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Where The Children Of War Sleep | Magnus Wennman

Stell dir vor, du wachst morgens auf, und weißt nicht, wo du deinen Kopf die nächste Nacht niederlegen wirst. Wegen des Bürgerkriegs in Syrien und der Terrormiliz Islamischer Staat mussten seit 2011 über zehn Millionen Menschen ihr Zuhause, ihre Freunde und ihr Leben hinter sich lassen, um vor tödlichen Angriffen zu flüchten. Über die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder. Um ihr Leben zu retten, nehmen sie gefährliche Wege auf sich, ohne zu wissen, ob sie jemals irgendwo ankommen werden und was von ihrer einstigen Heimat übrig bleibt. Nach den verheerenden Anschlägen des IS in Paris überdenken einige Staaten ihre Bereitwilligkeit, diese Menschen aufzunehmen. Grenzen werden verschärft kontrolliert oder gar geschlossen – dazu kommt der Anbruch des Winters, dessen Temperaturen den Kältetod Ungeschützter, die im Freien übernachten müssen, garantiert. Diejenigen, die außerhalb Syriens auf der Flucht sind, suchen Asyl in europäischen Ländern oder finden Zuflucht in Krankenhäusern oder Flüchtlingslagern in der Türkei, Jordanien oder dem Libanon. Zahlreiche schlafen im Wald, auf Feldern, auf der Straße oder auf dem Fleck Erde, den sie eben gerade finden.

Der schwedische Fotojournalist Magnus Wennman reiste durch Europa und den Mittleren Osten, um in der Serie Where the Children Sleep die bittere Realität etlicher Flüchtlingskinder zu dokumentieren. Ein wortloses Statement, das den schwer erfassbaren Zahlen der Medien konkrete Gesichter gibt. Er hat selbst einen fünf-jährigen Sohn und weiß, wie wichtig es für ihn ist, sich sicher zu fühlen, wenn er die Augen schließt. Es war ein ergreifendes Projekt für den erfahrenen Fotografen – insbesondere als er all die Menschen sah, die verzweifelt vor dem vier Meter hohem Zaun an der ungarischen Grenze standen, weil sie einen Tag zu spät angekommen waren.

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Fara, 2
Fara schläft auf einem Boden in Azraq, Jordanien. Sie und ihre Schwester Tisam, 9 Jahre alt, lieben Fußball, deshalb versucht ihr Vater ihnen Bälle zu basteln – aus dem was er findet. Sie halten nicht lange.

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Fatima, 9
Als die syrische Nationalarmee zwei Zivilisten in der Stadt tötete, floh Fatima aus Idlib. Sie war in einem Flüchtlingslager im Libanon, in Lybien und nun in Schweden. Auf ihrer Reise sah sie eine Frau in den Wehen an Deck eines extrem überfüllten Flüchtlingsboots. Nach zwölf Stunden in der Hitze gebar sie ein totes Baby, das über Bord geworfen wurde.

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Ahmad, 7
Ahmad war zuhause, als eine Bombe das Haus seiner Familie in Idlib traf. Granatsplitter trafen ihn am Kopf, doch er hatte Glück, im Gegensatz zu seinem Bruder. Die Familie lebte einige Jahre in der Kriegszone, bevor sie nach Horgos, Ungarn, flüchtete, wo sie auf der Straße, an Bushaltestellen oder im Wald schläft.

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Iman, 2
„Normalerweise ist sie ein glückliches, kleines Mädchen. Wenn es ihr gut geht, läuft sie überall herum. Aber jetzt ist sie müde, sie schläft die meiste Zeit.“, sagt die 19-jährige Mutter von Iman, die an einer Lungenentzündung und Brustinfektion leidet.

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Shehd, 7
Shehd liebte es zu zeichnen. Schnell bemerkte ihre Mutter ein wiederkehrendes Motiv in ihren Skizzen: Waffen. „Sie sah sie die ganze Zeit, sie waren überall.“ Seit die Familie Syrien verließ, zeichnet Shehd kaum noch. Ihre Mutter fürchtet, sie musste durch die Flucht zu schnell erwachsen werden. Sie leben nun an der ungarischen Grenze und pflücken Essen von Bäumen. Hätten sie gewusst, wie schwierig es werden würde, wären sie in Syrien geblieben und hätten ihr Leben trotz des IS riskiert, so die Familie.

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Tamam, 5
Sie ist erst fünf Jahre alt, doch schläft bereits seit zwei Jahren nicht mehr zuhause. Sie verließ ihre Heimat Homs nach Luftangriffen und schläft jetzt in Azraq.

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Abdullah, 5
Abdullah schläft auf einer dreckigen Matratze vor dem Bahnhof in Belgrad, Serbien. Es geht ihm sehr schlecht, er hat gesehen wie seine Schwester in Daraa ermordet wurde, er hat Albträume und leidet an einer Blutkrankheit – doch seine Mutter hat kein Geld für Medizin.

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Maram, 8
Als sie gerade nach Hause kam, traf eine Rakete ihr Haus in Amman, Jordanien. Das Dach stürtzte auf sie und sie erlitt eine Gehirnblutung. Nach elf Tagen im Koma ist sie wieder aufgewacht, kann aber nicht sprechen, weil ihr Kiefer gebrochen ist.

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Ahmed, 6
Nachdem sein Vater in Deir ez-Zor, Nordsyrien, gestorben ist, passt nun Ahmed’s Onkel auf ihn auf. Momentan versuchen sie Ungarn zu verlassen. Der Junge trägt seine eigene Tasche. Sein Onkel sagt, er sei sehr tapfer und weine nur manchmal am Abend.

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Walaa, 5
Walaa hatte ihr eigenes Zimmer in Aleppo. Jetzt lebt sie in einem Flüchtlingslager in Dal-El-las. Sie hat Angst vor dem Schlafengehen, weil das die Zeit ist, in der die Angriffe geschahen und ihre Familie flüchten musste.

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Moyad, 5
Als er mit seiner Mutter auf dem Weg zum Markt war, um Essen zu kaufen, explodierte neben ihnen eine Bombe in einem Taxi. Die Mutter war sofort tot. Moyad wurde an Kopf, Rücken und Becken verletzt und in ein Krankenhaus in Jordanien geflogen.

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Amir, 20 Monate
Obwohl er noch nie ein Wort sprach, sagt Amir’s Mutter, dass er viel lacht. Sie leben in einem Plastikzelt in einem Flüchtlingslager in Zehle, Libanon. Die Mutter vermutet, er könnte bereits in der Gebärmutter traumatisiert worden sein.

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Ralla,7 und Rahaf,13
Die beiden Schwestern leben mit ihrem Vater auf den Straßen Beiruts, nachdem eine Granate in Dmascus ihrem Bruder und ihrer Mutter das Leben nahm. Nachts liegen sie eng zusammen, um sich gegenseitig warmzuhalten.

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Shiraz, 9
Als sie drei Monate alt war, wurde bei Shiraz Kinderlähmung diagnostiziert. Die Ärzte sagten ihren Eltern, sie sollen nicht viel Geld in das Kind mit geringen Überlebenschancen investieren. Das Mädchen kann weder laufen, noch sprechen und wurde von Kobane bis in die Türkei getragen, wo sie jetzt in einer Holzkiste in einem Flüchtlingslager in Suruc schläft.

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Mahdi, 18 Monate
Sein bisheriges Leben bestand nur daraus, dem Krieg zu entkommen. Trotz der lauten Flüchtlings-Proteste um ihn herum, schafft er es trotzdem, ruhig auf dem Boden in Horgos zu schlafen.

Fotos:
www.metro.co.uk

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