LITEFEET | Mehr als „Tanzen in der U-Bahn“

Während wir Deutschen eher unspektakuläre Bahnfahrten gewohnt sind, deren Höhepunkte wenn überhaupt mal durch eine tollpatschige Schnapsdrossel oder einen rumschreienden Rentner ausgelöst werden, kommen die New Yorker U-Bahn-Nutzer täglich in den Genuss einer ganz anderen Art von Unterhaltung. Jeder kennt sie dort, die Jungs, die auf 100 BPM Rap Beats und Drum Kits akrobatische Moves im Untergrund der Stadt performen.

Es handelt sich dabei um eine in den 2000ern entstandene Unterart des Breakdance, die sich vorallem in Harlem und der Bronx zu einer wichtigen Kulturform namens Litefeet entwickelt hat. Der Begriff bezeichnet sowohl den Tanzstil, den man sich als eine Mischung aus Footwork, Popping, Shuffling, Hat- und Shoe-Tricks vorstellen kann, als auch das begleitende Musikgenre, das ebenfalls in der Szene produziert wird. Zu bekannten Dance Crews zählen beispielsweise WAFFLE, Brotherhood, 2Real Boyz, Teams Rocket, Demon und der Tänzer Chrybaby Cozie, repräsentative Musikproduzenten sind Kid The Wiz, AG the Voice of Harlem, DJ Webstar und Young B.

Litefeet ist nicht einfach nur „Tanzen in der U-Bahn“, es ist ein ganzes Movement ausgelöst von New Yorker Kids, die ihrem Alltag, den Gangs und der Gewalt in der Nachbarschaft, den Rücken zukehren und stattdessen etwas Kreatives, etwas Ästhetisches und etwas Bewegendes mit der Öffentlichkeit teilen. Von dem Geld, das sie von den Leuten in den Bahnen und den Bahnhöfen bekommen, fahren sie zu Battles, bei denen nicht nur der Wettbewerb an sich von Bedeutung ist, sondern vorallem das Zusammenkommen der Tänzer und die daraus entstehende Community. Litefeet ist ein Symbol für die urbane Szene New Yorks und den Sound des Underground fernab der Massenmedien.

Wie immer gibt es aber natürlich auch die Anti-Menschen, die die tanzenden Jugendlichen als Belästigung empfinden, weil sie zu denen gehören, die ihre Restkraft nach Feierabend lieber sichtlich in das Training ihrer Stirnfalten investieren. Andere sehen die Freiheit des Tanzens als Beitrag zu einem gesetzlosen Ambiente und damit als eine Art von Ordnungswidrigkeit. Weil die Behörden also lieber Tänzer jagen, als echte Kriminelle, hängen in den U-Bahnen sogar schon Schilder, die das Tanzen in der Bahn mit Slogans wie „Hold the pole, not our attention. A subway car is no place for showtime.“ untersagen.

Ezra Marcus und KJ Rothweiler präsentieren die Dokumentation Litefeet: Sound of the Subway.

Foto:
www.vimeo.com

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