Der bewaffnete Konflikt von Kongo durch Infrarot

Der irische Dokumentar-Fotograf Richard Mosse (*1980), der sowohl in New York als auch in Berlin ansässig ist, war bereits in verschiedenen Krisen- und Kriegsgebieten wie Pakistan, Haiti und dem früheren Jugoslawien tätig. Sein wahrscheinlich populärstes Projekt, Infra, entstand zwischen 2010 und 2011 in der Demokratischen Republik Kongo und zeigt unverwechselbare Bilder aus dem Osten des Landes.

Nach dem Zweiten Kongokrieg währte der bewaffnete Konflikt in den Provinzen Kivu und Ituri fort, da die lokalen Milizen nicht an den Friedensverhandlungen von 2002 beteiligt waren. 2006 folgte schließlich der Dritte Kongokrieg, in dem die Rebellengruppe CNDP (Nationalkongress zur Verteidigung des Volkes) in Nordkivu gegen die kongolesischen Streitkräfte FARDC (Forces Armées de la République Démocratique du Congo) kämpften. Die CNDP behauptete, unter Führung des Tutsi Laurent Nkunda, das Volk vor den Hutu-Extremisten der Demokratischen Kräfte zur Befreiung Ruandas, der ruandischen Rebellengruppe FDLR, verteidigen zu wollen, da diese auf kongolesischem Gebiet operierten und von Nkunda der Zusammenarbeit mit der kongolesischen Regierung bezichtigt wurden. Im Dezember 2008 traf die Regierung ein Abkommen mit Ruanda, das eine gemeinsame Bekämpfung der FDLR vorschrieb. Wenig später erklärte die CNDP Nkunda für abgesetzt, welcher dann durch ruandische Soldaten festgenommen wurde, und im März 2009 wurde die CNDP nach einem Friedensabkommen in die kongolesischen Streitkräfte integriert.

Infra zeigt eindringliche Bilder aus Masisi, einem Bergdorf in Nordkivu, während des Konflikts und erörtert nicht nur die Nichtgreifbarkeit dieser Krise, sondern auch unsere Blindheit ihr gegenüber. Um auf die Katastrophe aufmerksam zu machen, verwendete der Fotograf das schärfste Werkzeug, das unsere Augen anspricht: Schönheit. Was auf den ersten Blick makaber scheint, entpuppt sich als geniales Stilmittel und innovative Alternative zu den konventionellen Techniken in der Dokumentar-Fotografie. Im analogen Großformat verwendete Mosse einen Kodak Aerochrome Film, einen Infrarot-Film, der früher ausgerechnet für Kriegszwecke entwickelt wurde und für das Aufspüren getarnter, feindlicher Installationen verwendet wurde. Der Film registriert Chlorophyll und gibt die sonst grünen Landschaften in einer kräftigen Nuancenpalette von Lavendel, Purpurrot und Pink wieder. Der verblüffende Effekt lässt den Betrachter genauer hinschauen und die fast vergessene Tragödie infrage stellen, die Millionen Menschen um’s Leben brachte. So beginnt der fotografische Dialog als berauschende Betrachtung einer gebrochenen Technologie, der Spannkraft zwischen Kunst, Fiktion und Fotojournalismus, und endet als überwältigendes Klagelied über ein wunderschönes Land, dessen Haut von entsetzlichem Elend geprägt wurde.

richard_mosse_infra_kongo_1

richard_mosse_infra_kongo_2

richard_mosse_infra_kongo_3

richard_mosse_infra_kongo_4

richard_mosse_infra_kongo_5

richard_mosse_infra_kongo_6

richard_mosse_infra_kongo_7

richard_mosse_infra_kongo_8

richard_mosse_infra_kongo_9

richard_mosse_infra_kongo_10

richard_mosse_infra_kongo_11

richard_mosse_infra_kongo_12

richard_mosse_infra_kongo_13

richard_mosse_infra_kongo_14

Fotos:
www.jackshainman.com
www.theglassmagazine.com

Hat euch dieser Artikel gefallen?
Schreibt uns doch mal eure Meinung als Kommentar – und wenn ihr grade dabei seid, folgt uns auch gleich auf Facebook, Twitter, Instagram, google+ und tumblr!

Theme developed by TouchSize - Premium WordPress Themes and Websites