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Mehr als nur Sitzgelegenheiten – legendäre Stühle, die zu Designklassikern wurden.

Arne Jacobsen Series 7, Eames Chair und der Søborg 3 wunderschöne Designklassiker zum sitzen.

Als weit verbreiteter Einrichtungsgegenstand zog der Stuhl erst im Lauf des 17. Jahrhunderts in bürgerliche Haushalte ein und ersetzte die bis dahin üblichen lehnenlosen Bänke und unbequemen Hocker. Er blieb zunächst eine reine Sitzgelegenheit, meist ohne Anspruch auf ausgeprägte Bequemlichkeit oder gar Eleganz. Erst der deutsche Möbelhersteller Thonet schuf um 1860 mit seinen Bugholzstühlen, unter anderem mit dem berühmten Wiener-Kaffeehaus-Stuhl, erstmalig Sitzgelegenheiten mit einem hohen formalen Anspruch. Der Denkanstoß, dass Möbel und Stühle nicht nur funktional und vielleicht noch repräsentativ, sondern auch äthetisch anspruchsvoll sein können, erfolgte durch das Bauhaus. Die berühmte Kunstschule, die 1919 von den Architekten Walter Gropius und Henry van de Velde gegründet wurde, definierte die Ansprüche an Architektur, Design und Kunst völlig neu. Die Intention der Gründer war es, Alltagsgegenstände aus ihrer von industriellen Anforderungen geprägten Formgebung heraus zu lösen und eine Renaissance des klassichen Kunsthandwerks einzuleiten. Das Design von Möbeln und Stühlen sollte gleichwertig auf optimale Funktion, hohen Gebrauchsnutzen und formale Ästhetik ausgerichtet sein. Sie schufen damit einen Anspruch, die bis heute gültig ist. Auch die großartigen Stuhl-Entwürfe des amerikanischen Ehepaars Ray und Charles Eames und der dänischen Designer Arne Jacobsen und Børge Mogensen sind von dieser Philosopie beeinflusst. Sie entstanden alle Anfang der 1950er Jahre, werden seitdem beinah unverändert produziert und sind zu zeitlosen Designklassikern geworden.

 

Die puristisch eleganten Stühle der Arne Jacobsen Series 7

Series 7 - Front Upholstered Walnut Leather

Series 7 – Front Upholstered Walnut Leather, Bildquelle: Fritzhansen World

Hinter der eher schmucklos-sachlichen Bezeichnung Serie 7 versteckt sich eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Mehr als 5 Millionen Exemplare wurden seit 1955 hergestellt. Viele Museen zeigen den Stuhl als exemplarisches Beispiel für den Stil des Funktionalismus. Im New Yorker Museum of Modern Art ist ein Arne Jacobsen Series 7 Stuhl fester Teil der permanenten Ausstellung, Das Designmuseum Danmark in Kopenhagen hat der Serie 7 einen ganzen Raum gewidmet und zeigt den Arne Jacobsen Series 7 Stuhl in zahlreichen Varianten. Die Stuhlreihe ist einen Weiterentwicklung des Modells „Myren“ oder „The Ant“ , auf deutsch Ameise, das Arne Jacobsen im Jahr 1951 für die Kantinen-Einrichtung des dänischen Pharmaproduzenten Novo Nordisk entworfen hat. Die Ameise entstand in einer für die damalige Zeit revolutionären Produktionstechnik. Die Sitzfläche und die Rückenlehne sind aus einem einzigen Stück Furniersperrholz geformt, das in einer neuen Technik zu seiner endgültigen Form gebogen wurde. Der dabei enstandenen Taillienform verdankt der Stuhl seinen ungewöhnlichen Namen. Die Stühle der später folgenden Arne Jacobsen Series 7 entsprechen weitgehend dem Vorgängermodell, sind aber weniger tailliert und haben jetzt vier statt nur die drei Beine der ursprünglichen Ameise

Arne Jacobsen war ein engagierter Architekt, der anstrebte, mit den von ihm entworfenen Bauten Gesamtkunstwerke zu schaffen und deshalb zum Gebäude passende Möbel entwarf. So stehen die Stühle der Arne Jacobsen Series 7 im Restaurant des Kopenhagener SAS Royal Hotel und in den Versammlungsräumen des Rathaus der Stadt Mainz. Zu weltweiter Popularität kam der Arne Jacobsen Series 7 Stuhl durch ein Foto des unbekleideten Models Christine Keeler, deren Blöße durch Form der Rückenlehne verdeckt wurde. Das Foto führte nicht nur zu einem drastischen Ansteig der Verkaufszahlen, sondern auch zum Rücktritt eines britischen Ministers, mit dem das Model eine Affäre hatte.

