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Ghana Report No.29: Ernennung zum neuen Development Chief der Hasu Community!

Der im Februar per Schiff losgeschickte Spenden-Container beinhaltete nicht nur die Geräte für die Computer Labs und das neue Campus WLAN an der University of Health and Allied Science in Ho, sondern noch jede Menge weitere Unterstützungsgüter, die von HITA (Healthcare Information Technology for Africa e.V.) an die jeweiligen Partner in Ghana übergeben werden konnten. Im Dorf Hasu hat HITA die Poliklinik mit hochwertigem medizinischem Equipment und Ausrüstung für das Personal ausgestattet. Die Dankesantwort war überwältgend herzlich und ehrenvoll: Vorsitzender Thomas Erkert wurde bei einer Inaugurations-Zeremonie vom Chief und der Queen Mother des Adaklu-Distrikts zum neuen „Development Chief“ gekürt. Das gesamte Dorf mit über 400 Einwohner versammelte sich und bot ein Veranstaltung, die man als ausländischer Besucher so nur selten Miterleben kann. Das HITA-Team wurde dazu natürlich in traditionelle Tracht gekleidet!

BERICHT VOM HITA TEAM – TAG 9: Früh treibt es uns aus den Betten, denn der heutige Tag steht ganz im Zeichen der Zeremonie in Hasu, auf der Thomas zum “Development Chief” des Dorfes gekürt werden soll. Worum handelt es sich dabei? Im Zug der Kolonialisierung übernahm Ghana aus Angelsachsen das System der parlamentarischen Demokratie, deren Geschichte im Land durchaus eine Erfolgsstory ist — auf dem Demokratie-Index der Economist Intelligence Unit schneidet Ghana schon seit Jahren weitaus besser ab als fast alle anderen Staaten Afrikas. Parallel hierzu wurden die traditionellen Herrschaftsstrukturen, in denen lokalen und regionalen Stammeshäuptlingen (“Chiefs”) eine große Bedeutung zukommt, weitgehend beibehalten. Die Chiefs sind auf der lokalen Ebene für viele Dinge verantwortlich, z.B. für die Zuteilung von Flächen-Nutzungsrechten; sie nehmen insbesondere eine zentrale Rolle ein, wenn es um die Beilegung von Konflikten aller Art innerhalb der ansässigen Bevölkerung geht.

Seit einiger Zeit wird nun in vielen Teilen Ghanas der Titel “Development Chief” vergeben an Auswärtige, die sich für die Entwicklung einer Region verdient gemacht haben. Die lokalen Akteure, inklusive der traditionellen Stammeshäuptlinge, versprechen sich hiervon eine längerwährende Bindung der betreffenden Person an die Region — in der Hoffnung, auch in Zukunft in den Genuss von Entwicklungsmaßnahmen welcher Art auch immer zu kommen. Im Gespräch mit uns drückt es ein traditioneller Chief so aus: “Früher waren die Chiefs für das Kriegswesen zuständig. Heute, wo es zum Glück kaum noch kriegerische Auseinandersetzungen mehr gibt, ist Entwicklung “der neue Krieg”; daher ist es Aufgabe für uns Chiefs, uns verstärkt um Entwicklungsmaßnahmen zu bemühen”.

Die Berufung zum Development Chief ist natürlich verbunden mit einer ausgedehnten Zeremonie und einer großen Feier. In den letzten Tagen haben wir schon viele Hinweise erhalten, was von uns erwartet werden wird und wie wir uns zu verhalten haben; trotzdem fällt es uns nicht leicht, angesichts der vielen geladenen Gäste und des genau vorgeschriebenen Ablaufs der Feierlichkeiten “cool” zu bleiben. Zunächst werden wir in Hasu von Chief und Queen Mother des Adaklu-Distrikts eingekleidet. Die Beiden sind superherzlich und geben uns viele Tipps — z.B., wie Thomas es verhindern kann, versehentlich die linke Hand zu benutzen, was streng untersagt ist. Allmählich lernen wir, wie wir die Kente-Gewänder “standesgemäß” tragen können, ohne dabei zu angestrengt aus der Wäsche zu blicken. Thomas erhält reichlich Armschmuck und eine Krone, die extra aus Accra herbeigeschafft werden musste; man hat whrlich keine Mühen gescheut! Wir machen eine Trockenübung, bei der wir die korrekte Sitzordnung einstudieren: Karsten, der Sprecher oder “Linguist” des Chiefs, sitzt auf einem niedrigeren Hocker vor Thomas, während Daniel, Leonhard und Shaun links und rechts vom Chief sitzen. In der Regel ist der Linguist für alle Kommunikation zuständig, da der Chief nicht direkt zu seinem Volk spricht und auch nicht direkt angesprochen werden darf.

