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Links, zwo, drei – 6 Gründe, warum ich mit Laufen aufgehört habe

Lieber Läufer, dieser Text geht an dich. Er ist natürlich vollkommen objektiv und fundiert.

Das noch vorab: Fast jede Bewegung ist sinnvoller als gar keine. Ich habe einen Riesenrespekt gegenüber Leuten, die anfangen mit Sport. Die von null auf die Sache durchziehen. Dafür braucht es nämlich wirklich Disziplin. Und dafür eignet sich auch vorsichtiges Laufen.

Dieser Text aber, lieber Läufer, richtet sich an dich, der du dich ‚Läufer’ nennst und als fortgeschritten oder sowas ansiehst (kein Profi).

 

  1. Wo ist der Sinn aka Was zur Hölle machst du da??

 

Welche Skills lernst du noch mal als krasser Laufmaniac? Warte… ah genau: Laufen! Hey cool, ich konnte das auch erst so mit Eins. Meistens geht es bei dem Sport ums Geradeauslaufen, manchmal um die Kurve. Und das stundenlang. Kondition und ein bisschen Kraftausdauer werden noch trainiert, so einseitig ist das doch gar nicht.

Vergleich das aber mal mit der riesigen Vielfalt aus Balance, Kraft, Flexibilität, Schnelligkeit, Koordination, die du bei einem hochintensivem und funktionalem Intervalltraining steigerst.

Es ist ein unglaublicher Gewinn an Lebensqualität, wenn du beweglich, schnell und stark bist. Du kannst dir Challenges überlegen (in drei Monaten gefälligst ’nen ordentlichen Spagat, in drölf Minuten 50 Burpees, und irgendwann in diesem Leben mal Klimmzüge, yehaa) und hast einen Riesenspaß, wenn du eine neue Sache lernst. Die Straße wird zum Spielplatz, super für ein Kind wie mich.

 

  1. Bitte Haltung bewahren aka Das kann doch nicht gesund sein

 

Irgendein Orthopäde von einer Bekannten von einem Bruder dem Meerschwein meinte mal: Solange es Läufer gibt, werde ich Patienten haben.

Was das womöglich heißen soll, ist dass stundenlanges Rennen nicht gesund sein kann. Nichts von derselben Sache und Monotonie stundenlang ist gesund, und gerade Laufen ist nunmal nach Dauer ausgerichtet. „Dauerlauf“ und so.

In der Diskussion darum, wie gesund oder nicht das Laufen für die Gelenke ist, scheint es keine klaren Ansagen zu geben. Was ich nur beobachte: Mein Berliner Kollege sitzt im Termin nicht senkrecht neben mir, sondern irgendwie nimmt er immer mehr die Form eines Bettlakens an, das überm Stuhl hängt. Wenn ich das sehe, könnte ich heulen.

Dieser Kollege ist Läufer, und ja okay, man kann keine 1:1-Kausalität herstellen, aber beim Anblick der Jogger da draußen, kriege ich Schmerzen vom Hinsehen. Leute, ihr macht euch kaputt. Da ist keine Körperspannung. Ihr trainiert noch so richtig schön in die Schiefstellung oder in den Buckel rein.

Für eine stabile Haltung brauchst du Muskeln, vor allem in der Körpermitte, Bauch, Hamstrings, Glutes, Rücken. Ohne ein begleitendes Krafttraining wird’s blöd.

Aber auch das kann schwierig werden. Aus der eigenen Erfahrung kann ich sagen: Als ich noch viel lief, hatte ich immer irgendwo Schmerzen – am Fußgelenk oder Knochenhautentzündung am Schienbein. Jetzt bin ich das losgeworden,  hab so gut wie nie Schmerzen und bin um chronischen Mist herumgekommen. Dankeeeee.

 

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  1. Wo kommen die Falten her aka Das kann wirklich nicht gesund sein!

 

Um bei der Gesundheit beziehungsweise LEBENSERWARTUNG als Runner zu bleiben: Exzessives Laufen soll auch richtig scheiße fürs Herz sein laut einer Studie aus diesem Jahr. Um nicht zu sagen ist es genauso ungesund wie das Dasein als Couchpotatoe.

Hier die Studie des JACC (Journal of the Amercian College of Cardiology)

Noch schlimmer: Langes Laufen verursacht „oxidativen Stress“, das heißt platt gesagt, du alterst schneller.

Mehr dazu in einer Studie über oxidativen Stress beim Joggen

Mit moderatem, also wenigem langsamem Laufen von weniger als 2,5 Stunden in der Woche, nur drei Mal pro Woche, erweist sich die Lebenserwartung am höchsten.

Okay, man muss Studien nicht trauen. Ich sag ja nur.

 

  1. Effizienz, bitte, aka Ich hab keine Zeit für den Scheiß

 

Ein Grund, warum ich das mit der Laufsucht nachvollziehen kann: Es macht Spaß. Tatsächlich, ich gebe zu, manchmal mach ich’s noch. Es holt mich an die frische Luft, und die Gedanken können dabei so frei umherschwirren. Ein Runner’s High macht auch Spaß.

Aber für soviel Spaß einfach nebenher hab ich nicht die Zeit. Was will ich denn wirklich im Leben erreichen? Ich bin Freiberufler mit vielen Projekten, mein Buch soll womöglich nicht auf dem 50-Cent-Tisch landen, die Freunde werden auch nicht weniger (komisch), und zwischendurch gehe ich auch gerne mal mehr oder weniger gepflegt feiern. Hüst. Wenn ich die Zeit für einen Sport aufbringe, dann lieber für einen Kampfsport oder eine Outdoor-Herausforderung.

