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Philippe Starck: Das Zuhause der Leute ist mein Museum!

Das französische Allround-Talent gilt als der bekannteste Designer der Welt. Er schuf Entwürfe für Restaurants und Häuser, Motorräder und Yachten, Zahnbürsten und Zitruspressen. Einer seiner Schwerpunkte sind Möbel, vom einfachen Recycling-Plastikstuhl bis zu Sitzgelegenheiten, die zu zeitlosen Kultobjekten wurden. Der weltweite Erfolg des enfant terrible basiert auf einigen relativ simplen Regeln, die er selbst aufstellte und konsequent umsetzte. Ein Gebrauchsgegenstand oder ein Möbelstück müsse funktional sein, erst dann dürfe es auch schön sein. Und: gutes Design müsse zeitlos Bestand haben und sich nicht an aktuellen Modetrends orientieren. Zum großen Erfolg seiner Entwürfe für Alltagsgegenstände dürfte auch die von ihm verpflichtende Preisgestaltung sein. Er verlangt von allen Auftraggebern, dass seine Artikel für normale Verbraucher erschwinglich sein müssen. Zwar nicht billig, aber auf jeden Fall so preisgünstig, dass sie eine große Käuferschaft ansprechen. Man bezeichnet den Designer Starck deshalb auch als den Erfinder des Democratic Designs.

Seine ungewöhnlichen Entwürfe lassen sich in keine der üblichen Stilrichtungen einordnen. In seinem Fokus auf Funktionalität und Gebrauchsnutzen greift er eindeutig auf die Philosophie des frühen Bauhaus der 1920er Jahre zurück. Auch haben viele seiner Objekte die klare, schnörkellose Linienführung jener Zeit und zitieren gleichzeitig die Formensprache der großen skandinavischen Designer. Im scheinbaren Widerspruch dazu finden sich auch Elemente des Art Deco, mit kräftigen, kontrastreichen Farben und üppigen Formen und Anlehnungen an klassische Möbel aus der Zeit von Louis-XVI, dem vorrevolutionären Klassizismus seiner französischen Heimat. Im gelingt es meisterhaft, diese doch stark unterschiedlichen Einflüssen zu etwas völlig Neuem und absolut Eigenständigen zu verbinden.

Der Quereinsteiger

Zum Start seiner Karriere war Philippe Starck das, was man heute einen Quereinsteiger nennt. Als schlechter Schüler ohne Hochschulabschluss, ohne technisches oder kunst- oder designorientiertes Studium startete er als 20jähriger im Team des renommierten Modeschöpfers Pierre Cardin. Er interessierte sich aber mehr für Innenarchitektur als für die Haute Couture. Er entwarf die Flagship-Stores von Pierre Balmain und Dorothee Bis und richtete Clubs und Restaurants ein. 1982 erhielt er den Auftrag, die privaten Räume des damaligen Staatspräsidenten François Mitterrand im Élysée-Palast zu gestalten. Danach wurde er zu einem gefragten Ansprechpartner für die Wohnraumgestaltung bei der Pariser Upper Class.

