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Okayama Comics & Kōraku-en Garden – [JAPAN]

[Article in English @ Vagabundler – Okayama Castle & Iconic Movie Shop]

Antike trifft auf Fiktion. Samurais auf Captain Future. Sämtliche Manga-Helden, Anime-Welten und Film-Universen spielen für diesen Artikel eine genauso wichtige Rolle wie das Okayama Castle (jap. 岡山城), die Shōgun Guesthouses oder der Kōraku-en Garden (jap. 後楽園). Wir haben historische Burgstätten besucht, waren in einem der berühmtesten Gärten der Welt und wurden dank Space Battleship Yamato in den kultigen Movie- und Comic-Fan-Shop von Shinichi Yoshomiti gelockt.

EIN PAAR INFOS ÜBER DIE STADT

Die Hafenstadt Okayama ist Zentrum der gleichnamigen Präfektur auf der Hauptinsel Honshū und liegt an der Mündung des Asahi-Flusses in die Seto-Inlandsee. Frühere Ansiedlungen und auch die gesamte Burgfestung entstanden nach 1300. Danach gab es im Inner-Japanischen viel Hin und Her zwischen einzelnen Familien und Dynastien, manches wurde zerstört und wiederum Neues dazu gebaut. Im Grunde sind über die Jahrhunderte verschiedene Herrscher eingezogen und ausgezogen – Zu Fuß oder auf der Leichentrage. Nun gut, politische Machtintrigen.

Bei einem Besuch sollte man sich auf jeden Fall die unterschiedlichen Burganlagen und das große Schloss anschauen. Mit etwas mehr Zeit kann man sich auch die ergänzenden Museen in der Stadt zu Gemüte führen. Leider sind die Texttafeln, Bildbeschreibung oder sonstige Erklärungen an den öffentlichen Informierungsorten nur bei jedem zehnten Objekt in eine andere Sprachen übersetzt (wenn überhaupt). Aber wenn man sich die Entwicklung anschaut, sich mit den Leuten unterhält und beobachtet, was passiert, dann sieht man auch, dass Japan beginnt sich nach und nach verstärkt zu öffnen. Das Land preist sich nicht gerade an oder posaunt es hinaus. Japan bleibt immer noch zurückhaltend, wie eh und je. Aber es erweist sich als höflichen, sympathischen und mitdenkenden Gastgeber, der entsprechend auf mehr Besucher mit mehr Info-Materialien und Angeboten reagieren wird.

Wir haben natürlich vom Text oder den Schriftzeichen nichts verstanden. Es waren einfach wahnsinnig tolle Figuren und alles sah eher aus wie Grafiken, wie was Gemaltes oder was interessant Mystisches. Aber man liest ja ohnehin nicht überall jeden Text oder hört nicht genau zu. Man kann sich auch nur mal auf den Seh-Sinn beschränken. Anschauen bedarf erst mal keiner Sprache und man kann dadurch schon vieles aufnehmen und verstehen. Es ist wirklich eine ganz andere Erfahrung, wenn man durch die Straßen läuft und man sieht wirklich nirgendwo eine in Sprache umgesetzte Information. Sondern nur das Optische. Also auch die geschriebenen japanischen Worte wirken wie Kunstwerke.

Zurück zum Geschichtlichen: Das heutige Industriezentrum Okayama wurde im Grunde genommen erst am 1. Juni 1889 aus mehreren Gemeinden gegründet und begann bald darauf enorm zu florieren und zu wachsen. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt aber in der Nacht vom 28. auf den 29. Juni 1945 bei einem Angriff von 138 B-29 „Superfortress“ Langstreckenbombern mit Brandbomben zu 63 Prozent zerstört. Das Stadtbild sieht demnach auch aus wie ein Flickenteppich, gemischt von Neubauten mit antiken Stätten oder ein Mischmasch aus Ruinen und Hightech. Eine der ersten und wichtigsten kulturellen Errungenschaften war die Gründung der Universität Okayama im Jahre 1949.

In die Stadtkultur samt Geschichte und Mentalität lässt sich schön in zwei bis drei Tagen hinein schnuppern und man kann gemütlich die wichtigsten Stationen abklappern. Solltet ihr mehr Zeit haben, dann bleibt ruhig eine Woche dort oder länger. Man bekommt ein besseres Gefühl für den Ort, taucht mehr in das Leben ein und die Stadt bietet eine gute Ausgangsposition für zahlreiche Ausflüge ins Umland. Für Reisende, die die Hauptpunkte in Japan bereits durch haben, ist Okayama ein interessanter Spot mit vielen vom Ausland noch wenig entdeckten Schätzen. Von unzähligen buddhistischen Tempeln oder Touren in die Natur und die Berge, zu historisch einzigartig erhaltenen Dörfchen und monumentalen Bauten, bis hin zum Küstenbereich mit Häfen, Stränden und den kleinen tollen bereisbaren Inseln.

