Serkan Goeren – GOEREN ART

[Article in English @ Vagabundler: Painting Artist – Serkan Goeren]

Grafiken, Formen und Farben stellen Grenzen und Unendliches dar. Die Werke des postmodernen Malers Serkan Goeren aus Frankfurt beschäftigen sich sozusagen mit der Sprengung des eigenen Rahmens. Seine Kunst könnte man als philosophische Kunst bezeichnen, die Bilder und auch seine Schriften sind Ausdruck einer umfassenderen Theorie, mit der sich der Künstler bereits seit der Studienzeit beschäftigt.

Postmodern daher, weil er den Modernismus kritisiert, aber auch den Anspruch an seine Arbeit stellt, den Modernismus mit einzubeziehen und diesen durchzuarbeiten, um ihn erst kritisieren zu können. Zentraler Punkt ist die Lehre von Kunstkritiker Clement Greenberg. Für Goeren geht es in seinen Werken vor allem um die Auflösung von Grenzen und die Vermischung von klar getrennten Formen auf einer abstrakten Ebene. Gar nicht so einfach so etwas visuell darzustellen.

Eine Idee kam dem Maler anfangs dadurch, dass er einfach auf die Leinwand verzichtet hatte. Die Farbe wurde quasi nach dem Auftragen wie eine Haut wieder abgezogen und aufgehängt. Dazu musste das Material noch feucht genug sein, damit man es abziehen kann, aber auch fest genug, damit es überhaupt zusammen hält. Diese Methodik erwies sich jedoch als zu problematisch und zu zeitaufwändig. Mittlerweile benutzt Serkan Acrylglasplatten, die ebenfalls einen guten Effekt bewirken.

In einem Interview erzählt uns der Künstler von seinem postmodernen Schaffen und der Kritik am Modernismus. Einige Passagen des Gesprächs sind im Folgenden ebenfalls verschriftlicht.

Ein Feld deiner Arbeit ist ja die Philosophie, das andere Feld ist die Kunst. Kann man sagen, du machst philosophische Kunst?

Ja, vielleicht. Also das Ganze ist aus einer Theorie entstanden, mit der ich mich intensiv beschäftigt hab während des Studiums, und zwar war das der Modernismus nach Clement Greenberg und seine Texte. Ich geh hier mal etwas drauf ein. Greenberg ging es darum, dass im Modernismus die Gattungsgrenzen eingehalten werden. Also Malerei bleibt innerhalb der Malerei und versucht das Wesen dieser Gattung, also der Malerei dann zu erörtern in den Kunstwerken. Und die Skulptur bleibt in der Skulptur, um etwas über das Skulpturale auszusagen. Er hat aber irgendwann einmal im Laufe seiner Theoretisierung Begriffe eingeführt, die nicht mehr reduktionistisch waren, sondern auf einmal so etwas wie Qualität oder ähnliches benennen wollten. Und da hab ich angefangen, mich damit auseinander zu setzen und hab dann auch den Ausspruch von Clement Greenberg, nämlich „sich durch den Modernismus hindurch zu kämpfen“, um vielleicht dann auch die Künstler, die danach dann kamen, also aus der Postmoderne, besser zu verstehen. Eine Aussage ist hier, dass man eben nicht einfach nur negieren kann, sondern sich eben durch den Modernismus hindurch kämpfen muss, um zu zeigen, woran der Modernismus scheitert. Das hab ich dann als programmatischen Punkt genommen in meinen Kunstwerken. Ich hab gesagt: Ich werde jetzt reduktionistisch arbeiten und zeigen, dass es auf einen Anti-Reduktionismus hinausläuft. Deswegen hab ich angefangen, auf die Leinwand im klassischen Sinn zu verzichten und hab auf Acrylplatten, auf Acrylglas gearbeitet um Skulpturale meiner Malerei in den Vordergrund treten zu lassen. Am Anfang hatte ich sogar noch auf die Acrylplatte verzichtet und hab einfach die Farbe nach der Trocknung abgezogen, um dieses Skulpturale noch mehr zur Geltung zu bringen. Das war wie eine Haut. Wie eine sehr klebrige Haut. Und das war dann auch sehr schwierig, weil die Trocknungsphase noch nicht zu Ende war und beim Abziehen konnte es auch vorkommen, dass die Farbe dann verklebte. Das musste man ganz langsam abziehen. Deswegen hab ich dann auch gesagt, ich werde jetzt auf Acrylplatten arbeiten, um diesen Prozess auch der Hängung aufzulösen. Und seitdem arbeite ich auf diesen Platten.

