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INVENTAFILM – Cristina Binetti

[Article in English @ Vagabundler: Inventafilm – Cristina Binetti ]

Der Fokus liegt auf dem Experimentalfilm, das visuelle Kunstprojekt von Cristina Binetti umfasst aber auch ihre Regiearbeiten, Fotografien, Dokumentationen und Bücher. Die kreative Videokünstlerin ist 1976 in Frankfurt am Main geboren, hat ihre Wurzeln jedoch in Apulien nahe Bari. Viele ihrer Filme sind daher in Italien entstanden. Als Kind schrieb sie Kurzgeschichten, später Drehbücher, bis sie schließlich ihr Drehbuch-Debüt „Transire“ an eine internationale Filmproduktion verkaufen konnte.  

An der Schule für den unabhängigen Film setzte sie sich viel mit dem analogen Film auseinander, war fasziniert von den Meistern des Italienischen Neorealismus, wie Fellini und De Sica und entdeckte ihre Leidenschaft für den „authentischen“ Film. Hier traf sie auf großartige Regisseure, darunter Ludwig Wüst, Ralf Marschalleck, Reiner Etz und Josephine Ahnelt. Ihre Drehbücher und Kurzfilme produziert sie unabhängig und die meisten ihrer Experimentalfilme sind in schwarz-weiß und auf 8mm und ohne Ton gedreht.

Das Zelluloid bearbeitet sie von Hand, mit Farbe oder versieht es mit kleinen Einkerbungen. Während ihrer Entwicklung zur Filmemacherin und inspiriert durch Regisseure wie Chris Marker, produzierte sie unter anderem den Fotofilm „Absolution“, ein Fotoroman, der ohne Dialoge auskommt und nur von der Ausdrucksstärke der Protagonisten lebt. Cristina Binetti ist durchgehend auf der Suche nach Schauspielern für ihre Filmprojekte. Ob Profil oder Erstling, bei Interesse stehen alle Kontaktdaten am Artikelende in der Infothek.

Wir haben uns mit der Künstlerin in einem Interview über ihre Arbeit, die Schule des unabhängigen Films und neue Projekte unterhalten. Der Mitschnitt zur Sendung bei Radio X ist im Podcast online, Teile des Gesprächs sind außerdem im Folgenden verschriftlicht.

Inventafilm ist ja dein Filmprojekt, erzähl uns mal ein bisschen genauer, was du da machst.

Ja, also Inventafilm umfasst im Prinzip Drehbucherstellungen. Also ich schreib selbst Drehbücher, mache Filme jeglicher Art. Also Dokumentarfilme sind darunter, Experimentalfilme, auch Szenisches, aber man findet auch Fotografie unter Inventafilm. Es ist so ein Sammelsurium aus Kreativem.

Bei dem Traumschläger Kollektiv Straßenfest neulich, da gab es ja diese Filmbox mit Beiträgen von verschiedenen Filmemachern hier aus Frankfurt, Offenbach und der Rhein-Main-Region. Also kleinere Clips und da waren ja auch Sachen von dir dabei.

Ja, das ist richtig. Ausgestellt hatten wir dort „Ma Soeur – Stills“. Das ist meine Schwester in einem Experimentalfilm, der die Beziehung zwischen zwei Schwestern aufgreift. Es sind Zwillinge, aber nicht eineiige und jede tritt auf ihre Art mit der anderen durch einen Ausdruckstanz in den Dialog. Während die Eine eher klassische performt, da geht die Andere in einen doch etwas poppigen Tanz über und dies recht ausdrucksstark.

Also Zwillinge, aber doch sehr verschieden.

Genau, das fand ich ganz spannend. Dann hatten wir noch eine dokumentarische Arbeit, „Gioco Fazzoletto“ nennt sich das. Das ist das „Spiel des Taschentuchs“, das oftmals am Strand gespielt wird, wenn alle Menschen schon weg sind und alles so entspannt ist und der Strand eben menschenleer. Das Werk ist auch sehr interessant und die Arbeiten kann man sich auch alle auf der Homepage ansehen. Wie gesagt, es ist denk ich ein schönes Potpourri aus Filmen.

Zur Schule des unabhängigen Films, die wurde ja 16. September 2017 von Arnd-Tibor Koch gegründet  

Ja, wir kommen jetzt ins zweite Jahr. Ich hab das erste mitgemacht und möchte das auch nicht missen. Also das ist wirklich auch ein Anstoß und auch eine Inspiration. Man lernt sehr viel über die analoge Fotografie und den analogen Film. Das heißt, man dreht auch auf 16 mm und auf 8 mm und steigt in das Thema Film ein. Also Film als solches, dass man einfach auch mal einen Film anfassen kann und sehen kann, was man mit einem Film alles machen kann, wenn er nicht digital ist. Das fand ich schon sehr spannend. Das hat auch einiges bei mir bewegt und in Gang gesetzt.

Also es ist eine Schule, aber vom Konzept her sind es Kurse in einem Semester. So eine Mischung aus Uni, Schule und Volkshochschule mit Seminaren, die man dann buchen kann und das geht dann über mehrere Monate.

