Die Culture Map

[Article in English @ Vagabundler –  The Culture Map]

Eine Landkarte dient dazu, sich einen Überblick über eine Region oder eben ein Land zu verschaffen. Somit wäre dann eine Culture Map eine Kultur-Landkarte. Ein Wegweiser, mit dem man sich einen Überblick über lokale Kunst und deren Geschichte verschaffen kann. Genau das war auch die anfängliche Idee von DJ Daniel Vargas und Bildkünstler Sam Khayari aus Rüsselsheim. Mittlerweile ist eine kreative Webseite entstanden, auf der die beiden Culture Map Gründer regelmäßig Künstler aus einem wachsenden regionalen und  genreübergreifenden Netzwerk in Interviewvideos und Portraits vorstellen.

Die Culture Map dient als Plattform für Interessierte und Kulturschaffende, sie gibt einen Einblick zu den Menschen hinter der Musik, den Bildern oder Fotografien. Genauso bietet das Netzwerk eine Hilfestellung für junge und angehende Künstler, die bei der Culture Map vorgestellt werden oder bei den Projekten mitwirken. Mittlerweile sind aus den vielen Zusammenarbeiten schon einige interessante CM-Eventreihen entstanden, wie beispielsweise die Technoveranstaltung CM1, die CM ART, die CM POETRY und am 20. Oktober fand auch die erste CM URBAN mit dem „Peace & Harmony“ Graffiti Jam in Rüsselsheim statt, bei dem zehn erfahrene Spray-Künstler eine 40 Meter lange Wand zusammen mit Kindern bemalt haben. Darunter  Rocker Redford, Retro, Panik, Eat Maef, Doit, Iniki aka Traubeminze und Stem.

Mit dabei waren außerdem Phil the Gap, eine „Open Mic“ Session und Rico Montero von den Los Monteros mit seinem Heartbeat Edutainment Bus. Das ist das einzige mobile Tonstudio weit und breit und die Kiddies konnten Tracks direkt live einspielen und aufzeichnen. Es stehen immer wieder neue Veranstaltungen an, auf denen Vargas und Khayari die Verknüpfungen und Projekte der Culture Map raus in die Stadt tragen und auf eine Bühne bringen. Selbst stehen sie dabei meistens eher im Hintergrund, viel wichtiger ist ihnen das gemeinsame Erschaffen und die Bereitstellung von Raum zur künstlerischen Entfaltung für die Stadtbewohner. Bei dieser Kunst- und Kulturförderung sind sie mit vollem Herzblut dabei.

Wir hatten Daniel Vargas und Sam Khayari  zu Gast im Radio X Studio. Hier findet ihr den Interviewmitschnitt zur Culture Map. Im weiteren Artikelverlauf folgen verschriftlichte Teile des Gesprächs.

Was ist denn eigentlich die “Culture Map”?

DANIEL: Ja, die Culture Map ist im Großen und Ganzen eine Plattform für Künstler, für Kulturinteressierte, um sich auszutauschen und das genreübergreifend.

SAM: Also im Vordergrund steht der Netzwerkgedanke, dass man andere Künstler kennen lernt, mit anderen Künstlern zusammen arbeitet und aus unserer anfänglichen Idee ist inzwischen einfach eine Webseite geworden. Wir suchen nach und nach Künstler aus der Region auf und machen mit den Künstlern ein Interview, um die Person ein bisschen vorzustellen und dadurch entstehen dann Kollaborationen. Wir haben inzwischen auch einige Eventreihen, die unter dem Motto Culture Map stattfinden. Inzwischen haben wir vier Eventreihen. Die CM1, das ist so eine Technoveranstaltung. Dann haben wir die CM ART, da geht´s um Künstler und Ausstellungen. Dann die CM POETRY, da geht es um Sprechkunst. Und die CM URBAN, da fand auch der erste CM Urban Graffiti Jam statt.

Also ihr stellt Künstler vor, aber ihr bietet auch Plattformen zur Vernetzung.

SAM: Ja, einmal um den Künstler kennen zu lernen und um auch junge Künstler zu ermutigen, einfach zu sehen, dass man nicht ganz alleine auf der Reise ist und dass da ganz viele Gleichgesinnte da sind. Und auch auf der anderen Seite die Veranstaltungen, um auch gemeinsam mit den Künstlern zusammen zu arbeiten. Und auch dadurch die Künstler nochmal kennen zu lernen. Wie schon gesagt, genreübergreifend, da haben wir von Sprayern über DJs und Bildhauern bis zu Rockbands alles dabei.

