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Philip Cross – Maler und Musiker – [ENGLAND]

[Article in English @ Vagabundler – Painter Philip Cross]

Zufall oder Schicksal? Eine besondere und kreative Begegnung im Land der aufgehenden Sonne hatten wir nach einem ausgiebigen Besichtigungstag in Hiroshima. Während unserer Japan-Tour stießen wir in unserer Unterkunft auf den Maler Philip Cross, der selbst gerade auf Inspirationsreise durch Asien war. Vertieft ins Malen und Durchblättern seiner Skizzen saß er am Tisch , hörte dabei Musik und wirkte erst einmal unscheinbar. Die Zeichnungen sprachen aber für sich und im Gespräch erzählte Philip von seinen bisherigen Erlebnissen und der Kunst. Die tiefe Passion zum Malen war gleich klar, er zeichnet aus Leidenschaft und ist fast schon getrieben davon. Auf eine positive Art.

Eigentlich ist Philip Cross Farmer, zumindest bezeichnet er sich so. Er kommt aus einem kleinen Dorf aus der Region Dorset in England, ist auf dem Familienbauernhof aufgewachsen und baut im Betrieb Biolebensmittel an. Sein Talent zum Zeichnen stellt er bewusst hinten an, bezeichnet es als Passion, aber nicht als Beruf. Er malt, weil er nicht anders kann, weil er muss, weil es ihm Spaß macht und er dabei für Stunden die Zeit vergisst. Er malt nicht, um zu verkaufen oder auszustellen, sondern für das eigene besondere Erleben. Diese Einstellungen sind gute Grundvoraussetzungen, um wirklich gut in etwas zu werden. Und seine Bilder sind gut.

Seine Zeichnungen und seine Kunst fertigt er mit Aquarell, Öl und momentan vor allem mit Pastellfarben an. Gerade auf der Reise ist dies am praktischsten. Die Motive sind Landschaftsbilder und Naturbeobachtungen, aber auch Stadtleben, Gebäude und Menschen. Er malt drinnen wie draußen, oft macht er Fotos von den Szenerien und arbeitet später am Malblock mit diesen Vorlagen weiter. Große Vorbilder sind Maler wie William Turner und John Constable aus der Romantik.

Ein wichtiger Bestandteil des Schaffens ist die Musik. Philip spielt selbst leidenschaftlich gerne Piano, bezeichnet sich sogar als piano-spielsüchtig. Genauso spielt das Musikhören beim Malen eine bedeutende Rolle. Erst die Kombination von visuellem Eindruck und dem Gefühl, welches die Musik im Inneren auslöst, bringt die jeweilig besondere Kreativität hervor. Mit genauerem Wissen kann man an Stildetails unterscheiden, ob Bilder mit der Musik von Neil Young oder mit Reggae von Rico Rodriguez angefertigt worden sind.

Die Anfangsfrage, ob Zufall oder Schicksal erübrigt sich. Zufälle gibt es im Grunde nicht, sondern nur Situationen, die man besonders betrachten und daraus was machen kann. Es war somit klar, dass es ein selbstgewähltes Schicksal war mit Philip Cross zu seiner Kunst ein Interview zu führen. Verschriftlichte Teile des Gesprächs folgen in den nächsten Abschnitten.

Als ich dich  gefragt hab, meintest du, du bist ein Farmer.

Ja. Ich bin auf dem Bauernhof meiner Eltern in einem kleinen Dorf in Dorset in England aufgewachsen. Es ist eine kleine Gemüsefarm und wir produzieren dort Bio-Gemüse, so ziemlich jede Art. Ich hatte eigentlich eine ziemlich gute Kindheit, weil ich auf dem Land aufgewachsen bin. Ich liebe es, draußen zu sein, die Natur und das ruhige langsame Leben.

Welche Art von Bildern machst du, was ist dein Stil?

