Das Crazy House von Künstlerin Đặng Việt Nga – [VIETNAM]

[Article in English @ Vagabundler: Crazy House – Artist Đặng Việt Nga]

Der Name drückt ja bereits schön aus, dass dieses Bauwerk etwas verrückt ist und macht schon mal neugierig. Aber die einzelne Bezeichnung „crazy“ erfasst das Besondere an diesem wundersamen Ort nur annähernd. Es sollten noch Begriffe wie „Fantasy“, „Märchen“ oder „other world“ mit dabei stehen. Nun gut, dann wäre der Name auch wieder zu lang. Beim Betreten des Crazy Houses im Süden Vietnams taucht man wahrlich in eine andere Welt ein. Ein kleines Zauberland. Wir haben viele tolle Fotos für euch und ein Rundgangs-Video.

Das Crazy House wird bei den Einheimischen Hằng Nga House, Biệt thự Hằng Nga oder Ngôi nhà quái dị genannt und steht mitten in der kleinen Provinzstadt Đà Lạt im zentralen Bergland, circa einen Kilometer südwestlich des Xuan-Huong-Sees. Als die Architektin Dr. Đặng Việt Nga  im Jahr 1990 begann, inmitten des ruhigen Örtchens das skurrile Bauwerk zu errichten, bestehende Gebäude umzubauen und die Bäume in die Konstruktion zu integrieren, wurde sie von den Anwohnern erst mal schräg angeschaut und ihr Vorhaben erhielt schnell den Namen „Crazy House“ – „Das verrückte Haus“. In einem Erklärungsschreiben (siehe unten) stellt die Erschafferin herrlich dar, wie sie zwar jahrelang für staatliche Institutionen konventionelle architektonische Konzepte entworfen hatte, nun aber mit diesem „Crazy House“ ihren „Traum von Unabhängigkeit und Freiheit in der Kunst der Architektur verwirklichen kann“.

Das Hằng Nga House hat auch noch den Beinamen „fairy tale house“  – „Märchenhaus“. Das ist meiner Meinung nach auch passender. Hằng Nga (auf Vietnamesisch: 姮娥) ist die chinesische  Göttin des Mondes und im ganzen Areal finden sich zahlreiche Legendenfiguren und Märchenstatuen wieder. Das Design ist insgesamt an einen gigantischen verwucherten Baum angelehnt, mit eingebauten Elementen aus der echten Natur und großen konstruierten Gebilden in Form von Tieren, Pilzen, Spinnennetzen und Höhlen. Dieser zusammenfließende, komplexe, organische und nicht-linearer Kunststil wurde von der Kunstwelt beim Expressionismus eingeordnet. Die Künstlerin widmete verschiedene Designabschnitte der Inspiration, die sie durch den Architekten Antoni Gaudí erhalten hatte. Es finden sich auch zahlreiche Elemente in Anlehnungen an Arbeiten von Salvador Dalí und Walt Disney. Seit der Eröffnung hat das Gebäude aufgrund seines einzigartigen Entwurfs für viel Aufmerksamkeit gesorgt und wurde als eines der zehn „bizarrsten“ Gebäude der Welt in der Chinese People’s Daily präsentiert.

 

Das Hằng Nga House ist aber nicht nur ein riesiges Kunstwerk, das man auf abenteuerliche Weise beklettern und erkunden kann. Im Crazy House befinden sich auch ein Café, ein Museum, eine Kunstgalerie und ein Gästehaus. Man kann also auch Zimmer buchen und dort übernachten. Beispielsweise im Elfenpavillon, in der Amboss-Bude der Zwerge, dem Götterschrein oder in der Hobbit Höhle. Klasse! Leider hatten wir bei unserem Besuch nur für die Besichtigung Zeit, ein paar Tage dort zu übernachten ist aber bestimmt ein Erlebnis wert.

Der Baustil ist einfach verrückt, chaotisch, verspielt und verschlungen. Alles findet aber wieder zueinander und die Wege sind in zahllosen Labyrinthen um und durch die Häuser geschlungen. Das Innere der Gebäude besteht aus Höhlen, verschlungenen Gängen, gewundenen Treppen, schrägen Möbeln und lebensgroßen Tierstatuen. Gerade Formen und rechte Winkel gibt es nicht. Egal, ob Räume, Gänge, Treppen, Fenster oder Möbel – alles wirkt, als ob es in großer Hitze geschmolzen und dann in grotesken Formen wieder erstarrt wäre. Auch die Außenansichten der Bauwerke vermeiden jede klare Linie und scheinen Alice im Wunderland entsprungen zu sein. Zwischen den einzelnen Gebäuden dominieren knorrige Bäume aus Beton und gigantische Spinnennetze aus Draht, im Innern einer zementierten Giraffe befindet sich eine schnuckelige Teestube.