DANIEL: Es ist auch viel mehr eine Art Hilfestellung. Ich glaub jeder, der künstlerisch aktiv ist, der hat immer so das Ding, grad heute im digitalisierten Zeitalter. Wie stellt man sich nach außen dar? Das ist mir persönlich auch am Anfang schwer gefallen, weil man ist auch einfach nur zugemüllt von den ganzen Sachen, die man draußen sieht und dann will man da auch irgendwie mitwirken. Ja, weil allein im Kämmerchen sein Ding durchziehen, ist dann vielleicht doch ein bisschen zu wenig und da geben wir einfach ein bisschen Hilfestellung und stellen die Leute vor.

Das Graffiti-Event, das ihr organisiert, das ist ja auch Sprayen mit Kindern?  (Event fand am 20. Oktober statt)

SAM: Ja, genau, die ganze Veranstaltung findet im Auftrag der Jugendförderung Rüsselsheim und des Kinderschutzbundes statt. Und da haben wir uns überlegt, wie wir die Kids einbinden können und hatten so eine Workshop Idee, wo Kiddies einfach aktiv an der Wandgestaltung teilnehmen und auch die Gelegenheit haben mal selbst Hand anzulegen. Wir plädieren damit auch für freie Flächen in Rüsselsheim, weil es gibt da auch in Schulen Graffiti AGs und von der Jugendförderung Graffiti Workshops, aber leider keine Flächen, wo die Jugendlichen das ausleben können. Deswegen nutzen wir die Aktion auch, um für freie Flächen zu werben.

DANIEL:  Es ist jetzt auch nicht so, dass wir das Rad neu erfinden. Es ist ganz einfach auch ein Sprachrohr für die Kiddies, für die ganze Jugendkultur und gerade für uns in der Stadt, um die Stadt wieder etwas attraktiver zu machen. Weil für viele aus unserer Stadt, die haben wohl die Stadt schon totgeschrieben. Für uns ist das nicht so. Wir finden Rüsselsheim immer noch sehr sehr attraktiv und da gilt es auch da ein Zeichen zu setzen. Und ich denk damit machen wir das auch. Es geht uns auch darum einen Tag mit den Kids zu gestalten, den Tag schön zu gestalten. Und dann einfach mal sehen, was da noch auf uns zukommt.

SAM: Wir haben mit der ersten Graffiti Jam jetzt auch eine relativ kleine Jam. Insgesamt mit zehn Künstlern, die mit dabei sind. Und wir hoffen, dass wir dann nächstes Jahr gemeinsam mit der Stadt Rüsselsheim da auch eine größere Jam organisieren können.

SAM: Wir verbinden gerne verschiedene Genres. Das ist auch das, was wir bei unseren Veranstaltungen machen. Ich hatte vor einigen Wochen eine Ausstellung. Da hat der Daniel aufgelegt, ich hab live gemalt und wir haben auch eine Sprechkünstlerin, die Hanna Wherum dabei gehabt. Die hat einen Text, der sich in den gemalten Bildern wieder findet, ja für uns aufgenommen. War sehr cool.

Zum Einen ist das mit der Culture Map ja eine Idee und die Webseite, aber eigentlich seid ihr ja die Culture Map. Also ihr und die, die dann dabei mitwirken.

DANIEL: Genau. Also für uns war es auch immer wichtig, uns da nicht auf dem Präsentierteller zu sehen. Es geht in erster Linie darum, das alles ein bisschen zu connecten und da zähle ich auch auf die anderen Künstler, die bis jetzt mit uns zusammen gearbeitet haben. Das macht uns auch eine Riesenfreude und bereitet uns viel Spaß. Weil dahinter ist ja dann trotzdem noch der Mensch, den man dann letztendlich kennen lernt und das ist dann auch schon etwas, was einem nahe geht und das sollte man auch nicht unterschätzen.

SAM: Ja, also das sind einfach wir. Das ist nicht etwas künstlich Entstandenes, sondern das ist einfach so, wie wir sind und wie wir mit den Leuten zusammen arbeiten.

SAM: Unsere Idee war eben, also den Struggle, den wir selber in unserem Leben durchgemacht haben, dass davon jüngere Künstler profitieren können und wir auch mit erfahrenen Künstlern zusammen arbeiten, um von den Künstlern auch für uns etwas zu lernen.

