Hauptbahnhof Wien Copyright: ÖBB, Roman Bönsch
 

Österreich jenseits von Mainstream-Tourismus: Lilli Hollein, Designstadtgestalterin aus Wien

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Jeden Herbst ist Vienna Design Week in Wien. Nach dem Festival ist vor dem Festival. Also, Startschuss für die nächste Runde. Fokusbezirk, Gastland, Teilnehmende, Austragungsorte. Mittendrin: Festivaldirektorin Lilli Hollein. Das Festival feiert 2007 sein Debüt, Wiens Designlandschaft ist damals Wüste. „Natürlich war ein Potenzial, ein Spirit spürbar, aber die Plattformen fehlten“, erinnert sich Hollein. „Wir wollten mit unserer Expertise den Leerstand füllen.“ Kuratieren, kreieren, kommunizieren. Partys in leer stehenden Palais, renommierte Designer und Designstudenten bei der Diskussion, eine Stadt, die gefüllt ist mit Stil. Die Vienna Design Week wächst.

 

 

Wiener Wandel

So wie Wien. Bauprojekte und Bevölkerungswachstum. Die Stadt wird offen, international, bunt. Peu à peu. „Wien hat eine Gelassenheit, die sie gegen globale, schnelle Trends resistent macht“, ist Hollein überzeugt. „Vielleicht macht gerade das die Stadt so attraktiv.“ Kreative kommen nach der ersten Karriere zurück in die Heimat, wählen Wien statt London, Paris oder Berlin. Gründen Galerien und Ateliers, betreiben Cafés und Bars, eröffnen Start-up-Hubs und Hotels. „Die Stadt ist offen für die Kreativindustrie, unterstützt und wertschätzt sie. Das finde ich wesentlich“, sagt Hollein.

Wiener Liebe

Wien ist Holleins Geburtsstadt. Noch heute lebt sie in der Wohnung, in der sie aufgewachsen ist. Gestaltungkraft liegt in der Familie. Vater Hans Hollein prägt Wien als Architekt, Mutter Helene als Künstlerin. „Vieles in der Stadt hat sich verändert. Mit der Vienna Design Week leisten wir unseren Beitrag im Designbereich“, sagt Hollein. 2018 bereits zum zwölften Mal.

 

“Wenn Menschen glauben, dass Wien unfreundlich ist, haben sie Wien nicht verstanden.”

Lilli Hollein, Direktorin Vienna Design Week

 

Interview mit Lilli Hollein durch austria.info

austria.info: Design in Wien: Wo ist das offensichtlich?

Lilli Hollein: Nichts steht mehr dafür als die stadtumspannende Vienna Design Week, bei der wir jedes Jahr in andere Fokusbezirke gehen, die abseits der üblichen Pfade liegen. Wien ist die Gesamtheit der Vielfalt und Unterschiedlichkeit seiner Gegenden. Ich mag die polierten Ecken der Stadt, die bepflanzten Verkehrsinseln, aber auch das Raue, Industrielle, die hässlichen Ecken.

austria.info: Wo ist Wien typisch Wien?

Lilli Hollein: Im Café Korb etwa. Wien hat einfach einen spezifischen Charme und eine besonders gelebte Demokratie. Das Märchen vom unfreundlichen Kaffeehauskellner ist eben ein Märchen. Man muss nur wissen, wie das Spiel läuft, und sich beim Kellner ein gewisses Standing erarbeiten. Dann sind alle gleich. Wenn Menschen glauben, dass Wien unfreundlich ist, haben sie Wien nicht verstanden.

austria.info: Sie sind im 4. Gemeindebezirk aufgewachsen und leben nach wie vor dort. Wie erleben Sie die Veränderung in Wien?

Lilli Hollein: Selbst wenn man an einem Ort verharrt, wandelt sich der Ort. Meine nächste Wohnumgebung hat sich in den letzten Jahren unglaublich gewandelt: Es gibt einen Bankencampus, mit dem Sonnwendviertel ein neues Wohnviertel, den Hauptbahnhof. Wien fühlt sich hier nun viel internationaler an als vorher.

austria.info: Verraten Sie uns einen ganz persönlichen Ort!

