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200 Jahre Städel Frankfurt

Auf den Tag genau 200 Jahre, nachdem Johann Friedrich Städel sein Testament unterzeichnete und damit den Grundstein für das Städelmuseum legte, fand am Sonntag, dem 15. März 2015, von 10.00-20.00Uhr das große Geburtstagsfest des Frankfurter Instituts statt, auf dem sich die zahlreichen Besucher bei freiem Eintritt auf ein vielseitiges Programm freuen durften.

Zum Jubiläum gab’s nicht nur eine große Geburtstagstorte, die um 13.30 vor dem Hauptportal für alle Leckerschmecker angeschnitten wurde, sondern auch eine Menge Highlights, wie die Live-Performance der Künstlerin Eva Kotàtková, die in ihren Installationen mit dem Titel „Part Bodies/Part Objects“ gegen 14 Uhr äußerst unterhaltsam eine Treppe im Metzler-Saal herunterpurzelte und damit die Grenze des Handlungs-und Verhaltensspielraums innerhalb sozialer Normen thematisierte.

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In verschiedenen Kammermusikensembles gab’s vom hr-Synfonieorchester die passende Festmusik auf die Ohren, die ein breites Spektrum an Klassikern wie Bach, Vivaldi, Haydn, Brahms, Strawinsky, Cage oder Reich umfasste.
Die kleinen Besucher und Besucherinnen ab vier Jahren hatten die Chance ihrer Kreativität in den offenen Ateliers freien Lauf zu lassen, in denen von 12.00 bis 18.00Uhr verschiedene Workshops angeboten wurden.
In den Rundgängen „Städel Spezial“ führten die Kustoden des Museums Interessenten durch die jeweiligen Sammlungsbereiche und zeigten neben den etlichen Meisterwerken auch ihre persönlichen Ausstellungshöhepunkte des sehr facettenreichen Angebots.
Ein weiterer attraktiver Programmpunkt, die Führung „Mein Städel“, erlaubte eine subjektive Wahrnehmung bekannter Städelfreunde, wie Jean-Christophe Ammann, Max Hollein, Friedrich und Sylvia von Metzler, Tobias Rehberger, Felix Semmelroth, Thomas Bayrle, Klaus Gallwitz, Philippe Pirotte, Susanne Gaensheimer, Hilmar Hoffmann, Michael Quast, Jan Seghers, Wolf Singer, Michael Riedel und Steffen Seibert, die jeweils ihre Lieblingsbilder der Sammlung exklusiv vorstellten.

Die „Skulptur im Städel Garten“ lockt mit zahlreichen Skulpturen, Installativen und teilweise interaktiven Arbeiten deutscher und internationaler Künstler des 20. und 21. Jahrhunderts in den Garten des Instituts, wo sich die Besucher aktiv mit Natur und Kunst beschäftigen können. Als eine Art Gegenentwurf zum Museum, stößt man dort auf die erstaunlichen Arbeiten von Michael Croissant, Per Kirkeby, Michael Sailstorfer, August Gaul, Jan Svenungsson, Reg Butler, Olaf Nicolai, Arthur Volkmann, Markus Lüpertz, Gustav Heinrich Wolff, Jane Cardiff & George Bures Miller, Tobias Rehberger, Joannis Avramidis, Hans Steinbrenner und Fritz Wotruba.

Auch die Eröffnung der großen Sonderausstellung „Monet und die Geburt des Impressionismus“, die ausschließlich in Frankfurt zu sehen ist, war schon vorher ein Indiz dafür, dass das Museum an diesem Sonntag ziemlich voll werden würde. Bei perfektem grauen Museumswetter, stürmten Kunstfans aus der ganzen Stadt, dem ganzen Land und wer weiß woher sonst noch die Tore des Museums – Um die 10 000 Besucher wurden bis zum Abend gezählt, die schon um 10Uhr früh geduldig in einer Schlange standen, die bis zum Otto-Hahn-Platz reichte.