DANIEL: Wir nehmen ja auch immer was mit, auf jeden Fall. Es ist ja auch so, dass wir da zum Einen jungen Leuten was mitgeben, und dann auch selbst was mitnehmen können von erfahrenen Künstlern und das ist auch so eigentlich das, was uns Spaß macht. Wir würden uns jetzt nie hinstellen und sagen, wir können alles und wir wissen alles. Das ist eher das Gegenteil, also wir lernen jeden Tag und mit jedem Künstler etwas dazu.

Und was machst du eigentlich für Musik? Und mögt ihr den Paul Kalkbrenner? Der läuft die ganze Zeit schon als Unterlegmusik.

DANIEL: Ja, ich verbinde viel mit dem. Auf jeden Fall. Ich mache auch elektronische Musik, beziehungsweise ich lege auf. Nebenbei hab ich noch ein Projekt am Laufen mit einem sehr sehr guten Freund, ebenfalls DJ, Martin Reichmann. Das Genre in dem ich mich so bewege ist dann doch der rumänische Techno, wo ich auch drauf schwöre. Das ist so mein Ding, was ich verfolge, und da hab ich mich auch damit abgefunden. Zwar probiere ich immer mal wieder was Neues aus, aber letztlich ist das so mein Ding, wofür ich echt viel Interesse hab und wo ich auch meine ganze Energie rein stecke.

Du Daniel machst dann also die Musik zu euren Projekten, zu den Filmen und du Sam, du machst dann eben das Visuelle. Du bist ja Fotograf und bildender Künstler.

SAM: In erster Linie bin ich Fotograf. Ich arbeite als freischaffender Fotograf. Und auf der anderen Seite male ich auch und hab seit einigen Jahren auch meine eigenen Ausstellungen, hab aber die Wurzeln was die Malerei angeht auf der Straße und komme auch ursprünglich aus dem Graffiti. Deswegen hab ich auch so eine Verbundenheit zu dem Event.

Sprayst du dann auch mit und machst noch Graffiti?

SAM: Nicht mehr, kein aktiver Sprayer mehr. Ich bin dann von der Wand zur Leinwand gewandert und arbeite nur noch auf Leinwand. Aber das sind einfach meine Wurzeln, was die Kunst angeht und für die Culture Map, da mach ich die Videos für unsere Interviews.

Wen hattet ihr da bisher? Wer ist da schon in der Culture Map mit dabei?

DANIEL & SAM: Wir haben unter anderem den Mario Hergueta. Das ist ein konzeptioneller Künstler. Sonja Bardek haben wir, die malt Aquarell. Dann haben wir Who Killed Janis. Das ist eine Rock n Roll Band, die gerade im Durchstarten sind, Rotor City. Dann haben wir noch den Sven Hosek, der hat unter anderem den Frosch für das Putzmittel damals gemacht, auch ein ziemlich cooler Kerl.

Also auf der Webseite sind dann immer kleine Videos von den Künstlern online?

SAM: Genau, wir schreiben dann auch immer ein kleines Interview und haben halt unsere kleine Zweimann-Redaktion, in der wir dann auch unsere Texte absprechen. Auch wenn wir uns nicht sehen, das funktioniert ganz gut. Und dann gibt es immer das Interview als Video auf der Webseite. Da haben wir jetzt auch Künstler wie den Mathias Vogt, der hier in Frankfurt ab und zu im Silbergold zu hören ist.

DANIEL: Genau, den haben wir auch interviewt. Das ist auch gerade in Bearbeitung. Den haben wir im Silbergold besucht. Und ja, da wechseln wir uns dann auch immer ab. Was den Film dann letztendlich anbelangt, da haben wir für uns herausgefunden, dass es einfach das Beste ist, wenn wir uns da immer mal abwechseln. Weil nicht, dass sich noch einer von uns den Mund fusselig redet.

SAM: Uns geht es eben auch darum, den Menschen hinter dem Künstler kennen zu lernen und auch ein Stück weit dann die Kunst besser zu verstehen. Wir haben einige Künstler dabei, die Kunst im öffentlichen Raum machen und da gibt es dann immer wieder Diskussionen in der Öffentlichkeit zu der Kunst. Und wenn man mehr über den Künstler weiß, dann verbindet man dann auch auf einmal eine persönliche Geschichte.