Mittlerweile wurden weitere anliegende Häuser mit eingebaut. Das Crazy House hat sie geschluckt und verwandelt. Es wird durchgehend an dem Gebilde werkelt und weiter gebastelt, die Architektin plant 2020 mit den Arbeiten fertig zu sein. Aber was heißt schon „fertig“. Möglichkeiten zum Anbauen und Weiterspinnen bestehen ja zu allen Seiten, warum nicht ein „Crazy Neighborhood“?

Hier findet ihr ein kleines Rundgangsvideo durch den Gebäudekomplex:

Die Architektin Dr. Dang Viet Nga stammt aus Hanoi und lebte 14 Jahre lang in Moskau. Mehrere von ihr entworfene Gebäude stehen in der näheren Umgebung von Đà Lạt, darunter der Kulturpalast für Kinder und die katholische Kirche in Lien Khuong. In folgender Erklärung beschreibt sie, was es mit dem Crazy House auf sich hat:

„Seit dem Ende des letzten Jahrhunderts bis heute wurden die Natur und die Umwelt zu sehr zerstört und die Menschen müssen die Konsequenzen ihrer Taten ertragen. Daher möchte ich als vietnamesischer Architekt die Menschen zurück zur Natur bringen und sie motivieren, freundlicher mit ihr umzugehen und sie zu lieben, und sie nicht nur auszunutzen und zu zerstören, so wie viele Völker an vielen Orten auf der Welt es getan haben einschließlich Vietnam. Die Hang Nga Villa repräsentiert meinen Lebensstil, meine Kreativität als Architekt. Ich habe einen Studium an der University of Architecture in Moskau (1959-1965) abgeschlossen und anschließend promoviert (1969-1972). Danach bin ich nach Hanoi zurückgekehrt und habe für das Architecture Institutes of Ministry of Construction & Ministry of Culture gearbeitet. In 1983 in ich nach Da Lat gezogen und übernahm eine Stelle im Da Lat Architecture Institute. Ich liebe Da Lat wirklich. Es sind die  wunderschönen und friedvollen Landschaften der Stadt und das kühle Klima, das mich angezogen hat. Zusätzlich haben all die lieben Menschen, die ich hier getroffen habe, meine Entscheidung wohlwollend beeinflusst: Ich werde mich hier niederlassen und hier bleiben bis zum Ende meines Lebens.  Nach Jahre harter Arbeit habe ich mittlerweile viele Bauwerke für meine geliebte Nation entworfen. Aber jetzt finde ich, ist es Zeit, dass ich mich darum kümmere, dass meine Träume Wirklichkeit werden und ich eine einzigartige architektonische Arbeit erschaffe. Obwohl ich im gängigen Mainstream der Architekturwissenschaft unterwiesen wurde, möchte ich aus ihr heraus treten. Ich habe die Hang Nga Villa kreiert indem ich gestaltlose kurvige Würfel und unförmige Flächen zu einem Komplex konstruiert habe, ohne entsprechend irgendeinem klassischen und üblichen Bauprinzip für das Anordnen und Entwerfen von Würfeln und Flächen zu folgen. Vor allem der Innenhof bietet dem Crazy House Platz und Licht zu vier Seiten von innen. Die Fenster sind so in die Außenwände platziert, dass natürliches Licht in jeden Raum von allen Richtungen gelangen kann. Der erste Bauabschnitt der Hang Nga Villa entstand im Jahr 1990. Das Gebäude wurde mittlerweile ausgebaut und wird voraussichtlich im Jahr 2020 fertig gestellt sein. Der erste Plan, bis 2010 fertig zu sein, konnte aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt werden. Es geht um die Koordination von Felsplatten und Baumhöhlen. Mit den Steinplatten können wir viele schöne, warme und komfortable Räume innerhalb von Baumstümpfen oder großen Astlöchern bauen. Oder sogar einen majestätischen Palast dazwischen. Das Crazy House ist nicht nur ein idealer Besuchsort, es ist auch ein Hotel für längere Aufenthalte. Jeder strebt nach Unabhängigkeit und Freiheit. Daher möchte ich durch das Crazy House meinen Traum von Unabhängigkeit und Freiheit in der Kunst der Architektur verwirklichen.“

Dr. Đặng Việt Nga, Architektin, Designer, Construction Director & Besitzer der Hang Nga Villa

>>>> Original auf Englisch: Statement Crazy House

INFOTHEK

  Adresse: 03 Huynh Thuc Khang St., Ward 4, Dalat City, Vietnam

  Telefon: +84-63-3-822-070

  Webseite: http://www.crazyhouse.vn

  Email: info@crazyhouse.vn /   reservation@crazyhouse.com.vn

fb_icon_325x325  Facebook: https://www.facebook.com/crazyhousedl/

  Tripadvisor: Profilseite Crazy House

  Booking.com: Profilseite Crazy House

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