TOOK A LOOK: „Croissant“| Städelabsolventen im MMK 3

Die Städelschule, Staatliche Hochschule für Bildende Künste am Frankfurter Main. Ein sehr angesehener Ort, um kreative Fingerfertigkeiten so richtig ins Rollen zu bringen. 26 sozusagen frisch gebackene Künstler haben dieses Jahr unter der Obhut von Peter Fischli, Douglas Gordon, Judith Hopft, Michael Krebber, Tobias Rehberger, Willem de Rooij, Amy Sillman und Josef Strau ihren Abschluss gemacht und mit der Ausstellung „Croissant. Absolventen der Städelschule 2016“ im MMK 3 gefeiert. Vom 14. Juli bis zum 14. August zeigte sie neben Malerei Arbeiten aus den Disziplinen Film, Performance und besonders viel Skulptur. Ich habe mich am vorletzten Ausstellungstag nochmal schnell hinein gewagt.

Am Eingang bin ich leider erstmal kurz enttäuscht, weil es keine Croissants gibt.
Dafür aber einen müden Frechdachs, der auf einer Bank faulenzt, die umgeben ist von zwei anderen Bänken, von denen eine schief ist.

Croissant_Absolventen_der-Städelschule_2016_MMK 3_Frankfurt_Ellen_Yeon_Kim

Ellen Yeon Kim „For Mr. Chill Bones“

Im nächsten Moment treffe ich auf ein kleinen, mit Gepäck beladenen, blauen Sprinter von G4S, einem der gigantischsten Sicherheitskonzerne der Welt. Da ich weiß, dass das Unternehmen in Deutschland normalerweise nicht tätig ist, schätze ich, dass es sich hier um einen besonders heikle Situation handelt.

Croissant_Absolventen_der-Städelschule_2016_MMK 3_Frankfurt_Stuart Middleton

Stuart Middleton „Puppet 02“

Ich gehe weiter und stoße auf ein paar ziemlich hip angezogene Metallstangen mit bunten Backsteinfüßen. Ich habe das Gefühl, der Dude auf dem Boden ist der Fiese von ihnen, vielleicht hat er auch deshalb garkeine Füße. Oder aber, er ist der einzige von ihnen, der sich bewegen kann und ist deshalb verwirrt und traurig. Unwahrscheinlich. Wahrscheinlicher, dass die Füße und Steine hierbei keine bedeutungsvolle Rolle spielen und es stattdessen vielleicht viel eher um den männlichen Ausschnitt geht.

Croissant_Absolventen_der-Städelschule_2016_MMK 3_Frankfurt_

Andrew de Freitas „You can tell a lot about a man by the neck of his shirt“

Nebenan hängt „Nice Shapes“, eine gefundene Zeichnung von William Alexander Bacon. Er scheint der Jüngste der Absolventen gewesen zu sein.

Croissant_Absolventen_der-Städelschule_2016_MMK 3_Frankfurt

William Alexander Bacon „Nice Shapes“

Besonders gut gefällt mir aber die ambivalente Leiter von Jasmin Werner. Die ist auf jeden Fall was für mich. Weiter hinten im Raum hängt noch eine solche „ambivalent ladder“, die sogar doppelt so ambivalent ist und mit ihrem Schatten von der Seite ein wenig an die Gestalt eines wilden Klopapierroboters erinnert.

Croissant_Absolventen_der-Städelschule_2016_MMK 3_Frankfurt_5

Croissant_Absolventen_der-Städelschule_2016_MMK 3_Frankfurt_6

Jasmin Werner „ambivalent ladder (Entrance Sans Souci)“

Croissant_Absolventen_der-Städelschule_2016_MMK 3_Frankfurt_7

Jasmin Werner „ambivalent ladder (Exit Cascade)

Um die Ecke, beziehungsweise direkt an der Ecke hat Martin Kähler ein Blech mit Hilfe von Masse platziert, die er anschließend scheinbar angemalt hat. Ich tippe mal auf Gips. Daneben eine weitere installative Arbeit von ihm, die hauptsächlich aus Kupferrohren besteht.

Croissant_Absolventen_der-Städelschule_2016_MMK 3_Frankfurt_8

Martin Kähler „Ricordati di chiudere la finestra!“

Croissant_Absolventen_der-Städelschule_2016_MMK 3_Frankfurt_9

Martin Kähler „Ricordati di chiudere la finestra!“

Schräg gegenüber hängt ein besticktes Textil von Ikue Higuchi namens „Someone’s portrait“ in unmittelbarer Nachbarschaft zu den neonfarbenen Emoticons und Aliens von Xerxes Oakman. Hinter mir und mitten im Raum stehen zwei riesige, beschriftete Skulpturen, die für mich irgendwie aussehen wie Raketen.

Außerdem sehe ich schablonenähnliche Sprüharbeiten von Martin Kozlowski, ein paar Körperteile aus Pappmaché, Acryllportraits, Collagen, Videoarbeiten, verschiedene Projektionen und Installationen, wie zum Beispiel „From Dusk to Dawn“ von Anders Dickson.

Croissant_Absolventen_der-Städelschule_2016_MMK 3_Frankfurt_16

Martin Kozlowski

Ohne Titel steht ein quadratisches Gerüst mit Handtuch drauf herum. Man hätte es ja beispielsweise „Almost invisible Cube“ nennen können, denke ich.

Croissant_Absolventen_der-Städelschule_2016_MMK 3_Frankfurt_2

Yuki Kishino

Weiterhin fällt mir eine deutsche Telefonnummer an der Wand auf, die ich im ersten Moment nicht ganz als Kunstwerk identifiziere. Als ich ganz mutig erst am nächsten Tag mal die Nummer wähle, fängt am anderen Ende der Leitung eine Frauenstimme an eine Geschichte auf Englisch zu erzählen. Wahrscheinlich ist das Theresa Kampmeier. Coole Idee.

Croissant_Absolventen_der-Städelschule_2016_MMK 3_Frankfurt_30

Theresa Kampmeier „Stand Up“

„Croissant“ – Eine abwechslungsreiche und interessante Ausstellung, auch wenn ich persönlich mehr Malerei erwartet habe. Mein herzlicher Glückwunsch geht neben den bereits erwähnten Ladies and Gentleman auch an Magnus Andersen, Andrew de Freitas, James Gregory Atkinson, Olga Cerkasova, Kitsum Cheng, Lina Hermsdorf, Benjamin Horns, Ellen Yeon Kim, Soojung Kim, Yuki Kishino, Chloé Malcotti, Aislinn McNamara, Stuart Middleton, Luzie Meyer, Bonny Poon, Elif Saydam, Anina Trösch und Franziska Wildt.

Fotos:
Selini Müller

Hat euch dieser Artikel gefallen?
Schreibt uns doch mal eure Meinung als Kommentar – und wenn ihr grade dabei seid, folgt uns auch gleich auf Facebook, Twitter, Instagram, google+ und tumblr!

Theme developed by TouchSize - Premium WordPress Themes and Websites