Israel – Teil 1: Tel Aviv – Stadt, Strand, Genuss

„Nach Israel? Oh wow – klingt spannend! Bist Du denn dort sicher?“ So, oder ähnlich reagierten meine Freunde, wenn ich erzählte, dass ich zum Tel Aviv Marathon reise, um darüber zu berichten. Vor keiner anderen Reise wurde ich so oft gebeten, mich regelmäßig zu melden. Ich muss zugeben, dass auch ich nicht ganz sorgenfrei war.

Ich bin manchmal ein Schisser. Kurz überkam mich sogar eine kleine Spontanpanik und ich hätte den Trip gerne abgeblasen. Zum Glück habe ich mich schnell wieder beruhigt, denn ich hätte eine der schönsten und eindrucksvollsten Reisen meines Lebens verpasst.

Mein Abenteuer beginnt um 4:30 Uhr Morgens mit dem Weg zum Flughafen im schweinekalten Berlin. Egal wie oft man vorher auf den Wettbericht schaut, es ist schwer, sich vorzustellen, dass man in ein paar Stunden im T-Shirt unterwegs sein wird, wenn man grade den Koffer durch grauen Schneematsch zieht.

Um kurz nach 7 Uhr, als es grade hell wird, heben wir ab. 3,5 Stunden später steige ich aus dem Flieger, werde von der israelischen Mittagssonne geblendet und ziehe sofort meinen Pulli aus.

Bevor ich nach Tel Aviv darf, muss ich an der Passkontrolle einige Fragen beantworten. Ein wenig erinnert mich das Prozedere an die Einreise in die USA. Statt eines Stempels in meinem Pass erhalte ich ein kleines Kärtchen, auf dem meine Passdaten und mein Foto gedruckt sind. Eine Maßnahme die durchgeführt wird, weil einige Länder einen Stempel aus Israel als Grund ansehen, jemanden nicht einreisen zu lassen.

Der Fahrer, der mich zum Hotel bringt, ist ein gemütlicher, rundlicher Israeli. Er berichtet mir von seinem Bruder in England, seinem Besuch nach Berlin und den nie enden wollenden Baustellen in Tel Aviv. Er liebt das Reisen und träumt davon, mit seiner Frau eine Tour durch Kanada und die Staaten zu machen. Aber das ist sehr teuer. Bis dahin schaut er sich Reiseberichte im Internet an und lässt sich bei den Flughafentransfers Geschichten aus der weiten Welt erzählen.

 

 

Kaum angekommen grabe ich meine Laufsachen aus dem Koffer und flitze zum Meer. Meine Sorge, dass es nicht sicher sein könnte, alleine laufen zu gehen, ist verpufft. Entlang der Promenade und dem Strand tummeln sich Läufer, Surfer, Jugendliche, Familien, spielende Hunde.

Nach ein paar Metern ziehe ich meine Schuhe aus, und laufe, zum ersten mal seit Jahren, barfuß im Sand. Das Wasser spült immer wieder über meine Füße und ich kann nicht anders als vor Glück zu quietschen. Ich fühle mich frei.

Es ist Ende Februar und trotz der Wärme kommt die Dunkelheit schon kurz nach 17 Uhr und mit ihr mein Hunger. Zum Abendessen geht es mit ein paar anderen Journalisten und zwei Mitarbeitern der israelischen Tourismusbehörde in die Altstadt Jaffa.

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Das „Abrage“ ist in einem alten Häuschen und liegt in einer malerischen Altstadtkulisse. Die bunte Beleuchtung lässt das Restaurants neben dem hellen Stein der umliegenden Gebäude unübersehbar lebendig leuchten.

 

Gegessen wird alles, was die israelische Küche hergibt. Viel Orientalisches, viel aus dem Meer und dazu Weißwein aus den Bergen Jerusalems. Camilla, unser israelischer Guide, erklärt mit leuchtenden Augen die Vielfältigkeit der lokalen Speisen.

Wie schon der Flughafenfahrer teilt auch sie mit großer Leidenschaft die Geschichte ihres Landes. Eine Nation zusammengesetzt aus Menschen verschiedenster Herkunft. Jeder bringt sein Stückchen mit und fügt es in das Mosaik ein, das Israel ist. Das gilt auch für das Essen.

Die Nacht beende ich auf der Dachterrasse des Hotels mit dem Blick über die leuchtende Stadt.