 DAS WUNDERVOLLE MANGA-HAPPENING !!!

Als wir eigentlich am Abreisetag schon weiter fahren mussten, ergab sich noch eine kultig-fantastische Begegnung. Comic-Fans und Manga-Kenner werden das Nächste sicherlich verstehen. Wir wurden mit den großartigsten Animes in erster Fassung, Drehbüchern auf Japanisch und einer Fülle an einzigartigem Filmmaterial und krass-passioniertem Sammelsurium überrascht (und auch beschenkt). Durch Zufall sind wir in einer Seitengasse auf den Laden „Movie Adventure Shop“ von Shinichi Yoshitomi gestoßen. Lesen konnten wir den Namen nicht, das wurde uns später mitgeteilt, aber die Comics und vor allem der Originalsoundtrack von Battleship Yamato haben uns dann gleich reingelockt und wir entdeckten eine kleine Goldgrube mit Sammlerschätzen aus 40 Jahren Film- und Comicgeschichte. Am Ende haben wir den Laden mit vollgestopften Taschen verlassen…. Shinichi hatte uns wieder und wieder Sticker, Hefte, Bücher oder Moviebooks in die Hand gedrückt. Das meiste speziell bedruckte oder signierte Unikate, einfach wirklich sehr coole und tolle Dinger, im Sammlerwert von ich weiß nicht was. Einfach so… nach etwas Gespräch mal so in die Hand gedrückt…. „Souvenirs for some real Movie Lovers“, waren seine Worte. Wir waren baff!!! Hammers!!!

Hier ist der Beitrag von Facebook, den ich am Abend einfach posten MUSSTE:Ich flipp hier gleich komplett aus …. :-). Comic-Film-Kult-Wahn! (Nichtkenner, werden mit dem Post hier jetzt nicht viel anfangen können). Aber: In einer kleinen Seitengasse in Okayama im Aushang eines unscheinbaren Ladens prangerte der 70er-Jahre Soundtrack von Space Battleship Yamato als Original LP. Muss ich haben! Nach kurzem Gespräch mit dem Besitzer, der seinen Laden liebevoll über 40 Jahre bis obenhin mit sämtlichem coolen Zeug rund um die gute Filmgeschichte vollgestopft hat, legte er beim wirklichen Spottpreis noch unzählige Filmbücher, Sticker und Filmplakate mit drauf …. Vielleicht haben meine Augen auch so geleuchtet, als ob ich gern den ganzen Laden mitnehmen wöllte. .. Aber nach etwas Unterhaltung und Fragen über meine Lieblingsfilme, packte er dann nochmal ein paar Knaller drauf … „As a present for a lover of good movies“. Auf einmal geht er in einen Hinterraum, kommt nach etwas Herumkramen  wieder und drückt mir noch die Filmbücher (auf japanisch) von „Odyssee 2001“, „Prinzessin Mononoke“, „Chihiros Reise ins Traumland“ und „Rückkehr der Jedi-Ritter“ in die Hand. Wow! Thank you Shinichi Yoshitomi !!!!

Natürlich haben wir den Herren auch interviewt. Über seinen Laden, seine Passion zur Kult-Welt, zu Prinzessin Mononoke, Bruce Lee und Chihiro. Soweit es die sprachlichen Barrieren zuließen…. aber wir haben uns auch so verstanden.  Shinichi ist einfach Klasse und seine Sammlung der Wahnsinn. Sollte man auf das Zeug stehen und in der Nähe sein, dann schaut dort vorbei, der Laden bietet ein außergewöhnliches Sortiment. Besitzer Shinichi könnte natürlich sämtliches auch im Internet verkaufen und eine ganze Stange Geld damit machen. Will er nicht. Die Sachen müssen mit Herz und Passion gewürdigt werden. Das kann man nicht so einfach bezahlen oder kaufen. Dieser „Laden“ ist eigentlich viel mehr als nur ein Geschäft und mit den gewöhnlichen Kaufhäusern nicht vergleichbar. Cooler Kerl! Er liebt seinen Shop, sein kleines Paradies. Und Shinichi gibt seine gesammelten Schätze eben lieber auch an „Wertschätzende“ weiter.

SPAZIERGANG IM KŌRAKU-EN GARDEN

Zurück zur Historik, den Sehenswürdigkeiten und dem Schloss. Krähenburg wird die gesamte Wehranlage an der Flussstelle im Zentrum auch genannt. Okayama ist eine alte Burgstadt, deren gleichnamige Burg Okayama aus dem 14. Jahrhundert stammt. Von 1603 bis 1868 residierten die Daimyō hier, ein Zweig des Ikeda-Klans, die zu den Großen Shōgun in der Edo-Zeit gehörten. Lang wurde immer wieder verteidigt und residiert, schließlich fiel das Bauwerk den Bomben der Neuzeit zum Opfer.

