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Thessaloniki – Eine Stadt gebaut auf fünf Städten

[ Article in English @ Vagabundler: http://vagabundler.com/greece/thessaloniki-city-report ]

Im Grunde ist es egal, zu welcher Jahreszeit man nach Thessaloniki geht. Ok, im Winter kann man nicht unbedingt im Meer schwimmen,  aber diese Stadt bietet einfach eine wunderbare Kombi an allen wichtigen Zutaten für einen interessanten Aufenthalt und eine insgesamt angenehme Lebensqualität. Ich könnte mir auf jeden Fall vorstellen, für einige Monate oder Jahre dort zu leben. Das Essen ist fantastisch, die Leute sind cool, sympathisch, sozial und aufgeschlossen. Aber natürlich immer noch auf gewisse Weise stur und temperamentvoll, aber meistens in einem positiven Sinn.  Die zweitgrößte Stadt Griechenlands im Nordosten des Landes steckt voller Energie und bietet etwas für jeden. Antike trifft auf Moderne, Vergangenheit und Gegenwart zeigen sich überall gleichzeitig, ob in der Architektur, der Kunst oder dem Nachtleben.

Aus Altem und Neuem entstehen frische Synergien, aber ohne dabei Elemente zu vergessen oder in einander aufzulösen, alles bleibt erhalten. In Thessaloniki konnten wir interessante Leute treffen, die uns innovative Ideen zeigten, in welche Richtung die griechische Kultur gehen kann. Wir waren in erstaunlichen und unterhaltsamen Nachtclubs, einer befindet sich beispielsweise in einem hunderte Jahre alten Hamam. Ein weiterer angesagter Club ist nach der deutschen Hauptstadt Berlin benannt und eifert der dortigen Szene nach. Und nicht zu vergessen, das Essen ist einfach super.

Kulturinteressierte und Historikfans kommen in Thessaloniki auf jeden Fall auf ihre Kosten. Überall in der Stadt finden sich Ausgrabungen, Denkmäler und Ruinen aus vergangenen Zeiten. Auf dem Hügel befindet sich die Altstadt mit der großen Burganlange und der alten Stadtmauer. Zwischen Apartmenthäusern und modernen Gebäuden stehen Überreste aus der mazedonischen Zeit, von den Römern, den Byzantinern, den Osmanen, aus dem Balkankrieg und dem Ersten Weltkrieg sowie der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg. Es gibt hunderte Kirchen und verschiedene Museen zu historischen Themen und Kunstwerken aus verschiedenen Epochen und Ursprüngen. Alles ist quasi aufeinander aufgebaut und bei Grabungen wird ständig was Neues gefunden. Dies erschwert auch verschiedenste Bauunternehmungen zunehmend.

Überall in Thessaloniki kann man aber neben den altertümlichen Bauten auch die Fußabdrücke der Moderne sehen. Die ganze Stadt ist mit Graffiti und Streetart bedeckt. Es gibt sehr viel Mist und Geschmiere, viele hässliche Bombings und Tags, aber es gibt natürlich auch jede Menge wirklich schön gemachte Kunstwerke und ein Haufen riesiger fantastischer Murals, die so groß sind wie ein ganzer Wohnblock. Graffiti-Liebhaber werden hier ein ausgiebiges Sortiment an Malereien jeglicher Art finden, es folgt auch noch ein weiterer Artikel mit Fotosammlung zu Streetart in Thessaloniki.

Bei der letzten offiziellen Zählung 2011 in Thessaloniki (griechisch: Θεσσαλονίκη, kurz: Saloniki – Σαλονίκη) wurden 325.182 Einwohner registriert. Es ist die zweitgrößte Stadt des Landes, Hauptstadt der Verwaltungsregion Zentralmakedonien und ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum. Im Jahr der Zählung in 2011 wurde die Bevölkerung des gesamten Ballungsraums und der Metropolregion um die Stadt auf 954.000 geschätzt, 2004 waren es etwa 995.700.

