer die schönsten Sachen, aber es gibt manchmal wunderschöne Konzeptwände. Dann gibt es auch Phasen, wo nur einzelne Maler was machen, dann sieht das nicht ganz so toll aus, aber das muss man auf jeden Fall hin. Das muss man sich auf jeden Fall ankucken. Dann gibt es noch wenige, aber schöne Wände an der Friedensbrücke. Dort kann man auch hin. Was sich auch immer lohnt, ist bei der Naxos Halle mal auf die Hinterseite zu kommen, da wird auch viel gemalt. Die haben zwar nicht so viele Wände, aber es wird regelmäßig was gemacht. Da sind immer wieder schöne Sachen dabei. Aber dann wird es schon ein bisschen dünner und man müsste etwas weiter raus fahren. Also in Bad Vilbel, da gibt es am Schwimmbad noch eine Wand, die wird auch regelmäßig gestaltet. In Dortelweil gibt es eine Schallschutzmauer, die ist ein bisschen länger. Da kann man auch frei und legal malen und das wird auch regelmäßig frequentiert. Also an diesen Orten ist es legal, man müsste nur bei der Friedensbrücke fragen, das ist glaub ich auch beim Naxos Atelier. Die haben das Schriftstück, die Erlaubnis und die kann man ansprechen und dann kriegt man gesagt, welche Wand man wann bemalen kann. Aber man kann auch nach Bad Vilbel fahren und kann da direkt am Schwimmbad malen, das ist total chillig.

Dortelweil hab ich auch schon erwähnt und der Ratswegkreisel geht immer. Klar sollte man so ein paar Regeln einhalten. Also man muss jetzt nicht unbedingt über die neusten Bilder gehen und vielleicht auch nicht die schönsten Bilder übermalen, weil da ist echt viel Platz und man findet eigentlich immer was. Es ist dort teilweise auch überdacht, man kann also auch im Regen malen. Und für Leute, die nachts gerne malen: Man kann auch am Ratswegkreisel nachts malen, weil das ganz gut beleuchtet ist. Dann hat man so ein bisschen dieses Nach-Malen-Feeling. Ich glaub so vor zwei oder drei Jahren bei einer Messe, da waren dann ein paar Maler aus ganz Europa da und die sind auch nachts malen gegangen. Die haben sich dort getroffen und haben die Nacht durch gemalt. Ja, das macht Spaß!

Wenn du jetzt die ganzen Jahre zurück blickst, also das kann man jetzt nicht in ein paar Sätze packen, aber wie hat sich die Szene und Graffiti Kultur so entwickelt? Was hat sich aus deiner Sicht verändert? Gibt es mehr Fights oder weniger, hat man früher anders gecrossed oder ist das alles im Grunde ähnlich geblieben?

Also das ist abschließend echt schwer zu sagen, weil da muss man ganz nah an der Szene dran sein. Ich bin jetzt Beobachter der alten Zeit und jetzt wieder Beobachter der Neuzeit meinetwegen ab 2010. Also erst mal auffällig ist, es gibt andere Stilrichtungen, die gab es früher nicht. Also zum Beispiel Anti-Style. Der Begriff Streetart ist auf einmal da, das gab es früher ja auch noch nicht. Es gab da nur Graffiti. Also vor 1985 oder 1984 war Graffiti nur diese Parolen und Sprüche, da gibt es auch massenweise Bücher davon. Da findet man keinen Style drin. Also da steht zwar immer Graffiti, aber es sind eigentlich nur Sprüche. Das hat sich so in Deutschland zwischen 1983 und 1985 vor allem mit den Filmen Wild Style! und Style Wars und ähnlichen Produktionen geändert. In der alten Zeit, da gab es weniger Gruppen, weniger Leute und eine kleinere Szene. Klar kannten sich alle. Heute ist das viel größer mit sehr viel mehr Malern und unterschiedlichen Gruppen. Es gibt welche, die viel mehr taggen und weniger Styles malen oder bomben. Es ist auch so ein bisschen aufgeteilt in legal und illegal, da gibt es auch eine Mischmenge, die beides machen, also die sind Tag- und Nacht-Maler. Und klar, heute crossed man sich auch.