Die im Pazifik-Krieg zerstörte Burg wurde möglichst originalgetreu und mit viel Aufwand aus Beton wieder aufgebaut. Neben dem Burggelände befindet sich auch ein fürstlicher Garten, der auf jeden Fall einen Besuch Wert ist. Der für eine Stadtgrünfläche großflächig angelegte Kōraku-en gehört zusammen mit dem Kairaku-en und dem Kenroku-en zu den „Drei berühmten Gärten Japans“ (jap. 日本三名園 Nihon Sanmeien). Herrscher Ikeda Tsunamasa (1638–1714) beschloss 1686 einen Garten gegenüber seiner Burg auf der anderen Seite des Flusses Asahigawa anzulegen, der dann nach 14 Jahren, also 1700, fertiggestellt wurde. Seit 1871 wird der Garten Kōraku-en genannt, nach der zweiten Hälfte eines alten chinesischen Vierzeichen-Spruches: zen’yū kōraku (先憂後楽), „Erst Mühe, dann Vergnügen“. Zum Entspannen und Spazierengehen ist die kleine Oase im Stadtzentrum wirklich ideal. Wir waren Ende Januar dort, daher war der Bewuchs eher spärlich, dennoch ist es ein wunderschönes Areal. Man sollte den Garten aber im Frühjahr oder Sommer besuchen, wenn alle Blumen, Bäume und Pflanzen in sämtlichen Farben blühen.

PLACE TO STAY – EIN PAAR TIPPS VON UNS

Auf den gängigen Internetseiten findet man bei den Unterkünften hauptsächlich Hotels, Motels oder Bed&Breakfast Angebote. Also alles immer noch in diesem Pauschal-Tourismus-Hotel-Stil. Von relativ teuer bis super teuer. Es hat sich jedoch in den letzten Jahren gemacht und ist bezahlbarer geworden. Die Hostels sind in Japan noch nicht wirklich angekommen und der Tourismus für nicht Business-Reisende oder im billigeren Segment baut sich auch erst langsam und schleppend auf. Dafür gibt es andererseits Kapsel-Hotels, die auf japanische pragmatische Art und Weise die Vereinfachung von Zeit und Business-Luxus bezahlbar machen. (Die Fotos sind nicht vom Kapselhotel, sondern vom Torii-Kuguru Guesthouse).

Trotzdem entstehen nach und nach alternative Unternehmen und Hostels, aber viel interessanter sind jedoch die sehr familiär und heimisch gehaltenen Guesthouses, die eigentlich schon am längsten überhaupt bestehen. Das sind wirkliche japanische Unterkünfte, oder das was diesem am nächsten kommt. Mit Ryokan (jap. 旅館) und manchmal auch Onsen (jap. 温泉, eine Art Sauna. Jedem wie es beliebt. Ein wirkliches Hostel findet man im Kamp Houkan-Cho Backpacker’s Inn & Lounge (Adresse: 3-1-35 Hokancho, Kita-ku, Okayama 700-0026, Okayama Prefecture – TRIPADVISORBOOKINGHOSTELWORLD). Wir empfehlen aber unsere Unterkunft, das Torii-Kuguru und generell die erwähnten Guesthouses. Besser kann man beim urlaublichen Übernachten und kurzfristigen Wohnen nicht in die japanische Kultur eintauchen. Die Besitzer und Personen, die dort arbeiten sind oft keine Hotelangestellte, sondern Eigentümer, die historische Stätten, renovierte frühgeschichtliche Gebäude oder auch nur ihre eigenen Wohnflächen mit Reisenden teilen. Und meistens, weil sie dies gern und gezielt machen, kulturell informieren möchten und auch etwas japanische und lokale Kultur näher bringen wollen. Natürlich nicht kostenlos, aber es geht dabei um mehr, als nur die Geldeinnahme. Die Gäste kommen bisher noch zum Großteil aus Japan oder Asien. Umso interessanter für einen interkulturellen Austausch.

INFOTHEK

Shinichi Yoshitomi´s „Movie Adventure Shop“

   Adresse:  Hokan-cho, Okayama-shi, Kita-ku, Okayama, Okayama, 7000026, Japan
    Geöffnet:   Mo  – Sa   //   12h – 19h
   Location:  Google Maps
   Email:   yoshitomi@mx3.tiki.ne.jp
   Telefon:  (+81) 086 252 7606  ///  (+81) 090 1332 5588
   Article in English:   Shinichi Yoshitomi @ Vagabundler

 

Guesthouse Torii-Kuguru

  Adresse:  4-7-15 Hokan-cho, Okayama-shi, Kita-ku, Okayama, Okayama, 7000026, Japan
  Location: Google Maps
  Onlinebuchung:  Tripadvisor  //  Booking  // Expedia  //  Agoda  // Hotels

 

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