Yoga tut auch mir gut. Das Plädoyer einer Übergewichtigen.

Oder: wie ein Schwergewicht den Yogaweg des Patanjali versteht und geht.

 

Henriette ist übergewichtig und sie praktiziert regelmäßig Yoga. Wenn sie sagt, „das tut mit gut“, erntet sie seltsame Blicke. Sie kennt diesen Gesichtsausdruck und die dazugehörigen Gedanken nur zu gut. Ungefragt fügt sie hinzu, „Ja, Yoga geht auch, wenn man dick ist“. Dabei weiß sie, welcher Film sich in den Köpfen der Leute abspielt. Sie sind der Meinung, du musst abnehmen. Andere Sportarten sind für dich viel effektiver und sinnvoller. Doch Henriette bleibt inzwischen cool und lacht. Beim Yoga geht es ihr überhaupt nicht ums Abnehmen. Sie möchte sich einfach besser fühlen.

Yoga mit Übergewicht

Viele fragen sich, ob Yoga mit Übergewicht überhaupt möglich ist

Die Körperübungen spielen dabei fast eine untergeordnete Rolle. Natürlich ist ihr Körperempfinden nach einer Bewegungseinheit anders als vorher. Sinnvoll ausgewählte Asanas unterstützen ihren Muskelapparat und ihre Knochen, ebenso wie ihre Sehnen und Bänder. Nach ein paar Yogaübungen fühlt sie sich gut. Und meist ist sie stolz. Denn häufig kann ihr Körper mehr, als sie ihm zutraut. Doch das, was für Henriette viel entscheidender ist, passiert zwischen den Zeilen. Es ist subtiler, leiser und geschieht im Innen.

Was genau passiert da?

Sie nennt es „die Schärfung der eigenen Sinne“. Im Alltag fällt das häufig weg. Zwischen Kundenterminen, Büroarbeiten und Privatleben nimmt sie nur auf, was von außen kommt. Sie reagiert auf ihre Umwelt und nimmt sich selbst wenig war. Riechen, schmecken, hören, sehen und fühlen. Alles findet gleichzeitig statt. Allerdings nur nebenbei. Wenig intensiv. Beim Yoga ist das anders. Da hat sie Raum und Zeit. Sie geht nach innen. Richtet ihre Aufmerksamkeit auf ihre Sinne und spürt sich wieder selbst. Der Altyogi Patanjali hat den langen Weg eines Yogis in acht Stufen unterteilt. Dieses Phänomen, nennt er Pratayãhãra – der Umgang mit den Sinnen. Auf seinem achtgliedrigen Pfad, ist das die fünfte Stufe.

Henriette erzählt, dass sie durch Yoga ihre Achtsamkeit und Konzentration schult. Auch dafür haben die Yogis einen Fachbegriff. Patanjali nennt dies Dhãranã. Das ist die sechste Stufe auf dem Yogaweg. Du verbesserst deine Konzentration, als Vorstufe zur gedankenfreien Meditation. Du trainierst dich darin, deine Aufmerksamkeit nur auf eine bestimmte Sache zu richten. Anders ausgedrückt, fokussierst du dich und verringerst hoffentlich, die überbewertete Fähigkeit, Multitasking. Dies ist eine schwierige Übung. Denn dein Geist ist sehr lebendig und sprunghaft. Diese Disziplin fordert und fördert deine Geduld.

Seit Henriette Yoga macht, hat sich ihr Leben merklich verändert. Besonders ihren Freunden fällt das auf. Früher war sie sehr kritisch. Sie hat sich und andere schnell beurteilt. Ja Verurteilt. Heute ist ihre innere Haltung offener. Sie bewertet weniger. Sie sieht sich und andere liebevoller. Sie ist geduldiger. Sie kann sich mehr und mehr annehmen, wie sie ist. Dadurch verändert sich ihr Alltag. Henriette sorgt für sich. Sie achtet darauf, dass es ihr gut geht. Sie tut mehr von den Dingen, die ihr Freude bereiten. Sie opfert sich weniger für andere. In ihrem Job verhält sie sich loyal. Am liebsten sich selbst gegenüber. Das hat sie beim Yoga gelernt. In Patanjalis Worten kannst du Henriettes Veränderungen der erste Stufe, Yamas – der Umgang mit der Umwelt und der zweiten Stufe, Niyamas – der Umgang mit sich selbst, zuordnen.

