Abenteuer galore: 9 To-Dos, wenn alles unsicher scheint

Puh, Leute, was hier los ist. Ich muss jetzt erstmal gucken, wie ich gerade eine chaotische Phase voller Unsicherheiten am besten und ohne Schrammen überlebe. Obwohl, Schrammen hab ich eh schon.

Ich bin nach LA gegangen, um mich bitte schön dort weniger zu langweilen als im ewig gleichen Saft der Heimatstadt. Klingt banal. Heldenhafter klingt wohl, dass ich mich weiterentwickeln, mir über einiges klarer werden und neue Möglichkeiten finden wollte und eine Formel für die Weltrettung und so, klar. Ich kriege auch  regelmäßig einen klaustrophobischen Anfall, wenn ich denke, genau zu wissen, was hinter der nächsten Ecke auf mich wartet. Gähn.

Man soll vorsichtig sein mit dem, was man sich wünscht, richtig? Während der Zeit in LA hat sich in der Heimat vieles in seine Einzelteile aufgelöst, neue Eventualitäten sind dazugekommen, und irgendwie scheint nicht mehr viel, wie es mal war:

Die Familie hat eine Katastrophen-Bombe gedroppt. Oder eigentlich zwei, das weiß ich noch nicht, eigentlich ist es ein tägliches Warten. Ein Verlag hat angerufen. Falls da eine Zusammenarbeit entsteht, öffnet das vielleicht ganz neue Fensterchen. Kann aber auch gut sein, dass gar nix passiert. Auch ein paar mögliche Aufträge haben angeklopft, die vielleicht cool sind, vielleicht auch nicht.

Sicherheit ist eine Illusion, nicht wahr?

Das sind nur wenige Beispiele, mit denen ich sagen will: Ich hab grad nullkommanull Ahnung, wohin die Reise geht. Oder wo ich z.B. im Herbst bin, auch ortsmäßig. Es fühlt sich an, als würde ich nur warten und könnte nichts wirklich machen.

Die ebenso chaotische Stadt LA hat auch nicht sonderlich zur Schlichtung der Konfusion beigetragen, im Gegenteil. Gegen manche Leute hier war ich ein Fels in Kalifornischen Brandung, Life Coach und Mutti zugleich. Gelangweilt hab ich mich dafür schon auch mal. Die Sache war also ein Riesenerfolg.

Ich weiß nun zwei Dinge: 1. Nix weiß ich. Dinge laufen mal überhaupt nicht so, wie wir es uns vorstellen („Plan“ nenne ich es gar nicht erst, wir wollen es nicht übertreiben). 2. Auch wenn wir nie wissen können, was morgen passiert, gibt es scheinbar Phasen, in denen wir das noch weniger wissen. Also quasi nix von nix, und alles ist möglich. Wir könnten manchmal genauso in einer Kloake landen wie im Meer mit rosa Wolken drüber. 3. Mein Drang nach Entwicklung und Weiterziehen ist jetzt noch viel viel stärker als vor meinem Abflug. Hilfe. Ich kann nicht zurück zu meinem vorigen ‚Ich’. Aber wohin stattdessen? 4. Siehste, oben hab ich noch geschrieben, dass ich zwei Dinge weiß, und jetzt sind drei draus geworden.

Lieber ein bisschen Chaos und dafür Veränderung, Wachstum, Abenteuer

Du weißt ja, alles ändert sich, dauernd. Und je mehr du dich an Dingen (oder auch an einer Idee) festklammerst, desto mehr Schiss hast du davor, dass sie aus den Händen bröseln. Das ist nicht Sicherheit, das ist Abhängigkeit. Ich dachte immer, ich wäre freiheitsliebend – und realistisch – genug, dass ich mit Unsicherheiten superheldenmäßig umgehen kann. Aber manchmal ist es dann doch eine Herausforderung.

Ich hab mal ein paar Inhalte und Ideen recherchiert und mich von Risk Management und Business Strategien inspirieren lassen. Jetzt mal sehen, was dabei rauskommt, wenn ich das alles mit meinen Erfahrungen der letzten Wochen durchknatsche, um der Antwort auf die Frage näherzukommen:

Was tun in High Risk Phasen und wie gehe ich am besten mit Unsicherheiten um?