Das wird es wohl auch immer geben und ist einfach ein Teil davon.

Genau, es ist auch immer noch ein Battle. Wenn man jetzt über ein Bild geht, bei dem man nicht gefragt hat und es ist eine gegnerische Gruppe, dann wird man halt auch wieder gecrossed. Es gibt auf jeden Fall diese Konflikte nach wie vor. Das gehört aber auch zum Graffiti dazu.

Was mir hier in Frankfurt aber auch in anderen Städten aufgefallen ist, es gibt viel mehr größere Wandgemälde. Ob es jetzt an Bombing oder kleineren Sachen zugenommen oder abgenommen hat, kann ich gar nicht sagen, aber es gibt auf jeden Fall viel mehr großflächigere Sachen, viel mehr Murals. Das hat wiederum einen anderen Effekt auf die Bevölkerung und auf die Wahrnehmung von dem ganzen Phänomen. Es wird mehr geduldet, zumindest die größeren Sachen, das hat dann wieder die Tür geöffnet für neue Künstler, dass die wieder irgendwo weitere Werke malen können. Und ja, so ist nach und nach eine größere Akzeptanz entstanden. Siehst du das auch so?

Das sehe ich auch so. Ich hab auch mit vielen Besuchern von diesen Jams oder mit Passanten, die einfach am Ratswegkreise vorbeilaufen, die aber mal stehen bleiben und Fragen stellen, also ich hab mit vielen Leuten gesprochen. Ich sag mal so der Mainstream geht so in die Richtung, dass sie taggen alle irgendwie Scheiße finden. Das könnte man ja mal lassen. Aber sobald es bunt wird und halbwegs schön aussieht, finden sie das besser als Grau. Die großen Murals, die großen Fassaden, die finden eigentlich alle schön und das gehört mittlerweile auch zum Stadtbild von Frankfurt dazu. Es ist ja nicht nur eins da, es sind zum Glück mehrere. Und es werden immer mehr. Ich glaub, dass darüber auch die Akzeptanz zu den kleineren Styles ebenfalls wächst. Das heißt also, dass auch die Hall anders gesehen wird. Aber es gibt glaub ich nach wie vor diese zwei Lager. Also taggen finden die meisten nicht in Ordnung, das verstehen sie auch nicht. Auch ältere Leute sprechen darüber genau in der Sprache. 

Man sieht ja auch daran, dass Graffiti komplett in der Gesellschaft angekommen ist, dass jeder Banksy kennt und das Drumherum, dann übernehmen viele Videospots Graffiti Elemente, man sieht es in Filmen, in Schriftzügen von Werbebannern. Also das zeigt ja auch, dass marktwirtschaftlich denkende Firmen und Institutionen erkennen, dass die Leute dies anscheinend mögen und es genutzt werden kann, um damit Geld zu verdienen. Es ist schon populär geworden. 

Auf jeden Fall. Ich hab um 2010 wenig mit Graffiti Stuff zu tun gehabt und hab dann in den letzen Jahren mitbekommen, dass mittlerweile eine ganze Industrie dafür entstanden ist. Es werden spezielle Marker hergestellt. Früher hat man einfach den Edding genommen oder verschiedene Versionen von Eddings oder auch von anderen Herstellern. Aber mittlerweile gibt es unzählige Unternehmen, die sich darauf spezialisiert haben, für die jugendliche Maler, weibliche wie männliche, perfekte Werkzeuge in die Hand zu geben. Die Dosen haben irgendwie einen anderen Druck, teilweise mit low pressure oder high pressure. Da gibt es super krasse Teile. Es gibt alle Caps, die man braucht. Früher musste man noch, wenn man eine Skinny haben wollte irgendwie eine Nadel vorne rein stecken. Also man musste sich selbst Needle Caps bauen. Das gibt es heute alles und das kann man einfach bestellen und kaufen. Das heißt also es gibt auf jeden Fall eine Industrie, die diesen Bedarf bedient. Aber gleichzeitig gibt es auch viele Firmen, die wissen, wenn sie die und die Zielgruppe ansprechen möchten, meinetwegen Skater oder diese Ecke, die wissen dann, dort kommt man mit Graffiti gut an.

