sennheiser
 

Yves Saint Laurent Museum Paris

Yves Saint Laurents Genie und sein bleibender Beitrag zur Ästhetik des Modedesigns sind unbestritten. 2014 wurde seine aufregende Lebensgeschichte verfilmt. In Paris erinnert das Yves Saint Laurent Museum an die Stätte und die Werke seines jahrzehntelangen Schaffens.

Mit starkem Willen zum Jungstar der Modeszene der 50er Jahre

Yves Saint Laurents Mutter erinnert sich, dass ihr Sohn schon mit drei Jahren so kritisch die Garderobe seiner Tante kommentierte, dass er tatsächlich vermochte, deren Kleidungsstil zu verändern. Mit 13 Jahren träumt Yves Saint Laurent (*1936) so lebhaft von einer Karriere als Modemacher, dass er Verkaufslisten zu einem imaginierten eigenen Ladenlokal am Place Vendôme anlegt und darin verzeichnet, welche Kleider er zu welchem Preis an Mata Hari und andere Prominente verkauft habe. Schon als Teenager kündigt er an, sein Name würde eines Tages in Goldgravur auf dem Champs-élysées zu lesen sein.

Von Algerien aus beteiligt er sich an einem Wettbewerb, reicht Entwürfe ein und landet mit einem Abendkleid auf einem der vorderen Plätze. Konsequent ist er seinem Traum und seinen Neigungen gefolgt. Schon 1954 kann er eine Ausbildung zum Modezeichner in der Modemetropole Paris beginnen.

Yves Saint Laurent – Erbe Christian Diors

Die Modeszene der französischen Hauptstadt wird schnell auf Saint Laurents besonderes Talent aufmerksam. Yves wird Assistent von Christian Dior. Vier Tage vor seinem Tod bittet Christian Dior überraschend Saint Laurents Mutter zu sich. Er eröffnet ihr, dass er ihren Sohn Yves zu seinem Nachfolger bestimmen wolle. Mit nur 21 Jahren sind die Träume des aus der algerischen Stadt Oran stammenden Franzosen wahr geworden: Yves Saint Laurent übernimmt die Leitung des weltweit renommierten Modehauses. Schon bald sind die Augen der Modewelt auf den jungen Modeschöpfer gerichtet.

Zuerst fliegen dem gut aussehenden Yves die Herzen von Prominenz und Adel zu. Dann erlebt er erste Enttäuschungen. Das Haus Dior nutzt den Vorwand seines anstehenden Wehrdienstes dazu, Saint Laurent nach einer weniger gut besprochenen Kollektion von seinen Aufgaben zu entbinden.

Zu einem Einsatz im Algerienkrieg kommt es dann aber nicht. Saint Laurent erleidet einen Nervenzusammenbruch und wird zeit seines Lebens nicht mehr ohne die beruhigende Wirkung von Tabletten und Alkohol leben können.

Yves Saint Laurents Beitrag zu Mode, Design und Gesellschaft

Mit den finanziellen Mitteln seines langjährigen Lebensgefährten Pierre Bergé gelingt Yves Saint Laurent ein Neuanfang unter dem eigenen Signet. Noch ohne finanzielle Sicherheiten und Rücklagen beginnt er die Arbeit in seinem Modehaus in der 5 Avenue Marceau, wo sich heute das Yves Saint Laurent Museum Paris befindet.

Als er einen Rechtsstreit gegen das Haus Dior gewinnt, stehen ihm bald finanzielle Mittel für den Ausbau seines eigenen Modeimperiums zur Verfügung. Nun nutzt er die finanzielle Freiheit und die eigene Marke, um seine Vorstellungen von zeitgemäßer Mode über mehrere Jahrzehnte erfolgreich und öffentlichkeitswirksam zu präsentieren.

Yves Saint Laurent war einer der ersten Couturiers, der seine Entwürfe außerhalb des eigenen Salons präsentierte. Im weiteren Verlauf löste er einen Trend aus, der dafür sorgte, dass Laufstege vor großem Haus, der „Catwalk“ und die moderne Fashion Show aus der Modewelt nicht mehr wegzudenken sind.

Mode wurde durch Saint Laurent zu mehr als einer Art und Weise, wie reiche Frauen sich kleiden.

Die Haute Couture wurde ein wichtiger Teil der Unterhaltungsindustrie. Ihre Repräsentanten zogen vermehrt öffentliche Aufmerksamkeit auf sich. Um Dinge zu verändern, scheut Yves Saint Laurent nie davor zurück, seinen erheblichen Einfluss geltend zu machen. Zu einer Zeit als sich die französische Vogue noch weigern will, Naomi Campbell wegen ihrer Hautfarbe auf dem Cover zu präsentieren, droht der Modeschöpfer damit, seine Werbeausgaben für Anzeigen in der Zeitschrift zu kürzen.

