Wolfgang Brückner alias Strukturforscher

Damit wir dich ein bisschen besser kennenlernen, erzähl uns doch als erstes etwas über dich und deine Person.

Musiker, Wassermann, Buchsüchtig. Geboren in Heidelberg 1965, aufgewachsen in den Ausklängen der Hippie-Ära, die dort länger andauerte als in den meisten deutschen Städten. Ich hatte immer schon eine Faszination für große Gebäude, ich wollte als Kind dauernd auf’s Heidelberger Schloss hoch, und auch das Schwetzinger Schloss mochte ich sehr.
Ich arbeitete unter Anderem als Kindergärtner, Koch, Sounddesigner, Musikalienhändler, Tontechniker, Veranstalter, Headhunter fürs TV, Türsteher, und eben als Fotograf, Journalist und Künstler.

Wie bist du zur Malerei/Fotografie gekommen?

Meine erste Kamera habe ich mit 6 Jahren bekommen, zum Geburtstag, und das erste Foto, an das ich mich erinnern kann,
war tatsächlich schon ein konzeptionelles: Es war im Februar, und schneite auf einmal wieder leicht damals, und im Zoo, den wir meines Geburtstags wegen trotzdem besuchten, war relativ neu ein Leopard angekommen. Ich dachte mir, wenn der noch gar keinen Schnee kennt, guckt der sicher komisch, und fand das ein tolles Motiv, trotz aller Einsprüche der anderen, dass er viel zu weit weg wäre, und man nur den Zaun auf dem Foto sehen würde. Meine Mutter hat das Foto aufgehoben, und ich fand es in ihrem Nachlass… Es ist tatsächlich hauptsächlich ein grauer Zaun zu sehen, viele Schneeflocken, die den Blitzwürfel reflektierten, und ganz in der Ecke eventuell so etwas wie eine Katze. Aber ich erinnere mich immernoch daran, und es wurde ein wichtiger Teil meiner Arbeit, besondere Momente zu finden.

Später war ich aber auch z.B. zwei Jahre auf einer privaten Kunstakademie und habe viel über alte Verfahren gelernt –
Lithographien, Kohlezeichnungen, aber auch das Anfertigen von Kirchenfenstern standen dort auf dem Plan. Allerdings bestand meine eigentliche Arbeit dort in etwas ganz anderem. Ich beobachtete diesen Haufen Künstler bei der Arbeit, um etwas für mich Entscheidendes herauszufinden, nämlich wie die gesamte Kette funktioniert :

Zuerst ist da eine Idee, die der Künstler hat, will er uns etwas damit vermitteln, und wenn was ?
Dann kommt die Durchführung – welches Material, welche Ausführung wählt er, um die Idee umzusetzen?
Dann, nicht unwichtig, wie arbeitet er, wie gut ist er z.B. vorbereitet, was hat er technisch drauf ?
Und nun, die Königsdisziplin, wie ist es denn geworden, das Kunstwerk ?
Hat der Künstler es geschafft, die Botschaft zu vermitteln ?
Dann kommt aber auch noch etwas sehr spannendes – wie fühlen sich Künstler und Publikum dann mit dem fertigen Produkt?
Das hat mich vieles ganz anders begreifen lassen, und das war wichtig.

Welcher Künstler oder welche Kunstbewegung hat dich beeinflusst und
auf welche Art und Weise?

Kandinsky, Klee, Dali, Miro, Picasso, Chagall, das sind für mich die ganz Großen. Toll finde ich oft, zu sehen, dass auch die sich erst entwickeln mussten. Meine Familie ist mit mir teilweise 1500 km weit gefahren, um sich wo eine Ausstellung anzuschauen, damals fand ich diese Reisen furchtbar, aber die Kunst auch damals schon toll…
Aber das hat mir den Wert von Kunst nahegebracht, denke ich, wenn Menschen so weit deswegen reisen, nur um paar Bilder anschauen zu dürfen.

Verfolgst du mit deiner Arbeit eine bestimmte Absicht, bzw. möchtest
du mit deiner Kunst etwas Bestimmtes zum Ausdruck bringen?

Die meisten Menschen leben inzwischen in großen Städten, inmitten riesiger Gebäude, zwischen denen sie nur ameisengroß wandern. Die gängige Meinung dazu ist meist, dass diese Gebäude hässlich sind – sie werden eher negativ wahrgenommen. Gleichzeitig ist das Gehirn sehr damit beschäftigt, immer die eigene Position in diesem Umfeld zu bestimmen, auch wenn das im Bewusstsein nicht ankommt, speichert es jede Sekunde viele Bilder und andere Informationen, die der eigenen Positionsbestimmung dienen. Diese einerseits sichtbar zu machen, andererseits auch außer Kraft zu setzen, ist eine der Wirkungen meiner Bilder. Sie besitzen oft eine Räumlichkeit, die sich erst nach und nach erschließt, aber den unaufhörlichen Informationsfluss des Unterbewusstseins aus dem Takt bringt, und dadurch sehr entspannend wirken kann.
Ich möchte das sich die Menschen in ihrer Umwelt wohl fühlen, und nicht als machtlose Zwerge, sondern mutige
Entdecker fühlen, und die Schönheit erkennen, die eben sogar in grauen Betonbauten lauern kann. Kinder lieben meine Bilder, das finde ich immer schon mal ein gutes Zeichen.

Was bezeichnest du als deine Vision bzw. wie würdest du deine
Philosophie beschreiben? Hast du ein Motto?

Ich möchte, dass meine Bilder berühren und erfreuen, und bislang tun sie das auch, erfreulicherweise,
von manchen Menschen bekomme ich immer mal wieder kleine Mails, wo sie wieder über das gleiche Bild erneut erfreut sind, das mag ich sehr.

Wo oder wie findest du deine Inspiration? / Was im Leben inspiriert dich
und fließt in deine Kunst mit ein?

Auf jeden Fall die Schönheit und Größe der Welt, Naturgewalten, Sonnenaufgänge, und die Grossstadtschluchten. Ich finde es toll, z.B. im Morgengrauen durch die Stille zu wandern. Und das Fernsehen und Romane sicher auch, und meine großen Vorbilder.

„Kunst“ heißt für dich …. ?

Das Universum zu bewundern, und die Welt…
Vieles ist so unsäglich wunderschön, frisch geöffnete Blüten, Regenbogen, aber auch das unvermutete Lächeln eines Fremden. Aber vieles ist auch traurig, tragisch, oder grauenvoll. Aufgabe eines Künstlers ist, denke ich, diese Momente zu konservieren, transformieren, oder anderes Zeugs mit “ieren“, und für die anderen Menschen begreifbar zu machen, die sonst vielleicht z.B. die Schönheit der Welt gar nicht wahrnehmen würden.

Deine Kunst/Arbeit ist in wenigen Worten auf den Punkt gebracht…

Bunt, wild, neuartig, anarchistisch und doch streng strukturiert,
perfektionistisch, grossformatig, nachhaltig, schön.

 

Zu Wolfang Brückner’s Künstlerprofil geht’s hier.

Zu Wolfgang Brückner’s Blog und Facebook. Hier außerdem einige seiner Arbeiten, die wir auch in unserem Online Shop anbieten.

wolfgang-brueckner-strukturforscher-1

 

tagged in Fotografie
Theme developed by TouchSize - Premium WordPress Themes and Websites