erLebe Malta | Rabat. Das bezaubernde Aschenputtel

Rabat ist in meinen Augen der authentischste, entspannteste und bezauberndste Ort auf ganz Malta. Er liegt, wie die Schwesternstadt Mdina, auf dem einzigen Berg der Insel und wirkt allein dadurch schon etwas erhaben.

Erhabenheit darf hier aber nicht missverstanden werden. Würdevoll, ja… aber keineswegs überheblich. Im Gegenteil – Rabat besticht gerade durch eine ganz besondere Form der Bodenständigkeit. Und das obwohl die Stadt über immense Kulturschätze und eine reichhaltige Geschichte verfügt.

 

Rabat

Die St. Paul Parish Church ist nur eines der großen Geschichtsvermächtnisse in Rabat

 

Rabat – die bescheidene Schwester der mächtigen Mdina

Rabat gehörte ursprünglich zur ehemaligen Hauptstadt Melita, von der aus sich der gesamte Handel der Insel erstreckte.

Als 904 nach Christus die Araber Malta für sich einnahmen, modelten diese die Hauptstadt innerhalb weniger Jahre um. Sie gruben einen tiefen Graben und zogen hohe Mauern, um sich künftig besser gegen Angreifer schützen zu können. Die Hauptstadt beschränkte sich fortan auf das, was innerhalb der Mauern lag und eben darein flossen auch die Mittel.

Die verkleinerte Hauptstadt hieß ab sofort „Mdina“, wörtlich übersetzt: „Die von Mauern umgebene Stadt“. Die Stadt außerhalb der Mauern wurde „Rabat“ genannt, was einfach nur „Vorort“ bedeutet.

 

Das Gate zu Maltas ehemaliger Hauptstadt Mdina. Hier erfahrt ihr mehr zu Maltas Geschichte und darüber, wie alles begann… Einen Link zum Artikel findet ihr am Ende dieser Seite

 

Während die prestigeträchtige Hauptstadt Mdina seinerzeit als Residenz weltlicher und geistlicher Herrscher genutzt wurde, konzentrierte sich die verstoßene Schwester Rabat auf Handel und Gewerbe. Irgendwoher musste der Luxus ja kommen, den die Hauptstädter munter verprassten.

Das ist in etwa so wie bei Aschenputtel. Die musste auch Erbsen aus der Asche picken während ihre Schwestern sich für den Ball schick machten.

 

Spuren des Schiffsbrüchigen Apostel Paulus – Missionarsarbeit zwischen unterirdischen Grabstätten

Trotz des traurigen Loses der verstoßenen Vorstadt verfügt Rabat über immense kulturelle Schätze. So spielt zum Beispiel der Apostel Paulus eine wesentliche Rolle für die Stadt.

Paulus von Tarsus gilt als einer der ersten Theologen des Christentums und war ein erfolgreicher Missionar. Im Jahre 60 nach Christus wurde er als Gefangener von Palästina nach Rom transportiert und erlitt dabei Schiffsbruch. So strandete er auf der Insel Malta und begann hier seine erfolgreiche Missionierungsarbeit.

Weil das aber zu dieser Zeit nur undercover ging, trafen sich die ersten maltesischen Christen in den unterirdischen Katakomben. Diese dienten damals eigentlich als Begräbnisstätten und später, während des zweiten Weltkrieges, als Bombenschutzkerker.

 

 

Rabat

St. Pauls Catacombs in Rabat. Hier fanden die ersten geheimen Christentreffen statt

In der Anlage der St. Pauls Catacombs könnt ihr die unterirdischen Gräber, inklusive beeindruckender Grabmäler und Gedenkstätten, besichtigen. Weitere Katakomben findet ihr in der gesamten Stadt verteilt, meistens unter den kleinen Kirchen und Kapellen, von denen es hier nur so wimmelt. Einfach mal reingehen und fragen.

Die größte und bekannteste Kirche Rabats ist die St. Pauls Church, die mitten auf dem Marktplatz steht. Schaut da auf jeden Fall rein: Beeindruckende Gemälde, unter anderem von Stefano Erardi, stellen Szenen aus Paulus Zeit auf Malta dar.

 

Rabat

Die riesige St. Pauls Church ist in Rabat nicht zu übersehen. Der Eintritt ist kostenlos!

