Ausreden vs Beast Mode: Dieser eine Gedanke macht den Tag gut

Oh Gott, ich hasse solche Tage. Es ist Nachmittag, es ist Freitag und nichts kriege ich gefühlt auf die Reihe. Und dann bin ich so damit beschäftigt, mich darüber zu ärgern, dass ich nichts auf die Reihe kriege, sodass ich noch weniger auf die Reihe kriege. Ganz schön aufwendig, dieses Ärgern.

Selbstverständlich sagt mir mein Kopf an Tagen wie heute eins: Nämlich dass ich die einzige auf dieser Welt und in diesem Raum-Zeit-Kontinuum bin, die ihren Scheiß-Plan nicht einhalten kann. Niemand sonst kennt das. Jeder andere ist diszipliniert und arbeitet wie ein Maniac seine Tages-To-Dos ab. Nur ich nicht. Ist ja klar. Gott, ich bin so auserwählt und anders.

Ein weiterer Graus: Ich habe meine tägliche Sporteinheit noch vor mir. Hilfe! Mich an Tagen wie diesen auch noch darüber zu ärgern, dass ich mich darüber ärgere, dass ich das mit dem Workout nicht auf die Reihe kriege, das kann ich nicht ertragen, das ist zuviel.

Also einfach das Workout trotzdem machen? Hm, nö. Da ärgere ich mich lieber noch ein bisschen. Und denke darüber nach, was mir alles im Weg steht, nicht zu trainieren:

1. Kennst du das, wenn der Körper zu schreien scheint: „Ich bin so müde, bitte bitte, ich will keine Burpees machen.“ Ich bin heute Vormittag wieder in Berlin angekommen und um fünf Uhr aufgestanden, um den Sprinter zu kriegen. Ich gähne wie ein Löwe und mein Gehirn fühlt sich schwammig an. Nach nur zwei Burpees werde ich auf dem Boden kleben wie eine Schmeißfliege auf einer Frontscheibe!

2. Ich hab meine Yoga Matte vergessen. Scheiße ey, und ich hatte es mir noch vorgenommen. Wenn ich stattdessen ein Handtuch auf den eiskalten Boden des winzigen WG-Zimmers lege, werden sich bei irgendwelchen Side Jumps meine Füße schön im Handtuch verheddern. Und ich werde auf dem Boden landen wie eine Schmeißfliege. Oder an den Wänden, weil das Zimmer eh so klein ist. Flatsch!

3. Ich hab keine Zeit! Ich hab schon soviel Zeit durch Ärgern verloren. Und weil ich während der Zugfahrt nichts auf die Reihe gekriegt habe und mich darüber geärgert habe, dass ich nichts auf die Reihe… dings. Wenn ich jetzt noch trainiere, verliere ich noch mehr wertvolle Zeit, die ich viel lieber mit Ärgern verbringen könnte.

4. Gibt’s nicht noch irgendeinen Scheiß, den ich stattdessen essen kann?

Also sitze ich hier. Tja. Dann halt kein Workout. Und dann, in der Ruhe des Nichts, fällt mir auf:

1. Warte. Neulich meinte eine Kollegin, dass sie auch einen unproduktiven Tag hatte. Ich bin gar der einzige auserwählte Mensch auf dieser Welt inklusive dem Universum und Raum-Zeit-Kontinuum, der an einem Tag nichts auf die Reihe kriegt. Ich bin menschlich! Krass. Vielleicht muss ich mich gar nicht so ärgern.

2. „Müde, kein Equipment, kein Platz, keine Zeit“ ist das „müde, Pipi, kalt“ der Erwachsenen. Die Ausrede, um sich nicht am Riemen reißen zu müssen und sich für die beste Version zu entscheiden, die in dem nörgeligen Status eben möglich ist. Ich veräpple mich selbst mit diesen Ausreden, ohje ohje. Wenn ich eines noch mehr hasse als Tage wie diese, dann ist es Selbstverarsche.

3. Ich werde diesen Tag am Abend noch viel mehr hassen!

Die simple Antwort auf das alles ist:

Fuck diz.

Denn was kann schon wirklich passieren, wenn ich es mit dem Workout probiere? Wenn ich jetzt einen Cut mache und den Tag neu starte?

Dann kann ich mich nicht mehr ärgern, das ist natürlich schade. Aber dafür hab ich es versucht. Nur ein kleines, kurzes Workout, nur versuchen!

Es ist ganz klar, dass ich dann den Tag weniger hassen werde. Zumal es erwiesen ist, dass auch nur ein Spaziergang um den Block die Konzentration und Produktivität wieder anhebt. Ich könnte mich also doppelt nicht mehr ärgern.

Wer sich von den äußeren Umständen aufhalten lässt, kommt nie zu Potte. Und wer sich vom inneren Schweinehund aufhälten lässt, erst Recht nicht! Stattdessen könnte ich jetzt anfangen meine Sachen durchzuziehen, ganz sachte, und stolz darauf sein, dass ich es probiert habe.

Ich mach das jetzt. Und weißt du was? Ich wette, am Ende bin ich so im Beast Mode und kann nicht aufhören mit dem Training. Einfach damit ich eine Entschuldigung dafür habe, dass ich nichts anderes mehr auf die Reihe gekriegt habe, weil ich trainieren musste.

Über irgendwas muss man sich am Abend ja noch ärgern können.

Foto: Tumblr.

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