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After Sundance: 6 Tools für den Super Human

Ich hab vor drei Wochen mal wieder einen Sundance durchgezogen (so kurz ist das nur her?). Wie angekündigt damals.

Der Sundance ist mein persönliches Bootcamp aka Personal Development Training aka seltsamer Selbstversuch, mit dem ich womöglich mal andere coachen würde irgendwann. Schliesslich sollte jeder erfahren, wie er seinen persönlichen Super Human in sich finden kann.

Vier Tage lang kein Kontakt nach außen, sondern nur bewährte und neue Übungen für Kopf und Körper, Kontemplation, Brainstormings, Fasten, gallonenweise ekliger Salbeitee, Meditationsmarathon und andere Routinen.

Das leert den Kopf: Meditation unter der eisigen Dusche

Und Mann, Mann, Mann, das war ganz schön hart. Ich ging anfangs ordentlich auf dem Zahnfleisch. Ich meine, das Konzept der Sache ist ja, dass ich ein bisschen an meine Grenzen gehe, um Willenskraft zu üben. Aber so??? Nur der Versuch – die Betonung liegt auf „Versuch“ – der längeren Meditation unter der eisigen Dusche hat mich halbwegs fit bekommen.

Auch der Kopf hat null gemacht, was ich wollte. Er drehte sich an den ersten beiden Tagen unentwegt um dieselben Dinge: „Aaah, ich hab brillionen Dinge zu tun nächste Woche und eine obermegasuperwichtige Beta-Sneak-Pre-Pre-Premieren-Präsentation inklusive Drachenbekämpfung. Und außerdem geht mir meine Mutter auf die Nerven. Und was vögeln überhaupt die Zwitschern hier so laut?“

So in der Art war mein Gehirn in Dauerschleife. Hat also super funktioniert, wie du siehst. Und irgendwann habe ich mich gefragt:

Wozu tu ich mir die Scheiße überhaupt an?

Während ich jetzt grillen oder am See rumhängen könnte? „Weil du musst“, hab ich mir gesagt. „Du musst mich weiterentwickeln. Du musst mehr Selbstkontrolle haben. Du musst den Stress loswerden.“

Und da geht’s schon los.

Hast du auch gemerkt, dass dieser Satz „Du MUSST den Stress los werden“ irgendwie ein Widerspruch in sich ist. Das ist wie in den schlechten Actionfilmen, wo die Putzfrau mit Knarre am Kopf ein einbeiniges Flugzeug landen muss und ihr ein Typ über Funk anweist: „Jetzt sei ganz ruhig, stress dich nicht.“

Aber wenn ich so ein Selbsttraining nicht machen MUSS, wozu mach ich das sonst? Mir ist am Abend des zweiten Sundance-Tag aufgefallen, dass die Frage „Warum mach ich den Scheiß eigentlich?“ auf ziemlich vieles in meinem Leben anwendbar ist.

Warum eigentlich Weiterentwicklung? Warum Schreiben? Warum muss ich unbedingt fit sein? Und wieso habe ich in den letzten Feinripp-Artikeln so oft über Erfolg geschrieben?

Sei ehrlich: Du bist scheiß eitel

Was, ich? Oh Gott, diese Idee gefiel mir gar nicht. Mir war aufgefallen, dass ich in letzter Zeit beinah besessen von der Weiterentwicklung wurde. Nicht im Sinn von dem, was ich habe (Geld ist mir schon zu egal), sondern in dem Sinn von dem, was ich tue.

Ich wollte mich nie mit anderen messen oder „die Beste“ in irgendwas sein. Ich wollte nur in meinen eigenen Augen nach meiner Definition immer „besser“ werden. Einfach damit ich mir selbst sagen kann, dass ich, naja, eben immer besser werde. Ich bin zu meinem eigenen Projekt geworden und alles, was ich tue, musste irgendwie Sinn machen.

Die Erkenntnis über diese Eitelkeit war ganz schön übel. Eigentlich will ich nämlich genau so nicht sein.

Perfektionsgedanken und Kontrollsucht sind Fallen

Ich will nicht so ein Mensch sein mit narzisstischen Zügen, der sich nur selbst auf die Schulter klopfen will. Zumal es nicht sonderlich clever ist.