Ich war lange Zeit ziemlich traditionell mit meinem Kunststil. Ich habe Turner und Constable sehr gemocht und man merkt, dass ich offensichtlich auch auf dem Land aufgewachsen bin. Die meisten meiner Bilder sind Landschaften, das was sich in meiner Nähe befand und das hab ich auf Acryl gemalt. Weil ich nie wirklich Kunstunterricht hatte, wusste ich aber nicht, wie man Ölfarben verwendet. Aber Acryl bekommt man als Kind genüge geschenkt. Also probierte ich aus und wusste dann irgendwie, wie man das benutzt. Oder auch Wasserfarben. Ich habe ein paar Dinge mit denen gemacht. Und viele Zeichnungen. Das war aber nur ein bisschen grundlegendes Zeug. Und ich vermute, dadurch habe ich meine Leidenschaft für Kunst erst mal verloren. Weil ich mich nie selbst herausgefordert habe. Ich habe nie versucht, etwas Besonderes zu machen. Aber ich bin dann zu dem Punkt gekommen, das zu ändern. Das kam mir vor einer Weile, vielleicht vor zwei Jahren. Ich habe mich da entschlossen, meine Passion zur Kunst wieder zu entfachen. Jetzt arbeite ich mit Öl und Pastellfarben und das hilft mir sehr. Denn das größte Problem bei Acryl ist, dass ich mich zu sehr darauf konzentrierte, das Ganze wie ein Foto zu gestalten. Ich wollte, dass es wie das Foto aussieht, weil ich auch so viele Farben zur Verfügung hatte. Aber mit dem Ölpastell bin ich wirklich begrenzt. Das heißt, ich konzentriere mich viel mehr auf Form und Texturen und Schattierungen als auf die Farbe. Was bedeutet, dass ich viel freier sein kann und ich glaube, es hilft meiner Kunst und es macht mir wieder Spaß. Ich mache mir weniger Gedanken über die Genauigkeit, weil es nicht geht. Ich muss nicht nachdenken, oh mein Gott, es sieht nicht richtig aus. Ich genieße einfach so frei zu sein, wie ich kann. Wenn es nicht so aussieht, ist es egal. Es ist wirklich egal.

Viele Künstler reisen gerade wegen ihrer Kunst und um dieser frei nachgehen zu können. Es gibt weniger Ablenkungen und mehr Raum für die Kreativität.

Genau. Und ich finde mein bestes Stück, das ich bisher gemacht habe, meine zwei besten Stücke. Beide habe ich gemacht, als ich die geringsten Ablenkungen hatte. Die zwei besten, die ich hier gemacht habe, das war, als ich in Japan in einer winzigen kleinen Kammer auf meinem Bett saß, das war wie eine Kapsel. Es gab absolut nichts, ich hatte so viele Klamotten und Zeug und es gab keinen Platz und nur eine kleine Lampe und meine Musik. Und dann existiert nichts außer der Kunst. Es ist fast wie Meditation. Ich vergesse dabei alles, ich vergesse die Zeit. Es kam kein Licht herein, also konnte es zu jeder Tages- oder Nachtzeit sein. Ich konnte stundenlang zeichnen und malen. Und ich hatte keine Ahnung, es kam mir wie fünf Minuten vor. Zu Hause ist sowas fast unmöglich. Auch ohne Arbeit. Man wird abgelenkt, ob durch das Internet, so sehr ich es auch mag, oder auch durch andere Dinge drinnen und draußen oder auch nur durch ein Buch. Es gibt so viele andere Dinge, die dich ablenken. Wenn du dich in diesem winzigen, engen Raum befindest, kann es etwas klaustrophobisch sein, aber es kann wirklich helfen, sich zu konzentrieren. Denn nichts existiert außer der Kunst und dem Tun.

Jetzt ist es kalt, also malst du die Fotos drinnen. Aber wenn es wärmer ist, gehst du dann auch nach draußen und malst dort?

Ich mache beides gerne, wenn ich kann. Denn wieder drinnen zu sein, ist manchmal auch weniger Ablenkung, weil es eine neutrale Atmosphäre sein kann. Wenn die Hände kalt werden, dann ist das auch eine Ablenkung. Aber wenn ich draußen bin, kann ich meinen Modus einstellen. Wenn ich draußen etwas mache, nehme ich normalerweise etwas zu essen mit. Weil kleine Ablenkungen wie diese mir helfen können. Wenn ich zu fokussiert bin, kann ich zu müde werden und bin zu hektisch mit meiner Arbeit. Es ist gut draußen zu sein, wo es Ablenkungen gibt, die keine Unterhaltung sind. Es gibt Ablenkungen, die ich gelegentlich betrachten kann, mich umschauen kann oder mich mit irgendwas kurz beschäftigen kann, das meine Aufmerksamkeit aber nicht zu sehr aufhält. Kurze Ablenkungen, die mich dann nicht eine Stunde lang beschäftigen, wie dies bei einem Buch oder einem Computer wäre. Oder beim Arbeiten. Ich nehme also etwas zu essen mit und es hängt dann von der Jahreszeit ab, aber wenn es Sommer ist, würde ich definitiv ein Bier oder einen Apfelwein mitnehmen. Auf jeden Fall hilft das dem kreativen Fluss. Manchmal mache ich auch einfach eine Pause dazwischen, rauche eine Pfeife oder eine Zigarre und entspanne mich. Denn darum geht es mir in der Kunst. Ich habe gerade keinen visionären Plan für etwas Spezielles. Ich möchte, dass meine Kunst sich dahin entwickelt, wohin ich gehe.