Bei einem Urlaub in Thessaloniki sollte man auch den Hafen besuchen und einen Spaziergang auf der Promenade am Meer unternehmen. Die Aristoteles Universität ist ein großflächiges Gelände und ebenfalls einen Besuch wert. Wer sich für Fußball interessiert, sollten sich auf jeden Fall ein Spiel im Toumba-Stadion des PAOK-Teams von Thessaloniki ansehen. Als Übernachtungsmöglichkeit sind die drei Colors Hotel im Zentrum empfehlenswert. In einem nächsten Artikel folgt ein Video über diese denkmalgeschützten Gebäude mit den individuell gestalteten Kunsträumen und ein Interview mit dem Sprayer und Künstler APSET, der die kreative Umgestaltungen durchgeführt hat.  Das Art-Team hat die komplette Fassade und das Interieur auf erfrischende Weise renoviert und das „Alte“ im „Neuen“ erhalten.  

Ein weiterer umwerfender Ort, der bereits erwähnt wurde, ist der faszinierende Nachtclub Aigli Geni Hamam oder „Aigli“ in einem alten türkischen Badehaus. Der Ort ist einzigartig und berühmt für exklusive Cocktails, feine Musik und einen wunderbaren Soundeffekte in einem historischen Gebäude. Das Yeni Hamam-Haus wurde während der osmanischen Besetzung an der Ecke Kassandrou und Agiou Nikolaou gebaut. Im Gegensatz zu anderen öffentlichen Bädern in der Stadt wurde der Yeni Hamam nach der Annexion von Thessaloniki aus dem Osmanischen Reich geschlossen. 1919 ging das Gebäude in den Besitz des griechischen Staates über und 1937 wurde es von einem privaten Investor gekauft, der es in ein Lagerhaus verwandelte. Es folgte die Nutzung als Kino und als Konzerthalle. Heute befindet sich das Gebäude immer noch in Privatbesitz und fungiert unter dem Namen „Aigli“ als kultureller Veranstaltungsraum.

Auch wenn es langsam besser wird, ist die Krise und ihre Folgen in Griechenland immer noch allgegenwärtig, man kann sie in der Infrastruktur sehen oder es besteht keine kontinuierliche Arbeit an Bauprojekten. An der versprochenen U-Bahn wird bereits seit 20 Jahren gearbeitet. Aber die Leute sind klasse, nehmen die Situation, wie sie ist und versuchen, ihr Leben best möglichst zu gestalten und sich dabei auf die wichtigen Dinge zu besinnen. Das sind vor allem die Familie und Freunde, mit dennen viel angenehme Zeit verbracht wird. Wenn man durch die Stadt läuft, sieht man überall Cafés, Restaurants und Bars gefüllt mit Gruppen an lachenden Menschen, die Tische sind voll mit leckerem Essen und meistens sind Musiker vor Ort und spielen griechische Lieder.

Thessaloniki ist entsprechend des  Altersdurchschnitts der Bevölkerung eine sehr junge und agile Stadt, über 20 % sind außerdem Studenten.  Wenn man möchte, kann man eigentlich an jedem Wochentag bis zum späten nächsten Morgen feiern. Nicht wenige Lokalitäten schließen erst um 12 Uhr mittags iher Pforten, oft wird aber auch erst um 3 oder 4 Uhr geöffnet . Und nein, dies sind keine After Hour Läden. Es ist typisch in Thessaloniki nach mehreren Restaurantbesuchen und Baraufenthalten erst gegen 5 Uhr richtig auszugehen. Man kann aber natürlich auch schon früher, wird dann aber leere Tanzflächen vorfinden. Während die Leute in anderen Ländern schon längst zuhause sind, macht man sich in Thessaloniki erst auf den Weg. Die Clubs und Discos haben keine Eintrittspreise, daher ist die Fluktuation recht lebhaft und bringt eine positive Dynamik in das Nachtleben. Man kann einen abwechslungsreichen Abend verbringen und sich die verschiedensten Angebote anschauen, von Punkkonzert und Hip Hop Battle zu Performance-Auftritt oder einem Drum & Bass Event, ohne dabei Unsummen an Eintrittsgeldern zahlen zu müssen. Auch die Getränke werden zu einem vernünftigen Preis verkauft und das Essen ist einfach nur verdammt gut und günstig. Unser Tipp also für den nächsten Städtetrip: Thessaloniki !

INFOTHEK

Berlin Bar: https://de-de.facebook.com/berlinbarthessaloniki/

Aigli Geni Hamam: https://de-de.facebook.com/aigligenihamam/

Colors Hotel: http://www.colors.gr/

Streetart Map Thessaloniki: http://vagabundler.com/greece/streetart-map-thessaloniki/

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