Dazu kommt aber auch, dass die Leute, die früher gemalt haben, das hat ja auch ein bisschen was mit Hip Hop zu tun gehabt damals. Und die Leute, die damals damit angefangen haben. Die sind heute ein bisschen älter, so wie ich auch. Also so 40 oder auch 50. Und die landen jetzt in Positionen, wo sie über Content entscheiden können. Ich hör immer wieder Werbung, wo ich denke: Geil! Die haben uralte Hip Hop Sachen ausgegraben und es funktioniert immer noch! Ich glaub, dass darüber auch mehr von dem alten Hip Hop und auch von Graffiti in Werbung landet. Also dadurch, dass die mittlerweile älteren Säcke da auch mitgestalten dürfen.

Graffiti ist ja Subkultur und kommt aus dem Untergrund. Ist es dann noch Graffiti, wenn es auf einmal populär ist?

Das ist eine ganz schwierige Frage. Ich glaub das kann man auch abschließend nicht oder möchte ich abschließend nicht bewerten. Für mich gibt es dieses Tag-Malen und Nacht-Malen. Und Nacht-Malen, da sagen viele Bomben oder Bombing dazu. Das ist Subkultur, dieses Schleichen, Verstecken, schnell malen, schnell weg. Und das Tag-Malen ist eher das, was gesellschaftlich irgendwie nicht bestraft und nicht geahndet wird. Ich wollt fast schon sagen: Das wird geduldet. Aber mittlerweile ist es anerkannt, wird auch geschätzt und gehört dazu. Die Kinder fangen mit zehn Jahren oder mit elf bereits an und üben das Malen. Also auch schon mit Dosen. Hier gibt es Workshops im Jugendladen Bornheim, dort kann man das mittwochs lernen. Es ist nichts Verbotenes, solange sie nicht nachts malen. Aber ich glaube, es gibt tatsächlich diese zwei Welten und echtes Graffiti ist für mich – das ist meine ganz persönliche Meinung – eher Bombing und nicht sowas wie „Ich male für eine Ausstellung und verkaufe die Dinger für 3000 Euro“. Aber das ist meine persönliche Meinung. Es gibt da auch andere, die denken anders und sagen, alles ist Graffiti.

Da kam ja mal diesen Spruch: „Es gibt Graffiti und alles andere ist eben einfach Streetart“. Es ist alles ein Ding mit ganz vielen verschiedenen Seiten, die sich teilweise vielleicht auch wiedersprechen, aber trotzdem gehört da irgendwie jedes Element dazu. Und wenn man es komplett sieht, dann gehört da ja auch das Stickering dazu und die Stencil Sachen. Natürlich wurden da keine Lines selbst gemalt, aber es ist dennoch Urban Art, das ist auch so ein neues Wort. Du hast dich aber auf die Graffitis fokussiert, in groß und in klein, auch Style Writing, Tags und Züge. Wie sieht es mit gerade erwähnten  Stickern und Stencils aus?