Also du malst eben einfach.

Ja, ich fange an und vergesse die Zeit. Heute hatte ich vor, einen wirklich schönen Spaziergang zu machen. Es war sonnig. Ich dachte, okay, ich habe noch ungefähr eine Stunde bis ich gehen muss. Vielleicht kann ich eine kurze Skizze machen und dann… vier Stunden später war sie fertig. Und ich dachte, wow, das ist wirklich gut. Aber jetzt ist es zwei Uhr nachmittags. Bald wird es dunkel. Also gut, warum nicht einfach ein weiteres Stück machen. Und ich hab es genossen.

Bist du jemals in ein Museum oder eine Galerie gegangen, um dort zu sitzen, zu betrachten und ein Gemälde abzumalen?

Nein. Wenn ich das getan hätte, wäre es wieder wie aus Büchern gewesen. Leider war das immer das Problem, als ich versuchte, zu perfekt zu sein. Damals wollte ich es wie ein Buch vor mir haben und wollte mich auf jedes bisschen konzentrieren und wirklich jedes Detail kopieren. Und das gefällt mir nicht mehr so ​​sehr, denn ich weiß, wenn ich wieder versuche, nur ein Stück zu kopieren, dann gehe ich mit meiner künstlerischen Entwicklung gleich wieder zurück. Und ich denke mir beim Abmalen, ok, der Maler hatte diese Linie hier gemacht, ich muss das kopieren, auch wenn es für mich eigentlich nicht so rein passt. Ich kann auch keine Textur hinzugefügt. Es ist dann nur ein Bild und ich kopiere das. Aber das nimmt der Kunst eigentlich das ab, was sie sein soll.

Also du kopierst und malst lieber direkt aus der Realität, das was du direkt siehst?

Ja, aber auf meine Art und Weise. Ich möchte kein echtes Foto haben. Wenn ich ein Foto von dem Foto vor mir machen möchte, dann würde ich einfach das Foto behalten. Viele der Fotos, die ich hab und mit denen ich arbeite, da nehme ich quasi die ersten drei Minuten auf, wenn ich draußen bin und etwas sehe. Es bekommt meine Perspektive und ich kann es irgendwie betrachten und sagen, okay, hier braucht es ein bisschen mehr Schattierung oder sowas. Aber danach habe ich, weil ich mit den Farben begrenzt bin, eine sehr feste Struktur, die zwar auf das Bild verweist, aber anders ist. Es ist also eigentlich nur eine andere Form der Fotografie, die ich gemacht habe. Es wurde zu einem eigenen Stück. Aber es ist anders als das Foto. Vielleicht die Schattierung und die Farben und andere Dinge. Aber das Wesentliche ist immer noch da, was es ist. Es ist immer noch an diesem Ort, es ist einfach entspannter.

Malst du auch abstrakte Kunstwerke?

Ich habe es versucht, als ich auf dem College war. Ich hatte Kunst und wir mussten da auch solche Sachen machen. Und dann habe ich an der University in Plymouth ein Jahr Kunst gemacht. Und dort war Abstraktes Malen eines der Themen, die wir hatten. Aber ich habe es nie so sehr genossen. Mit der Abstraktion, die mir gefallen hat, habe ich immer noch etwas erhalten, aber ich möchte, dass es eine gewisse Ähnlichkeit gibt, die man auch klar erkennen kann. Ich mache ein paar Veränderungen, nicht direkt abstrakt, eher einfacher gehalten. Manchmal benutze ich andere Farben oder andere Muster, oder wenn es sich um eine Gebirgsform handelt oder irgendeine traditionelle Form, dann ändere ich das manchmal ab. Aber nicht so oft.

Nun zur Größe deiner Bilder. Ich habe einige dieser kleinen hier gesehen, aber machst du auch größere Kunstwerke?

