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Kommunikation: Streiten für den Frieden

Gute Kommunikation: Wie es endlich klappt.

Stress mit Leuten, du kennst das. Als ob der Rest nicht manchmal schon Nervpotential genug hätte, gibt es auch noch Diskussionen mit Freunden oder mit Unikollegen, mit der Beziehung oder dem Team oder der Mutter vom Vadder vom Sohn.

Wenn der Wurm mit Leuten mal drin ist, dann frisst er sich so richtig tief und dick und wird immer fetter, das Mistivieh. So auch bei uns neulich mit meinen beiden (liebsten) Job-Partnerinnen. Bis es in der U-Bahn auf dem Rückweg von einem Kongress eskalierte:

„Pffff!“ Das war mein Kommentar inklusive Bitch-Blick, was die Eskalation einläutete.
„Was ist los? Du machst gerade zu“, fragte Lisa.
„Tsss. Ich kann doch sowieso sagen, was ich will“, war dann mein Kommentar, der die Eskalation bedeutete.
Zwei, drei zickige Sätze später musste ich abbrechen und aus der Bahn steigen. Blöd, dass man elektronische Schiebetüren nicht knallen kann.

Und so gingen wir mit einem kleinen inneren Knall auseinander, meine beiden Team-Mädels und ich. Natürlich war ich mir total bewusst darüber, dass mein Verhalten unprofessionell war. Und nicht sonderlich förderlich für unsere Zukunftsideen, die wir gerade eigentlich hegen. Aber ich fühlte mich halt außen vor, als hörte mir keiner zu, als hätte ich keine Chance.

Lisa, Natalie und ich sind nicht nur freischaffende Kolleginnen und Partnerinnen, sondern auch Freunde. Und wir überlegen gerade, ob wir uns als Team professioneller aufstellen. Weil wir nämlich eigentlich eine ähnliche Einstellung vom Business haben und gut zusammenarbeiten. Eigentlich. Wenn da nicht grad der Wurm drin wär.

Was ist das verdammte Problem?

Ich bin überzeugt davon, dass ein Großteil der Unstimmigkeiten in privaten wie in beruflichen Beziehungen an Kommunikationsproblemen liegt. Ist es doch, ehrlich, wenn du mal überlegst, wann du das letzte Mal ein Problem mit jemandem hattest, war ein großer Teil davon Misskommunikation oder gar Missverständnis.

Der ultimative Beweis: Wenn du von außen einen Streit zwischen Freunden mitbekommst, bist du der Buddha höchstpersönlich und kannst voll beide Seiten verstehen. Du bist ja nicht blöd, sondern offen und so, es gibt immer zwei und mehr Seiten. Hallo, ist doch klaaar! Manchmal mutierst du noch zum Vermittler: „Jetzt guck doch mal, der sieht das halt so und so“, sagst du dann.

Komisch nur, dass dieser tolle offene Blick verschwunden ist, wenn es um dich selbst geht. Knurrend. Wo isser hin, der Buddha? Dann haben noch beide Seiten Erwartungen, die nicht genauso erfüllt werden, dann kommt eins zum anderen und über die Zeit staut sich immer mehr an.

Also, nicht alle Probleme kommen nur von Missverständnissen, aber:

Wenn nicht behinderte Kommunikation das Problem ist, dann kann gute Kommunikation die Lösung sein.

Lisa, Natalie und ich wussten jedenfalls nach unserem Clash, dass viel auf dem Spiel steht. Es geht um Welteroberung, Bitch. Wir vereinbarten einen Termin, an dem wir uns zusammensetzen wollten. Und wir hatten alle vier Tage lang bis dahin Bauchschmerzen.

Solche Gespräche sind ätzend, zugegeben, aber es muss gemacht werden. Und hey, meine Mädels und ich waren gut. Ich bin richtig stolz auf uns. Wir haben den Kommunikations-Wurm gekillt und sind fünfhundert Kilo leichter aus dem Gespräch gegangen. Hier, was ich gelernt habe.

