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Kap der Guten Hoffnung – [SÜDAFRIKA]

[Article in English @ Vagabundler –  Cape of Good Hope]

Bei einer Reise nach Südafrika und Kapstadt ist das malerische Kap der Guten Hoffnung natürlich einer der Hauptspots, den man gesehen haben sollte. Die spektakulär geformte Halbinsel zwischen Atlantischem und Indischem Ozean ragt wie ein Pfeil ins maritime Grenzgebiet und umrahmt einen paradiesisch weißen Sandstrand, an dem sich türkisblaue Wellen brechen. Wir waren einige Tage in der Mothercity einquartiert, wie Kapstadt auch oft genannt wird, und haben von dort per Mietwagen die Region erkundet. Soweit man mit dem Linksverkehr klar kommt, ist dies die wohl preiswerteste und flexibelste Erkundungsmöglichkeit. Natürlich geht vieles auch mit öffentlichen Verkehrsmittel und es werden unzählige Touren und Tagestrips angeboten, möchte man aber den großen Touristenmassen entgehen und bevorzugt eine freie Zeiteinteilung, dann empfehlen wir ganz klar das Mietauto. Am einfachsten bucht man sich das gewünschte Fahrzeug bei Avis, Europcar, Budget, Tempest oder Thrifty schon vor der Reise mit Abholung und Rückbringung direkt am und zum Flughafen.

Soweit man nun über ein eigenes Fahrzeug verfügt, kann man bereits in der Dunkelheit der frühen Morgenstunden zum Kap aufbrechen. Das steile und von Felsen umlagerte Kliff liegt am Südende der Kap-Halbinsel und ist eigentlich nur 44 km vom Stadtzentrum der Metropole entfernt, die Fahrt sollte um diese Zeit nicht länger als eineinhalb Stunde dauern. Zu späterer Tageszeit gerät man wochentags zum Einen in den enormen Berufsverkehr, außerdem treffen nach und nach auch unzählige andere Besucher mit Bussen oder eigenen Pkws ein. Die Autoschlangen am Eingang zum Cape of Good Hope National Park können sehr lang sein. Obwohl wir früh aufgebrochen sind, benötigten wir dort mehr Zeit fürs Warten als für die eigentliche Fahrt zum Kap.

Das Kap der Guten Hoffnung (niederländisch Kaap de Goede Hoop, afrikaans Kaap die Goeie Hoop, englisch Cape of Good Hope, portugiesisch Cabo da Boa Esperança) wird oft fälschlicherweise als der südlichste Punkt Afrikas bezeichnet. Dies wäre aber eigentliche das Kap Agulhas (Nadelkap) gut 100 km weiter östlich. Auch der westlichste Punkt Afrikas ist es nicht, selbst in Südafrika befindet sich Alexander Bay weit im Norden um einiges westlicher als das Kap der Guten Hoffnung. Insgesamt ist das Kap aber der südwestlichste Punkt. Die für Seefahrer wichtige geographische Lage zeigt an, dass die afrikanische Küste nun ihren Schwenk nach Osten beginnt und wirkt somit als Passage in den Indischen Ozean. Das markante und zunächst idyllisch wirkende Kap war früher aber wegen seines scharfkantigen Klippenteppichs äußerst gefürchtet und birgt auch einen kleinen Schiffsfriedhof. Die über 20 Kilometer ins Meer vorragende Felsenzunge wurde zu Beginn eigentlich Cabo das Tormentas genannt, Kap der Stürme.

Unmittelbar an der Küste erstreckt sich eine Felsenlandschaft, die sich unter Wasser weit bis auf das Meer ausdehnt. Die meisten Felsen befinden sich nur einen halben bis drei Meter unter der Wasseroberfläche, und ragen mit ihren Spitzen bei Niedrigwasser aus dem Wasser. Neben den Felsen geht eine weitere Gefahr von den unberechenbaren Strömungen und den starken Winden am Kap aus, die ein Segelschiff selbst bei ausreichender Umfahrung wieder stark in Richtung Küste drücken. Mittlerweile sind mindestens 23 Schiffe auf den Felsen aufgelaufen und liegen als Wracks am Meeresgrund. Sehr interessant sind die Shipwreck Trails entlang der Kapküste, auf denen man als Wanderer einige der Schiffsüberreste begutachten kann. Der circa 90-minütige Trail führt an zwei Wracks vorbei, die 1942 und 1965 dort gestrandet sind. Auswertungen von Satellitendaten haben gezeigt, dass am Kap die Wahrscheinlichkeit von Monsterwellen größer ist als andernorts. Als Grund gilt das Zusammenwirken von starken Winden und einer gegenläufigen warmen Wasserströmung, dem Agulhasstrom.

Die Entdeckung des Kaps von den Europäern liegt bereits über 300 Jahre zurück. Im April 1488 wurde das Kap vom portugiesischen Seefahrer und Entdecker Bartolomeu Diaz gesichtet, als er bereits in Küstenferne die Südspitze Afrikas umrundet hatte und sich wieder auf dem Rückweg nach Norden befand. Diaz war mit zwei Karavellen und einem Versorgungsschiff im Sommer 1487 zu einer streng geheimen Entdeckungsreise aufgebrochen und wegen der verordneten Geheimhaltung der Entdeckerfahrt liegen keine schriftlichen Aufzeichnungen vor. Darum ist nicht eindeutig geklärt, ob Diaz mit seinen Geräten und einem sogenannten Astrolabium das Sturmkap oder das eigentliche Südkap (Kap Agulhas) vermessen hatte. Auf dem weiteren Rückweg fand er in der südlichen Walfischbucht, der heutigen False Bay, sein zurückgelassenes Versorgungsschiff wieder, auf dem aber nur noch vier Mann am Leben waren. Daher traf die Flotte erst Ende Dezember 1488 wieder in Lissabon ein.

