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Sei offen: Die schlimmsten Dating Tipps (und Alternativvorschläge).

„Du bist single? Glaub mir, am ehesten kommt dein Partner, wenn du nicht suchst.“

Fuck you. Der nächste Tipp wäre dann, dass ich nicht so anspruchsvoll sein soll, um die perfekte andere Hälfte zu finden.

Also was noch mal soll ich genau machen?

Du siehst, wir kommen zu einem Thema, mit dem ich mich ganz besonders auskenne. Also ganz besonders scheiße. Was ich eher kenne, sind die Menschen und ihre Macken, Recherchemethoden und Dinge, die man nicht tun sollte.

Und da wir ja alle ab und zu daten, OkCupid oder Tinder (das Teil aus dem letzten Artikel) anschreien und grandios in die Klos dieser Datingwelt greifen, werde ich nun alle drei Kenntnisse nutzen, um die beschissensten Klischees der Dating-Tipps hier niederzuschreiben. Ich kann dir garantieren, dass du davon schon einige gehört hast. Mindestens!

1. “Sei offen.“

Was soll das heißen? Ich soll mit jedem reden, der mir über den Weg läuft? Ich soll offen sein für seltsame und sofortige Bettpraktiken? Oder soll ich Yoga machen und damit meinen Schließmuskel öffnen? Wahllos Fremde auf der Straße, auf Konzerten, auf Partys attackieren und ablecken? Offensein kann alles heißen, bitte diesen Tipp zukünftig spezifischer machen.

Alternativvorschlag:

Du bist zumindest schon mal offen fürs Küssen ausgesuchten Kandidaten? Da bist du nicht der einzige. Zwei Studien schlagen vor, dass Küssen großartig bei der  Auswahl eines Partners helfen kann. Das wäre also schon mal ein prima Filtersystem und übendrein eine wichtige Methode, um die Beziehung frisch zu halten.

Sonst gilt: Sei einfach kein Arsch zu Menschen, mit denen du in Kontakt kommst – auch wenn du sie nicht küssen möchtest.

2. „Niemand ist perfekt – du auch nicht.“

Ach, echt nicht? Danke für die Erinnerung an den riesigen Pickel auf der Stirn, der kurz vor der Explosion steht. Und nein, mit diesem Pickel finde ich bestimmt niemanden, der perfekt ist.

Alternativvorschlag:

Du suchst die perfekte andere Hälfte, die dein Leben ausfüllt und komplett macht? Dann viel Glück. Denn sowas gibt es nicht – beziehungsweise wäre es schrecklich, wenn du dein Leben nicht selbst komplett machen kannst.

3. „Du musst eigene Bedürfnisse zurückstecken.“

Heißt das, dass ich meine Leidenschaften aufgeben und mich anpassen muss? Nö. Sehe ich nicht ein. Und da bin ich kompromisslos.

Alternativvorschlag:

Eine meiner Lieblingsstudien sagt, dass sich das ideale Bild er Ehe geändert hat. Während früher mit der Ehe Sicherheit und Solidität in Verbindung gebracht wurden, sollen es heute die Selbsterfüllung und Authentizität sein.

Nicht umsonst kommt im Titel der Studie der Begriff „Ersticken“ vor.

Allerdings kann es sein, dass jeder die Praxis der Ehe oder Partnerschaft nach den eigenen Bedürfnissen neu definieren muss. Der Autor der Studie, Eli Finkel, sagt:

„Generell, wenn man möchte, dass die Ehe Selbsterfüllung und persönliches Wachstum unterstützt, ist es unabdingbar, genug Zeit und Energie in die Ehe zu investieren. Wenn man weiß, dass die Zeit und Energie nicht möglich sind, dann macht es Sinn, die Erwartungen entsprechend anzupassen, um Enttäuschungen zu minimieren.“

Also doch Kompromisse? Ja. Aber eben solche Kompromisse, die gar keine sind, weil sie Win-Win-Situationen hervorrufen.

4. „Du hast zu hohe Ansprüche.“ (aka „Schau nicht auf Äußerlichkeiten“.)

„Wieso kann ich mich nicht einfach in diese Person verlieben?“, „Was ist nur falsch mit mir?“

Das ist toll, wenn du dir solche Vorwürfe machen musst und die Schuld dafür gibst, dass du nicht in einer Beziehung bist. Du verliebst dich nämlich nicht in einen bestimmten Menschen zurück, weil du angeblich zu hohe Ansprüche hast.

