Weltkulturen Museum Frankfurt am Main

In Nachbarschaft zu dem Museum Angewandte Kunst und dem Deutschen Filmmuseum beherbergt das Frankfurter Museumsufer auch das Weltkulturen Museum. Untergebracht in drei Gründerzeitvillen verfügt es über einen Bestand von 67.000 ethnografischen Artefakten, gesammelt ab dem 18. Jahrhundert, aus Ozeanien, Afrika, Südostasien und Amerika. Vervollständigt wird dieser durch die Sammlung Visuelle Anthropologie, die etwa 120.000 historische und zeitgenössische ethnografische Fotografien und Filme umfasst. Das Weltkulturen Museum versteht sich als zentraler Ort für interkulturellen Austausch und interdisziplinäre Zusammenarbeit im Bereich der Kulturwissenschaften.

SAMMLUNGEN

Die Sammlungen des Museums setzen sich aus mehreren unterschiedlichen Sammlungskomplexen zusammen. Sie wurden teilweise von privaten Personen oder anderen Institutionen erworben, auf Forschungsreisen zusammengetragen, gespendet oder durch Nachlässe in die Einrichtung geführt.

Afrika

Die ethnografische Sammlung umfasst etwa 15.000 Objekte der Kunst und Kultur afrikanischer Völker. Der geografische Schwerpunkt liegt dabei im Bereich Zentralafrika (Angola, Demokratische Republik Kongo, Kamerun, Zentralafrikanische Republik, Rwanda) sowie Nordost- und Ostafrika (Äthiopien, Sudan, Somalia, Uganda, Kenia und Tansania). Historisch bedeutsame Objekte sind aus Nigeria und Südafrika zu verzeichnen. Seit 1974 wird der Bestand durch Werke zeitgenössischer Kunst ergänzt. Dieser Bereich greift etwa 2.800 Arbeiten und ist damit der größte seiner Art in einem Museum deutschsprachigen Raumes.

Amerika

Fast die Hälfte der Sammlung Amerika kommt stammt aus den Kulturen des Tieflands von Südamerika und dessen angrenzenden Gebieten (Bolivien, Peru, Brasilien, Paraguay, Kolumbien und Argentinien). Ein weiteres Viertel besteht aus Volkskunst aus Mittel- u Südamerika (z.b. Mexico, Guatemala) und vergleichsweise wenig vertreten sind die indigenen Kulturen Nordamerikas mit sehr alten Einzelstücken aus verschiedenen Regionen. Auch archäologische Funde aus Alt-Amerika sind zu sehen, außerdem eine Sammlung zeitgenössischer Kunst mit Zeichnungen der Guarani und Tukuna, einem Querschnitt populärer brasilianischer Kunst, afro-brasilianischer Kunst, neuer indianischer Kunst aus Brasilien und zeitgenössischer Inuit-Kunst.

Ozeanien

Die Ozeanien-Sammlung beinhaltet Artefakte aus Zentral-Australien, Südaustralien, Nordwest-Neuguinea, Fiji sowie Einzelstücke aus Melanesien. Geringe Bestände stammen aus Polynesien und Mikronesien und den Maoris aus Neuseeland, die alle etwa 1900 bis 1910 zusammengetragen wurden. Bekannt ist dieser Bereich des Weltkulturen Museum vorallem wegen der umfangreichen Bestände vom Sepik, wegen den Yimar vom Korowori und den sehr alten Figuren der Inyai-Enga. Neben Großobjekten wie Schlitztrommeln und Booten zeigt der Bestand Alltags- Kult- und Kunstgegenstände, unter anderem auch aus dem Hochland Neuguineas, den Trobiriand-Inseln und Samoa, sowie Gemälde der Aborigines. Die gesamte Abteilung besteht aus etwa 16.000 Stücken. Ziel weiterer Sammeltätigkeit ist die Dokumentation kulturellen Wandels und der Entwicklung zeitgenössischer Kunst im gesamten pazifischen Raum.