Also es ist ein ganzes Jahr und jedes zweite Wochenende hat man dann den Samstag und den Sonntag, an denen man dann wirklich auch zur Tat schreitet, sowohl in der Theorie als auch sehr viel in der Praxis. Zum Ende hin hat man dann auch wirklich die intensive Praxiszeit, in der man wirklich auch an den eigenen Projekten arbeiten kann und sich dann auch selbst ein bisschen ausprobiert und schauen kann, wo man denn eigentlich hin will. Es gibt die unterschiedlichsten Studenten, wir hatten welche, die dadurch festgestellt hatten, das ihnen die Fotografie sehr liegt. Andere wiederum gehen dann wieder eher auf den Film. Viele arbeiten dokumentarisch, andere wieder lieber szenisch. Also das ist ganz unterschiedlich, wo man sich da dann selbst wieder findet.

Das läuft also auch sehr gut berufsbegleitend. Man kann es zum Einen als Weiterbildung nutzen, wenn man ohnehin schon in dem Feld aktiv ist und sich neue zusätzliche Skills aneignen möchte. Auf der anderen Seite ist es auch etwas für jemanden, der sich noch überhaupt nicht mit der Thematik beschäftigt hat, um das Ganze kennenzulernen.

Vielleicht auch gerade dann. Weil man dann auch nicht so viele Vorbehalte hat. Da ist man noch relativ unberührt und kann sich eben voll und ganz drauf einlassen. Also ich glaub, dass das sogar noch hilfreich ist. Auch vom Alter her ist es an der Schule ganz frei, ganz bunt gemischt. Es kann jeder kommen, der möchte und Zeit findet.

Wo findet man die Schule und wie läuft die Aufnahme ab?

Die Schule sitzt in Bockenheim im Stadtbüro, das ist direkt neben dem Exzess. Wenn man auf die Webseite geht, kann man sich auch für das nächste Semester eintragen. Dann kommt man ins Gespräch und schaut, ob dass das Richtige ist. Tibor wird da auch nochmal mit jedem einzelnen sprechen und schauen, wie es passt und ob das wirklich die Erwartungen auch erfüllt. Nicht, dass man da unter völlig falschen Erwartungen durchstartet. Es ist schon wichtig, dass man auch sieht, was einen erwartet. Und ja, dann steht dem Ganzen eigentlich nichts mehr im Wege.

 Das Schöne an den Kursen ist auch, dass diese in kleinen Gruppen gehalten sind, in denen man wirklich gut arbeiten und lernen kann.

Ja, genau. Man sitzt an einem Tisch und kann sich da ganz entspannt austauschen, was ich auch als sehr angenehm empfunden habe. Es gibt diesen direkten Austausch an einem kleinen Tisch, an dem man zusammen sitzt und seine Werkstattgespräche hat und auch das Material sichtet. Es sind eher kleinere Gruppen und das ist auch so gewollt. Man hat eher eine ich sag mal one-to-on Schulung, also eine Art Einzelberatung. Das ist ganz gut.

Heutzutage wird ja am laufenden Band fotografiert und alles direkt auf Internetplattformen hochgeladen. Was hälst du von der ganzen neuen technischen Entwicklung? Bei der Schule für unabhängigen Film geht es ja eher back to the roots.

Ja, ich glaub das Problem dabei ist, dass man aufhört, den Dingen einen bestimmten Wert beizumessen, wenn man mit der Kamera rumläuft. Da spann ich jetzt wieder den Bogen zum Analogen oder zur analogen Fotografie. Dort hat man sich genau überlegt, was man fotografiert und was nicht. Ich kann natürlich allem eine Bedeutung geben. Ich kann dem Blatt im Wind eine Bedeutung geben, genauso wie dem kleinen Kinde, das am Straßenrand sitzt. Also ich glaub, dass es wichtig ist, dass man reflektiert und auch reflektierend durch die Gegend läuft ohne ständig jede Mahlzeit abzufotografieren. Dann eben auch im Hinblick auf diese Social Media Geschichte, dass man sagt, ich fotografiere das jetzt, weil ich sagen will, ich esse jetzt gerade etwas Veganes. Oder ich fotografier das, weil ich das jetzt mit 20.000 Leuten teilen will oder weil ich gerade erzählen will, dass ich neue Plätzchen gebacken hab. Ich glaub, dass man sich einfach ein Stück weit mehr besinnen muss, um auch den Dingen Zeit zu geben und einen bestimmten Wert beizumessen. Das ist ganz wichtig.

Du arbeitest selbst mit vielen Techniken, machst analog wie digital und hast aber auch Theaterstücke mit Performances.