Nein, nein. Viel kleiner. Und das war auch ein Problem. Da ich an einem bestimmten Punkt so viel gezeichnet habe, habe ich die Dinge klein gehalten. Ich male gerne kleine Details. Aber es hat mir nie wirklich geholfen. Es fällt mir immer noch schwer, von dieser kleinen A5-Größe, diesen kleinen Dingen wie Skizzenbüchern, wegzukommen. Aber das ist auch das Positive, wenn ich mit Ölpastell experimentiere. Das kannst du nicht tun. Ich habe ein A5-Skizzenbuch, in dem ich einige Ölpastell- und Acrylzeichnungen habe, die sind wirklich gut geworden. Man kann diese kleinen Details jedoch nur dann erhalten, wenn man auch ein kleines Stück Papier dazu hat. Alleine aus praktischen Gründen kann ich also kein A1-Papier oder große Leinwände bemalen. Aber ich würde gerne ein paar größere Skalierungen versuchen. Besonders wenn ich Gebäude machen will. Bei Landschaften mit Bergen kann man ziemlich viel machen, weil man diese Details nicht so sehr braucht. Aber selbst bei der Größe A2 oder A3 ist es immer noch schwierig, die Details an Gebäuden zu machen oder bei näheren und größeren Objekten. Ich muss einen bestimmten Abstand haben, wenn ich zeichne.

Du sagtest, du hast Gebäude und Landschaften gemalt. Was hast du sonst hier in Japan gezeichnet? Hast du auch Menschen gemalt?

Nein, es fällt mir schwer, mir vorzustellen, wie eine Person auf einem Kunstwerk aussehen soll. Ich habe eine grobe Idee, aber es ist schwer für mich das zu übersetzen. Und auch bei Gebäuden. Ich habe hier nur ein einziges Gebäude als Ölgemälde gemalt und das ist das erste Gebäude, das ich seit Jahren gezeichnet habe. Es fällt mir schwer, dies in ein Kunstwerk zu übersetzen. Die Natur, die verstehe ich, weil ich sie so oft anschaue. Ich komme ja von dort Und ich denke, dort sind weniger Arten von Umrissen oder bestimmte feste Bilder. Es ist eher ein Problem, die Textur hinzubekommen. Ich verstehe bei der Natur und bei Landschaften, wie die Textur aussieht, wenn ich auf einen entfernten Hügel oder Berg schaue. Ich kann es fast fühlen, wie diese Textur auf einem Gemälde aussehen sollte. Und bei einem nahen Baum gibt es eine bestimmte Textur, die ich instinktiv kenne. So fühlen sich Blätter an. Und so kann ich es dann auch auf ein Blatt Papier übersetzen. Ich kann dabei die Textur verändern, ich kann darauf kritzeln, ich kann Dinge entfernen oder etwas mehr aufblühend machen, es etwas abstrakter machen, als es war. Es muss nicht zu realistisch sein. Aber mit Menschen und Gebäuden habe ich keine Ahnung, wie die Texturen aussehen. Ich weiß nicht, wie sich etwas zusammen bewegt, wie es fixiert wird oder wie die Schattierung funktioniert.

Es gibt noch eine andere Kunstleidenschaft von dir. Du hast gesagt, wenn irgendwo ein Klavier steht, dann musst du einfach daran spielen. Also du machst auch Musik.

Ich liebe es. Kunst ist meine Entspannung. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass es meine einzige Leidenschaft ist. Musik ist auch ein Teil von mir. Und es gibt nichts anderes in meinem Leben, dass diese spezielle Rolle einnimmt. Ich würde sagen, Musik ist etwas, wonach ich eigentlich süchtig bin. Ich bin Musik-abhängig.

Also bekommst du die Inspiration von der Musik?

Ja ja. Leider war Musik einer der Gründe, warum ich anfing, ein bisschen Leidenschaft für die Kunst zu verlieren. Weil ich damals so fest darauf fixiert war. An einem Klavier kann ich nicht vorbeigehen. Ich kann nicht physisch an einem Klavier vorbeigehen, ohne anzuhalten und zu spielen. Selbst wenn ich 20 Minuten zu spät bin und ich weiß, dass ich Probleme bekomme. Wenn es ein Klavier in meinem Haus gibt und wenn ich vorbeigehe, muss ich mich hinsetzen und einfach schnell etwas spielen. Auch wenn es nur 30 Sekunden dauert, ich muss kurz spielen. Und ich bekomme sogar Alpträume. Als ich zum ersten Mal nach Japan kam, bekam ich Alpträume, weil ich nicht mehr Klavier spielen konnte und Angst hatte, dass ich diese Fähigkeit verlieren könnte. Das eigene Spielen ist sehr wichtig, aber genauso ist das Hören ein wichtiger Bestandteil. Das Zuhören ist definitiv ein Teil meiner Malerei. Ich finde es sehr schwierig, Kunst ohne Musik zu machen.

