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„Snow White“ | Die Schönheit von Albinismus

Die flämische Fotografin Sanne De Wilde, die in Belgien geboren wurde und derzeit in Amsterdam lebt, hat eine Bilderserie namens „Snow White“ produziert, auf denen Menschen mit Albinismus in Szene gesetzt wurden. Albinismus bezeichnet eine angeborene Störung der Melaninproduktion. Melanine sind die Pigmente, die für die Farbgebung von Haut, Haar und Augen verantwortlich sind. Produziert der Körper zu wenig oder gar kein Melanin, führt das je nach Ausprägung zu weißer bis rosa Haut, weißblonden Haaren und blau bis rosa-blauen Augen. Menschen mit Albinismus bekommen leichter Sonnenbrand und deshalb auch schneller Hautkrebs, außerdem kann es zu Einschränkungen der Sehschärfe und des räumlichen Sehens kommen. Sofern gar kein oder nahezu keine Pigmente produziert werden, wird die Iris in gewissem Umfang transparent und mit entsprechendem Licht durchleuchtbar, woraus eine ausgeprägte Blendungsempfindlichkeit resultiert.

Die Fotografin erklärt: „Albinos sind, wie Fotofilme, lichtsensibel. Licht hinterlässt einen irreversiblen Schaden auf ihrer Haut. Die Blässe, die sie hervorstechen lässt, sorgt dafür, dass sie auf den Bildern fast durchsichtig erscheinen, wie vom Licht aufgesaugt. Ihre Augen können es fast gar nicht ertragen. Sie sind eine Metapher, ein Symbol für Stereotypen, sie manifestieren die irreleitende Idee menschlicher Schwäche und physikalischer Zerbrechlichkeit aber auch einer unbestreitbaren Schönheit. Berührt von ihrer atemberaubenden Verletzlichkeit, versuche ich in dieser Serie kraftvolle Eindrücke einer fragilen, blassen Schönheit einzufangen.“

Weltweit kommt Albinismus bei Menschen mit einer Häufigkeit von 1:20.000 vor. Während Betroffene in Europa unter den Weißhäutigen nicht immer eindeutig erkennbar sind, fallen sie in dunkelhäutigen Bevölkerungen umso mehr auf. In Afrika kommen sie aufgrund genetischer Faktoren mit einer Prävalenz von 1:10.000 und höher vor. Besonders im Osten werden sie vielerorts zu Opfern von Vorurteilen, Diskriminierung, Verfolgung, Verstümmelung und Mord. Aufgrund von Ungebildetheit in den ärmeren Ländern verbreiteten sich dort grausamen Mythen und Aberglauben bezüglich der Übernatürlichkeit von Albinos, die brutale Folgen mit sich bringen. Zwischen 1998 und 2015 hat die Menschenrechtsorganisation Under The Same Sun (UTSS) rund 140 Tötungen, sowie 219 Verstümmelungen oder andere Angriffe auf Albinos in 25 afrikanischen Ländern verzeichnet. Dazu kommt die hohe Dunkelziffer, denn viele Morde und Entführungen werden nicht gemeldet. Menschen mit Albinismus werden dort verdächtigt, Unglück zu bringen, und deshalb gejagt. Fanatische Wunderheiler behaupten, aus ihrem Blut und ihren Körperteilen Heilmittel für Aids gewinnen zu können, weshalb sie ihnen bei lebendigem Leib Gließmaßen abtrennen, um daraus Zaubertränke zu brauen, die ihnen Reichtum bescheren sollen. Eltern bringen ihre mit Albinismus geborenen Kinder teilweise sogar selbst um und verkaufen ihre Leichen an die Medizinmänner, denn auf dem Markt der Scharlatane sind Kinder mit Albinismus besonders begehrt. Diesen Menschen widerfährt entsetzliches Unrecht, nur wegen eines fehlenden Farbstoffs.

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Fotos:
www.theguardian.com

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