THE QUICK ONE, 2016
 

Ist das Kunst oder kann das weg? (2) „The quick one“

Kunst oder nicht?

Was ist eigentlich Kunst und wer beurteilt das? Kann man Kunst überhaupt allgemein benennen oder liegt diese Ansicht ganz im Auge des Betrachters? Was ist kreativ und was bloß hingeschissen? Muss man sich etwas Konkretes dabei denken, wenn man ein Kunstwerk schafft? Oder kann auch der unglücklich gestolperte Weinfleck an der Wand als Kunst durchgehen? Schon ungefähr immer streitet sich die Welt über dieses Thema. Ist das Gesicht in meinem Rührei Kunst oder kann ich es bedenkenlos aufessen? Hängt das Pissoir extra im Museum oder hat es sich nur im Raum geirrt? Zwischen Kunst und Schrott liegt oftmals nur ein schmaler Grad.

Würde ich auf einer Karteikarte zwei Striche ziehen, wären das zwei Striche auf einer Karteikarte. Würde das aber jemand wie Kandinsky machen, dann hingen die zwei Striche gerahmt in irgendeinem Museum für Moderne Kunst. Kann nur derjenige Künstler sein, der auch als solcher angesehen wird oder dürfen wir alle Künstler sein?

Um diesen Fragen nachzugehen, habe ich beschlossen, einfach mal selbst Künstler zu sein. Dazu werde ich euch regelmäßig eines meiner „Werke“ präsentieren, sei es ein Gemälde, ein Foto, ein Objekt oder auch einfach irgendein Schrott. Ihr entscheidet selbst: Ist das jetzt Kunst oder kann das weg?

TEIL 2: „The quick one“

(Acryl auf Papier)

Ich persönlich bin ja eher der Fan von schneller Kunst. Schnell muss nicht unbedingt hingerotzt bedeuten, es bedeutet einfach in wenig Zeit. Gerade wenn verschiedene Farbmassen gut zur Geltung kommen sollen, ist es manchmal schlauer schnell zu arbeiten, damit sich die Farben nicht zu viel miteinander vermischen. Wer kennt das nicht, man malt stundenlang an einem abstrakten Shit, das am Ende nichts mehr weiter ist als grauer Matsch. Mies.

Weil ich mir sowieso lieber die Finger schmutzig mache, als akkurat mit dem Pinsel zu hantieren, habe ich für dieses Bild die Farbe mal wieder direkt aufs Papier geschüttet. Ich hatte überlegt, vorher ein paar einzelne Farbproben zur Planung zu nehmen, aber das habe ich dann nicht gemacht. Stattdessen habe ich einfach alle Acryl-Tuben und Abtönfarben auf den Tisch gestellt, die ich besitze, und mir daraus ein paar Kombis spontan zusammengesetzt. Dabei kann man sich ja Zeit lassen. Währenddessen hab ich festgestellt, dass vier Tuben leer sind, eine kaputt und zwei zu feste zugeschraubt bzw. total verbabbt. Das kürzt den Auswahlprozess ein wenig ab.

Nach mehreren garnicht mal üblen Anläufen greife ich zu einer meiner Liebsten dieser Farben, nennen wir sie mal Weinrot, und setze einen fetten Drop auf mein weißes Papier. Dazu kommt noch etwas Blau, Gelb, Grün und Hautfarben. Ein anderes Papier oben drauf und jetzt schön drücken (aber mit Gefühl). Bisschen hin und her schmieren und dann vorsichtig voneinander lösen. Ich habe das mal in einer Kreisbewegung gemacht, so ziehen sich die Farbfäden nochmal in verschiedene Richtungen. Im Prinzip ist das jetzt ein Stempel. Solche Stempel haben allerdings eine voll moderne Erscheinung, weshalb sie sich besonders für minimalistische Einrichtungen oder so eignen. Ist das nun Kunst?

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„The quick one“, 2016

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