>>> Die Künstler über sich selbst auf der Culture Map Webseite <<<

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Sam, Gastarbeiterkind, 80er Kind, 90er Teenie. Ich habe schon als kleiner Junge gerne gemalt und das besondere daran, es war mir lieber als das Reden. Ein Bild sagt mehr als tausend Worte hat für mich nicht nur  sprichwörtlichen Charakter.  Ich war sehr begeistert als eines Tages mein Vater mit einer Polaroid nach Hause kam. Der Grundstein für die ersten Fotoexperimente war gelegt. Gedacht, geknipst, geschüttelt und voilá das Bild war da. Schneller konnte ich damals meine Gedanken nicht sichtbarer machen. Dennoch hat es mich immer wieder zu Papier und Bleistift gezogen, besonders die Comicwelt hat mich begeistert. Bilder die ganze Geschichten erzählten ohne viele Worte zu benötigen. Mit 15 habe ich die Spiegelreflex meines Vaters für mich entdeckt. Eine Canon AE-1, ich habe viel experimentiert und mich mit der Technik befasst. Während der Schulzeit habe ich das Entwickeln und Bearbeiten von Bildern in der Dunkelkammer erlernt und die Vorliebe für Schwarzweißaufnahmen für mich entdeckt. Der Kreativnomade, weil ich lange rastlos auf der Suche nach dem richtigen Medium bildlich gewandert bin, um das festzuhalten, was ich empfinde und sehe. Mittlerweile ist die Fotografie ein fester Bestandsteil meines Lebens. Mit Hilfe der Kamera verarbeite ich alles was in meinem Leben passiert. Ich erfasse Momente, Gefühle, Perspektiven. In den letzten drei Jahren habe ich immer wieder das Heimatland meiner Eltern besucht und immer war meine Kamera mein Begleiter. Ich habe Momente, Orte und Gesichter gesehen. Vor einiger Zeit habe ich plötzlich einen roten Faden in den Bildern gelesen und mich entschieden, dass was ich gesehen habe, auch anderen zu zeigen und habe einen Bildband zusammengestellt.  Das Ergebnis ist Roots of Liberty, ein 140 seitiger Bildband, den es seit kurzem auch im Buchhandel gibt.

DJ VARGAS

Gude, ich bin Daniel. Ich habe meine Kindheit und Jugend in Rüsselsheim verbracht. Meine Eltern stammen aus der Zeit, als die Kavaliere nach Rüsselsheim kamen – Meinen Eltern habe ich auch meine Leidenschaft zur Musik zu verdanken, sie haben mich sehr kulturoffen erzogen. So gab es für uns auch ein Leben ausserhalb der Los Caballeros und ich lernte schnell, dass es mehr gab als nur Flamenco und San Miguel. Meine Eltern lieben Musik so kam es auch, dass ich oft meine Zeit mit meinen Eltern beim CD DUK in der Stadtmitte verbrachte. Schien die „Wartezeit“ stets langweilig zu sein, dennoch prägten mich die Musikeinflüsse meiner Eltern sehr – Egal ob Bob Marley´s Reggaeklänge im Auto meiner Mutter oder Pink Floyd bei Papa. Überall interpretierte ich die Musik, um herauszufinden, was mir an einem Track besonders gefällt. Deswegen gibt es immer etwas an einem Track, womit ich auch etwas anfangen kann, egal ob Lyrics, Drums oder die Melodie. Dann gab es noch den großen Bruder mit Hip Hop der 80er Jahre und die frühen 90er mit den Anfängen von Techno und House in Deutschland, aber auch der Musikgeschmack meiner Freunde inspirierte mich. Erinnere mich gern an die Toten Hosen bei Frederik, kurz gesagt ich habe einfach fast alles gehört. Ich spielte selbst Gitarre und gründete mit meinen Freunden eine Band. Doch letztenendes war es die elektronische Musik, die meine Leidenschaft zum Auflegen weckte – bis heute! Ich werde oft gefragt: Gude Daniel, was empfindest du eigentlich beim Auflegen? Das ist einfach zu beantworten, Altruismus beschreibt es in einem Wort: Ich empfinde eine starke Zufriedenheit gegenüber meinen Mitmenschen. Ich akzeptiere jeden Menschen einfach so wie er ist, wie er sich zur Musik bewegt, wie er sich auslebt und das ist auch das Gefühl, dass ich in dem Moment auslebe. Ich lasse mich von der Musik und meinem Gefühl leiten.

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Daniel Vargas (DJ)

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Sam Khayari (Fotograf & Bildender Künstler)

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FOTO CREDITS

>>> Sam Khayari aka Kreativnomade

 

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