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Troglodyten in der Klosterpresse

Was um Himmels Willen bedeutet denn „Troglodytisch“?  – So lautet nämlich der Name einer aktuell laufenden Ausstellung. Also nur das Wort „Troglodytisch“. Nicht noch das „..um Himmels Willen…“ Wir wurden zum Glück aufgeklärt: Ein Troglodyt ist ein Wesen, das unter der Erde haust, dort komische Sachen macht und ab und zu auch mal an die Erdoberfläche wandert…

Wenn man sich aber die drei Künstler bei der Vernissage so angeschaut hat, dann kamen die einem eigentlich ganz manierlich und fast schon normal vor. Äußerlich keine Wesen von unter der Erde. Aber es soll sich ja spaßig auf das Denken beziehen, weil im Kopf spielt die Musik und da entspringen auch die kreativen Ideen für die Werke, die die drei noch bis zum 4. Juni in Frankfurt in den Räumlichkeiten des Kunstvereins Klosterpresse in der Paradiesgasse 10 ausstellen.

Aha. Also Wesen, die unter der Erde leben. Mit „unter der Erde“ ist dann im übertragenen Sinn wohl das Atelier – oder wo auch immer gemalt, gebastelt und gewerkelt wird – gemeint. Und mit den Wesen, nun ja, also schon sie selbst. Aber auch ein Deutlichmachen, dass sie eben alle „etwas schräg“ sind. Schräg denken, abstrakt denken. Aber gemeinsam haben, dass ihnen die Arbeit mit Farben Spaß macht, die Bastlerei an Leinwänden und dass sie auch eine recht ähnliche Art und Weise haben, wie sie vor allem ihre Gefühle und ihre troglodytischen Gedanken in etwas Bildliches umsetzten. Gemeinsamkeiten, aber jeder macht es auf eine wiederum ganz andere eigene abgefahrene Art.

Die drei Künstler von denen hier gesprochen wird, sind Peter Blohmann, Aziz Onuk und Frau Fenster. Und die stellen wir euch mit jeweils kleinen persönlichen Interviews, Ausschnitten zu Ausstellungsstücken und zusätzlichem Bildmaterial zu ihrer Kunst vor.

 

AZIZ ONUK

Eine seiner Stärken –  besser gesagt –  DIE Stärke, ist es, nichts über seine Werke und seine Kunst erzählen zu können oder das vor allem nicht zu wollen und deshalb auch nicht zu können. Es ist ein Mix aus Nicht-Können und Nicht-Wollen. Und das gibt er in seiner Kunst wieder. Er fordert die Menschen auf, sich Dinge eben selbst anzuschauen und sich ein eigenes Bild zu machen. Aziz ist schon seit langen Jahren in der Frankfurter Kunstszene unterwegs und hat so manche Provokationen, Irritationen oder Verstörungen mit seinen Werken hervorgerufen. Dadurch und drum herum aber auch Inspirationen, Denkmomente und sehr „coole Flashs“ (Zitat eines Besuchers) gegeben. Und so ist das Ganze ja auch gedacht. Im Interview gibt er uns einige erklärende Rahmenbedingungen, natürlich hat er bei jedem Bild „etwas“ gemalt. Aber der Beobachter soll zum Denken und zur inneren Auseinandersetzung mit dem Gesehenen angeregt werden. Und dies, bevor irgendeine Interpretation seitens des Schaffers geflossen ist. Im Nachhinein kann man gerne beim Künstler nach sämtlicher Bedeutung anfragen. Aziz Onuk dreht außerdem noch Filme, macht Fotos und entwirft Performancestücke. In einem Interview erzählt er uns mehr über seine Kunst:

 

 

