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Sei ein Tier!

Ähnlich wie der Begriff „Entrepreneur“ scheint mir das Wort „Prokrastination“ erst mit dem Internet so richtig alltäglich geworden zu sein. Denn sowohl das wunderbare Gründertum als auch das (weniger wunderbare) chronische Rumeiern, sich Ablenken und ewige Aufschieben werden durch das Netz erst richtig angefeuert.

Ein Haufen Studien und Experten bestätigen die Vermutung, durch das Internet und technische Neuerungen sei es für den Menschen viel schwieriger, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren. Gerade junge Menschen und Studenten sollen der Prokrastination durch Ablenkung verfallen und dadurch besonders gestresst sein.

Ob Smartphone, Facebook, Buzzfeed, Tiervideosammlungen oder anderer Quatsch, alles wurde designt, um unsere Zeit zu klauen und uns möglichst lange auf den Seiten rumzuhängen zu lassen. Versteh mich nicht falsch:

Jeder muss faulenzen und sich entspannen, die freie Zeit genießen!

Aber unsere menschliche Fähigkeit liegt darin, derartig geschickt zwischendurch ‚beim Arbeiten’ zu trödeln, dass wir nach Stunden zwar das Gefühl haben, Unmengen gearbeitet zu haben, und wir fühlen uns sogar erschöpft, sind aber kein Stück weiter. Typen wie John Bargh sagen, das Gehirn „simuliert“ Arbeit, um die eigentliche Arbeit zu vermeiden.

Die Risiken und Folgen können sein: ein Gehirn, das verlernt zu fokussieren, die Unfähigkeit zu arbeiten bis hin zum Krankhaften, Panik wegen der Zeitknappheit am Ende und Versauen des Projekts oder Studiums, Frust bis hin zu erhöhtem Depressionsrisiko und, wie angeblich Studien sagen, zu einem geschwächten Immunsystem, Magenproblemen und eben den klassischen Gesundheitsproblemen, die Stress verursachen.

Und willst du das wirklich? Möchtest du ein ferngesteuertes Tierchen sein, das süchtig ist nach dem Telefon, alle zwei Minuten Websiten durchsucht und nix gebacken kriegt? Nein. Hier ein paar Strategien, die Abwärtsspirale zu durchbrechen.

1 Fang den Tag gleich richtig an:

Richte dir ein paar Morgenrituale ein, um direkt in Fahrt zu kommen. Dazu gehören: kein Weiterstellen vom Wecker, sondern direkt beim ersten Klingeln aufstehen. Denn das Weiterstellen wäre sonst die erste Entscheidung pro Prokrastination. Mach dir ein gesundes Frühstück. Nimm dir vor, dass der Tag ein guter wird, denn man kann sich selbst motivieren durch ‚Mantren’.  Mit solchen Startübungen lernt dein Unterbewusstschein, dass mit dir heute nicht zu spaßen ist.

2 Fang die Arbeit gleich richtig an:

Vermeide blöde innerliche Ausreden wie „och, nur ein paar Minuten erstmal Facebook checken kann nicht schaden“. Das ist falsch. Erstens bleibt es nie bei ein paar Minuten, zweitens bist du nach dem ersten Checken noch mehr geneigt, wiederholt zu schwach zu werden. Das heißt, halte dich so lange zurück mit dem Browsen, wie es irgendwie geht.

Da wir aber alle am Tag ein paar mal ins Netz gucken werden – ein paar leerreiche Seiten gibt es ja wie diese hier 🙂 – setze dir ein paar Timeslots am Tag, in denen du dir das erlaubst. Damit übernimmst du die Kontrolle über das Surfen und nicht das Surfen hat die Kontrolle über dich.

3 Identifizier das Problem:

Es gibt bestimmte Arbeiten, davor können wir uns drücken bis zum Erbreche – da müssen plötzlich noch diese E-Mail raus und die Socken glattgezogen. Das nervt hart. Mach dir klar, warum du dich vor dieser Aufgabe drückst, denn Bewusstsein ist der erste Schritt zu Besserung, sagt auch die Uni Princeton. Zum Beispiel: „Buchhaltung ist bös’ langweilig, geht mir auf die Nerven und lässt sich super als untere Prio einordnen.“

Wenn du das Problem kennst, kannst du eher dagegen angehen. Zum Beispiel dir klar machen, dass es eben nicht untere Prio ist. Oder überleg dir, wie du dieses Hürde loswerden kannst. Vielleicht, indem du bei der Buchhaltung irgendeinen Wachmacher-Song von Sepultura hörst?

