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Die Macht der Düfte

Unsere vielleicht wichtigsten Sinneswahrnehmungen geschehen „im Verborgenen“. Der Geruchssinn transportiert Eindrücke unmittelbar an das Gehirn. Er speichert Erinnerungen über Jahrzehnte und ruft sie beim erneutem Wahrnehmen sofort wieder ab. Die Nase kommuniziert ganz eindeutig, was ihr schmeckt und was nicht – ein Mysterium, mit dem sich auch die Parfumherstellung seit fünf Jahrhunderten beschäftigt.

Die Geruchsforschung spannt Bögen zwischen Chemie, Biologie und Psychologie. Unter anderem befasst sie sich damit, wie der Geruchssinn unser Verhalten steuert, unsere Entscheidungen und sogar unsere Partnerwahl beeinflusst. Ursprünglich war es evolutionär überlebenswichtig, anhand des Geruches verdorbene Speisen oder Gefahrenstellen, wie einen Brand, zu identifizieren. Und die olfaktorische Chemie zwischen Menschen gibt Aufschluss darüber, ob ihr Genmaterial kompatibel ist – sie also gemeinsam Nachkommen zeugen sollten.

In der Körperpflege- und Beauty-Branche kommt der Komponente „Duft“ eine besondere Rolle zu. Die meisten kennen das Gefühl, von der Duftwolke einer Drogerie überwältigt zu werden oder den Geruch bestimmter Deodorants sofort mit Reinheit und Frische zu assoziieren. Dass jeder Mensch Vorlieben für spezielle Düfte hat, ist unter anderem darin begründet, dass diese teils besser, teils weniger gut „zu uns passen“ – also mit unserem körpereigenen Geruch harmonieren. Zum Teil liegt es aber auch daran, was wir mit gewissen Düften auf einer sinnlichen Erinnerungsebene verbinden. Eine minimale Dosis eines bestimmten Geruchs kann ausreichen, um vergessen geglaubte Erlebnisse aus der Kindheit wachzurufen.

Parfums als Mischungen aus Alkohol und ätherischen Ölen werden seit dem 14. Jahrhundert hergestellt, im 19. Jahrhundert erlebte der edle Duft einen wahren Boom. Ursprünglich erlernten frühe Pioniere die Extraktion von Kräuter- und Blumenessenzen in einem Studium der Chemie. Als bester Parfümeur galt damals England. Der Platz wurde dem Inselkönigreich aber schon bald von Frankreich streitig gemacht: Einer der ersten, der die erlesenen Duftkreationen nach Paris brachte, war Pierre Guerlain. Er experimentierte vor allem mit den Duftnoten Sandelholz und Jasmin, um einen würzig-femininen Duft zu kreieren. Noch heute steht sein Name für sinnliche und elegante Variationen von Düften.

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Inzwischen scheint es beim Thema Geruch also nur noch geringfügig um Evolution, sondern vielmehr um den Luxus für die Nase zu gehen. Während Parfums im 19. Jahrhundert noch sehr teuer und somit der Oberschicht vorbehalten waren, darf sich heute die Allgemeinheit daran erfreuen. Tagtäglich strömt eine Vielzahl an Reizen auf die Nase ein. Hans Hartt, Professor für Zellphysiologie an der Ruhr-Universität Bochum, erklärt allerdings, dass Menschen nur rund 200 verschiedene Gerüche bewusst unterscheiden können. Das könnte begründen, warum sich im Ranking der 10 Lieblingsdüfte der Deutschen Jahr für Jahr nicht viel verändert.

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