Lilli Hollein: Sicherlich die Jesuitenkirche, in der ich geheiratet habe, und der Dr.-Ignaz-Seipel-Platz davor. Ich bin nicht für Fußgängerzonen, aber dort wäre eine interessant. Den Judenplatz möchte ich als speziellen Ort erwähnen, das ist ein schöner Platz mit Bedeutung und durch das Mahnmal von Rachel Whiteread mit einer ganz besonderen Atmosphäre. Es ist ein Ort, den ich oft bewusst quere, einerseits, weil ich ihn mag, und andererseits, weil er mich in eine Haltung versetzt.

austria.info: Sie leben mit Ihrer Familie in Wien. Wie erleben Sie die Stadt mit Kind?

Lilli Hollein: Die Freizeitangebote sind in Wien leicht erreichbar, mit der U-Bahn sind wir im Sommer rasch an der Alten Donau zum Bootfahren, zum Eislaufen beim Wiener Eislaufverein im Winter gehen wir zu Fuß. Am Wochenende nehmen wir auch viel vom Kulturangebot in Anspruch. Und wir gehen viel essen – nach einem Spaziergang im Prater ins Lusthaus, nach dem Eislaufen in die Intermezzo Bar des InterContinental. Ich gehe extrem gerne essen und liebe es, dass in Wien noch so hemmungslos getrunken wird.

austria.info: Was trinken Sie gerne?

Lilli Hollein: Veltliner. Ich bin eine Wienerin.

austria.info: In welchen Lokalen trifft man Sie?

Lilli Hollein: Ich brauche eine Bandbreite, eine Mischung aus Schwarzem Kameel und Beograd samt „Brennendem Hunnenschwert“, aus Café Anzengruber  und Café Prückel. Ich mag das Reinthaler in der Gluckgasse, ein uriges Wirtshaus, und das Iki, ein schönes, zeitgenössisches, barrierefreies Lokal.

austria.info: Welches stilvolle Wien-Souvenir muss einfach sein?

Lilli Hollein: Oswald Haerdtls Bonbonkugel von Lobmeyr gefüllt mit einer Praline von Altmann und Kühne. Das ist ein Klassiker. Für Zeitgenössisches empfehle ich unbedingt die Galerien Spazio Pulpo, Rauminhalt, Das Möbel und Lichterloh.

Lilli Hollein im Gespräch mit Ben Krischke. Copyright: Österreich Werbung, Nikolaus Sauer

Lilli Hollein im Gespräch mit Ben Krischke. Copyright: Österreich Werbung, Nikolaus Sauer

Lilli Hollein, Designstadtgestalterin

Wien, Design und Architektur sind ohne Lillie Hollein undenkbar. 1972 geboren, wächst Hollein in Wien auf, studiert Industrial Design an der Universität für angewandte Kunst, arbeitet als Journalistin und Kuratorin mit Fokus auf Design und Architektur. Wien ist träge in dem Bereich. Anstatt die Koffer zu packen und ihre Geburtsstadt zu verlassen, gründet Hollein mit Designexpertin Tulga Beyerle und Kurator Thomas Geißler 2007 als „Neigungsgruppe Design“ die Vienna Design Week. „Wir wollten etwas ändern und im Bereich unserer Expertise, in dem wir Leerstellen sehen, etwas beitragen.“

Heute zieht das kuratierte Festival für Architektur und Design in vielen Spielarten mit Formaten wie den Passionswegen – Wiener Traditionsmanufakturen arbeiten mit Jungdesignern – und der Stadtarbeit (Social Design) und natürlich mit Lilli Hollein als Festivaldirektorin knapp 40.000 Besucher an.

 

 

 

 

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Quelle Headerbild: Hauptbahnhof Wien Copyright: ÖBB, Roman Bönsch

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