Auf der einen Seite gibst du in deinen Bildern Regeln und Strukturen vor, gleichzeitig löst du diese aber wiederum im Bild auf.

Ja. Also auch gerne inhaltlich, um einfach zu zeigen, also man kann sich gerne einen Bereich oder eine Grenze oder einen Rahmen geben, innerhalb der man operieren möchte. Aber irgendwann wird es auf Grund von der Logik dieser Kunst diesen Rahmen eben sprengen. Das ist mir auch wichtig. Und dabei auch den Menschen irgendwie dadurch so einen Ansatz von Freiheit zu zeigen und wie sich Freiheit auch immer wieder einen Weg bahnt. Das ist mir auch ganz wichtig. Vielleicht ist mir auch diese Idee, die Gattungsgrenzen zu übergehen und die nicht mehr einzuhalten, vielleicht ist mir das auch wichtig, aufgrund meines Migrationshintergrundes. Da ich auch immer zwischen zwei Kulturen vermitteln musste. Und da geht es mir dann auch darum, zwischen diesen Gattungsgrenzen zu vermitteln und zu zeigen, dass der Modernismus auf eine bestimmte Art und Weise falsch lag und dass die Postmoderne der legitime Nachfolger des Modernismus ist. Gleichzeitig muss man aber auch im Rückgang dazu sagen, dass die Postmoderne den Modernismus nicht einfach so negieren kann, sondern sich wirklich auch durch arbeiten muss und zeigen muss, was denn das Modernistische an der Postmoderne ist.

Du hast auch bewegte Bilder auf deiner Webseite.

Das ist mein Logo. Ich hab irgendwann mal gedacht, ich möchte mein Logo jetzt nicht nur statisch sehen, sondern auf eine bestimmte Art und Weise immer wieder so ein chaotisches Moment drin haben und es fügt sich dann wieder und dann ist es eben wieder geordnet. Dann ist das Logo auch so, wie es eigentlich abgebildet ist wieder da. ( Red.: Also eine chaotische Ordnung, die sich findet und wieder auflöst?). Kann man so sagen. Ich finde eigentlich gegensätzliche Begriffe, die in einem Satz vorkommen, nicht so schlimm.

Du schreibst auch auf deiner Seite auf Deutsch und Englisch, also zweisprachig.

Wahrscheinlich kommt das auch aus meinem Studium der Kunstgeschichte und der Philosophie, dass ich dann zu den Kunstwerken, die ich gemacht hab, auch eine Künstlertheorie dazu schreibe, weil ich einen größeren Ansatz verfolg in der ganzen Sache. Das ist mir auch immer wichtig, dass auch immer eine Theorie dabei ist.

Mit einer zusätzlichen Erklärung erfährt man ja auch, was du dir dabei gedacht hast und erhält theoretische Informationen, die über das Bild hinaus gehen.

Ja, wenn ich jetzt auch über die Bilder oder die Kunstwerke auf der theoretischen Ebene schreibe, auch da ist es auch nur eine Ausdrucksform dessen, was mir eigentlich vorschwebt. In der Hinsicht sehe ich da keinen Unterschied auf eine bestimmte Art und Weise. Es ist eben nur eine andere Ausdrucksform, um etwas Überbordendes vielleicht auch sprachlich in den Griff zu bekommen oder auch malerisch in den Griff zu bekommen und dabei immer wieder zu zeigen, dass immer ein Residuum da sein wird, also ein Rest, wo es vielleicht auch ins Magische übergeht.

