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Kreativ Hub Chausseehaus

[Article in English @ Vagabundler – Creative Hub Chausseehaus – Kreativnomade]

Der Kreativnomade wird sesshaft. Zumindest räumlich, die Inspiration bleibt frei. Sam Khayari heißt der Maler, Fotograf und bildende Künstler wirklich, ist vielen in der Rhein-Main-Region aber eher unter seinem Künstlername und durch seine Werke oder die von ihm organisierten Veranstaltungen bekannt. Die Wanderschaft hat aber nun ein Ende. Sam hat das ideale Gebäude gefunden und ein neues Zuhause für Kunst, Kultur und Musik in Rüsselsheim. Kreativ Hub nennt er es selbst. In einer seit 20 Jahren leer stehenden Gaststätte von 1887 hat nun nach langer und liebevoller Arbeit der Kreativort des Kreativnomaden eröffnet, das Chausseehaus.     

Auf seiner Instagramseite und einer frisch erstellten Webseite hatte Sam die kompletten Renovierungsarbeiten und das Entstehen des neuen Kunstraums dokumentiert. Dabei handelt es sich nicht nur um eine schlichte Aufzeichnung, der Herr ist schließlich auch Fotograf und stellt die Verwandlung des Chausseehauses aus seiner besonderen Perspektive dar. Die Fotos sind klasse! In dem alten Gasthof wurde mittlerweile eine Bar und ein Café eingebaut, außerdem beteiligten sich befreundete Künstler mit eine Handvoll schöner Graffitis, Malereien und Deko. Aus alt mach neu, und dies mit frischer passionierter Kunst. Sam nutzt das Gebäude bereits seit einiger Zeit für Fotoshooting. Das abrissreife Innenleben im Lost Place Stil ist der perfekte Hintergrund für richtig gute Bilder.  

Zur Eröffnung gab es zunächst kleine bürokratische Probleme mit den Behörden, aber alle nötigen Papiere sind nun vor Ort und so konnte Sam das Chausseehaus mit einer Woche Verspätung, aber einer umso tolleren Party einweihen. Verschiedene DJs standen an den integrierten Turn Tables und bespielten die Sound Anlage. An den Wänden hingen Bilder von neuen regionalen Künstlern. Dies ist auch ein Konzept vom Chausseehaus. Es soll Platz bieten für genreübergreifende Stile, alternative Projekte und frische, nicht auf das Kommerzielle ausgelegte Ideen. Familiäres Netzwerken und Fair Trade stehen ebenfalls ganz oben auf der Agenda. Im Juli sind bereits zwei Konzerte geplant, außerdem startete mit der Eröffnung eine Ausstellungsserie. Interessierte Künstler jeglicher Richtung können sich gerne bei Sam unter zum@chausseehaus.net mit Ideen melden.

Wir haben uns mit dem Kreativnomaden in einem Interview über die Entstehung des Chauseehauses und seine unzähligen weiteren kreativen Projekte unterhalten. Im Folgenden sind Passagen des Gesprächs ebenfalls verschriftlicht.    

Erzähl uns zunächst ein paar Worte zu dir.

Ja, ich bin Sam Khayari aus Rüsselsheim. Bin Maler, Fotograf und bildender Künstler und ich hab im meiner Heimatstadt schon sehr viele Kunstprojekte in der Vergangenheit gemacht. Hab verschiedene Ausstellungen gemacht und auch immer wieder mit verschiedenen Künstlern zusammen gearbeitet. Auch mit Künstlern aus ganz unterschiedlichen Genres. Von DJs über Graffiti Malern zu Bildhauern oder Sprechkünstler. Mitte letzten Jahres kam mir dann die Idee, eine eigene Lokation zu betreiben, wo man das, was ich ohnehin schon die ganze Zeit gemacht habe an einem festen Ort mal durchführen kann. Also der Kreativnomade wird quasi sesshaft. Ich hab mich dann auf die Suche nach einer Atelierfläche zusammen mit meinem Kumpel Daniel Vargas gemacht, der DJ ist. Da sind wir dann auf das Chausseehaus in Rüsselsheim gestoßen. Das ist ein Gebäude, ein historisches Gebäude in Rüsselsheim. 1887 erbaut. Das war schon immer eine Gaststätte, ein Gasthaus und das stand jetzt seit über 20 Jahren leer. Ich hab es mir dann zur Aufgabe gemacht, dieses Gebäude wiederzubeleben. In den letzten vier Monaten hat dann der Umbau angefangen. Ich hab den Eigentümer kennen und konnte ihn von meiner Idee zu überzeugen, daraus – ja, da kommt dann immer die Frage, was ist es denn genau? Ja, es vereint ganz viele Sachen. Ich nenne es immer ganz gerne Kreativ Hub, weil es kreative Menschen zusammen bringen soll. Auf der anderen Seite ist es eine kleine Galerie, ein Café oder eine Bar.