Ein Autor Ralf Konsermann beschreibt es in seinem Buch „Die Unruhe der Welt“ so schön als unsere „Weigerung, die Dinge auf sich beruhen zu lassen“.

Die Sucht nach Weiterentwicklung ist eine selbst gestellte Falle: Du kannst nur rennen und rennen zum nächsten Ziel, diese Challenge, jene Bucketlist, dieser Marathon, das Projekt – und willst immer noch weiter. Kein Wunder, dass das Stress ist!

Nee, nee so nicht, mein Freund. Das wollte ich mal schön ändern. Das war also die Mission des Sundance. Hier ein paar der Ideen, die ich rausgefiltert habe – plus Hausaufgaben:

1. Du musst gar nix, du willst

Zurück zum Müssen: Kennst du das, wenn du plötzlich das Gefühl hast, du musst nur noch? Du musst zum Geburtstag, noch auf diesen Drink in jene Bar, beim Umzug helfen, dich mit einem Kumpel treffen.

Wenn sogar Dinge, die dir eigentlich gut tun sollten, zum Stress werden, ja… das ist dumm. Abgesehen davon ist es auch den Leuten, denen du deine Zeit ‚schenkst’, gegenüber unfair. Du musst nämlich gar nichts davon.

Auch diesen Job oder dieses Studium musst du nicht machen. Du hast deinen Weg gewählt, weil du ihn als für dich richtig empfunden hast. Du willst Dinge (hoffentlich), musst aber nicht.

Was heißt das? Meine Challenge für die nächsten 5 Wochen: Das Wort „müssen“ aus meinem Wortschatz streichen. Und mal sehen, ob ich damit meinen Kopf austricksen kann.

2. Erinnere dich: Warum tust du, was du tust?

Das war ja die große Eingangs-Frage des Sundance. Will ich mich wirklich nur weiterentwickeln und bestimmte Dinge erreichen aus Eitelkeit? Nein! Tue ich den Mist nur für Anerkennung? Bloß nicht.

Denn abgesehen davon, dass so eine Einstellung nicht von einem tollen Charakter zeugt, mache ich mich damit auch dann abhängig vom Applaus der anderen, vom Erreichen und von den äußeren Umständen.

Es kann eigentlich nur zwei clevere Gründe geben, etwas zu tun: 1. Entweder, weil es dich selbst glücklich und zufrieden macht und in den „Flow“ bringt (Kreativität ist so ein Ventil). Oder weil es andere Menschen glücklich(er) macht und deshalb Sinn hat. Purpose ist im Trend: Darum schießen Social Entrepreneurs so aus den Löchern. Oder du tust etwas, weil es dich bei einem der beiden Gründe unterstützt – wie zum Beispiel Geld verdienen.

„Peak Performance Coach“ Phil Drolet, der sich auch durch eigens entwickelte Boot Camps drückt (er nennt es „Jedi Training Camp“), hat es neulich schön gesagt in einem Video: Ein Super Human sei jemand, der einen guten Impact haben will, sich für andere einsetzt und in „Kindness“ übt. Hier gucken, thank you, Phil!

Seine Ansicht von der Sinnhaftigkeit des Tuns unterscheidet Phil von vielen seiner Kollegen, die hauptsächlich die Egoschiene fahren und einfach nur „Leadership“ oder „Greatness“ erreichen wollen oder so’n Quatsch.

Was heißt das? Meine Challenge für die nächsten 5 Wochen – und eigentlich für immer: Mich immer wieder bewusst daran erinnern, warum ich etwas wirklich tue.

Ein netter Nebeneffekt: So lange du für dich weißt, warum du etwas tust, ist egal, was andere denken. Du bist viel freier.

3. Einfach mal „Nein“ sagen

Neulich hab ich eine Expertin zum Thema Burnout unter Jugendlichen interviewt, die meinte: „In keiner Zeit wurde hierzulande so wenig gearbeitet wie heute. Und in keiner Zeit haben so viele Menschen über Stress geklagt.“

Das liegt unter anderem an der modernen Unfähigkeit, Prioritäten zu setzen und Entscheidungen für – und vor allem auch gegen – etwas zu treffen. Wie bescheuert sind wir eigentlich?

