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So hörst du auf, dich unter Druck zu setzen

Du kennst sicher die vielen „Motivational Quotes“ auf Facebook und sonstwo, wo Dinge draufstehen wie: „Arbeite hart, denn nichts kommt von Faulheit.“, oder: „Achte darauf, dass sich, was du heute tust, auf morgen einzahlt.“, oder: „Sei jeden Tag die beste Version deiner selbst. Sei stark. Sei, sei, sei!“. Stimmt ja auch zum Teil, aber du musst aufpassen, dass sich das nicht verselbständigt.

Viel Arbeiten und Disziplin sind geil, finden die Leute. Wer sich nicht totackert, verliert. Beschäftigt zu sein bedeutet, gefragt zu sein und gebraucht zu werden. Dazu sagen uns noch Zeitschriften, wie wir zu sein und auszusehen haben.

Solche Denkweisen der „Leistungsgesellschaft“ – oder besser noch Perfektionsgesellschaft – begleiten uns unauffällig durch den Alltag. Wie werden ja belohnt fürs Leisten, für Disziplin und Selbstkontrolle und erfahren Anerkennung, die wir mit Liebe verwechseln. Keine Schwächen zeigen. Und schwup, gehörst du zu den „Overachievern“, die immer nach 100%iger Performance streben.

Meine Geschichte ist auch davon geprägt. Ich bin für Gib-Alles!-Parolen wie oben recht anfällig. Schließlich schreibe ich Artikel zum Thema Self Improvement. Früher habe ich den Tag gehasst, an dem ich keinen Sport gemacht habe. Vielleicht geht’s ja noch ein bisschen fitter. Selbstverwirklichung war immer mein Ideal, denn nur arbeiten kann ja jeder. Ich hab meine Leistung nie für gut genug befunden und dachte immer, es geht noch mehr. Es geht noch besser.

Als einer dieser Overachiever machst du deine vermeintliche Selbstliebe abhängig vom Grad des Erfolgs und der Achtung anderer Menschen – was aber immer wellenförmig läuft. Du setzt dich einem Zustand aus, in dem du nur verlieren kannst, denn ein Mensch ist ein Mensch, und ein Mensch kann nicht immer 100% geben. Und das Laufrad ist rund und wird nie ein Ende haben. Das soll das Leben sein? Na dann viel Spaß.

Ich musste in vielen Jahren lernen, dass der Kreislauf der ständigen Wachstumssucht unglücklich macht, weil es sich, wie oben schon gesagt, verselbständigt. Das ist dann keine Selbstverwirklichung, im Gegenteil, du bist nicht mehr selbstbestimmter als der sprichwörtliche Hamster.

Die Lösung des Problems ist, auch wenn es leicht esoterisch klingen mag, Selbstliebe. Und zwar bedingungslose Selbstliebe, auch wenn du mal „nur“ 20% da bist oder 5 Kilo mehr wiegst.

Hier ein paar Anzeichen dafür, dass auch du ein Overachiever mit mangelnder Selbstliebe sein könntest:
– Du bist superkritisch mit dir selbst und mit deiner Arbeit.
– Du hast Probleme, anderen zu vertrauen und dich auf andere einzulassen. Denn dafür müsstest du anerkennen, dass sie dich mögen und dafür müsstest du wiederum dich selbst lieben.
– In Beziehungen glaubst du heimlich: „Da kommt doch noch was Besseres.“ Umgekehrt denkst du aber auch, du müsstest arbeiten für die Liebe, die dir entgegengebracht wird.
– Du sabotierst dich selbst bzw. tust du nicht das, von dem du eigentlich weisst, dass es das Bessere für dich ist – z.B. weil es den Normen nicht entspricht.
– Du hast ein schlechtes Gewissen und verkloppst dich innerlich selbst, wenn du einen Aussetzer hast und keine 100% gibst.
– Komplimente oder Lob? Kannst du kaum annehmen und relativierst du mit einer Handbewegung. Oder sie sind dir sogar unangenehm. (Da bin ich groß drin.)
– Was du erreichst, ist nie genug.
– Du kannst dir schwer etwas gönnen, dafür aber für andere super den Hintern aufreißen.
– Du findest, „nein“ ist ein komisches Wort. Wie spricht man das noch mal aus?
– Du kannst schwer mal locker und neun gerade sein lassen (oder wie das heißt). Ich persönlich piense an einzelnen Worten meiner Texte ewig rum.
– Selbst wenn dein Leben im Großen und Ganzen cool ist, gibt’s trotzdem noch etwas Blödes, dem du deine ganze Aufmerksamkeit schenken kannst.
– Einen Tag komplett freinehmen? Alta, spinnst du? Ich muss Sachen erledigen.
– Du rennst. Ehrlich, ich habe mich heute dabei erwischt, wie ich vom einen Zimmer ins andere gerannt bin.

Siehst du Parallelen? Dann ist es an der Zeit, das Allererste, was du in Sachen Self Improvement zu lernen: nämlich die Selbstliebe. Du willst die bestmögliche Version deiner selbst sein? Dann werde als allererstes glücklich und kümmere dich um dich selbst. Und zwar jetzt, denn die Zeit rennt und der Moment wird nicht mehr perfekter!

Das ist leichter gesagt als getan, aber wenn du schon mal die Muster oben bei dir erkennst und dich beobachtest, ist das der erste Schritt. Der nächste Schritt ist, das hört sich auch seltsam an, Selbstliebe zu ÜBEN. Ist wie Volleyballspielen, am Anfang legst dich auf die Zwölf, aber wenn du dran bleibst, wirst du besser darin. Versprochen.

Dafür nimmst du dir am besten regelmäßig Zeit. Nur für dich dich dich und das, was du tun möchtest, was du dir gönnen, selbst schenken und wie du dich belohnen könntest. Und nicht nur „ja“ sagen, sondern machen.

Ich denke, bedingungslose Selbstliebe kann nicht so schwer sein. Zerrupfte räudige Hunde liebe ich ja auch bedingungslos. Oder Käuze fernab von Idealfigur. Oder Fledermäuse mit Nasenaufsatz. Oder besoffen taumelnde Gleithörnchen. Oder Faultiere…

Also ihr kleinen, geilen Superkinder, stimmen wir ein auf Andreas Dorau: Ich bin in mich selbst verliebt, ich wusste nicht, dass es das gibt…

… viel Liebe an mich! Und an euch auch, okay.

Das hier ist doch eine gute Inspiration für eine Übung.

Fotocredit: Still aus dem obigen Film der NY Times.

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