1. Bereitschaft statt: „Ja, aber…“

Keine Bereitschaft zum Nachgeben heißt keine Lösung. Vor dem Gespräch musst du offen sein für andere Sichtweisen. Punkt. Sonst kannst du das Ding gleich in die Tonne kloppen.

Die Gedankenkette „Ja, aber…“ ist verlockend. Das geht zum Beispiel so: „Ja, es war vielleicht ein Missverständnis.“ Oder: „Ja, ich hab mich auch nicht ganz cool verhalten.“

Aber: „Aber du warst schon vor sieben Wochen viel mehr kacke als ich. Und ich hab trotzdem Recht.“

Guess what: Keiner hat Recht. Was da spricht, ist dein Ego und deine Eitelkeit. Du musst das loslassen. Prinzipienreiterei und ewige Schuldzuweisungen bringen nichts. Und ein Gespräch ist kein Battle aus Schuld und Recht und Macht, sondern du musst bereit sein, einen Schritt zurückzutreten und Lösungen zu finden.

„Ja, aber ich hab trotzdem ein bisschen mehr Recht als der andere…“ Nope, vergiss es.

Ich sag das auch zu mir selbst, ich hab nämlich ein großes Talent, Leute gegen die Wand zu klatschen und auseinanderzunehmen. Natürlich auch rhetorisch. Ich kann ganz toll das letzte Wort haben, und wenn ich es vom Boden einer Kloschüssel kratzen muss. Die Frage ist halt: Bringt mir das was? Nö, meistens nicht.

Sieh das Ding als Chance, dich weiterzuentwickeln. Diese Bereitschaft, den Schritt zurückzutreten, hatten wir zum Glück alle drei – das war die Grundvoraussetzung dafür, dass das so gut lief.

2. Zuhören und Fresse halten

Wenn der andere spricht, dann hast du gefälligst zuzuhören. Mit Geduld und Aufmerksamkeit. Das dauert seine Zeit, aber die muss jetzt möglich sein.

Da wird immer wieder die Situation kommen, in der du nur so zuckst und Einspruch erheben willst. Oder in der du dir etwas anhören musst, was dir überhaupt nicht schmeckt. Trotzdem: Hier wir nicht unterbrochen, sondern jeder soll die Chance haben auszudrücken, wie er sich fühlt.

3. Ausdrücken ohne Vorwurf (NVC)

In diesem Moment, in dem ehrlich über Probleme und Verhaltensweisen gesprochen wird, sind alle Teilnehmer schmerzhaft sensibel. Sind wir ehrlich, das ist furchtbar anstrengend, und wir sind alle froh, wenn’s rum ist. Deswegen ist es so wichtig nachzudenken, bevor du was sagst.

Dafür gibt es Mediatoren, die aufpassen und das Ganze strategisch leiten. Oder Psychotherapeuten, hehehe. Und gann gibt’s auch noch die Prinzipien der Nonviolent Communication (NVC, keine Ahnung, wie das auf Deutsch heißt), die ich ganz praktisch finde.

Der erste Schritt der Aussprache besteht hier daraus, dass du die Situation wie eine „Beobachtung“ ausdrückst. Also ohne Wertung und ohne Vorwurf sagst:

„Neulich in der Bahn kam eine Spannung auf.“ Oder: „Wir haben gerade Schwierigkeiten in der Kommunikation.“

Nach dem NVC-Prinzip kannst du dann ausdrücken, was dich stört – und zwar möglichst neutral. Wie das geht? Indem du von dir ausgehst und das Problem in etwas umwandelst, was deine Gefühlslage betrifft.

Also nicht so: „Du behandelst mich scheiße.“
Sondern so: „Ich fühle mich scheiße, wenn du mich so behandelst.“

Nicht: „Du bist ein Arschloch.“ Sondern: „Ich habe den Eindruck, dass du dich wie ein Arschloch verhältst.“ Okay, nein, den einen Teil des Satzes weglassen, aber du weißt, was ich meine.

Natalie meinte einmal auch schön: „Ich kann damit einfach nicht umgehen, und mir ging’s danach nicht gut.“

Hier hinter dem Link findest du das ganz gut zusammengefasst.