Du kannst nicht überall dabeisein, und vor allem ist das auch gar nicht nötig.

Was heißt das? Wirklich Dinge von der Liste streichen, das Scheiß-Telefon zur Seite legen und nicht auf jede dämliche E-Mail antworten. Echt mal! Dann lerne ich den Handstand wohl erst im nächsten Leben.

4. Aufschreiben: Welche Gedanken waren heute für die Füße?

Also ich habe viele, viele Gedanken, die mir nichts bringen.

Es soll ein wissenschaftlich erprobtes Tool sein, die Gedanken jeden Abend aufzuschreiben. Das sagt auch der Psychologe Tim Wilson wiederum in dem Video hinter diesem Link.

Was heißt das? Ausprobieren: Zwei Wochen lang jeden Abend aufschreiben, welche Gedanken mich an diesem Tag nicht weitergebracht haben.

Laut Wilson sollen sich negative Kopfwelten durch das regelmäßige Schreiben auflösen. Aber ich mache das auch erstmal, um mich zu beobachten.

5. Gedankenspirale stoppen mit einem physischen Trigger

Ich bin überzeugt davon, dass vieles im Kopf Konditionierung ist. Wenn ich nervige Gedankenmuster so toll in der Vergangenheit gelernt habe, dann muss ich mir doch auch sinnvolle Dinge „ankonditionieren“ können.

Manchmal passiert es ja, dass man im Kopf festhängt und sich nur um die eine Sache kreist. Da gilt es, diese Spirale zu unterbrechen und zwar genau in dem Moment, in dem du darin feststeckst:

Ich hatte in der Woche nach dem Sundance diese obermegasuperwichtige Beta-Sneak-Pre-Pre-Premieren-Präsentation inklusive Drachenbekämpfung. Wie es das Pech so wollte, konnte ich mich darauf viel zu wenig vorbereiten.

Selbstverständlich war ich derbe nervös vorher: Und siehe da, mein Tool hatte mich mich tatsächlich aus der Spirale gewuchtet!

Für jeden ist so ein physischer Trigger was anderes: Der eine mag von mir aus das Zerdrücken von Bubble Wrap, der andere schnalzt ein Gummiband, noch jemand atmet tief ein und aus und sonst einer singt irgendein Lied. Oder da gibt’s doch diese Kugeln, die man in einer Hand hin- und herwurschtelt. Jeder kann sein Tool finden.

Bei mir ist es, habe ich eher zufällig gemerkt, das Schieben von Perlen auf einer Kette. Und währenddessen denke ich meine Gedanken, die in dem Moment sinnvoll für mich sind (und meistens genau das Gegenteil aussagen von dem, wie ich mich gerade fühle).

Was heißt das nun? Weiterüben: Fünf Wochen jeden Tag mit dem persönlichen Trigger arbeiten für konstruktive Gedanken bzw. Emotionen.

Klingt das irgendwie neurotisch? Vermutlich ein bisschen.

6. Kontrolle loslassen und SPIELEN!

Vor hundert Jahren hab ich mal einer Kollektion einer großen Modemarke den Namen „Just Be“ gegeben – und hatte keine Ahnung, was das wirklich heißt. So entwickeln Texter halt ihre Parolen: Blah.

Was heißt für dich „Just Be“?

Wann hast du dich das letzte Mal anständig gelangweilt?

Das dachte ich mir.

Es ist total wichtig, sich die Zeit und Freiheit zu nehmen, die Kontrolle loszulassen. Sich einfach mal hinsetzen und zu fragen: Was möchte ich jetzt machen? Spielen. Auf Bäume hüpfen. In solchen Momenten kommst du dir näher. Deswegen tun kreatives Schaffen und Improvisation so gut, weil es etwas Natürliches und Organisches hat. Bei mir ist es das Tanzen und Tanzen und Tanzen. Und Schreiben.

Was heißt das nun? Die Challenge: Jeden Tag einen Moment Zeit nehmen, um offiziell sinnlosen Blödsinn zu machen.

Ja. Das krieg ich hin. I´m gonna be a Super Human.

PS: Mit der Einstellung fiel mit die zweite Sundance-Hälfte übrigens viel leichter.

Foto: Elenka Modig / C Heads

 

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