Break Through statt Break The Chain

Status: Kinder, dies ist mein erster Artikel seit Monaten, und ich freu mich. Ich bin quasi bäck, aber irgendwie auch weg, denn vor ein paar Tagen landete ich in Los Angeles. Hier will ich nun meine (sinnvollen) Gewohnheiten, die ich in Deutschland aufgebaut habe, richtig durchziehen. Finde den Fehler.

Ich bin nicht sonderlich undiszipliniert. Ich habe meine tägliche Sportroutine (außer am Cheat Day), esse möglichst wenig Müll, mache täglich Bewusstseinstraining, arbeite an mehreren Tagen in der Woche an meinen Superheldenmissionen, und ich baue auch recht regelmäßig Scheiße. Hehehe.

Es kann nichts Besseres passieren, als eine sinnvolle Routine. Du kommst viel bewusster, kontrollierter vorwärts, wenn du täglich ein bisschen an einer Sache arbeitest, als wenn du panisch noch eine Coachella-Diät machst oder gegen eine Deadline knallst. Mit einer Routine kommst du überhaupt vorwärts! Und irgendwann kannst du den Unterschied sehen, das ist sicher wie der Sonnenaufgang. Deine Weiterentwicklung ist kein Ziel, sondern ein Lifestyle.

Sich eine Routine anzutrainieren ist nicht leicht, geht aber. Mit der Zeit wird das Durchhalten wenigstens einfacher. Allerdings gibt es ständig neue Herausforderungen, die dich vom Weg abbringen wollen. Dann heißt es, der Hürde ins Gesicht zu sehen und zu sagen: Fick dich, ich mach trotzdem weiter. Oder, wenn das nicht geht, die Routine an die neuen Begebenheiten anzupassen.

Denn wenn die Kette der Gewohnheit einmal reißt, wird es immer schwerer, sie wieder aufzunehmen, je länger du wartest. Und wenn du nicht wahr machst, was du dir vorgenommen hast, erblasst dein Selbstvertrauen immer mehr, und dann, und dann, und dann, bad times, Baby.

So eine Unterbrechung der Kette habe ich gerade erlebt: Ich hab mir schön sowas wie einen Tennisarm zugelegt. Habe also auch stressbedingt vor dem Abflug nach LA (es ist immer der Stress, gell?) viel weniger intensiv gesportelt, aber auch weniger meditiert, mehr Mist gegessen, insgesamt ist meine Disziplin am Ende ein bisschen, ähm, ausgefranzt.

Jetzt bin ich in Kalifornien, und es gilt nicht nur, Jetlag und allgemeine Konfusion zu überwinden, sondern auch meine Routinen wieder aufzunehmen. Aber dalli! Das mit dem Essen erweist sich als echt schwierig. Mein Arm hindert mich beim fitter werden. Und eigentlich erscheint so ziemlich alles schwierig, was mit Routine zu tun hat. Arrrgh!

In herausfordernden Momenten, am Anfang einer Routine, in der Mitte und eigentlich immer hilft ein Lifestyle-Hack: Die Don’t-Break-The-Chain-Technique soll auch US-Komiker Jerry Seinfeld benutzen, um sich zum regelmäßigen Schreiben zu motivieren. Und die geht so:

1. Entscheide dich für deine täglichen Gewohnheiten

Bei mir sind es natürlich die obigen. Plus noch ein paar hundert mehr, aber wir wollen’s nicht übertreiben. Natürlich reichen auch eine oder zwei. Auch die Unterlassung von etwas gehört dazu, wie etwa: keinen Mist fressen.

2. Besorg dir einen Kalender

– Da gäb’s zum Beispiel Apps. Sowas wie „Goal Streaks“, und vermutlich findest du noch mehr davon im App Store, wenn du „don’t breakt the chain“ eingibst.

– Das saugute Online-Tool „Chains“ mit Community-Charakter hilft dir beim Ausbilden und Halten deiner Routine. Eine Handy-App findest du hier auch.

– Ein gedruckter Kalender, in dem du die Tage fett ankreuzen kannst, macht sich super an einer sichtbaren Wand. Überm Klo. Allerdings erinnert und trackt dich dieser Kalender nicht automatisch.

3. Mach ein Kreuzchen an jedem Tag, an dem du deine Mission erfüllst

Das fühlt sich super an. Superheldenhaft geradezu. Die Kreuzchen-Kette wächst immer länger, und jedes Datum ohne Kreuz wird zu einem Graus.

Warum das funktioniert:

1. Don’t Break The Chain appelliert an deinen Stolz gegenüber dir selbst.

Du willst dich einfach nicht hängenlassen. Manchmal neigst du vielleicht sogar dazu, dich zu veräppeln und ein Kreuzchen zu machen, obwohl du nur ein bisschen deine Mission erfüllt hast, oder nein, eher auch gar nicht, oder vielleicht… Finger weg vom Stift!

Hier deshalb mein Tipp: Du solltest die Gewohnheiten messbar machen, damit das nicht passiert. Täglich eine halbe Stunde an deinem Ziel arbeiten oder zwanzig Situps, zum Beispiel. Und die Intensität der Arbeit sollte so hoch sein, wie es geht: 80 Prozent Minimum, sach ich mal.

2. Das Kreuzen macht Spaß.

Es ist fast ein gamifizierter Alltag: Mit jedem Kreuzchen bist du ein Level weiter. Dingdingding!

Darum hier noch ein Tipp von mir: Feiere jedes Kreuzchen. Denk dir bewusst: Alta, ich bin so cool! Ist auch so, du kannst mit jedem Kreuz stolz auf dich sein. Und jedes Kreuz bringt dich verdammt noch mal näher an dein Ziel! Belohne dich, indem du dir ein Bad einlässt oder sonstwas Nettes gönnst. Und bei zwanzig Kreuzchen ohne Unterbrechung gehst du geil essen oder feiern oder baust Scheiße. Zwanzig Punkte, dingdingding! Bei jedem Tag ohne Kreuzchen zahlst du fünf Euro in deine Durchdreh-Kasse.

Und noch was: Don’t Break The Chain gilt natürlich auch in Situationen wie meiner gerade in Los Angeles. Ich hab gefälligst weiterzumachen, und wenn ich meine Routinen an die Umstände anpasse. Das heißt: Trotz Ablenkung, nächtlicher Kundentelefonate und allgemeiner Konfusion morgens aufs Dach krabbeln fürs Bewusstseinstraining. Und trotz nervigem Ellenbogen abends ein Workout machen. Gibt genug körperliche Herausforderungen, die den Ellenbogen nicht involvieren.

Weiter geht’s.

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