Es ist also nicht so, dass du dir jetzt dein eigenes kleines Studio eröffnet hast, sondern du hast eben Fläche erschlossen, auf der dann ganz viele Leute mitwirken können. Dort können auch ganz unterschiedliche Kunstarten stattfinden. Also auch Konzerte oder Vorlesungen, an den Wänden können Bilder hängen. Ein schöner kreativer Mischmasch.

Genau. Und das dann auch genreübergreifend. Ich hab jetzt für den Start mit ganz vielen Künstlern zusammen gearbeitet, die ich schon kenne und mit denen ich befreundet bin. Die haben auch teilweise bei der Mitgestaltung geholfen. Da hat jeder so seinen Input gegeben. Und in den letzten vier Monaten ist dann der Umbau durchgeführt wurden und das Ganze ist dann wieder zu neuem Glanz gekommen. Und jetzt steh ich kurz vor der Eröffnung. Der Plan ist am 22. Juni zu eröffnen. Ursprünglich war der Plan, letzte Woche zu eröffnen. Doch es kamen die Behörden ein wenig dazwischen, da hat ein Dokument gefehlt, was ich jetzt nachgereicht habe. Und morgen früh müsst ihr alle bitte die Daumen drücken, dass die Behörde dem ganzen zustimmt und ich am Samstag starten kann (Anm.: Ist geschehen!).

Es ist auch sehr interessant, dass du ein historisches Gebäude genommen hast. Du hast da ja Vergangenheit mit Gegenwart und Kunst mit Geschichte verbunden, das ist nochmal was anderes, wie wenn es jetzt irgendein neues Gebäude wäre.

Ja, das gehört für mich auch so ganz eng zusammen. Gerade weil ich in meiner Heimatstadt Rüsselsheim ein Kunstprojekt in der Vergangenheit gestartet habe. Dort geht es um Erinnerungskultur. Ich hab mich dabei mit Denkmälern und Kunst im öffentlichen Raum in Rüsselsheim beschäftigt. Inzwischen ist daraus auch eine Zusammenarbeit mit der Uni Mainz geworden und der Stadt selbst. Deswegen war auch hier spannend, die Geschichte dieses Gebäudes zu recherchieren und kennenzulernen und das Ganze jetzt auch anderen wieder zugänglich zu machen.

Was hast du für die Eröffnung geplant?

Es wird eine kleine Eröffnungsparty geben, die soll ab 18 Uhr starten. Für den Abend gibt es natürlich auch ein DJ Line Up. Es sind vier DJs am Start. Das ist der Amir Mekave, der Mathias Pizaro alias Wavenoise, der Martin Reichmann und der Daniel Vargas. Die vier werden uns so durch den Abend begleiten. Der Amir fängt an mit sehr chilligen Sounds. Wer Martin und Daniel kennt, der weiß, das geht so in die Minimal und Techno Richtung. Ich freu mich sehr, bin sehr gespannt. Es sind auch viele andere gespannt. Weil die ganze Entwicklung vom Chausseehaus, von der Renovierung bis jetzt, das konnte man die ganze Zeit mit verfolgen auf Instagram und auf dem eigens eingerichteten Blog. Und deswegen gibt es da jetzt schon eine kleine Fangemeinde bei uns im Ort, die es kaum erwarten kann, dass es los geht.

Welche Events stehen danach an?

Ich hab einige Künstler, die bei einer Serie mitmachen, die ich jetzt ins Leben gerufen habe. Wer Rüsselsheim kennt, der denkt immer an das Opel Altwerk. Deswegen hab ich eine Serie gestartet, die heißt Neuwerk. Und in der Serie stelle ich neue Künstler vor und mit einigen Künstlern werde ich jetzt auch die Eröffnung starten. Da werden nach und nach neue Werke von neuen Künstlern in regelmäßigen Abständen ausgestellt. Und wenn Künstler Interesse haben, mitzumachen, dann können sie sich einfach bei mir melden. Im Juli sind dann schon zwei weitere Konzerte geplant. Am 19. und 20. mit „Who killed Janis“ aus Rüsselsheim und mit „Meat the Machine“ aus Mainz. Da geht es dann eher so in die Rockrichtung. Ja, es ist sehr abwechslungsreich und soll auch für alle ein Ort sein zum Treffen und zum Zusammenkommen.