 

Am nächsten Morgen werde ich vom Geschrei kämpfender Katzen geweckt, die auf dem Dach vor meinem Fenster ein Duell austragen. Ich würde mich ja ärgern, schon um kurz nach 6 Uhr geweckt zu werden, aber ich kann nicht. Die Sonne schwimmt sanft in mein Zimmer und ich habe nur noch einen Gedanken: Ich will ans Meer – laufen.

 

Naiv erwarte ich, die frühen Stunden für mich alleine zu haben, doch schon auf dem Weg zum Strand komme ich an einem Freiluft-Fitnessstudio vorbei, in dem fleißig geturnt wird. Später erzählt mir unser Guide, dass das hier völlig normal sein. Ich könne auch nachts um 2 Uhr vorbei kommen. Irgendwelche Verrückten hängen immer in den Geräten, oder laufen die Promenade entlang.

„Tel Aviv is the nonstop city“ erklärt mir Mira Marcus, International Press Director der Stadt. Jerusalem mag die heilige Stadt sein, doch Tel Aviv ist der Motor Israels. Hier ist immer Betrieb. Es wird gesportelt, gearbeitet, gefeiert und dann noch etwas gefeiert.

Zentrum der Lebhaftigkeit ist der Rothschild Boulevard. In dieser Straße hat sich die Startup-Szene Israels angesiedelt. Und nach der Arbeit fallen die Gründungshungrigen direkt in die vielen Restaurants und Bars, die sich hier dicht aneinander tummeln.

Im Kontrast zu den modernen Bauten der Innenstadt Tel Avivs steht die Altstadt Jaffa.

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Auf dem Hügel neben den Hochhäusern liegt ein kleiner Park und neben ihm eine Künstlersiedlung. Um Anwohner in die einst verrufene Gegend zu bekommen, wurde Künstlern eine spottgünstige Miete angeboten. Einzige Bedingung: Sie durften nur dort wohnen, wenn sie auch ihre Ateliers im selben Gebäude anlegten.

Inzwischen ist der Künstler-Hügel eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Ein besonderes Highlight ist das Zuhause und Museum der israelischen Künstlerin Ilana Goor.

Für ein echtes Highlight zum Mittagessen lohnt sich der Besuch bei „Dr. Shakshuka„. Shakshuka ist eine würzige Tomaten-Zwiebelsoße, in der auf heiße Flamme, Eier gekocht werden.

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Wer, wie ich, wuselige Märkte liebt, wird auf dem Carmel Market glücklich. Eine endlos scheinende Straße lang stapeln sich Obst, Backwaren, Spielzeug und allerlei Kuriositäten.

Ebenfalls empfehlenswert ist der Farmers Market, eine Markthalle am Hafen von Tel Aviv. Hier türmt sich eine Leckerei an die nächste und wer etwas Zeit hat, kann im Restaurant lokale und internationale Spezialitäten schlemmen. Selten habe ich so ein himmlisches Risotto gegessen.

Von dort aus läuft man auch nur ein paar Minuten am Pier entlang, und schon ist man am Strand. Auch im Februar und März kann man schon ins Wasser. Man sollte aber vorsichtig sein, denn um diese Jahreszeit sind die Strömungen besonders stark und noch kaum Coastguards aktiv.

Und ja, es ist bitterkalt! Ich fand es trotzdem super!

Wer es beheizt mag oder im Salzwasser 50 Meter-Bahnen schwimmen möchte, kann das im stets gut besuchten Gordon’s Pool tun. Das ovale Freibad an der Strandpromenade stammt noch aus den Fünfzigern, wurde aber vor einigen Jahren saniert. Den Flair konnten sie erhalten. Ein wenig fühle ich mich wie in einem alten Hollywoodfilm.

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Tatsächlich ist in Tel Aviv scheinbar immer und überall etwas los. Was sich auch an den stets dicht befahrenden Straßen zeigt. Wer dem Trubel entkommen will, kann sich unkompliziert ein Tel-O-Fun-Bike leihen und durch den HaYarkon Park radeln. Es fühlt sich fast an wie im Central Park in New York, wenn man die Hochhäuser hinter den Hügeln aufragen sieht.

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Tel Aviv ist eine großartige Stadt für alle, die Gewusel, buntes Leben, gutes Essen und das Meer lieben. Und Angst hatte ich tatsächlich keine Sekunde.

Die Angst kam erst, als wir einen Ausflug nach Jerusalem machten. Aber das ist ist eine andere Geschichte. Und die gibt’s im nächsten Teil.

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