Es ist also eine Kombination zwischen Kunst und Musik. Man kann das eine nicht ohne das andere sehen, um es zu verstehen.

Ja. Und ich höre mir Musik an. Ich kann in der einen Minute Klassik hören und dann in der nächsten Minute Rap und Hip Hop oder Rock oder Pop oder sonstwas. Aber wenn ich meine Kunst mache, ist Reggae in der Regel das, was ich höre. Und ich fühle mich immer so, als ob da etwas rüberkommt. Weil keines meiner Bilder besonders launisch ist. Nun, Reggae kann ziemlich tief sein und füllt meine Bilder und verleiht ihnen viel Tiefe. Sie sind immer ziemlich hell, sie sind immer ziemlich ruhig. Und ich denke, das liegt definitiv an der Musik.

Also versuchst du eigentlich, realistisch und nicht emotional zu zeichnen, aber im Inneren hast du die Musik und viele Emotionen. Dies wirkt sich dann auf das Gemälde aus und insgesamt ist das Ganze eigentlich sehr emotional.

Ja, es ist definitiv ein Teil davon. Ich kann manchmal ein bisschen leidenschaftslos sein in meiner Persönlichkeit. Ich bin aber immer recht gut gelaunt und auch immer aufgeschlossen. Aber ich spüre nicht immer viele Emotionen, wenn ich portraitiere. Und meine Kunst besteht definitiv zu hundert Prozent aus dieser Art der externen Projektion dieser Emotionen. Es ist vielleicht keine Glückseeligkeit, aber meine Kunst gibt mir mit Sicherheit eine Art der Zufriedenheit, wenn ich beim Malen die Musik dabei höre. Es nimmt mich von allem um mich herum weg. Ich denke, es ist auch der Grund, warum ich mich bis vor Kurzem gesträubt habe, meine Kunst zu publik zu machen oder professionell zu verkaufen. Wenn ich ein gutes Stück fertiggestellt habe, kann ich mich einfach nicht mehr davon trennen. Weil es auch eine Erweiterung von mir selbst ist und noch vieles mehr. Ich habe das für das Erleben und des Erschaffens Willens gemacht und diese ganze Kunst, ist nicht mit der Absicht entstanden, verkauft zu werden. Ja, ich habe schon Werke weggegeben, ich habe Kunst verschenkt und ich habe auch schon Bilder verkauft. Ich habe auch auf Provisionen gearbeitet und Auftragsarbeiten durchgeführt. Aber wenn ich das Kunstwerke erschaffe, dann ist es nach dem Malen komplett für mich. Alle diese Stücke verkaufe ich gerne, aber der größte Wert für mich ist die Tatsache, dass ich sozusagen ein Skizzenbuch öffnen kann, die Bilder sehe und zur nächsten Seite über gehe. Und ich bin immer enttäuscht, wenn ich zu der leeren Seite komme. Denn mein Ziel für das Skizzenbuch ist es, dieses voll zu machen. Damit ich es öffnen und zu jeder Seite gehen kann und immer ein Gemälde oder eine Zeichnung sehe, mit dem oder der ich zufrieden bin.

Erinnerst du dich, welche Lieder du gehört hast, als du die jeweiligen Bilder gezeichnet hast?

Da ist so viel in meinem Kopf. Viele Bilder hier in Japan hab ich zu Musik gemacht, die ich mir hier neue gekauft hatte.  Ein Musiker, den ich bereits seit Langem höre ist Rico Rodriguez. Er ist ein Posaunist. Ein wirklich wirklich guter Reggae-Posaunist. Und diese Bilder, die ich mit dieser Musik gemacht hatte, haben definitiv eine andere Qualität als die anderen. Ich habe viele Zeichnungen von Landschaften angefertigt und diese hatten immer einen etwas raueren Stil, wenn ich Neil Young gehört hab. Ich kann immer gleich die Zeichnungen erkennen, die ich bei der Musik von Neil Young gemacht habe, weil sie etwas härter sind. Nun, während all die, die ich mit Reggae gemacht habe, immer Portraits waren oder Blumen waren und feinere Zeichnungen.