DER KÜNSTLER ÜBER SICH AUF SEINER WEBSEITE: „Meine Kunst findet ihre grundlegende Basis in der kritisch-theoretischen und -praktischen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Künstlern wie Marcel Duchamps und Barnett Newman – um die für mich Wichtigsten zu nennen – und dem Kunsttheoretiker Clement Greenberg. Ich interessiere mich (im Allgemeinen, aber auch in der Kunst) dafür, künstlich gesetzte Grenzen und Mauern um der Gemeinsamkeiten aller Menschen willen zu überwinden. Dies ist meiner Erfahrung als Kind von Einwanderern geschuldet. Differenzen sind Feinheiten von Wesen, deren Differenzen man nur schätzen kann, wenn man erkennt, dass es sehr viele Gemeinsamkeiten gibt. Auf die Kunst bezogen heißt das auch, dass mich das Medienspezifische nur insoweit interessiert, als das ich sie als Spezifische überwinden möchte. Ich graduierte in Philosophie, Kunstgeschichte und Psychoanalyse (M.A.) an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt, habe einen Bachelorabschluss in Betriebswirtschaftslehre und lebe und arbeite aktuell im Rhein-Main-Gebiet.“

GOERENS SCHRIFTEN „THE DARK SIDE OF THE PAINTING“: Der Verklärte/Verklärende ist geschichtsvergessen und verliert sich in der Gegenwart. Dem halte ich in meinen Kunstwerken ein Geschichtsbewusstsein entgegen, das sich der Rezipient in der Betrachtung meiner Kunstwerke vergegenwärtigt. Ich zeige dem Betrachter die Geschichtlichkeit der Gegenwart und die Gegenwärtigkeit der Geschichte auf. Es ist die dunkle Seite der Malerei, die ich näher beleuchten wollte. Ich änderte die Perspektive und merkte, wie die Malerei in Skulptur überging. Und wunderte mich ob der Tatsache, dass die dunkle Seite der Malerei für den Betrachter eine Reflexion darüber ist, ob man nur eine Perspektive einnimmt oder mehrere Perspektiven einnehmen kann. Ich trieb das Überbordende in den Kunstwerken auf die Spitze, indem ich einen einfachen Aspekt zu klären versucht habe. Eine einfache Annahme – und zwar der Verzicht auf eine klassische Leinwand – führte zu einer Komplexität, in der der Betrachter sich zu verlieren droht. Der Versuch, die Kunstwerke als Gesamtes zu sehen, fällt schwer. Ich zwinge dem Betrachter den (Her-)Umgang mit dem Kunstwerk auf, so dass sich das Kunstwerk als Einheit zeigt, die sich in viele Eindrücke zersplittert. Der Betrachter sieht aber immer nur einen Teil dessen, was das Kunstwerk als Ganzes ist. Die Malereien werden somit im Raum betrachtet, wie es normalerweise die Skulptur einfordert. Ich fordere den Betrachter also auf, die Rezeptionsgewohnheit zu reflektieren. Und in der Folge vielleicht zu verstehen, was es im Allgemeinen bedeutet, wenn das Selbstverständliche nicht mehr selbstverständlich ist. Es ist dieser Blick auf die Welt, die in Gewohntem das Ungewöhnliche wiedersieht. Eine Welt, in dem jedem einzelnen Menschen wieder ein unveräußerlicher und unantastbarer Wert innewohnt.

Die nächste Ausstellung von Serkan Goeren findet vom 9. bis zum 21. November im YokYok2 in der Fahrgasse 21 in Frankfurt statt.

 

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FOTO CREDITS

   Portrait: http://www.olli-fotografie.de/

   Kunstwerke: Serkan Goeren

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