Ja, also das ist schön, dass du das ansprichst. Das hab ich vorhin vergessen zu erwähnen. Früher hat man dazu nicht Streetart gesagt, sondern das war ein Teil vom Graffiti. Das heißt, es wurden damals schon massiv Sticker gemalt und geklebt. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich die abgemacht und gesammelt hab. Also einigen hab ich das in der heutigen Zeit gestanden. Die haben zuerst einen Hals gehabt, aber dann waren sie ganz froh, weil sie einen Sticker gesehen haben, der 30 Jahre alt war, den es sonst natürlich nicht mehr geben würde. Ich hab die also gerettet, aber damals waren die Jungs nicht so gut drauf zu sprechen. Das fanden die nicht witzig. Irgendwann hab ich die Dinger geschenkt gekriegt, also ich hab sie dann nicht mehr abgemacht, sondern ich hab sie geschenkt bekommen. Aber um darauf zurück zu kommen, es war keine Streetart, das gehörte zum Graffiti. Die ersten Stencils wurden meines Wissens damals von ZIP gemalt, der auch einen ähnlichen oder passenden Beruf in der Zeit dazu gelernt hat. Der hatte das damals schon in seine Graffitis eingebaut und das war auch keine Streetart, sondern das war halt Graffiti. Und heute, also alles was es sonst noch so gibt wie diese Strickkunst, die auf einem Boller ist. Das wäre Streetart. Stencil würde ich noch bei Graffiti sehen, Sticker ebenfalls. Alles andere, also ob das jetzt so Lego Bilder auf der Straße geklebt werden, das ist Streetart. Erinnert mich aber manchmal auch an die Zeit aus dem Kindergarten, wo wir gebastelt und gemalt haben. Ich will nicht respektlos sein und wenn die Leute es schön finden, dann soll es stattfinden.

Du hast die Sticker dann damals gesammelt, fast schon zu passioniert.

Die Sticker sind damals alle in der S-Bahn gefahren, vielleicht eine oder zwei Wochen, aber die Putzkolonne hat das dann alles weg gemacht. Und da musste ich einfach ab und zu mal einen ab machen.   

Wir hatten vorhin darüber gesprochen, warum man malt. Mich erinnert das Malen um des Malen Willens auch oft an das Mandala Malen aus dem Buddhismus, also dieses Meditative mit dem Sand, wo es nur darum geht über mehrere Tage ein Bild mit kleinen farbigen Sandkörnern zu malen oder zu streuen, um es danach einfach wieder wegzuwischen. Also es geht eben um das Machen an sich.

Ja genau, also es ist der Prozess. Ein Maler aus Bad Homburg, den ich interviewt hatte, der hat mir das auch zufälligerweise neulich gesagt. Ihm geht es um den Prozess und es geht ihm gar nicht um dieses Endergebnis. Er muss das Endergebnis auch nicht unbedingt bewahren oder dokumentieren, weil er hat diesen Prozess gelebt und das war das Wichtigste. Da hat er seine Energie raus gezogen und seine Befriedigung. Das war sehr interessant. Und ich bin wiederum scharf auf das Ergebnis. Es gibt verschiedene Gründe, warum Leute malen. Früher war das so, klar geht es um Fame oder es geht um Aufmerksamkeit. Aber es ging den Malern, die ich damals kennen gelernt hab auch darum, sich zu verbessern. Die haben eigentlich immer von einem Bild zum anderen versucht, für sich selbst nochmal sauberer zu malen oder etwas besonderer zu malen und die Technik noch zu verbessern. Und klar, es ging auch darum, größer zu malen. Aber die hatten jetzt nicht im Kopf, dass da eine Zielgruppe wäre, die jetzt so und so alt ist und man dazu die und die Farben nehmen müsste und die und die Form.

maybe ZIP ZTONE HEXER ZIPCREW ZIPBROTHERS

Die haben für sich gemalt.