Dann kannst du eine Pro- und Kontraliste machen oder alle „vernünftigen“ Pluspunkte aufzählen, und guess what? Trotzdem wirst du dich nicht auf Knopfdruck verlieben, schließlich bist du nicht in einem Ping-Pong-Spiel.

Mach dir bloß keine Vorwürfe, denn das Gehirn und der Körper, der da dranhängt, ergeben ein seltsames und kompliziertes Konstrukt. Und so viele Studien zeigen, dass für die Liebe verschiedene Chemiegeschichten und Oberstubenareale verantwortlich sind. Wie willst du deine Chemie zum Lieben zwingen? Durch Selbsthypnose?

Natürlich zählen zum Beispiel auch Äußerlichkeiten dazu, was ja gemeinhin als oberflächlich und böse böse böse gilt.

Alternativvorschlag:

Es ist total in Ordnung, nicht zurückzulieben, auch wenn das bedeutet, jemandem wehzutun. Das stürmische kopflose Verlieben ist vielleicht nicht der beste Indikator für eine lang anhaltende Beziehung. Trotzdem, nimm nur jemanden für eine Beziehung an, mit dem du die beste Zeit deines Lebens hast.

Selbst arbeite an dir und sei eine Person, die genauso die beste Zeit des Lebens BIETET. Und da auch Äußerlichkeiten beziehungsweise Ausstrahlung zählen, lerne deinen Körper kennen, suche deine Klamottenstil bewusst raus, ernähre dich gut, mache Sport, sei ehrlich und nehme dich mit all deinen Macken und Leidenschaften an.

5. „Du wirst jemanden treffen, wenn du es am wenigsten erwartest.“

Boah, das wurde wirklich schon Trillionen mal erwähnt. Was denken die Leute, die das sagen? Dass Menschen einen eingebauten Radar haben, der die Welt 24/7 nach Partnern absucht? Scary!

Alternativvorschlag:

Hör auf zu suchen. Mach dein Leben selber geil, und der Rest kommt. Und wenn nicht, ist’s auch nicht schlimm, denn dein Leben ist schließlich auch so geil.

6. „Sei ein Arschloch.“

Das ist total gesund für ein menschliches Miteinander! Am besten sind noch die Hinweise, dass man 36 Stunden (oder waren’s drei ganze Tage?) warten soll mit einem Anruf und hard to get spielen soll.

Ich fand diese komischen Balzspiele schon in der Pubertät total beschissen. Allerdings deucht mir, dass ich genau deswegen in der Pubertät so nicht sonderlich beliebt war. Ein paar Menschen scheinen diese Spiele zu brauchen und auf Idioten abzufahren. Muss sich wohl jeder selbst aussuchen, ob er da mitmacht.

Alternativvorschlag:

Generell ist es bescheuert, Dinge nur zu tun (z.B. fremdflirten) oder zu unterlassen (z.B. nicht anrufen), um eine Reaktion von dem anderen zu erhoffen. Das ist fremdbestimmt. Ich persönlich hasse es, wenn ich das Gefühl habe, dass jemand dauernd rumeiert und taktiert. Es zeugt von wenig bis keinem Selbstbewusstsein.

Wie wäre es, wenn du einfach und ganz egoistisch in Zukunft das tust, was du willst und für richtig hältst?! Verstehst du? Du. Also „du“ ohne Erwartung an den anderen. Anrufen, weil du den anderen hören möchtest, und nicht, weil er dann denken könnte, dass du denkst, dass er denkt, dass du denkst… Klingt kompliziert, nä?

Rücksicht und genug Sensibilität stehen auf einem anderen Blatt. Jemanden nicht alle fünf Minuten anzurufen, weil du ihn nicht erdrücken willst, ist sowieso klar. Hoffe ich. Das zählt aber nicht unter Spielchen.

Vielleicht sollten wir das Wort „Arschloch“ neu definieren: Menschen, auch hier hierzu raten viele Coaches, sind attraktiv, wenn sie sich selbst anerkennen, ein reichhaltiges Leben führen und Hobbys haben, selbstbewusst sind undsoweiter. Vielleicht verwechseln diese Art von Kompromisslosigkeit viele mit Arschlochcharakter? Dann bitte sehr, sei unbedingt ein Arschloch.

Foto: Merlin Bronque

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