1. Ersetze Erwartungen mit flexiblen Plänen

Wie gesagt, die Dinge ändern sich sowieso dauernd, und das Beste, was du machen kannst, ist mitzugehen. Eine Studie vom Center of Social Leadership schlägt vor, dass die Fähigkeit, auf Veränderungen zu reagieren und sich anzupassen eine der wichtigsten Skills für Leader ist.

Damit du dich weniger ausgeliefert fühlst, hilft es, deine Abläufte zu planen. Wenn du stattdessen nur wartest, lieferst du dich den Eventualitäten aus. Bleib aber flexibel und offen für Veränderung.

Konkret könnte das heißen: Du kannst ganz gut einen Tag im Voraus planen – lass dabei aber Raum für Überraschungen und Planänderungen. Zum Beispiel lass eine Stunde Puffer. Sei dir bewusst, dass immer etwas dazwischenkommen kann.

2. Fokus auf Handlungsmöglichkeiten

Statt auf die ferne Zukunft zu schauen, konzentriere dich auf das, was du jetzt tun kannst, um das „Desired Outcome“ zu erreichen.

Ich weiß z.B. nicht, ob auch nur einer der möglichen neuen Aufträge was wird, aber ich kann mir jetzt Informationen einholen, Termine machen, strategisch rumnerven und dranbleiben.

Ich finde es auch gut, sich im Chaos auf die eigene Mission zu konzentrieren. Denn die bleibt, da kann sich der Himmel gelb-schwarz-kariert färben.

3. Überleg dir, was ist der negativste „Outcome“?

Nervt mich das, dass es in jedem dämlichen Instagram-Inspirational-Blah-Account heißt: „Denk positiv, alles ist pink!“ Oder wenn mir ein menschliches Orakel diesen wahnsinnig ausgefeilten Spruch entgegenbläst: “Wird schon.“ Yo, vielen Dank auch.

Das könnten wir auch „Ostrich Approach“ oder „Denial Approach“ nennen. Diese Methode sorgt erst richtig für ein mulmiges Gefühl, weil sie die Unsicherheit zu einem mystischen Riesenviech werden lässt. Angst ist ja nur ein Produkt von Gedanken.

Risiken und Unsicherheiten zu ignorieren ist verführerisch, bequem und gefährlich. Du solltest sehr wohl die „Risk Events“ identifizieren und dich ihnen stellen. Nur das hilft dabei, die Kontrolle zu gewinnen und im Zweifelsfall reagieren zu können. Außerdem nimmt es Angst.

Frag dich: Was ist das Schlechteste, was passieren kann?

Erstelle eine Kette an Events: Wenn ich dem Kunden / Arbeitgeber meine Bedingungen sage, ist der schlimmste Outcome, dass ich den Auftrag / Job nicht bekomme. Oder wenn ich durch die Matheklausur falle, weil ich mir die Fußnägel wegprokrastiniere. Was kann dann passieren?

Meistens wirst du nämlich darauf kommen, dass du auch im schlimmsten Fall NICHT von dreißig Tarantulas entführt und bei lebendigem Leibe kopfüber in ihre Nester gesteckt wirst. Ist ganz beruhigend zu wissen.

4. Mitigation: Optionen scannen, Handlungen vorplanen

Es gibt zwei Möglichkeiten, um das Risiko zu mindern.

Frag dich, wie kannst du die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten des beschissensten Falls niedrig halten? Zum Beispiel kannst du aufhören zu prokrastinieren und für die Mathearbeit lernen.

Oder du überlegst dir, was du tun kannst, wenn der beschissenste Fall eintritt. Wie gehst du damit um, wenn du durch die Mathearbeit fällst?

Zwischen dem Beschissensten und dem Besten gibt’s auch noch mittlere Fälle. Finde heraus: Wenn X eintritt, dann reagierst du mit Y. Erstelle eine Liste oder sogar ein Mindmap mit den Optionen, die sich bieten.

Wenn bei meiner Familie eine beschissene Sache passiert, dann werde ich eine bestimmte Zeit vor Ort verbringen. Wenn kein Deal mit dem Verlag zustandekommt, kriege ich keine Panik, nein, denn ich suche mir jetzt schon Alternativen.

