Jerusalem – Heilige Stadt und Pilgerstätte für Juden, Moslems und Christen
 

Israel – Teil 2: Jerusalem – Heilige Stadt im Stacheldraht

Nach meiner Ankunft in Israel verbrachte ich einige Tage im bunten Tel Aviv. Meine mulmigen Gefühle bezüglich der Sicherheit wurden von dieser quirligen Stadt weggewirbelt. Umso gespannter war ich, was mich in Jerusalem erwartet. Liest man doch in Medienberichten immer wieder von Anschlägen in der heiligen Stadt.

In Israel ist Frühstück, wie vieles andere auch, heilig

In Israel ist Frühstück, wie vieles andere auch, heilig

Israel ist ein sicheres Land, sagt sie

Kurz nachdem wir in unserem Minibus Tel Aviv verlassen, wird mein Magen immer flauer. Erst denke ich, es liegt am reichhaltigen israelischen Frühstück in Verbindung mit dem rasanten Fahrstil unsres Guides Uri. Erst als Guide Camilla sich zu uns umdreht und erklärt, dass links und rechts von uns palästinensisches Hoheitsgebiet ist, vermute ich, dass es an den Unmengen an Stacheldraht und den hohen Mauern liegt.

Israel sei ein sicheres Land, sagt sie, aber seit einigen Jahren würden immer wieder Bomben auf die Straße geworfen, da müsse man sich eben schützen. Bomben, sich vor echten Bomben schützen müssen – das kenne ich nicht aus meinem sicheren Deutschland. Die Leichtigkeit Tel Avivs ist verflogen.

Wir geraten in einen Stau und ich bemerke, oder mein Schisser-Ich meint zu bemerken, dass die hebräische Unterhaltung unserer Guides immer angespannter wird. Es sei ein Unfall, meint Camilla irgendwann etwas zu heiter. Als wir tatsächlich eine Auffahr-Unfallstelle passieren, entspannt sich meine Atmung. Und ich meine, es geht nicht nur mir so.

Jerusalem vom Hügel aus

Hier ist alles heilig

In Jerusalem angekommen, betreten wir wieder eine andere Welt. Alte, ehrwürdige Gemäuer, Grüppchen an, primär asiatischen, Pilgern und das Gefühl: hier ist alles heilig.

Vor dem Tor der historischen Altstadt teilen wir uns einen „Jerusalem Bagel“, den wir in eine Salz-Kräuter-Mischung dippen – laut Camilla sind wir nach diesem kleinen Ritual für immer als Freunde verbunden.

Jerusalem Bagel

Wir besuchen den Raum des letzten Abendmahls, den Sarg König Davids und unzählige weitere heilige Orte an denen wundersame und denkwürdige Dinge geschehen sein sollen. So viele, dass ich mir gar nicht alle merken kann.

Schon seit jüngster Kindheit kenne ich die Geschichten, die sich hier laut Überlieferungen ereignet haben. Insgeheim warte ich darauf, dass unser Guide uns zeigt, aus welchem Fenster Rapunzel ihr Haar herabgelassen hat und in welchem Haus der große, böse Wolf die Großmutter verschlang. Es ist surreal.

Der jüdische Teil der Altstadt wirkt wie ein Freilichtmuseum. Alles ist sauber, ordentlich beschildert und an jeder Ecke stehen Wachen. Überhaupt ist das Militär sehr präsent. Irgendwann erklärt Camilla, dass die meisten Uniformierten Touristen seien.

Schnitzeljagd

Genau genommen Jugendliche im, in Israel obligatorischen, Militärdienst, die hier her geschickt wurden, um die Kultur ihres Landes aufzunehmen. Ziel ist es, ihre Verbindung mit dem Land stärken, das sie beschützen sollen. Tatsächlich fällt mir auf, dass die meisten neben den Gewehren mit Papier und Stiften bewaffnet sind. Sieht verdächtig nach Schnitzeljagd aus. Verrückt.

Klagemauer

Am Fuße des Tempelbergs liegt die Klagemauer, an der Scharen, Geschlechter getrennt, im Gebet vertieft, der Mauer ihren Kummer anvertrauen. Die einen hinterlassen kleine Zettel in den Fugen, andere tränken die Steine mit ihren Tränen.