Genau, die haben für sich gemalt. Und wenn sie dann am nächsten Tag das Ding angekuckt haben, dann haben sie Pipi in den Augen, weil sie sagten: „Geil! Ich hab´s gepackt! Es ist sauber geworden und ich hab es so umgesetzt, wie ich mir das vorgestellt hab. Die Farben wirken so, wie ich mir das gedacht hab.“ Die haben ihre eigenen Ziele erreicht. Oder auch so krasse Aktionen, dass man einem Spot gemalt hat, wo bisher noch niemand gemalt hatte. Klar, das hat auch wieder mit Fame und Anerkennung zu tun. Wenn man besondere Dinge macht, dann kriegt man natürlich auch besondere Aufmerksamkeit. Das sagen auch alle und das geben auch alle zu. Also klar hat man es auch gemacht, weil man auch Aufmerksamkeit wollte.  

Was für Equipment benutzt du?

Ich hab mittlerweile das Glück, dass ich mir ein paar Kameras zulegen durfte und fotografiere mit Voll-Format, teilweise auch mit Crop-Format und hab echt verschiedenste Kameras. Für den Ratswegkreise hab ich mir auch extra Objektive besorgt, weil dort wenig Platz ist, also brauch ich dafür Weitwinkel. Ganz starke Weitwinkel-Objektive. Und das sind verschiedene Hersteller, ob man jetzt eine Canon oder eine Nikon nimmt. Aber ich bin von Haus aus seit 30 Jahren bei Nikon. Ich hab zwischendrin auch mal angefangen mit Leica zu fotografieren, weil ich auch Lost Places fotografiert hab. Da gab es 2017 auch eine Ausstellung dazu. Also ich fotografiere nicht nur Graffiti. Mit der Leica hab ich dann aber auch teilweise die Graffitis fotografiert und die Fotos werden dann auch nochmal ein bisschen anders. Zumindest die Farbigen sind klasse ohne Ende und grundsätzlich kann man den ganzen Kram dann auch printen. Wenn ich eine Aufnahme mache, dann mach ich die nicht nur fürs Web oder die Homepage, sondern ich mache die so, dass man das auch auf eine große Leinwand printen könnte oder aber auch in Büchern oder Magazinen abdrucken kann. Ich geb mir da auch immer Mühe, dass man das irgendwann auch nochmal nutzen kann und dass das nicht nur bei mir zuhause oder im Internet irgendwie verschimmelt. Wobei das sehr viele Fotos sind. Also ich weiß nicht, was man damit irgendwann noch alles machen kann. Man könnte viele Bücher füllen. Alleine am Ratswegkreisel haben sich in den letzten fünf Jahren 10.000 Bilder angesammelt. Also 10.000! Völlig pervers! Da sind natürlich auch ein paar doppelte dabei oder schlechte, aber das ist echt verdammt viel! Ich muss mal schauen, was die Zukunft bringt. Vielleicht landen die Bilder ja irgendwie in Magazinen und dann sind sie draußen und für die Ewigkeit im Umlauf.

Wer weiß, wie sich das Ganze noch weiter entwickelt. Vielleicht baut sich das alles hier in Frankfurt mehr und mehr auf und es gibt irgendwann ein gescheites Streetart Museum oder Graffiti Museum. Dann wäre das auf jeden Fall Material für die Archivierung. Du sagst 10.000 sind viel, aber ich weiß nicht, ob es insgesamt so viele Fotos von heute und vor allem von früher gibt. Da waren bestimmt nicht so viele Leute, die so eifrig fotografiert haben.

Das mit dem Museum wäre ein Traum. Von den Fotografen, also es gibt da noch so zwei oder drei. Heutzutage sagt man ja Spotter dazu. Oder Streetart Hunter. Es sind noch so zwei bis drei, die haben glaub ich ähnlich viele Bilder. Aber interessant ist, keiner hat alle. Also auch ich hab nicht alle. Und so eine Wunschidee ist dann, dass die Leute irgendwann alle ihre Bilder zusammenstellen, das Material zusammen auf einen Haufen schmeißen, und man hat dann so eine Art Graffiti Museum und kann das dort alles zentral zusammen führen. Das ist schon eine geile Idee! 