Es gibt immer Optionen.

5. Transfer: Frag jemanden, der es besser weiß

Beratungsresistenz ist leider eine weitverbreitete Krankheit. Dabei bringt es nur Vorteile, sich mit anderen zu besprechen – sagt auch die Studie vom Center of Social Leadership. Im Business würde man z.B. einen Teil des Projekts als Auftrag an einen Experten abgeben, wenn ein bestimmtes Risiko sich verschärft.

Frag deinen persönlichen Experten in Phasen der Unsicherheit um Hilfe oder Rat. Ich finde es auch einfach nur gut zu reden und festzustellen: Wir sind nicht allein. Jeder macht unsichere Phasen der Veränderung durch und überlebt sie sogar, krasse Sache.

6. Setze Endpunkte

Dazu hat mich UK-Patrick und hoffentlich baldiger Entrepreneur-Consultant gezwungen: Nicht ewig warten. Es ist total wichtig, Deadlines und Limits zu setzen, weil du sonst im Kopf ein Gefängnis aus der Frage „Wer weiß, wann und wie lange?“ baust. Wenn ich zur Familie muss, dann gehe ich für eine Woche. Wenn ich bis Mittwoch keine Antwort auf eine Mail bekomme, hake ich nach.

7. Bleib im Moment

Das klingt immer so esoterisch, aber es hilft wirklich. Wenn du in unsicheren Phasen dauernd auf die Vielleichts schielst, baut sich Panik auf, weil du die Vielleichts nicht kontrollieren kannst.

Falls du merkst, deine Gedanken jagen in der Zukunft oder Fantasie herum, checke immer mal wieder in der Gegenwart ein und konzentriere dich auf das, was du gerade tust und erlebst. „Hallo, Moment, da bin ich!“, so in der Art.

8. Hab Spaß und Hang Loose

Yeah, jetzt kommen wir zum Vorteil der Unsicherheitsphasen: Der Arzt verschreibt Spaß und Chillen.

Um es mit LA-Surfinstructor Justin’s Worten zu sagen: „Stress verkürzt deine Lebenserwartung. Dass du jetzt auf dem Board im Meer sitzt, ist das Beste, was du tun kannst, um mit anstrengenden Situationen umzugehen.“

Ach, und wie recht Justin hatte. Zumindest fühlte ich mich viel besser, als ich rausgepaddelt bin, auch wenn ich erst nicht wusste, ob das so eine gute Idee ist. Wieder was für die Gesundheit getan.

In Stresssituationen produziert der Körper Stresshormone (Kortisol). In einer anstrengenden Phase such dir Auszeiten, um runterzukommen. Außerdem hilft dir die Distanz dabei, der Betriebsblindheit entgegenzuwirken und aus der Vogelperspektive neue Möglichkeiten zu entdecken.

Ich glaube, das meinte Patrick auch mit dem Rat: „When in doubt, feed the ducks.“ (Natürlich soll man keine Enten füttern! Aber halt metaphorisch und so.)

unsicherheit risk management surf klein9. Umarme das Abenteuer

Realitycheck: Unsicherheit und Veränderung = Chancen, Wachstum und Möglichkeiten.

Für mich war es immer der größte Horror, ein Leben zu führen, indem ich genau weiß, wie jeder nächste Tag aussieht. Und jetzt meckere ich weicheimäßig rum, weil es gerade rocky wird? Es ist doch grandios, dass Leben so vollgeknallt mit Überraschungen und Abenteuern ist. Auch wenn du denkst, das ist es jetzt, du sitzt in der Falle, für immer und ewig: nope. Auch Stimmungen ändern sich, was für ein Glück.

PS: Ich freu mich über Kommentare, übrigens.
PPS: Sorry für irgendwelche Fehler. Ich tippe einen Teil dieses Textes nur mit einskommasieben Fingern, weil ich mit dem Fahrrad schön über eine Autotür geflogen bin und an der rechten Hand genäht werden musste. Brauche eine halbe Stunde für jedes Fäkalwort, Slclheise.

Bildcredit: 1. Johnnys Bird, 2. Meins.

 

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