PETER BLOHMANN

Geduld und Ruhe ist der Mann in Person. Die Ausarbeitung von kleinen Details und ein Auge für die minimalsten Striche, die dann aber in der Kombination im Großen, Drachen und Zombies ergeben. Man nimmt zwei Schritte Abstand vom Bild, dann sieht es wie eine ruhige ölgemalte friedliche Landschaft aus. Rückt man wiederum näher, dann erkennt man die Höhleneingänge und die „Troglodyten“. Es kann dann immer noch nur als Landschaft wahrgenommen werden oder nur als Berg. Aber die Art und Weise wie es gezeichnet ist, regt schon sehr zu sämtlichen anderen Interpretationen an. Ein Mischmasch mit der Farbe und dem Denken, dennoch als offener Spielball für den Beobachter. Man kann schön vor den Bildern verweilen.

Die Wurzeln des Graffitis sind unverkennbar, weil hier und da eben eins mit drin steckt (wenn man es sieht) und kleine eingebundene Schriftzüge verschönern auch immer wieder das Szenario. Als Hauptthematik muss man jedoch die Landschaft betonen. Die Wahl ist passend und die Flächen bieten eben erst einmal ein einfaches und verständliches Bild. Von Weitem gesehen, läuft es zunächst auf diese Berg-Himmel-Struktur hinaus. Rückt man Stück für Stück näher und schaut genauer hin, dann sieht man, was sich so in der „Troglodyten-Wohnung“ abspielt. Oder man erkennt in dem Wirrwarr eben auch Dinge, die sich vielleicht in der eigenen „Troglodyten-Wohnung“ abspielen. Wir haben dann so nach und nach verstanden was „troglodytisch“ wohl heißen mag. Sind wir denn nicht alle ein bisschen „troglodytisch“?  Ein jeder sieht was anderes, entsprechend der eigenen Gedanken zum persönlichen aktuellen Lebensmoment und der gleichzeitigen Wahrnehmung der Außenwelt. (Feststellung von Besuchern zu einer Stelle in einem der Bilder. Person A:  „Lastwagen auf der Autobahn von schräg oben“ – Person B: „tanzende Menschen auf einer Party“ – Person C: „Leichenberge“ – Person D „kann es nicht sagen, aber ich bekomm irgendwie Hunger“).

In einem Interview erzählt er uns mehr über seine Kunst:

 

 

 

FRAU FENSTER

Die Dame im Bunde hat sich den Namen schon zu Recht gewählt. Sie eröffnet ein „Fenster“ zur Kunst und damit auch ganz interessante und neue Möglichkeiten, diese wahrzunehmen. Man denkt sich jetzt: „Was soll sie denn jetzt so neu gemalt haben, was vorher noch nicht gemalt wurde?“. Sie malt natürlich auch krass abstrakt und faszinierend, aber nur das ist es nicht. Das Anliegen der Künstlerin ist ein neues und anderes oder zumindest nicht oft vorkommendes: Man darf ihre Werke anfassen. Dies ist erwünscht und Teil des Konzepts. Jetzt nicht die Leinwand zerreißen oder Stücke abbrechen, einfach vorsichtig drüber gehen können. Leicht berühren und anfassen. Sie erzählt im Interview sehr schön, wie sehr sie die Distanz zu den Werken im Museum stört und dass für sie Kunst viel mehr ist, als nur ein fertig hergestelltes Bild oder ein grandios komponiertes Musikstück. Es ist die Veräußerung der Dinge, die eben in einem vorgehen, wie man sich fühlt, und dies kann viele Formen annehmen. Es können Impulse zum Malen entstehen oder auf einmal schauspielt man auf einer Bühne.