Aber glaub mir, um fit zu werden, kannst du dir die Stunden in der Kurve sparen. Ich glaube, gerade ist eine der Phasen, in denen ich am fittesten bin mit am wenigsten Zeitinvest. Eine kurze effiziente, dafür fast tägliche Routine muss her, die Cardio, Kraft, alles auf einmal abdeckt, sagen auch die Experten drüben bei Reuters. Am besten mit Eigengewicht und mit Spielsachen, also Geräten.

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    5.  Nerdiger geht’s kaum aka Sei kein Weichei

 

Gehörst du auch zu den Läufern, die den ganzen Tag nichts anderes machen, als knäckebroternst übers Laufen zu reden? Das kann ich nicht nachvollziehen. Sport gehört für mich dazu wie Zähneputzen, auch wenn’s spannender ist, zumindest muss ich darüber nicht die ganze Zeit reden.

Hängst du auch auf Läuferportalen wie Achim Achilles im Netz rum? Klebst du dir Reflektoren an die Waden (!!), kaufst aerodynamische Hosen, hast den Kragen aufgestellt als Spoiler, legst die Ohren an und misst deine km/h mit ausgeklügelten Gerätschaften?

Ich meine die Prototypen, die mir selber beim Laufen immer entgegenkamen. Reden, equippen, theoretisieren und sich immer vor Publikum strecken, das können diese Alibi-Sportler, aber Schweiß war da nicht viel zu sehen. Bloß nicht anstrengen. Ein ähnliches Phänomen kenne ich selber von früher, auch ich konnte zwei Stunden lang im Kreis rennen, ohne mit der Wimper zu zucken. Muskelkater gab das auch keinen mehr.

Gähn.

Wenn du dagegen kurz und so richtig fies auf die Fresse trainierst, immer wieder neue Bewegungen und Abläufe, Plyos, Rennen, Gewichte und Eigengewicht, den Körper jedes Mal anders forderst. Bis du nicht mehr kannst, und dann noch eine bis drei Wiederholungen. Klar ist das weniger bequem! Das kannst du nicht zwei Stunden lang machen wie laufen, das sind die längsten zwanzig Minuten deines Tages. Und der schöne Muskelkater kommt manchmal auch wieder. Dagegen ist Laufen eher ein Cooldown.

Und: Gerade was du am schlechtesten kannst, solltest du trainieren, wenn du dich weiterentwickeln willst. Vor allem im Sport, um Schwächen auszugleichen. Der Körper will Neues lernen. Und übrigens fördert Abwechslung auch das Gehirn bei der Bildung neuronaler Verbindungen, da freuen sich die kleinen Scheißerchen. Also: Nicht immer nur links, zwo, drei, vier.

 

      6.  Nicht nur innere Werte aka Formen geht anders

 

Dass du schlank, schön und fettfrei wirst, wenn du nur genug läufst, ist ein Mythos. Und dass Krafttraining dir Bodybuilder-Muckis verpasst, ebenso.

Setzt du nur auf Verbrennung durch Cardio, hast du dir ganz schön was vorgenommen, denn so ein paarhundert Kalorien gehen gar nicht so leicht weg. Und straffer wird auch nix.

Es kommt natürlich darauf an, wie du trainierst. Aber im Allgemeinen formt ein HIIT-Training viel besser als reines Laufen – vor allem, wenn du aus der Pubertät dann doch schon seit fünf Minuten raus bist.

Hier mein Rat, wenn du deinen Körper formen willst: 1. Ernähre dich ordentlich, dann musst du weniger verbrennen. 2. Forme und polstere deinen Körper auf mit ein paar Muskeln. Etwas mehr formfeines Volumen strafft auch die Haut. 3. Mehr Muskeln = mehr Verbrennung, äh, weil eben mehr Muskeln mehr verbrennen, irgendwie logisch. 4. Nach einem HIIT soll der Nachbrenneffekt wirken, das heißt, dass du 24 bis 48 Stunden danach noch Kalorien abbaust. 5. Mehr Muskeln, bessere Körperhaltung. Ich komme immer wieder darauf: Die Haltung ist das A und O.

Selbstverständlich sind die Äußerlichkeiten nur ein nettes Add-On zur Lebensqualität – und das meine ich zu Abwechslung jetzt sehr ernst.

 

            Fazit: Wir sind alle Superhelden

 

So, eigentlich haben wir uns ja alle lieb. Und alle Sportler – ob Anfänger oder Profi, groß, klein, grün, gelb – sollten sich als eine Community verstehen.

Folglich bin nicht nur ich Superheld, sondern wir alle sind Superhelden. Und – ich weiß nicht, ob du mal einen Superheldenfilm gesehen hast – aber Geradeauslaufen als Superheldenskill, das reicht einfach nicht.

 


 

 

Lena´s Welt.

Wenn Lena mal nicht ihre stundenlangen fünf Minuten hat, macht sie was mit Medien, schreibt, findet Trends und Methoden zu den Themen Motivation, Self Improvement, Fitnesskram, Wandel, Lifestyledesign. Sonst wäre da noch die Weltrettung, aber das dauert...

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