Für andere Fotografen oder Graffiti-Fans, die gerne fotografieren, was kannst du an Equipment empfehlen? Was sind gute Kameras, um Graffiti zu fotografieren?

Ich hab jetzt festgestellt, Voll-Format ist nicht so klug. Sondern es ist eigentlich viel cleverer, wenn man sich eine mittelpreisige Kamera kauft, die diesen Crop-Faktor hat. Also keinen Voll-Format-Chip, sondern verschiedene Systeme. Ich würde den DX von Nikon nehmen. Man kann dort relativ preisgünstige Objektive anschließen, die Topbrennweiten haben. Das heißt von ganz krassem Weitwinkel bis hin zu 300 mm Teleobjektiv. Man erreicht diese Brennweiten mit den kleineren Chips besser. Die Auflösung ist mittlerweile extrem hoch, also das fängt bei 20 Megapixel an. Das reicht völlig aus für den Druck. Die ist auch nicht so schwer und nicht so teuer. Da kommt man, wenn man Glück hat unter 1000 Euro. Es geht natürlich auch immer mit einer Kompaktkamera schon für 300 Euro. Man wird das dann aber sehen, wenn man das printet. Deswegen empfehle ich, wenn jemand ernsthaft Fotos machen möchte, dann sollte man mindestens im mittleren Bereich anfangen, dann hat man auch was davon.

Also eine mittelpreisige Spiegelreflex mit vielleicht zwei Objektiven für den Start.  Man kann bei den Graffitis auch kleinere Teile fotografieren, aber wenn man das ganze Werk möchte, dann muss der Winkel auch dementsprechend sein.

Genau. Da gibt es auch so kleine Zooms, die haben 10 mm bis 20 mm, das sind die kleinsten. Die sind perfekt geeignet, da hat man drei oder vier Meter Abstand und man kriegt sechs Meter drauf aufgenommen und das verzerrungsfrei. Die GoPros, das sind ja diese Action Cams. Die haben auch einen extremen Weitwinkel, der dann aber in Fish Eye übergeht. Also Fish Eye kann man machen, aber das ist diese tonnenartige Verzerrung, dann verzerrt man aber das Graffiti. Das ist dann nicht mehr die Originalproportion, die der Künstler eigentlich an die Wand gezaubert hat. Ich finde, es ist in Ordnung, sein eigenes Bild von einem Graffiti zu machen. Also meinetwegen auch nicht frontal, vielleicht von der Seite oder auch verzerrt. Das kann man machen, aber meine Intention ist immer, es zu dokumentieren und so nah wie möglich an den Farben, den Formen und den Proportionen dran zu sein. Dann kann ich natürlich so ein Fish Eye nicht nehmen oder kann ich niemandem raten. Auf der anderen Seite kann man damit wieder spannende Bilder machen. Also es hat was. Ich mach manchmal auch beides. Ich mach eine Reihe nur die Doku-Bildern am Ratswegkreisel und dann nehm ich ein anderes Objektiv und mach nochmal abgefahrene fetzige Dinger für mich. Meisten haben diese Bilder dann auch mehr Spannung oder so einen Wow-Effekt, aber die sind gerade für eine Dokumentation nicht geeignet. Auch wenn ich ein Piece abfotografiere und schneide das Tag ab, das geht nicht.

Das ist ja die Unterschrift.

Ja genau. Also ich muss es vollständig dokumentieren oder aber ich mach nur so meine WoW-Bilder. Und deswegen find ich es auch vollkommen richtig, vorher genau auf die Kamera zu schauen. Also mal links checken, rechts kucken, oben schauen, ist alles drauf, was ich eigentlich haben will und dann mach ich den Schuss.

Ja, das ist wichtig. Weil wenn man daheim merkt, dass man was vergessen hat und rennt dann am nächsten Tag nochmal hin, dann kann es schon wieder weg sein.