Es gibt einfach zu wenig alternative Orte zur freien künstlerischen Entfaltung, ständig schließt auch irgendwas, daher ist es sehr schön, bei dir mit verfolgen zu können, wie etwas Neues entsteht. Im Prinzip kann sich jeder, der hier zuhört bei dir melden, du bietest den Raum, die Leute sollen ihn füllen.

Genau. Das Ganze lebt vom Mitmachen. Es ist nicht nur konsumieren, deswegen auch die ganze Dokumentation auf Social Media und im Blog, um die Leute zum Partizipieren zu animieren. Jeder, der einen Beitrag leisten möchte, kann einen Beitrag leisten und hat dort, so wie ich jetzt auch ein Zuhause.

Beschreib uns mal das Chausseehaus etwas genauer. Also du meintest ein alter Gasthof, also wahrscheinlich mit vielen Räumen?

Es ist jetzt ein großer Raum. Es waren tatsächlich früher mal mehrere Zimmer. Jetzt ist es ein großer Raum mit circa 130 Quadratmetern. Fest integriert ist ein DJ Pult. Das heißt für alle Vinylfreunde. 1210er sind am Start. Wer gerne mal an die Plattenspieler will, kann gerne vorbei kommen. Es ist eine Function One Anlage drin für den Sound. Sonst ist es genauso wie bei den Künstlern. Da leg ich viel Wert darauf, zu netzwerken und viel mit Künstlern aus der Region zusammen zu arbeiten. So ist es auch mit dem Angebot im Chausseehaus. Das heißt alle Produkte, die dort im Café und an der Bar angeboten werden, kommen auch aus der Region. Manche Sachen sind sogar lokal. Und das Chausseehaus steht auch für Fair Trade, es werden auch Fair Trade Produkte angeboten.

Hast du vor daraus auch einen Verein zu machen, so eine Art „e.V.“?

Das kann natürlich durchaus passieren. Ich hab im letzten Jahr gemeinsam mit befreundeten Künstlern einen Kunst und Kulturverein tatsächlich gegründet. Das war erst mal komplett unabhängig vom Chausseehaus. Wir nennen uns „Freier Kunst und Kulturverein Rüsselsheim“, also „FKK Rüsselsheim“. Wir haben jetzt auch im Kultursommer verschiedene Veranstaltungen. Wir sind in Rüsselsheim mit vier Veranstaltungen vertreten und ich bin bei der Hafen Jam am Samstag in Raunheim dabei. Das ist eine große Graffiti Jam. Wenn ich einen Text von mir lese, dann steht immer „umtriebig“ drin. Das passt ganz gut zum Kreativnomaden.

Wie bist du selbst eigentlich zur Kunst gekommen.

Ich hab eigentlich schon immer gemalt und gezeichnet als Kind. Vor über 25 Jahren hab ich dann meine Anfänge mit Graffiti gemacht und hab bis heute auch noch eine sehr große Verbundenheit mit den Künstlern. Der Krescho, der sich hier noch heimlich im Studio versteckt, aka traubexxminze, der hat jetzt auch hier im Chausseehaus gemalt. Und den Krescho begleite ich des Öfteren mal photographisch. Vom Graffiti bin ich dann zur Leinwand. Von der Leinwand hab ich dann irgendwie die Kamera für mich entdeckt und hab festgestellt, dass ich irgendwie ganz viele Dinge, die ich beim Malen gelernt hab, also sowas wie Bildaufbau und Komposition, dass ich das auch ganz gut mit der Kamera umsetzen kann. Deswegen sind das beides so treue Begleiter. Ich nenne mich ja selbst Kreativnomade, weil ich immer so auf der Suche nach dem richtigen Medium für mich bin. Deswegen wechselt das Medium immer mal wieder, aber der Kunst bin ich treu.

INFOTHEK

Chausseehaus

Email:  zum@chausseehaus.net

Webseite: https://www.chausseehaus.net/

Facebook: https://www.facebook.com/Chausseehaus65428

Instagram: https://www.instagram.com/chausseehaus_ram/  

Sam Khayari aka Kreativnomade

Email: sam@kreativnoma.de

Webseite: https://www.kreativnoma.de/

Facebook: https://www.facebook.com/krtvnmd

Instagram: https://www.instagram.com/krtvnmd_art/

Ein weiteres Inteview mit Sam Khayari aka Kreativnomade findet ihr übrigens in unserem Artikel über die Culture Map. Link: https://www.feinripp.net/frankfurt-am-main/culture-map/

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