Henriette bemerkt heute Unterschiede. Sie nimmt sich ernst. Sie bleibt sich treu. Das zeigt sich auch bei der Wahl ihres Yogaunterrichtes und der Yogalehrer. Sie weiß, „nicht alles passt zu mir.“ Sie ist konsequent. Wenn es passt bleibt sie.

Yoga mit Übergewicht

Yoga ist weder eine Frage des Alters oder des Gewichtes – Auf die Einstellung kommt es an

 

Zur Zeit übt sie 2-3 Mal pro Woche zu Hause. Dafür hat sie sich ihr eigenes Programm zusammengestellt. Es ist ihr wichtig, dass sich keine Fehler einschleichen. Deshalb gibt Henriette nicht auf. Sie wünscht sich regelmäßigen Unterricht. Mit einem Lehrer der typgerecht unterstützen und gekonnt korrigieren kann. Der auf aktuelle und vor allem individuelle Bedürfnisse eingeht, anstatt lediglich seinen Plan zu erfüllen. Jemand der Menschlichkeit lebt und Wärme ausstrahlt. Henriette hat einen hohen Anspruch. An sich und den Lehrer. Die Chemie muss stimmen. Sie möchte sich entwickeln. Weiterkommen. Deshalb ist ihr die Atmosphäre wichtig. Sie will eine Gruppe, in der jeder gesehen wird. Du gehst ein Stück Weg zusammen. Da wird viel miteinander geteilt. Das ist für sie eine intime Sache. Im besten Fall finden sich in einem Kurs verschiedene Menschen, mit den selben Bedürfnissen. Wenn die Gruppe zu unterschiedlich ist, dann ist es für alle frustrierend.

Mit seinen Yogaweg gibt Patanjali eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Wer die Schritte befolgt kann inneren Frieden und innere Freiheit erlangen. Seine dritte Stufe heißt Asanas. Hier lernst du den Umgang mit dem eigenen Körper. Eigene Begrenzungen annehmen und aufheben. Henriette setzt das um. Sie bestimmt selbst wann etwas zu viel ist. Sie legt Pausen ein, wenn es ihr passt. Sie weiß, wie wichtig es ist, in ihrem eigenen Tempo zu bleiben. Für Sie ist es wichtig, dass die Übungen sowohl für ihren Rücken, als auch für ihr Gewicht geeignet sein. Manchmal lässt es sich nicht vermeiden. Der Bauch oder die Oberschenkel sind im Weg. Bestimmte Übungen sind für Ihren Körper nicht machbar. Sie hat noch mehr verstanden. Heute ärgert sie sich dann nicht mehr. Sie weiß, “wenn etwas nicht klappt, ist das auch ein gutes Ergebnis. Es zeigt mir etwas über mich. Es zeigt mir wo ich stehe. Es gibt nichts schlechtes was abläuft. Es ist nur eine Vorstufe von etwas anderem.“

 

Yoga mit Übergewicht

Auch übergewichtige Männer können problemlos Yoga praktizieren

Henriette hat sich verändert. „Yoga tut meinem Körper gut und ich verbinde mich mehr mit mir – und meinem Atem.“ Sie schenkt auch ihrer Atmung noch mehr Beachtung. Sie setzt ihn bewusster ein. Nicht nur auf der Matte. Fast wie von selbst, hat sie ihren Atem intensiviert und das Neue bewusst in ihr Leben integriert.

Vermutlich wunderst du dich an dieser Stelle nicht. Liebe Henriette, Patanjali wäre stolz auf dich. Was lernst du heute hier? – — Prãnãyãma ist die Stufe vier.“ ;-))

 

 

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