Richtig. Und das ist mir auch schon x-mal passiert. Da sind aufwändige Bilder und Character gemalt worden, ich bin am nächsten Tag nochmal hin, weil ich wollte nochmal sicherheitshalber ein Bild machen. Dann waren aber bereits andere Leute da und haben das gerade überstrichen. Dann dacht ich auch: Ok, das sind jetzt gerade mal 36 Stunden gewesen. Also das passiert. Es ist einfach auch flüchtig. Das heißt, wenn man da ist, dann richtig machen, dann bereut man es danach auch nicht.

Mal abgesehen von der Webseite, seid ihr gerade noch an einem anderen Projekt fleißig tätig. Ihr wollt wieder einen Print heraus bringen, aber dieses Mal kein Magazin, sondern es soll jetzt ein richtiges Buch werden und zwar über die Graffiti Geschichte des Rhein-Main-Gebiets mit einem Verlauf über mehrere Jahre.

Ja, genau. Ich glaube 1989 hab ich irgendwann mal in einem Interview, bei der Frankfurter Neuen Presse war das, da hab ich gesagt: Ja, ich suche jetzt einen Verlag und ich will unbedingt ein Buch machen! Und damals hatte ich glaub ich so 450 Bilder. Jetzt ist diese Idee wieder hochgekommen oder gereift. Ich hab mir über die letzten fünf oder sechs Jahre immer wieder Gedanken gemacht, worüber könnte man ein Buch machen, wie könnte das aussehen und mit wem könnte man das machen. Ich hab mir natürlich angeschaut, was es heute für Strukturen gibt. Also sowas wie book on demand und wie bringt man heute ein Buch raus, also per Selbstverlag. Macht man einen Eigenverlag oder geht man wirklich an einen Großverlag, das hat dann auch alles Vor- und Nachteile. Ich hab die letzten fünf Jahre auch meine alten Bilder gescannt, was sehr aufwändig war. Weil man muss sich auch einen richtigen Scanner kaufen, da kann man nicht irgendeinen nehmen. Dann muss man das nachbearbeiten, man muss das verschlagworten und ich hab glaub ich aus der alten Zeit so ungefähr 4000 Fotos. Es gibt jemanden, der hat noch mehr, aber mit dem konnte ich leider noch keinen Kontakt aufnehmen. Der sträubt sich noch. Zu dem Thema: Mit wem mache ich ein Buch. Also ja, vielleicht erwische ich den dann doch nochmal, weil der hat aus der alten Zeit auch richtig viele Bilder.

Vielleicht auch noch kurz die Geschichte, wie ich eigentlich dazu gekommen bin. Also es ist tatsächlich jetzt ganz aktuell, dass wir da dran arbeiten. Ich hab ein einfaches Fotobuch gemacht. Bei Poster XXL glaub ich, aber man kann das auch woanders machen. Aber das war mit alten ZIP und HEXA Bildern. Eigentlich für meine Familie und für mich als Erinnerung, weil wir sind mit diesen Bildern groß geworden. Ich hab damals Prints in meinem Zimmer gehabt und meine Geschwister hatten welche in Fotoalben. Ich hab dann fünf Fotobücher bestellt und das hatte jemand gesehen, der meinte: Ja komm, bestell doch nochmal welche nach. Wir haben dann zehn nachbestellt, ich hab die Dinger angeboten und jemand hat eins davon gekauft. Der Niklas. Und es stellte sich heraus, der ist nicht nur Maler, sondern der hat damals auch dokumentiert und fotografiert. Wir haben dann beide so nach einer Woche gesagt: Buch! Wollen wir nicht ein Buch machen? Es ist eigentlich Zeit, ein Graffiti-Buch über die Anfänge von Graffiti in Frankfurt zu machen. Wir haben uns dann zusammen gesetzt, haben ein Konzept entwickelt und uns überlegt, wie es aufgebaut sein soll, was wir rein nehmen möchten und was wir erzählen wollen. Da ist dann noch ein dritter dazu gekommen, der sich hauptsächlich um das Layout kümmern wird und die Printvorstufe. Jetzt sind wir sozusagen mitten drin und führen Interviews mit alten Malern und sammeln Stories und sammeln Fakten. Wenn wir was ins Buch reinnehmen, dann soll das möglichst belegt sein. Klar, wenn wir ein spannendes Gerücht mitbekommen, dann werden wir das auch reinnehmen, aber dann auch als Gerücht ausweisen und nicht schreiben, dass es so war. Das Hauptzielt sind die Anfänge von Graffiti in Frankfurt und der Region, also auch in Bad Homburg und Offenbach. Mainz ist nicht dabei, Wiesbaden auch nicht, aber der größere Umkreis um Frankfurt soll abgedeckt  sein. Wie weit wir in die Neuzeit gehen, müssen wir noch schauen, also da sind wir sozusagen noch im Scoping.