Südostasien

Mit über 8.500 von 11.000 Objekten bildet Indonesien den Schwerpunkt dieser Sammlung. Während die bei uns besonders bekannten Inseln und Kulturen Java, Bali und Borneo hier nur wenig vertreten sind, ist der Bestand aus Ostindonesien dafür umso umfangreicher und zum Teil weltweit einmalig. Auch kleine Sammlungen aus den Philippinen und verschiedene Objekte vom Festland sind zu sehen, Südasien ist vertreten mit ca. 2.000 Objekten aus Indien, Pakistan und der Himalaya-Region. Diverse Objekte (darunter vorallem Alltagsgegenstände) stammen aus Orissa, Sumatra, Südost-Sulawesi und seinen vorgelagerten Inseln Muna, Butung und Kabaena. Textilien, Flechtarbeiten und Schmuck kommen aus Ost-Flores, den Solor-Alor-Archipel und Timor, verschiedene Zeremonialobjekte und Teile von Hausarchitektur aus Mittel-Flores. Eine Sammlung altjavanischer Terrakotten aus dem 12.-15. Jahrhundert bietet eine Reihe figürlicher Darstellungen von Gottheitetn, Dienern und Tieren, sowie Gebrauchs- und Baukeramik und verweisen auf die hinduistischen und buddhistischen Einflüsse auf der Insel Java. Zeitgenössische und moderne Kunst aus Indonesien richtet einen Fokus auf Werke akademisch gebildeter Künstler und Künstlerinnen aus Bali.

Visuelle Anthropologie

Über 100 Jahre ethnografische Bildgeschichte erzählt die Sammlung Visuelle Anthropologie. Insgesamt etwa 100.000 Bilder, bestehend aus Dias, Fotoabzügen, Negativen, älteren Glasstereodias, digitalen Bildern, aber auch Zeichnungen und Postkarten reichen von landeskundlichen Aufnahmen über historische und ärchäologische Stätten hin zu speziellen Themen wie Riten, Festen und Tänzen, handwerklichen Verarbeitungen oder Umweltzerstörung. Ein Schwerpunkt liegt auf der Dia- und Fotografie der 60er, 70er und 80er Jahre. Die frühsten Fotografien stammen von Museumsgründer Dr. Bernhard Hagen aus seiner Zeit in Sumatra 1905. Desweiteren bestehen neben den Aufnahmen rund 550 Filme.

Weltkulturen Labor

Das Weltkulturen Labor ist Teil der Institution und wird als interdisziplinäres Forschungslabor begriffen. Gemeinsam mit dem Green Room, einem experimentellen Projektraum im Obergeschoss, werden an diesem Ort Objekte aus der Sammlung neu interpretiert und Ausstellungen vorbereitet. Jeder Gastkünstler überlässt eine der im Labor geschaffenen Arbeiten dem Museum, wordurch die Sammlung originaler Multimedia-Arbeiten stetig wächst.
Bisher beinhaltet sie unter anderem Arbeiten von Marie Angeletti, Buki Akib, A Kind of Guise, Heike Bayrle, Thomas Bayrle, Rut Blees Luxemburg, Peggy Buth, Marc Camilla Chaimowicz, CassettePlaya, Sunah Choi, Minerva Cuevas, Azadeh Fatehrad, Antje Majewski, Otobong Nkanga, P.A.M./Perks and Mini, Simon Popper, Olivier Richon, El Sy, Luke Willis Thompson, und David Weber-Krebs.

Bibliothek

In der Präsenzbibliothek des Weltkulturen Museum finden sich rund 50.000 internationale Bücher und Zeitschriften wider. Deutsch- und fremdsprachige wissenschaftliche Literatur über Ethnologie, Religion, Musik, Kunst und Museologie ist hier angesiedelt, außerdem Publikationen zur zeitgenössischen Kunst außerhalb der westlichen Welt, eine Auswahl wichtiger Fachzeitschriften, Kinder- und Jugendbücher sowie Tonträger. Die Schriften sind nicht ausleihbar, können aber im Lesesaal eingesehen und kopiert werden.

Anschrift

Weltkulturen Museum
Schaumainkai 29-37
60594 Frankfurt am Main

Information

T +49 69 212 31510

www.weltkulturenmuseum.de

Öffnungszeiten

Mo geschlossen
Di, Do-So 11-18 Uhr
Mi 11-20 Uhr

Eintritt

7 Euro, ermäßigt 3,50 Euro
Kinder bis 6 Jahre frei
Jeden letzten Samstag im Monat frei

Fotos:
www.weltkulturenmuseum.de 1|2

Hat euch dieser Artikel gefallen?
Schreibt uns doch mal eure Meinung als Kommentar – und wenn ihr grade dabei seid, folgt uns auch gleich auf Facebook, Twitter, Instagram, google+ und tumblr!

Theme developed by TouchSize - Premium WordPress Themes and Websites