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Die Geschichte des Städelmuseums

Der Frankfurter Kaufmann und Bankier Johann Friedrich Städel (1728-1816) verfügte über ein beachtliches Vemögen und eine beeindruckende Kunstsammlung, beherbergt in seinem Palais am Frankfurter Roßmarkt. Sein großes Interesse für Kunst und Einblicke in verschiedenste Kulturen während seiner Reisen, bildeten den Grundstein für die Sammlung.
Städel besaß etwa 500 Gemälde, mit dem Schwerpunkt auf der deutschen und niederländischen Malerei des Barock, ungefähr 4600 Handzeichnungen und an die 10000 Druckgrafiken. Schon früh plante er diese der städtischen Bürgerschaft zugänglich zu machen und zeitgleich angehende Künstler zu fördern sowie Kunstschauen zu veranstalten. Ein Jahr vor seinem Tod vermachte Städel in seinem Testament vom 15. März 1815 sein Palais mitsamt der darin enthaltenden Kunstsammlung sowie sein gesamtes Vermögen an die Bürgerschaft und legte damit den Grundstein des Städelschen Kunstinstitut.
Rund 3.000 Gemälde, 600 Skulpturen, über 4.000 Fotografien und über 100.000 Zeichnungen und Grafiken, ausgestellt auf rund 7.500 Quadratmetern Ausstellungsfläche bietet das Städel seinen Besuchern zur Ausstellung. Meisterwerke europäischer Kunstgeschichte aus sieben Jahrhunderten, vom frühen 14. Jahrhundert über die Spätgotik, über Renaissance und Barock zur Goethezeit, vom 19. Jahrhundert und der klassischen Moderne bis hin zur Gegenwartskunst.

Sammlungen

Alte Meister (1300-1800)

Alte Meister zeigt anschaulich die Entwicklung der wichtigsten Schulen der europäischen Malerei vom Spätmittelalter über die Renaissance bis hin zu Barock und Klassizismus. Fünf Jahrhunderte Kunstgeschichte in einem Spannbogen vom 14. bis zum 18.Jahrhundert werden in sagenhaften Meisterwerken international angesehender, prägender Maler dieser Zeit repräsentativ ausgestellt und umfassen die berühmten Gemälde von Jan van Eyck, Rembrandt, Chardin, Botticelli, Lochner, Dürer, Vermeer, Grünewald, Holbein, Poussin, Batoni, Mantegna und Tiepolo in einer großen Schau.

 

Kunst der Moderne (1800-1945)

Kunst der Moderne schenkt einen konzentrierten Überblick über rund 150 Jahre europäische Malerei-und Skulpturgeschichte mit Gewicht auf die deutsche und französische Malerei, die durch zahlreiche Werke von Manet, Picasso, Beckmann, Monet, Renoir, Marc und Kirchner in den Fokus gesetzt wird.
Die weltbekannten Arbeiten der Epochen des Realismus, Impressionismus, Symbolismus und Expressionismus werden zudem durch bedeutende Beiträge der Fotografie ergänzt und bieten ein breites Spektrum an Sehenswürdigkeiten.

 

Gegenwartskunst (1945-Heute)

Auf 3.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche im 2012 vollendeten Erweiterungsbau werden verschiedene Richtungen der deutschen und internationalen Gegenwartskunst von 1945 bis Heute ausgestellt. Die Sammlung präsentiert zahlreiche Gemälde und Skulpturen unter anderen von Andy Warhol, Francis Bacon, Georg Baselitz und Jean Fautrier.

 

Graphische Sammlungen

Die graphische Sammlung umfasst rund 100.000 Zeichnungen von Künstlern wie Dürer, Raffael oder Rembrandt, Max Beckmann, Werke des deutschen Expressionismus sowie Arbeiten der amerikanischen Kunst der Nachkriegszeit. Sie zählt zu den bedeutensten seiner Art. In unterschiedlichen Sonderausstellungen sowie im Studiensaal des Museums werden die Werke ausgestellt.

 

Monet und die Geburt des Impressionismus

Die derzeitige Sonderausstellung widmet sich der Entstehung und frühen Entwicklung der impressionistischen Bewegung in den 1860er bis 1880er Jahren. Neben Werken von Künstlern wie Auguste Renoir, Édouard Manet, Berthe Morisot, Edgar Degas, Alfred Sisley und Camille Pissarro, steht Claude Monet als Schlüsselfigur und einflussreichsten Maler des Impressionismus im Blickpunkt. Die Maler forderten die Sehgewohnheiten auf eine völlig neuartige Art und Weise heraus. Das Spiel von Farbe und Licht zur Auflösung von Formen, bilden die Darstellung von körperlosen Figuren, substanzlosen Gebäuden und vagen Erscheinungen von Landschaften. Rund 100 Werke aus internationlen Sammlungen verschiedener Museen präsentieren diese komplexe und bedeutende Kunstströmung.