Dann geht es zu einem Platz in der Mitte des Ortes, vor der Hasu Polyclinic, für die eigentliche feierliche Inthronisierung. Die etwa 400 Bewohner, die der Zeremonie beiwohnen, warten schon ungeduldig. Einige Ortsbewohner bringen Körbe voller prächtiger Geschenke, Gebete werden gesprochen, und Mr Chance ergreift das Wort, um die Feierlichkeit offiziell zu eröffnen. Schon nach wenigen Minuten gibt es eine Unterbrechung: der Blick der Anwesenden geht zum Himmel, denn plötzlich verdunkelt sich dieser und heftiger Regen beginnt zu fallen. Wie wir später erfahren, interpretieren die Ortsansässigen dies als ein äußerst günstiges Omen; schon denn seit vielen Tagen hat es nicht mehr geregnet und man wartete schon ungeduldig auf den nächsten Niederschlag. Doch im Nullkommanichts ist der Umzug in den Empfangsraum der Poliklinik erledigt, es kann weitergehen. Die Inthronisierung selbst nimmt der Chief der Adaklu-Region gemeinsam mit seiner Ehefrau vor. Dann folgt eine Darbietung der örtlichen Gesangs-, Tanz- und Trommelgruppe, die sich aus Kindern aller Altersgruppen zusammensetzt. Was diese kleinen Künstler*innen da aufführen, reißt uns fast vom Hocker: ausgefeilte Choreographie, toller Call-and-Response-Gesang, und extrem anspruchsvolle Rhythmen, die auf Talking Drums produziert werden — alles mit einer Selbstverständlichkeit und scheinbaren Mühelosigkeit dargeboten, die uns fast die Tränen in die Augen treibt.

Nun wollen die Anwesenden auch etwas vom Chief zu hören bekommen. Wie es die Tradition fordert, ergreift zunächst Linguist Karsten das Wort; er berichtet von den vielen Reisen, die Thomas bereits als jungen Menschen um den Erdball geführt haben, und von seiner ersten Begegnung mit dem ghanaischen Volk in den frühen Jahren dieses Jahrhunderts. Im Rahmen seiner Tätigkeit zunächst als Berater eines Konsortiums der Telekommunikationsindustrie, später dann als Initiator — gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium — von technikgestützten Projekten im Bereich Health Training, hat Thomas schon fast alle Regionen Ghanas ausgiebig bereist. An keinem Ort jedoch wurde er mit solch offenen Armen willkommen geheißen wie in der Volta Region, insbesondere an diesem Ort, Hasu.

Schließlich darf auch der frisch gekürte Development Chief eine Ansprache halten, in der er sich herzlich für das ihm entgegengebrachte Vertrauen und den großen Aufwand, der für die Vorbereitung der heutigen Feier betrieben wurde, bedankt. So etwas erlebt man nur einmal im Leben!

Am Ende bleibt auch noch Zeit, allen Interessierten die von HITA gespendeten und in den letzten Tagen in der Poliklinik installierten Einrichtungsgegenstände zu präsentieren, wie die neuen Krankenhausbetten und die Computer, Scanner und Drucker. Das Personal der Poliklinik ist sichtlich erfreut über die Möglichkeiten, die ihnen das neue Equipment eröffnet im Hinblick auf eine patientengerechtere Arbeitspraxis. Eine Anwesende, seit einigen Wochen schwanger, verkündet erleichtert: “In diesem Bett werde ich mein erstes Baby bekommen können — anstatt wie die bisherigen Patientinnen auf dem Boden kampieren zu müssen!”


WIR SUCHEN WEITERHIN NACH NEUEN MITGLIEDERN UND SIND AUF EUREN SUPPORT UND FINANZIELLE UNTERSTÜTZUNG ANGEWIESEN, UM UNSERE PROJEKTE UMSETZEN ZU KÖNNEN.


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