 

Die Vielfalt des Eames Chair

Vitra Eames Plastic Side Chair

Vitra Eames Plastic Side Chair, Bildquelle: Vitra

Der amerikanische Architekt und Designer Charles Ormand Eames hat gemeinsam mit seiner Frau Ray Möbel entworfen, die heute aus keinem angesagten Loft, keiner erfolgreichen Kanzlei und sogar aus den Arbeitsräumen von Regierungen nicht mehr wegzudenken sind. Zum Œuvre des Designerpaars gehören aber nicht nur die perfekten und deshalb allgegenwärtigen Konferenzstühle und der harmonisch-gemütliche Lounge-Chair mit seiner oppulenten Polsterung. Ebenso markant und mit einem unvergleichbaren Sitzkomfort ausgestattet ist der Eames Chair. Das Grundmodell wurde 1950 entworfen und erinnert in seiner Linienführung an die einprägsame Handschrift von Arne Jacobsen. Jedoch setzte Charles Eames auf Kunststoff statt Holz und realisierte seinen Entwurf mit einer Sitzsschale aus fiberglasverstärkten Polyesterharz. Das bis dahin in der Möbelindustrie völlig unbekannte Material ließ sich vielfältig formen, war enorm stabil und hatte eine angenehme Haptik. Charles Eames präsentierte seinen Entwurf erstmals 1948 im Rahmen des Wettbewerbs „Low Cost Furniture Design“ an keinem geringeren Ort als dem Museum of Modern Art.

Der schlichte minimalistische Entwurf war modular aufgebaut und erlaubte nahezu unendliche Varianten. Er wurde ab 1950 auch mit Sitzschalen ohne seitliche Lehnen angeboten und konnte mit verschiedenen Fußgestellen kombiniert werden. Diese schon im ersten Entwurf angelegte Modularität führte zu immer wieder neuen Interpretationen des Basismodells. Heute ist der Eames Chair als behaglicher Schaukelstuhl auf Kufen, als alltagsgerechter Arbeitststuhl auf einem Drehgestell, als wetterfestes Outdoor-Modell oder als stapelbare Sitzgegelegenheit für große Räume und Veranstaltungssäle erhältlich. In welcher Ausprägung auch immer der unverwechselbare Stuhl Chair auftritt –die unvergleichliche Kombination aus Sitzkomfort und markanter Formgebung ist seit Jahrzehnten unverändert. Das Kunststoff-Material der Sitzschale erlaubt darüber hinaus eine breite Farbenvielfalt, die den Klassiker fast 70 Jahre nach seiner Entstehung nicht nur zeitlos, sonder auch immer wieder auf ein Neues brandaktuell erscheinen lässt.

 

Der Søborg Stuhl von Børge Mogensen

Fredericia Soborg

Fredericia Soborg Bildquelle: Connox

Der dänische Designer Børge Mogensen gilt als einer der Väter des modernen skandinavischen Designs. Einer seiner erfolgreichesten Entwürfe ist der zeitlose elegante Søborg Stuhl, den der Designer 1950 präsentierte. Seinen Namen verdankt der Stuhl dem damaligen Hersteller, der Søborg Møbelfabrik. Der Stuhl ist eine gelungene Verbindungen der Einflüsse des vom Bauhaus geprägten Mid-Century-Designs und dem stark an der Natur orientierten amerikanischen Shaker-Stil. Der ursprüngliche Entwurf bestand ausschließlich Massivholz und gebogenem Sperrholz. 1952 erweiterte Børge Mogensen seine Stuhlkollektion um Versionen, die einen Stahlrahmen nutzten. Seine Intention war, Stühle und andere Möbel zu schaffen, die durch ihre ausgewogenen Proportionen und formale Ästhetik große Ruhe und tiefe Harmonie ausstrahlten. Gleichzeitig sollten seine Stühle einem hohen Gebrauchswert haben und durch ihre solide Konstruktion auch generationsübergreifend haltbar sein. Durch seine klare, reduzierte Linienführung konnte der Søborg Stuhl in hohen Stückzahlen produziert werden und war deshalb auch für ein breites Publikum erschwinglich. Obwohl der Stuhl heute vom dänischen Hersteller Frederica produziert wird, ist die alte Bezeichnung Søborg erhalten gebleiben. Der zeitlose Stuhl ist ein wunderbares Wohn- und Essraummöbel mit hohem Sitzkomfort. Wegen seiner zurückhaltenden Silhouette ist er auch in vielen öffentlichen und kulturell genutzen Gebäuden anzutreffen.

 

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