 

Unter der Kirche liegt Rabats ganz großer Stolz: Die St. Pauls Grotto. Hier soll der Heilige Paulus nach seinem Schiffsbruch gelebt haben. Die Paulusgrotte kann allerdings nur durch das danebenliegende Wignacourt Museum erreicht werden.

Das Wignacourt Museum verfügt übrigens auch über einen wunderschönen Orangengarten, indem ihr super lecker Essen und Kaffee trinken könnt – selbst wenn ihr keinen Eintritt fürs Museum bezahlt habt.

 

Gutes Essen auf Malta? Rabat ist foodwise der beliebteste Ort der Malteser

Hand aufs Herz – an die maltesische Küche muss man sich schon gewöhnen. Der übermäßige Tourismus schlägt sich leider nicht nur in der Auswahl auf maltesischen Speiskarten, sondern oft auch in der Qualität der Gerichte nieder. Zumindest in den Hotspots der Insel. Aber nicht so in Rabat.

Unter Einheimischen gelten Rabat, Mdina und die Nachbarorte Dingli und Mgarr als die Places to be, wenn es um gutes Essen geht. Wirklich schlechte Restaurants findet man hier oben kaum.

 

Rabat

Typische Straße von Rabat. In diesen Gassen verstecken sich die besten Restaurants der ganzen Insel

 

Wer keinen großen Hunger hat, sollte zumindest den maltesischen Nationalsnack probieren: Pastizzi. Das sind kleine Blätterteigtaschen, die mit Käse, Erbsenpaste oder Hühnerfleisch gefüllt sind. Zugegeben, die kriegt man auf ganz Malta für ca. 30 Cent an jeder Straßenecke. Wer aber das Königspastizzi, das Meisterwerk der maltesischen Backkunst probieren möchte, der ist in Rabat genau richtig.

Chrystal Palace ist der berühmteste Pastizzi-Store der gesamten Insel. Was wie ein 5 Sterne Hotel klingt ist ein ca. 30qm großer, etwas heruntergekommener Straßenladen, indem sich fast ausschließlich zeitungslesende Männer aufhalten. Dem Genuss tuts keinen Abbruch!

 

Die leckeren Pastizzi sind Maltas beliebtester Straßensnack

 

Wer von einem kleinen, noch so guten Snack dann doch nicht satt wird, der geht einfach 10 Meter weiter und holt sich ein grandioses Sandwich oder einen Delikatessenteller bei Ta´ Doni. Alles bio, regional und fair. Auch die Preise. Mein absoluter Geheimtipp!

 

Rabat vs. Mdina – Welche Stadt hat mehr Charme?

Wer das Hochplateau im Landesinneren von Malta erst einmal erklommen hat, der wird natürlich direkt von den beeindruckenden Stadtmauern Mdinas und ihrer prachtvollen Schönheit angezogen. Rabat gerät da oftmals in den Hintergrund.

 

Maltas alte Hauptstadt Mdina, wie sie hoheitlich auf dem Hochplateau ruht

 

Dabei wird die kleine Schwester der ehemaligen Hauptstadt gehörig unterschätzt! Rabat ist wie die etwas mollige beste Freundin des schönsten Mädchens aus der Schule. Oder eben wie Aschenputtel aus den Grimm-Märchen.

Die wahre Schönheit entdeckt man erst dann, wenn man sich die Mühe gemacht hat sie zu suchen. Aber hat man sie dann schließlich gefunden, stellt sie alles andere in den Schatten.

Und so wie sich der Prinz letztendlich in Aschenputtel verliebte, habe ich mich in Rabat verliebt. Rabat wird dem ursprünglichen Namen der Insel meiner Meinung nach am allerbesten gerecht: „Malet“, der Zufluchtsort. Mein absoluter Place to be!

 

Mehr über Maltas Geschichte und Mdina, „Die Stadt der Stille“, erfahrt ihr in unserem Artikel >>erLebe Malta | Mdina. Wie alles begann…<<

Maltas neue Hauptstadt Valletta könnt ihr hier kennen lernen: >>erLebe Malta | Valletta. Eine Stadt der Superlative<<.

Von Rabat aus gelangt man übrigens auch super schnell in die Buskett Gardens, Maltas einzigem Wald. Auch die nahe gelegenen Dingli Cliffs solltet ihr auf keinen Fall verpassen!

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