Ihr könnt euch ja irgendein Datum wählen und ab dann kommt das folgende Material in Band Nummer 2.

Das könnte man genauso machen. Im Moment sind wir noch in der Ramp Up Phase und sind jetzt so im Jahr 1992 oder 1993 gelandet. Bis dahin haben wir jetzt schon richtig viel und versuchen das so schnell wie möglich zu Ende zu bauen und auch richtig raus zu bringen.

Da freu ich mich auch schon sehr auf das Buch. Es wird ja nicht nur eine Foto-Dokumentation, da ist ja auch noch sehr viel Historik dabei. Also diese Interviews, ihr recherchiert auch richtig viel und schreibt die ganze Geschichte und Zusammenhänge mal nieder.

Es soll auf jeden Fall auch ein Buch sein, was ein Nicht-Graffiti-Insider ansprechen kann. Es soll auch verständlich sein. Also nicht  nur Insider-Gebabbel, sondern auch was für jemanden, der sich vielleicht neuerdings für das Thema interessiert und wissen möchte, wie hat das denn in Frankfurt angefangen. Der normale Leser soll sich da auch wieder finden und das verstehen können. Eines der Ziele ist auch, dass möglichst viele oder am besten alle Maler erwähnt werden. Ob jetzt die Kings, also King of Tunnel, King of Hall, King of S-Bahn oder wie auch immer, die sind natürlich dabei, aber auch die anderen sollen irgendwie Erwähnung finden. Und die Entwicklung soll natürlich beschrieben werden. Wie hat sich das von Anfang an über die Jahre entwickelt und zu was. Das sind hohe Ziele, aber wir sind dran.

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Sucht ihr da noch Unterstützung für das Buch? Braucht ihr auf irgendeine Art Mithelfende oder seid ihr noch auf der Suche nach Foto-Material?

Also man kann auf jeden Fall bei dem Buch mitmachen, so nenn ich das. Wir nehmen gerne Bilder aus der alten Zeit an. Die müsste man uns einfach nur spenden, dass wir die dann abdrucken dürfen. Wir haben dafür eine Webseite eingerichtet: www.FrankfurtGraffiti.de. Dort hat man auch eine Email-Adresse, an die man die Fotos mailen kann oder wo man uns Fragen stellen kann. Es wird auch ein nichtkommerzielles Buch, also es soll am Ende nicht irgendwie Geld bringen, sondern es soll auf Null aufgehen, wenn alles klappt. Jeder, der uns aber etwas zur Verfügung stellen möchte, sei es jetzt ein Artikel oder Bilder, der wird natürlich erwähnt im Buch als Supporter. Mehr Informationen gibt es dazu auf der Webseite. Wir freuen uns über alles, was kommt und was wir verwenden können fürs Buch, weil das ist gerade  unser Hauptziel. Wir möchten über die Frankfurter Graffiti Maler was berichten und ein derartiges Buch über Frankfurt gibt es bis jetzt noch nicht.

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