Ja, genau. Ich bin da auch immer auf der Suche. Das ist jetzt auch ein ganz offizieller Aufruf nach Leuten, die Lust haben, Theater zu spielen. Das müssen aber auch keine Profis sein. Mir ist das stellenweise sogar ganz recht, wenn es Leute sind, die einfach vor die Kamera treten wollen und sich einfach auch selbst mal ausprobieren möchten. Oder vielleicht auch Schauspieler und Darsteller, die bisher immer nach Drehbuch arbeiten mussten, wo alles präzise bis ins kleinste Detail durchgetaktet und durchgeplant war. Bei mir kann man auch relativ frei spielen. Das ist mir auch wichtig. Meistens kommt man da auch zu dem Schluss, dass man etwas findet, was man vorher nicht erwartet hat und was man auch so nicht planen hätte können. Das ist mir ganz wichtig. Also Leute vom Theater, Kleindarsteller, Leute, die noch nie auf der Bühne standen oder noch nie vor die Kamera getreten sind, also da sind alle herzlich willkommen. Interessierte können sich gerne bei mir über die Inventafilm Webseite melden. Das wäre großartig, da freu ich mich auch immer auf neue Projekte. Ich meld mich dann, sag Bescheid und man kann losziehen und drehen.

Was steht an Projekten in nächster Zeit an?

Also es sind immer wieder einige. Es läuft auch viel parallel, je nach Zeit natürlich. Im Augenblick hab ich was in einer Kombination aus digital und analog mit dem Thema Wild und Frau. Da sind auch Rehe und Geweihe dabei und das ist dann auf einen nackten Frauenkörper projiziert mit einem 16 mm Film. Das war und ist eine sehr spannende Arbeit, die auch im Zuge der Schule des unabhängigen Films entsteht, weil wir die Schule auch als Atelier oder Werkraum nutzen. Das ist immer ganz spannend, weil man dort auch alles hat und man ist ganz gut ausgerüstet. Des Weiteren steht eine Art Kindertheaterstück an, das eben auch als Film fungiert. Hier sind wir noch auf der Suche nach einer Bühne oder jemandem, der uns eine Bühne zur Verfügung stellt. Ansonsten bin ich durchgehend mit einem Mix aus Experimentalfilmen beschäftigt. Da sind wir gerade händeringend auf der Suche nach einer Plattform oder einem Ort, wo wir unsere Filme zeigen können und wo man sich austauschen kann. Ein Ort, wo man auch Gleichgesinnte finden kann, die auch Experimentalfilme machen wollen. Wir bräuchten hier einen Ort, wo wir diese Filme abspielen könnten, der dann eben auch als fester Bezugspunkt gilt und wo man auch Leute einlädt und immer mal wieder Experimentalfilm-Abende macht. Das fehlt hier in Frankfurt. Also ein Underground-Kino. In Berlin und in Wien findet man sowas überall an jeder Straßenecke und ich finde das braucht Frankfurt ganz dringend.

Wie sind deine Rollen für die Projekte gestaltet, was erwartest du von den Darstellern?

Da find ich es immer wichtig, dass man versucht doch reduziert zu spielen. Oftmals hab ich den Eindruck, dass die Leute vor die Kamera treten und es besonders gut machen wollen und irgendwie ist es dann plastisch. Deswegen sag ich auch immer ganz bewusst, dass es stellenweise echt ganz schön ist, Leute zu haben, die das nicht gewohnt sind. Die haben dann teilweise auch eine unglaublich stille Art zu spielen und dennoch eben sehr ausdrucksstark. Als Ausgleich ist es natürlich immer ganz schön, wenn man Dokumentarfilme macht. Dabei ist man dann auch eher als Beobachter unterwegs und findet dort auch ein bisschen das, was einem vielleicht beim Szenischen fehlt.

Also interessierte Personen, die gerne schauspielern und bei einem Filmdreh oder einem Theaterstück dabei sein möchten, die können sich bei dir melden.

Ja, gerne. Oder auch Personen, die auch mal gerne über bestimmte Grenzen hinweg gehen möchten, die sich mal selbst entdecken möchten. Es ist auch immer in einem sehr geschlossenen Rahmen. Man muss hier keine Angst haben, dass man dann in einem großen Team zusammen arbeiten muss. Das ist also nicht der Fall. Es ist immer überschaubar und mir ist auch wichtig, dass die Leute sich wohlfühlen. Wenn jemand Lust darauf hat, dann einfach melden, dann freu ich mich.

INFOTHEK

Inventafilm

Webseite: http://www.inventafilm.com

Kontaktformular: http://www.inventafilm.com/contact.html

Facebook: https://www.facebook.com/stina.nolli.7

Youtube: https://www.youtube.com/channel/UCigvvPz_AnMTU8cAJ74enBA

Schule des unabhängigen Films

Postadresse:   Schule für unabhängigen Film,  c /o Arnd-Tibor Koch, Waldschmidtstr. 34, 60316 Frankfurt

Räumlichkeiten: Leipziger Straße 91, 60487 Frankfurt

Telefon:  069 20023600

Email: schuleunabhaengigerfilm@mail.de

Webseite: http://www.schuleunabhängigerfilm.de

Artikel bei Feinripp: https://www.feinripp.net/kunsthochschulen/schule-unabhaengiger-film/

Interview Arnd-Tibor Koch: https://hearthis.at/radio-x-interviews/arnd-tibor-koch/

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