Wenn man also alle Filter kennt, also eben die entsprechende Musik, dann könnte man das Gemälde betrachten und die Musik im Kunstwerk sehen. Der Betrachter kann sehen, welche Art von Musik du gehört hast. Ok, dieses hier wurde bei Reggae gemalt, oder bei Country oder bei Heavy Metal.

Oh ja, ich würde glaub ich gerne sehen, welche Art von Kunst ich dabei fabriziere. Vielleicht sollte ich es mal mit Iron Maiden versuchen und sehen, was dann mit meiner Kunst passiert. Ich weiß nicht, ob es anderen Leuten auffallen würde, aber das ist dann wieder etwas für mich.

Was sind die Pläne für deine Kunst für die Zukunft?

Ich bin nicht so begeistert von der Idee mit großen Galerien. Das würde meine Idee nicht inspirieren. Das mit den Galerien ist so eine Sache. Auf unserem Hof ​​haben wir einen Hofladen mit vielen verschiedenen Abteilen. Und eines davon ist eigentlich eine kleine Galerie. Aber die ist eben individuell und persönlich geführt. Das gefällt mir und deshalb mag ich auch derartige Räume. Es ändert sich auch ständig etwas. Aber es ist jetzt keine große Ausstellungssache, eine ziemlich private und persönliche Sache. Ehrlich gesagt würde ich es vorziehen, wenn meine Stücke idealerweise in den Häusern von Menschen hängen würden. Oder in Cafés oder so. Irgendwo, wo sie von Leuten geschätzt werden könnten, die sich nicht mit Kunst befassen. Ja, ich erzähle gerne von meiner Kunst und den Inspirationen und Gefühlen dahinter, aber ich mag die Idee nicht, dass jemand in der Galerie davor steht und sagt: `Oh, man kann das und das sehen´. Das Beste, was ich über meine Kunst hören möchte, ist: `Schau dir das an, das ist ein schönes Stück, das gefällt mir! Ich hätte nichts dagegen, das in meinem Haus zu haben. „Oder: `Das sieht wirklich gut aus!´ Das ist das höchste Lob, das ich von einer Kunstarbeit erwarten könnte. Auch wenn es nicht verkauft wird.

Also du möchtest andere durch das Betrachten deiner Kunst positive Gefühle vermitteln.

Ja, der Grund, warum ich auch Landschaften mag, ist, dass ich das Betrachten ja selbst angenehm finde. Und ich denke, viele Leute empfinden dies ebenfalls. Besonders Menschen, die die freie Natur nicht so oft sehen. Jemand bat mich einmal, eine Landschaft für ein Modelleisenbahn zu malen. Das wurde eines der schönsten Stücke, die ich je gemacht habe. Es war definitiv nicht eines der besten Stücke, die ich je gemalt habe, aber es ist eines der Stücke, auf das ich am meistens stolz bin. Denn am Ende sah er sich das Ergebnis an und sagte: `Genau das wollte ich! Es ist kein Meisterwerk, aber es passt sehr gut zum Rest. Es sieht schön aus, wenn ich das in meinem Haus betrachte.´ Es war eine Zeichnung rund um seine Wand mit großen Wandgemälden von 25 Metern Länge, das war schon eine größere Sache. Ich musste ungefähr 15 oder 20 Zentimeter in der Höhe arbeiten und dann war der Rest rundherum bis zum Boden auf meiner Höhe. Aber ja, das war eines der schönsten Dinge, die ich je gemalt hatte. Er hat nicht einmal etwas Besonderes gesagt. Er hat nicht überreagiert. Er hat nur ehrlich gesagt, dass es ihm wirklich gefallen hat. Und das möchte ich auch in Zukunft für meine Kunst. Es ist ja auch nur für ein paar wenige Leute. Ok, nun gut, also ein bisschen Ego hab ich schon. Es sollte da dann schon ein paar Leute geben, aber die Bilder sollen auch in Cafés oder Restaurants.

Der nächste Schritt wäre dann also, zunehmend in die Öffentlichkeit zu gehen und die Kunst mehr zu zeigen.

Ich will nur ein wenig vorsichtig sein, weil mir die Vorstellung, dass es ein Beruf werden könnte, nicht gefällt. Ich muss einen Job zusätzlich haben, bei dem ich Geld verdiene und der mich auch frustriert. Damit ich mich dann der Kunst fast schon wie zu einem schlechten Vergnügen hingeben kann. Und so kann ich mich dann meiner Kunst hingeben und damit etwas mehr Geld verdienen, um Farben und Equipment zu kaufen.

INFOTHEK

   Email:  philipcross.55@gmail.com

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