4 Nimm dir kleine Aufgabenschritte vor:

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Unser Unterbewusstsein fühlt sich oft von den großen Aufgaben abgeschreckt und lässt es dann lieber gleich. Das ist einfach so. Tricks dein Unterbewusstsein aus und teile die große Aufgabe in kleine Teilschritte. Zum Beispiel schreib drei Artikel, hefte 20 Belege für die Steuererklärung ab oder überarbeite zehn Seiten pro Tag. Noch ein Vorteil ist, mit den Teilschritten ist dein Fortschritt besser messbar. So konnte ich etwa gut kontrollieren, ob ich mit meiner Uniabschlussarbeit noch der Zeit lag.

5 Setz dir Deadlines:

Und am besten sogar Teil-Deadlines. Führe eine Zeitaufstellung, die dir die grausame Wahrheit zeigt, wie lange du an bestimmten Aufgaben sitzt. Ich brauche schon wieder viel zu lange für diesen Artikel!

6 Überwinde die Anfangshürde:

Gerade der erste Satz eines Textes ist oft das Grauen, und so geht es mit vielen Aufgaben. Damit dir der Anfang nicht so schwer fällt, nimm dir erstmal vor, nur 15 Minuten daran zu arbeiten.

Wenn du deinen Anspruch erstmal niedrig setzt, sagen Experten wie ein Dr. Pychil, ist die Hürde nicht so hoch. Nach den ersten Minuten, die tatsächlich oft ätzend sind, fällt es meistens nicht mehr so schwer weiterzumachen.

7 Mach das Abschließen von Aufgaben zum Ritual:

Es ist wie mit dem Sport: Wenn du dich an etwas gewöhnst wie an das morgendliche Zähneputzen, musst du gar nicht mehr darüber nachdenken. Dann fühlt es sich komisch an, wenn du den Sport ausfallen lässt, genauso wie mit dem Erfüllen soundso vieler Aufgaben am Tag. Belohne dich danach mit einem geilen Essen oder Sex oder einem Purzelbaum oder was auch immer dir gut tut.

8 Arbeite nicht mehr, sondern effektiver:

Es geht bei Produktivität sowieso nicht darum, wie lange du arbeitest, sondern wie produktiv du in kurzer Zeit bist. Teile deine Arbeitszeit in kurze Phasen ein, wie etwa bei der 50:50:30-Strategie, die ich schon einmal angepriesen habe. Dann fällt das Durchhalten auch nicht so schwer.

Dazu gehört es auch, auf Multitasking zu verzichten. Darin sind unsere Gehirne nicht so toll, konzentrier dich besser auf eine Sache.

9 Such dir einen Arbeitsbuddy:

„Ohne Druck kann ich nicht arbeiten,“ sagen viele. Na, dann schaff dir selbst den Druck. Such dir einen besten Kumpel oder Projektpartner. Prüft eure Arbeit gegenseitig, fragt euch ab oder ruft euch jede Woche an, um dem anderen in den Hintern zu treten. Schon die „Lerngruppen“ in der Schule waren viel effektiver als das alleinige Rumbrüten. Oder ein Trainingspartner, mit dem man in Anfeuerungsarien einstimmen kann.

Also: Denk nach, wen könntest du fragen? Kennst du jemanden, der vielleicht selbst deine Hilfe in Sachen Vorwärtskommen gebrauchen könnte? Ruf ihn an oder schreib ihm eine Mail!

10 Suche Hilfe vom Profi:

Es gibt natürlich Prokrastinations-Stadien, da helfen auch diese Tricks nicht. Wenn du dazu gehörst, ist es überhaupt kein Ding, professionelle Hilfe zu suchen. Das Problem ist behandelbar! Professionelle Beratungsstellen helfen, Psychologen, Unis, Experten, die auf das Thema eingehen.

So lustig ist nämlich dieses „haha, heute habe ich wieder nix auf die Reihe gekriegt“ eigentlich gar nicht. Vor allem auf Dauer. Es geht um deine Gesundheit und deine Lebenszeit.

Ein schönes Wochenende voller Vorrats-Chillerei wünsche ich Euch.

Bildcredit: Wellandgoodnyc

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