Seine „Ligne Trapèze“ eliminiert das durch Kleidung nachempfundene Ideal der Wespentaille. Wattierte Kostüme sind nun passé und werden dank Yves Saint Laurent von Op-Art Designs und transparenten Stoffen abgelöst. Trenchcoat und Beatnik-Look etablieren sich durch Yves Saint Laurent als neues modisches Muss.

Mit Mode, wie sie von Yves Saint Laurent erdacht wurde, verschoben sich Grenzen – auch zwischen den Geschlechtern. Yves Saint Laurent kleidete Frauen in Jacketts und Anzughosen, was ihre Feminität nur zusätzlich betonte. Mit der Kraft der Insignien des traditionell männlichen Erscheinungsbilds traten androgyn anmutende Frauen Männern auf Augenhöhe gegenüber. Es war Yves Saint Laurent, der einer emanzipierten Generation von Frauen eine modische Gestalt gab.

 

paris-ysl_12

Yves Saint Laurent Museum Paris – Ein Museum dem Modeschöpfer, Sammler und Mensch

Yves Saint Laurent war kein herrischer Despot. Seine Lieblingsmodels erinnern sich an eine öffentlich verschlossen und schüchtern wirkende Person, die im kleinen Kreis aus sich herausging und seine Freunde oft mit Scherzen zum Lachen bringen konnte. Saint Laurent sei immer offen und zugänglich gewesen und habe auch stets die Meinung der Models eingeholt, wenn sie zu Anproben seiner neuen Kollektion kamen.

Anders als damals üblich verkaufte Yves Saint Laurent nie Prototypen zum Ende eines Defilees oder verschenkte die dort getragenen Stücke an seine Models. Auch nicht die Kreationen, die in seiner spektakulären Abschiedsshow von 2002 gezeigt wurden, als er sich aus dem Haute Couture-Geschäft zurückzog.

Alle bei seinen Shows gezeigten Modelle bewahrte er auf. Heute befinden sie sich in dem Yves Saint Laurent gewidmeten Museum in Paris. Die dort ausgestellten Kleidungsstücke sind atemberaubende Zeugnisse der glamourösen Welt der Haute Couture.

Das Yves Saint Laurent Paris Museum wurde 2017 eröffnet.

In der permanenten Sammlung sind über 35 000 Exponate verwahrt: Accessoires, die Saint Laurent bei der Arbeit verwendete, Zeichnungen seiner Entwürfe, Muster der verwendeten Stoffe und Fotografien. Die Stiftung verwaltet und konserviert 7000 Kreationen der von Saint Laurent entworfenen Haute Couture, die als Eigentum der Stiftung Pierre Bergé – Yves Saint Laurent geschützt und unverkäuflich sind.

Das Museum gibt die Atmosphäre des Ateliers des Modeschöpfers akkurat wieder. Alles wurde so nachgestellt oder bewahrt, wie der Modeschöpfer es 30 Jahre lang vorfand, wenn er seine Kollektionen entwarf. Eleganz, Intimität und Liebe zum Detail prägen die Räumlichkeiten. Das Atelier wirkt, als kehre der Couturier jederzeit an seinen Arbeitsplatz zurück, um die Arbeit fortzusetzen.

Das Museum und die im Haus angesiedelte Stiftung Pierre Bergé – Yves Saint Laurent sieht sich nicht alleine als Hommage an einen der größten Couturiers des 20. Jahrhunderts. Die gezeigten Ausstellungen sollen auch zur Auseinandersetzung mit der Geschichte der Mode des 20. Jahrhunderts und der darin existierenden Traditionen der Haute Couture anregen. Um das Museum und die Stiftung zu finanzieren, wurde Yves Saint Laurents wertvolle Kunstsammlung mit Werken von so herausragenden Künstlern wie Matisse und Mondrian 2009 versteigert. Mit der Hälfte des Erlöses von über 32 Millionen Euro wurde eine Stiftung zur Erforschung von medizinischen Mitteln gegen AIDS gegründet. Mit der anderen Hälfte unterhält die Stiftung das dem Stifter gewidmete Museum in Paris.

Das Museum befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Palais Galliera, dem Modemuseum von Paris. Auf einer Fläche von 450 Quadratmetern werden ständig wechselnde Retrospektiven mit Schwerpunktthemen zu Saint Laurents Design und seinem Leben gezeigt. Es ist das einzige Museum Frankreichs, das sich ausschließlich der Arbeit eines Couturiers widmet.

In Marrakesch befindet sich das algerische Pendant zum Yves Saint Laurent Museum Paris. Yves Saint Laurent liebte seine Heimat in Algier und erinnerte sich gerne an seine Jugend in Nordafrika und die glückliche Zeit, die er dort im Kreis seiner Familie verbrachte.

Als Yves Saint Laurent 2008 an den Folgen eines Hirntumors starb, wurde seine Asche im Jardin Majorelle in Marrakesch verstreut. Yves Saint Laurent hatte den öffentlich zugänglichen botanischen Garten aus dem Erbe des französischen Malers Jacques Majorelle erworben, um ihn vor dem Verfall zu bewahren.

 

Theme developed by TouchSize - Premium WordPress Themes and Websites