Frau Fenster geht es vor allem um die Möglichkeit zur Verbindung von mehreren Sinnen und eben auch die Nutzung dieser in unterschiedlichen Bereichen, dadurch erschafft sie auch derart interessante und kuriose Werke. Und macht sich auch Gedanken darüber, wie wohl ein Mensch Kunst wahrnimmt, der blind ist oder schlecht sieht. Wie jemand etwas wahrnimmt und gefallen dran finden könnte, wenn manche Sinne nicht so funktionieren, wie sie sollten oder vielleicht gar nicht (mehr) vorhanden sind. Ihre Werke sind dreidimensional gestaltet, Strukturen heben sich von der Leinwand ab. Sie arbeitet gezielt mit einem größeren Aufwand und mit anderen Materialien, um die Bilder auch entsprechend zu gestalten, dass man über diese Bilder mit der Hand fahren kann, auch mit etwas mehr Druck und ohne dass das Stück eine Beschädigung abbekommt. Die Werke sind robust und die Farben sind genial.

In einem Interview erzählt sie uns mehr über ihre Kunst:

 

 

 

TRAUMSCHLÄGER KOLLEKTIV

Die drei Künstler entspringen natürlich ihrer eigenen troglodytischen Köpfe, aber sie sind auch allesamt Teil eines Zusammenschlusses an troglodytischen Künstlern aus dem Rhein-Main-Gebiet. Traumschläger Kollektiv nennt sich das Ganze. Filmemacher, Maler, Fotografen oder Theaterleute tauschen sich dort bei gemeinsamen Treffen aus und stellen immer wieder in neuen Ideengeschichten tolle Projekte auf die Beine. Infos zu regelmäßigen Stammtischen findet ihr hier und hier oder unten in der Infothek. Alle Kunstinteressierte und „Troglodyten“ sind herzlichst eingeladen, bei Projekten mitzumachen oder bei einem Treffen vorbeizuschauen. Ein Großteil der Fotos im Artikel ist von Personen vom Traumschläger Kollektiv, Credits ebenfalls unten in der Infothek. Michi Drüner hat ein schönes Video zum Abend aufgenommen, mit Interviews zu den drei Künstlern und auch mit der verdammt gut gelungenen Eröffnungsrede von Yunus Konrad. Er hat wirklich die passenden Worte gefunden und Michi das passende Bild. Schaut selbst:

Wenn ihr noch genauer feststellen wollt, ob und dass die drei doch nur Menschen sind und keine Wesen, aber in einer produktiven Ader nicht ganz Menschliches malen, was aber wiederum interessante Impulse bei der Betrachtung ergibt und jeden dann auf seine Weise wieder anregt, seine eigenen persönlichen menschlichen Wesen-Sachen zu denken…… Die Pforten der Klosterpresse sind nochmals an drei Tagen geöffnet: Am 2. Juni ab 17 Uhr zum Sachsenhäuser Markt, am 3. Juni ab 15 Uhr mit Barbecue und am 4. Juni ab 18 Uhr zur Finissage mit Künstlergesprächen und Rahmenprogramm. Schaut euch die Sachen an, trefft andere Kunstinteressierte, trinkt dabei ein Bier oder esst eine Wurst.  Die Werke regen auf schöne Weise zum Nachdenken an, wenn man sich kurz die Zeit nimmt. Und dies jeden sicherlich anders. Es könnten tolle Gespräche entstehen.

 

INFOTHEK

Link zur Ausstellung:  https://www.facebook.com/events/676265499239016

Link zum Finissage Event am 4. Juni: https://www.facebook.com/events/794464604064201/

Aziz Onuk:  http://nemomen.org

 

Peter Blohmann: peter.blohmann@web.de

 

Frau Fenster: http://fraufenster.net   –  https://www.facebook.com/FrauFenster.Art.Design

 

Michi Drüner:  https://www.facebook.com/KlappeDieErste  –  https://www.youtube.com/channel/UC59P7iFuzdvn2icDMWA0SJw

 

Traumschläger Kollektiv:  https://www.facebook.com/Das.Traumschlaeger.Kollektiv  –  www.traumschlaeger.com

 

Klosterpresse: Paradiesgasse 10, 60594 Frankfurt  –  info@klosterpresse.de  –   http://klosterpresse.de/

 

Foto Credits: Schall und RauchRoyce Frau Fenster

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