„Laufende Hände“ | 6.600 m² Graffiti an der Ostendstraße

Die Haltestelle Ostendstraße in Frankfurt am Main. Eine bisher eher schäbige Gegend, ein dunkles Gewölbe voll mit Schmutz auf 247 Metern Bahnsteiglänge. Zwar kein unbeliebter Spot für Graffitis, aber dennoch nicht der schönste Ort, um auf die S-Bahn zu warten. Rund 30.000 Menschen tun hier täglich genau das und als auch ich am Wochenende mal wieder dort umgestiegen bin, ist mir erstmal kurz die Kinnlade runtergeklappt. Sechs Wochen lang war hier aufgrund der S-Bahn-Tunnel-Sperrung kein Schwein unterwegs, dachte ich, höchstens um ein bisschen an den Gleisen und Signalen zu arbeiten. Da hab ich mich wohl geschnitten, denn die Station wurde mal eben komplett in Farbe getunkt.

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Andreas und Samira Chrzanowski sind verantwortlich für den ganz schön bunten Neuanstrich, den die Haltestelle nach 27 mal echt vertragen hat. Er, 37 Jahre jung, auch bekannt unter dem Pseudonym „Case Maclaim“, hat seine Motive unter anderem schon in Tokio, Dubai und Miami an die Wand geklatscht. Sie, 32 Jahre, ist selbst gebürtige Frankfurterin und seine Frau. Die beiden haben beispielsweise schon gemeinsam am Ostbahnhof und an der Galluswarte rumgemalt, aber sowas Großes, wie an der Ostendstraße, sprengt natürlich alles. Auf 6.600 Quadratmetern (!) haben die beiden in sechs Wochen rund 60 „laufende Hände“ gepinselt und gesprüht. Geholfen hat ihnen dabei der Amsterdamer Graffiti-Künstler Does.

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Mehr als 1000 Liter Streichfarbe sowie zwei Paletten Dosen gingen dabei drauf. Zuerst wurden die gesamten Außenwände samt Decken in grüner Farbe grundiert. Wenn man genau hinschaut, kann man erkennen, dass alle kleinen Rohre, Kästen und so weiter nicht einen Spritzer Farbe abbekommen haben – was für ein Aufwand das gewesen sein muss, das alles erstmal penibel abzukleben…
Apropos Aufwand, die vom Bremsstaub völlig zugedreckten Wände mussten ja übrigens erstmal gereinigt werden. Weil es aber keine Ablaufmöglichkeit für so etwas wie Wasser gibt, musste dazu ein 1,5 Tonnen Kompressor anrücken und das Ganze mit Trockeneis erledigen.

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Nach der Grundierung durfte erstmal Does ran. Er hat alle Wände mit einem Muster versehen, bevor ein Assistent die an die Wand projizierten Motive anzeichnete und erste Farbschichten auftrug (alles andere hätte viel zu lange gedauert). Weitergemacht hat schließlich Majestro itself mit seiner Lady, die beide während der sechs Wochen auf den ein oder anderen Schlaf verzichten mussten. Mit ausschließlich umweltfreundlichen Farben ist so die neu glänzende Ostendstraße entstanden.

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Die Hände laufen jeweils in Fahrtrichtungen der Bahnen und sind für Case Maclaim mehr als ein Markenzeichen: „Sie sind für mich ein Symbol für die Kraft der Bewegung.“ Passt doch super zur Bahn, die ist schließlich auch immer in Bewegung. Das dachte sich wohl auch die Deutsche Bahn, als sie die Künstler im Rahmen des Programms „Zukunft Bahn“ (welches für rund 23 Millionen Euro diverse Stationen verschönert) beauftragte.

 

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Fotos:
Selini Müller

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