In eben dieser False Bay sind auch heute noch unzählige Wale zu sehen. Whale Watching Touren können von Kapstadt aus gebucht werden, hier sind das City Sightseeing Center in der 81 Long Street oder das Visitor Center im Pinnacle Building in der Castle Street gute Anlaufpunkte mit großer Auswahl an Agenturen. Bekannte und empfehlenswerte Startpunkte für die Touren sind die Küstenstädte Gansbaai, Hermanus oder Pringle Bay. Auch hier ist es wieder von Vorteil, ein eigenes Fahrzeug zu besitzen. Die Transferkosten waren für sämtliche Angebote mehr als doppelt so teuer, wie die eigene Anfahrt.

Bartolomeo Diaz nannte das Kap also zunächst Cabo das Tormentas, auf Deutsch: Kap der Stürme. Der portugiesische König Johann II. soll ihm angeblich den neuen Namen gegeben haben, da er hoffte, dass nun der Seeweg nach Indien entdeckt sei. Nach Untersuchungen der wenigen noch vorhandenen Dokumente sind sich Historiker heute nicht einig darüber, ob nicht schon Diaz die Bezeichnung Cabo da Boa Esperança, also Kap der Guten Hoffnung, verwendete. Ein weiterer Grund für die Benennung kann in dem starken Wechsel der Küstenrichtung liegen, welche anzeigt, dass das südliche Ende des Kontinents nicht mehr fern ist. Darüber hinaus treffen hier der kalte Benguelastrom und der warme Agulhasstrom zusammen. Die im Atlantik südwärts segelnden Seefahrer konnten also eine steigende Wassertemperatur erkennen. Dies zeigte ihnen auf, dass dieses Wasser aus wärmeren Regionen stammte und die Südspitze Afrikas nicht mehr weit entfernt sein sollte. Auf Deutsch wurde das Kap bis Ende des 19. Jahrhunderts vor allem als „Vorgebirge der guten Hoffnung“ bezeichnet, zwischen 1870 und 1880 wurde „Kap der guten Hoffnung“ die meistverwendete Bezeichnung. Zwischen 1910 und 1920 gewann die Großschreibung der „Guten Hoffnung“ die Oberhand. Mit der Eröffnung des Sueskanals im November 1869 verlor die Route um die Südspitze Afrikas schlagartig an Bedeutung. Bei niedrigem Kraftstoffpreis war es trotzdem zeitweise rentabel, den Umweg um die Südspitze Afrikas zu fahren, um die hohen Passagegebühren durch den Sueskanal zu sparen, etwa Ende der 2000er Jahre.

Ein kleiner Ausblick in die Geschichte, aber zurück zum Tagesausflug. Angekommen im Nationalpark des Kaps erstreckt sich einem eine wunderschöne von Felsen durchklüftete und von einer einzigartigen Flora durchwachsene Landschaft. Hier hat man nun die Wahl, verschiedene Punkte aufzusuchen. Publikumsmagneten dort sind auf jeden Fall der Leuchtturm von Cape Point und das berühmte Schild am Kap der Guten Hoffnung, es können aber auch weniger überlaufene Buchten oder Wanderwege angesteuert werden. Am Kap auf dem breiten Holzpaneel nahe am Wasser sind die genauen geografischen Koordinaten eingraviert: 34° 21′ 25″ S, 18° 28′ 26″ O. Mit etwas Geduld oder besagter früher Anreise bekommt man auch ein Foto ohne andere Besucher hin. Und wenn man Glück hat, dann trifft man noch auf Baboons oder sogar auf eine ganze Straußen-Familie.

Eine weitere besondere Empfehlung ist ein Helikopter-Rundflug über die Halbinsel und das Kap. Auch diese können von Kapstadt aus gestartet werden. Gute Angebote findet man bei Cape Town Helicopters, NAC Helicopters, Sporthelicopters und Huey Helicopters.  Vor dem Tagesausflug sollte man sich noch über die aktuellen Öffnungszeiten und die Preise am Kap informieren. Stand November 2018 war: Der Nationalpark ist in den Monaten Oktober bis März täglich von 6 bis 18 Uhr und in den Monaten April bis September von 7 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostete für Erwachsene zahlen R135 (9 Euro) und für Kinder R70 (4,60 Euro).

INFOTHEK

City Sightseeing: https://www.citysightseeing.co.za/destinations/cape-town/products/cape-point-explorer-tour

Visitor Centres: http://www.capetown.travel/visitors/plan/information/visitor-centres/

Sporthelicopters: https://sporthelicopters.co.za/

Helicopters Cape Town: https://www.helicopterscapetown.co.za/

NAC Helicopters: https://www.nachelicopterscapetown.com/

Huey Helicopter: http://www.huey-helicopter.co.za/

Shipwerck Trails: https://capepoint.co.za/de/besucherinformationen/aktivitaten/shipwreck-trails/

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