Die Inneneinrichtung des Café Costes

Die endgültige Anerkennung als internationaler Designer bekam Starck durch seinen Entwurf für die Inneneinrichtung des Café Costes am Square des Innocents in Paris. Das Café erstreckte sich über zwei Etagen, die über eine riesige Freitreppe miteinander verbunden waren. Das ungewöhnliche Ambiete glich dem Interieur eines klassischen Ozean-Liners und bot gleichzeitig die melancholische Atmosphäre eines Kaffeehauses aus Wien oder Prag. Jedes Detail zeigt hier das typische Philippe Starck Design, das später so berühmt und erfolgreich wurde. Die puristischen Betonwände- und Fußböden bestanden aus granitähnlichem Beton und waren in zarten Pastellfarben gestrichen. Toilettenbenutzer waren durch ungewöhnliche Details und Funktionen zunächst verwirrt, dann begeistert. Der speziell für das Café Costes entworfene Stuhl wurde in kurzer Zeit zum signifikaten Vertreter für ein Philippe Starck Möbel. Er hatte nur drei Beine und bestand aus Schichtholz, das zu einer ebenso eleganten wie ungewöhnlichen bequemen Rückenlehne gebogen war. Zusammen mit dem dazu passenden Tisch wurde der Stuhl zu einem weltweit angesagten Möbelstück für Hotelfoyers, Konferenzräume und Privatwohnungen. Zehn Jahre lang, von 1984 bis zur Schließung im Jahr 1994, war dieses Café mit seiner avantgardistischen Architektur und der wunderbar ausgewogenen Möblierung ein beliebter Treff- und Anziehungspunkt für alle Designliebhaber der Welt. Das ausdrucksstarke Design und dessen uneingeschränkte Akzeptanz in der internationalen Designszene führten dazu, dass Philippe Starck 1985 zum französischen Designer des Jahres gekürt wurde. Die große Bandbreite seines Schaffens demonstrierte er 23 Jahre später im Jahr 2017, als er das traditionsreiche, über 250 Jahre alte Café Quadri auf den Markusplatz in Venedig umgestaltete. Hier entstand nichts völlig Neues, sondern eine Nuancierung der historischen Einrichtung, dennoch prägend verändert und zeigt in zahlreichen Details die typische Handschrift des Stils von Philippe Starck Interior.

Juicy Salif

Seine große Bekanntheit verdankt Starck jedoch weniger seinen spektakulären Erfolgen als Innenarchitekt, sondern seiner Kreativität bei der Gestaltung von Alltagsgegenständen. Allen voran wurde Juicy Salif zu einer Art Synonym für das typische Phillipe Starck Design. Die raketenförmige Zitronenpresse aus Aluminium steht auf nur drei säulenartigen Beinen, denen das Küchenaccessoire des Herstellers Alessi nicht nur den sicheren Stand, sondern auch seine signifikante Silhouette verdankt.

Juicy-Salif

Juicy Salif Bildquelle: Alessi

Luis Ghost

Fast vertraut wirkt dagegen der Lehnstuhl Louis Ghost, den der Designer für den italienischen Möbelhersteller Kartell entwarf. Durch seine Form wäre er auch für den Bankettsaal eines Schlosses wie Versailles geeignet. Das Philippe Starck Möbel ist jedoch aus glasklarem Polycarbonat gefertigt und entwickelt durch diese ungewöhnliche Kombination aus klassischer Silhouette und modernem Material einen ganz ungewöhnlichen Reiz.

 

Louis Ghost

Louis Ghost, Bildquelle Kartell.com

 

Produkte im Philippe Starck Design findet man auch in den Kollektionen des Sportartikel-Herstellers Puma, der Brillenmarke Alain Mikli, bei der Sanitärkeramik von Duravit und Hoesch und unter dem Computerequipment von Microsoft. Für die Marke Axor entwirft er seit mehr als 20 Jahren wegweisende Akzente im Baddesign. Extrovertiert, überraschend, wie die gläserne Armatur Starck V oder die von der Natur inspirerte Kollektion Starck Organic.

Die enorme Präsenz von Phillipe Starck Design in vielen Bereichen einer Wohnung oder eines Hauses haben den Designer zu der Aussage veranlasst, das Lebensumfeld seiner Kunden, der Verbraucher, seien das einzig wahre und wichtigste Museum für seine Entwürfe.

Es ist jedoch nicht nur der Bereich Philippe Starck Interior, der den Designer beschäftigt und der ihn zu einem bedeutenden Mitglied der internationalen Design-Elite gemacht hat. Zu seinen wohl spektakulärsten Arbeiten zählen die Entwürfe für die Yachten des russischen Unternehmers Andrei Melnitschenko. Unter dem Namen SY A entwarf er die mit 143 Metern Länge größte Segelyacht der Welt und mit der Motoryacht A ein weiteres maritimes Highlight, das zu den 20 größten Luxusyachten zählt. Weniger exklusiv, aber genau so ungewöhnlich, ist sein Entwurf für das Motorrad Moto 6 5 für den italienischen Produzenten Aprila. Auch hier, jenseits der Philippe Starck Möbel, lebt die Formensprache des Designers von der Reduktion, der Konzentration auf das Wesentliche und dem Wegfall alles Überflüssigen.

Bildquelle: AXOR

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