4. Feedbacken und Verständnis zeigen

Was Lisa instinktiv total gut gemacht hat, war, dass sie meine Aussagen aufgegriffen und noch einmal wiederholt und ausgeführt hat. Sie hat mir damit nicht nur gezeigt, dass sie mich versteht und ernst nimmt, sondern sie hat noch mal neue Sichtweisen dazu gebracht.

„Ach so, das ist kein Wunder, dass du dich so gefühlt hast, da ist das und jenes passiert…“

Sei dir darüber im klaren, dass der andere halt auch nur ein Mensch ist. Und dass dieser Mensch auch nicht eine rein sadistische Seele hat wie der Typ von Saw 653. Ist bei Chefs, Kunden und Vertretern des anderen Geschlechts manchmal ein bisschen schwer nachzuvollziehen, ich weiß, aber dennoch eine Tatsache. Jeder probiert sein möglichst Bestes.

5. Auf Körpersprache und Ton achten

Da gab es mal einen Professor, der die Kommunikation untersucht hat, ist klar. Albert Mehrabian hat wohl herausgefunden, dass das gesprochene Wort in einer Konversation gerade 7 Prozent ausmacht!!!

Der Rest kommt vom Ton in der Stimme (38 Prozent) und vom Gesichtsausdruck (55 Prozent). Was lernen wir daraus. Innerhalb einer Beziehung macht in der Kommunikation der Ton die Musik.

Also: Zum Zuhören gehört auch Augenkontakt. Sei dabei konzentriert (komischerweise sieht man das jemandem an, ob jemand wirklich zuhört). Und wenn du selbst redest, dann tue das in Ruhe. Natalie hat eine schöne Stimme, die klingt per se schon friedlich. Mein Organ dagegen bläst den Orkan, also muss ich da ein bisschen mehr aufpassen.

Manchmal soll auch Körperkontakt gut sein. Die Berührung am Unterarm? Okay, also das weiß ich jetzt nicht, das muss jeder je nach Situation selbst wissen.

Humor kann aber nicht schaden, gerade wenn es unangenehm wird. Das hat Lisa gut gemacht, als sie mir gesagt hat, ich würde sie manchmal zu sehr loben, dass es schon peinlich wird. Sie saß da mit schmerzverzerrtem Gesicht. Hüst.

Ich hab ja keinen Humor, deswegen bin ich da verloren.

6. Einen Handlungsplan machen

Für eine Beziehung klingt das mit dem Plan megaromantisch. Und in einer hitzigen Situation weiß man eh nicht, ob man sich dran halten wird. Trotzdem ist es gut, mal klar die nächsten konkreten Schritte und Wünsche an den anderen auszuformulieren. Kommunikation heißt reden, reden und nochmals reden. Frust entsteht durch die Dinge, die man nicht sagt.

Wir haben ohne Mist genau aufgeschrieben, wann wir wie künftig in bestimmten Situationen handeln sollen. Manchmal haben wir sogar ganze Sätze aufgeschrieben. Knifflige Situationen mussten wir erst noch diskutieren, aber das ist dann erst Recht wichtig.

In der NVC heißt das, dass man seine Bedürfnisse aussprechen soll, was in meinen Augen nichts anderes ist, als einen Plan zu machen.

Also zum Beispiel: „Wenn wieder so eine Situation eintritt wie damals, dann bitte ich dich, so und so zu reagieren, oder ich hau dir auf die Schnauze.“

Oder in unserem Fall: „Wenn einer von uns eine totalmegadämliche Frage stellt (was ich natürlich nie tue), dann diskutieren wir das vorm Kunden lieber nicht aus.“

Puh, ich weiß, es ist gar nicht mal so einfach. Vor allem, wenn es so richtig knallt zwischen zwei Leuten. Manchmal helfen da auch hundert tolle Anweisungen und Listen nichts, manchmal hilft einfach nur Distanz. Wenn die Zeit dafür nicht da ist, dann kann eine dritte Partei moderieren.

So oder so, viel Erfolg beim Prügeln.

Foto: Fightclub

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