Für mich, die ich wenige Berührungspunkte mit Religion habe, ist das Bild befremdlich. Unter strahlend blauem Himmel stehen verzweifelte Menschen, schluchzen und beten. Es scheint sehr emotional für sie zu sein. Ein wenig schäme ich mich, Fotos von diesen scheinbar sehr intimen Momenten zu machen. Ich versuche mir vorzustellen, wie es ist, so sehr mit seinem Glauben verbunden zu sein. Ich schaffe es nicht. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich das gut oder schade finde. Jedenfalls bin ich fasziniert.

Klagetauben

Wo die Menschen klagen sitzen zwei Tauben neben einem Herz aus Grün.

Der Kreuzweg verläuft durch den muslimischen Teil der Altstadt – von Museumsflair keine Spur. Wären da nicht die religiösen Souvenirs der verschiedensten Spielarten, man würde meinen, man sei in einer wunderschönen aber austauschbaren arabischen Altstadt oder auf irgendeinem x-beliebigen Basar.

Neben Trockenobstständen und Imbissbuden türmen sich goldene Kreuze, Mini-Menoras, kitschige Heiligenbilder und bunte T-Shirts mit Aufdrucken wie „SuperJew“ und „PikaJew“.

Golgatha gibt es nicht mehr. Von Pilgern abgetragen.

Ehemals Golgatha

Religiöses Zentrum des multireligiösen Ballungsgebiets Jerusalem ist die Grabeskirche, die auf Golgatha, dem Hügel auf dem Jesus gekreuzigt wurde, errichtet wurde. Christen, Juden und Moslems haben jeweils ihre eigenen Altare, Reliquien und Gebetsräume untergebracht.

Zwischen all den Heiligtümern, auch ein Wenig Normalität

Wie die Grabeskirche eine Verdichtung Jerusalems ist, ist Jerusalem eine Verdichtung Israels und somit der ultimative religiöse Schmelztiegel. Alles ist eins und doch so verscheiden. Und intensiv ist die Stadt. Ich bin wie in einen Bann gezogen, durch die pompösen Bauten, die Geschichtsträchtigkeit der Orte, aber vor allem durch die Menschen, die ich hier erlebe. Im Gebet versunkene Gläubige, stauende Pilger und kontaktfreudige Verkäufer. Es tut gut zwischen all den Heiligtümern auch ein Wenig Normalität zu sehen, wie spielende Kinder, Menschen beim Essen oder einen ganz unsakralen Burgerladen.

Nachdem wir die Altstadt verlassen, schlendern wir noch durch ein Einkaufszentrum. Auch das ist Jerusalem – mondänes Shoppen. Schön so ein Freiluft-Konsumtempel. Vor allem die vielen kleinen Kunststatuen, lassen mich lächeln. Speziell, die in der Mutti scheinbar ihr glückseliges Kind in die Tonne schleudert.

Leider ohne das Nachtleben erkundet zu haben, fahren wir nachmittags wieder ab, Ich höre Musik vom Smartphone, um auf der Rückfahrt etwas Kopfraum zu bekommen und die vielen Eindrücke des Tages zu verarbeiten.

Wieder die Mauern. Wieder der Stacheldraht.

Jerusalem ist eine beeindruckende Stadt. Sorge um meine Sicherheit hatte ich nicht, aber die überraschende Leichtigkeit Tel Avivs war hier auch nicht zu finden. Durch die Bedeutsamkeit des israelischen Hauptstadt schwingt auch das Begehren an diesem Ort, das so viele verschiedene Gruppen haben. Geschichtlich gesehen ist da Konflikt vorprogrammiert. Das spürt man.

Tatsächlich war die Stadt nicht annähernd so gut besucht, wie ich es vermutet hatte. Diese Stadt ist eine der wichtigsten Pilgerstädte für drei große Religionen – da erwartet man menschengeflutete Straßen und Plätze. Vielleicht ist das das subtilste Zeichen für die Angst der Menschen.

Im nächsten Teil durchfahren wir wieder palästinensisches Grenzgebiet, denn es geht ans Tote Meer.

 

Mehr über Tel Aviv könnt ihr im ersten Teil erfahren.

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