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Frankfurter Hauptschule

Opening: „PASSAGEN“ @ con[SPACE] ATELIERFRANKFURT

Frankfurt am Main – eine moderne Stadt, immer in Bewegung, stetig im Wachstum, dies und das, weißte Bescheid. Die Osthafenregion ein sagenhaftes Beispiel, gerade durch den Bau der EZB.

Das ATELIERFRANKFURT mitten drin, ein perfekter Ort also, um sich der ‚modernen Stadt‘ und ihren Bewohnern in einer Gruppenausstellung zu nähern. Mit der Frage, wie sich dieser ständige Wandel auf Orte und Mentalitäten auswirkt, läd die temporäre Videogalerie con[SPACE] im ehemaligen Pförtnerhäuschen des Künstlerhauses ein, „sich mit Frankfurt als Passage, als Transitort, als Lebensabschnitt auseinanderzusetzen“. Kuratiert von Michaela Filla-Raquin und Raul Gschrey begrüßt die Ausstellung „Passagen“ fünf Künstlerpositionen, sowie einen mobilen Special Guest am Eröffnungsabend. Das Ganze findet im Rahmen der Reihe „Transit bewegt Rhein-Main“ von KulturRegion und Kulturfonds statt und läuft von 19. August bis 3. September. Ich bin mal an Bord gegangen und habe mich beim Opening umgesehen.

Los geht’s, bin fünf Minuten zu spät und habe glaube ich die Rede verpasst. Wenn das mal keine direkte Auswirkung der Baustelle auf der Hanauer Landstraße ist. Naja.
Drinnen ist alles schön rot ausgeleuchtet, die Wände sind bemalt und auf verschiedenen Monitoren sind Bilder vergangener Ausstellungen von sternmorgenstern, Michel Klöfkorn, Sarah Bonnert, Sandip Shah, Florian Tuercke und Jos Diegel zu sehen.
Aus dem Raum links kommen ein paar dicke Bässe und Leute mit Getränken. Locker.

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Die Treppe hoch läuft ein Videozusammenschnitt von Agata Pietrzik: „Wir werden gute Freunde sein“, 2016. Im Fokus steht Nico, ein Typ aus Frankfurt, den die Künstlerin mit der Kamera durch den Alltag begleitet hat. Ich höre Nico zehn Minuten beim Erzählen zu, während er duscht, sich schminkt, Bierchen zischt, pumpt und durch die Stadt läuft. Dank ihm weiß ich jetzt, dass Prada eher verspielte Teilchen raushaut, während Versace voll auf sexy setzt.

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Die Treppe weiter hoch eine gemütliche Couch und ein Film von Daniel Djamo, wie er sich mit seiner Mutter über eine geplante Intervention in den öffentlichen Raum auseinandersetzt. Ich habe nicht den ganzen Dialog verfolgt, aber zwischendurch haben die beiden auf jeden Fall über Nationalismus und Klopapier gesprochen. Begleitet von Untertiteln spaziert der Künstler zielstrebig und flaggeschwenkend aus der Entfernung auf die Kamera zu, mal im Wald, mal im Feld.

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Daniel Djamo

Mehr Fahnenspiel präsentiert Girmachew Getnet im Obergeschoss. Als Symbol der Völkerverständigung trägt er eine universalisierte Flagge an verschiedene Orte im Ostend, unter anderem inmitten des gut befahrenen Hafenparks.

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Giermachew Getnet

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Giermachew Getnet

Auf den Etagen dazwischen hängen die letzten Momente des AfE-Turms, fotografisch dokumentiert von Christian Engels und Peter Schorn. Sie sind im März 2013 entstanden, als die Universität das Gebäude bereits geleert hatte, vor und auch während der aufregenden Sprengung. Das Augenmerk liegt unter anderem auf den ästhetischen Qualitäten der Architektur.

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Christian Engels (AfE-Turm)

 

Wieder unten gehe ich einen anderen Eingang rein, hier tummeln sich im Moment die meisten Leute. Schnell weiß ich warum – ein Film der Frankfurter Hauptschule und eine Wanne voll mit kühlen Drinks.

 

Im Film behauptet die „doofe Johanna“ der Künstlergruppe, dass ‚Stahlbad 1 Fun‘ ist. Angeekelt von „modernen Keuchheitsgürteln“, gemeint sind die Liebes-Vorhänge-Schlösser, die den Eisernen Steg so langsam komplett zugemüllt haben, werden die Bewohner für einen Euro pro abgegebenes Schloss motiviert, die Brücke ein bisschen aufzuräumen. „Hier geht es nicht um Liebe, sondern um Besitz […] das muss weg.“ Die gesammelten Schlösser sollen dann ganz künstlerisch eingeschmolzen und zu einem Objekt geformt und im con[SPACE] zur Schau gestellt werden. Da das Objekt scheinbar aber noch nicht existiert, steht die mit Bier und Sekt gefüllte Wanne als stellvertretendes Symbol.

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Frankfurter Hauptschule

Auch ich habe nun ein köstliches Heineken in der Hand und schaue, was draußen geht. Im Hof hat ein Oldtimerbus geparkt, er sieht irgendwie fancy aus. Er steht nur heute hier und gehört zur Künstlergruppe Mobile Albania. Für „Transit bewegt Rhein-Main“ wurde der Bus mal eben zum Hörspiel umgebastelt. Seit März fährt er durch das Gebiet und hält ein bis zwei stunden vor Ort, wo er alle zehn Minuten je acht ‚Fahrgäste‘ mit auf eine akustische Reise in den Transit nimmt. Sogar eine Bushaltestelle mit Fahrplan ist dabei, außerdem ein Automat, aus dem man weise Sprüche ziehen kann wie zum Beispiel: „Wir können die Zeit nicht anhalten, aber innehalten können wir zu jeder Zeit.“

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Mobile Albania „Transit-Bus“

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(H) Innehaltestelle. Sprüche statt Kaugummi

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Warten auf den Bus, wer kennt das nicht

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ÖFFNUNGSZEITEN:

wochentags von 14-18 Uhr

im con[SPACE] im ATELIERFRANKFURT (Info hier)

Fotos:
Selini Müller

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