Jean-Jacques de Boissieu

In der Ausstellungshalle der Graphischen Sammlung stellt das Museum vom 11.Februar bis zum 10.Mai 2015 rund 100 ausgewählte Werke des Städelzeitgenossens Jean-Jaques de Boissieu (1736-1810) vor.
In einer Zeit historisch umwälzender Ereignisse rund um die Französische Revolution, entstand ein herausragendes künstlerisches Werk des Franzosen, in dem sich eine fast irritierend unaufgeregte Beständigkeit im Leben und der Landschaft seiner Heimatstadt Lyon widerspiegelt. Die Quelle seiner Bildwelt ist geprägt durch Eindrücke aus Italien und seinem Interesse an der niederländischen Kunst des 17.Jahrhunderts.
Johann Friedrich Städel fand großen Gefallen an Boissieu’s Arbeiten und erwarb damals über 20 seiner Zeichnungen und weit über 200 seiner legendären Radierungen.
Landschaften, Portraits und Genreszenen brachte der Künstler mittels Zeichnung und Druckgrafik auf’s Papier, die sich durch eine unheimlich präzise Arbeit am Detail auszeichnet.
Fortschrittlich fein nuancierte Pinsel- und Kreideführung verweisen auf eine bürgerliche Kunstauffassung und begeistern mit anschaulicher Nähe zur Wirklichkeit.

Der schon als Kind kunstinteressierte Graveur und Maler, lehnte den von seinen Eltern für ihn vorgesehenen Beruf des Richteramts ab und lernte unter anderem bei den Malern Jean-Charles Frontier und Lombard das Fach des Künstlers. Eine Ölallergie zwang ihn zur Abwendung der Malerei und schickte ihn in die Richtung der Zeichenkunst. 1758 veröffentlichte er sein erstes Werk „Livre de griffonnements inventés et gravés par de Boissieu“. In Paris und Italien
vervollkommnete er seine Ausbildung und kehrte mit großem Erfolg und dem Ruf als einer der letzten Vertreter der klassischen Radierkunst in seine Heimat zurück. Fortan legte er einen
erstaunlichen Weg hin und ist immernoch als anerkannter Künstler in aller Welts Munde.

 

Die digitale Erweiterung – „Kultur für alle“

Unter www.digitalesammlung.staedelmuseum.de wurde die Digitale Kunstkammer des Städels zugänglich für alle Welt am Jubiläumstag freigeschaltet. Der neuartige Zugang zu den Beständen des Museums soll den Museumsbesuch in keinster Weise ersetzen, er bietet vielmehr eine mediale, parallele Ebene, die jedermann einen Überblick über das Institut und seine Werke ermöglicht und die Problematik des Umgangs mit der globalen Digitalisierung, womit viele Museen nicht so recht umzugehen zu wissen, clever löst.
Die digitale Erweiterung ist eine Fortsetzung des Bildungsauftrags im Geist der Aufklärung, wie der Stifter es damals beabsichtigte und soll einen wesentlichen Bestandteil der Kultur im öffentlichen Bewusstsein fest verankern. Schon lange arrangiert sich das Städel mit neuen Medien und Social-Media-Plattformen – es gibt einen Museums-Blog und einen eigenen Kanal auf YouTube, sogar eine Museums-App.
Das Wachstum der digitalen Welt in der Gegenwart ist unausweichlich, deshalb ist es zwecklos sich dagegen zu wehren und tatsächlich sinnvoll, einen Weg zu suchen, die Kunstvermittlung auf eine neue Ebene zu setzen. Mit dem Herzstück dieses Projekts, der digitalen Städel-Sammlung, erhält der Nutzer Zugriff auf betitelte Bilder, dazugehörige Infotexte, Tonaufnahmen zu einzelnen Objekten, entsprechende Kurzfilme und weiterführende Links, die die eigene Literaturrecherche vereinfachen.
Wer neugierig geworden ist, sollte sich das aktuelle Monet-Digitorial anschauen, das per Internet eine anschauliche Einführung in das Thema dieser Schau gibt und schon jetzt höchste Erfolge feiert.

 

Jenna und Selini

Fotos & Text:
Selini Müller, Jenna Weidemeier

Titelfoto:
https://herrmanns.files.wordpress.com/2012/02/o_staedel-015664-92-03.jpg

 

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