Street Art

Als Street Art (übersetzt Straßenkunst) bezeichnet man vielerlei unterschiedliche, nichtkommerzielle Formen von Kunst im öffentlichen Raum. Zeichen und Bilder aller Art werden mittels verschiedener Materialien wie Spraydosen, Pinseln, Marker, Malerrollen, Postern oder Aufklebern meist illegal im urbanen Raum angebracht. Streetart ist eine moderne Form von Kunst, die im Sinne der Verursacher dauerhaft an der jeweiligen Stelle verweilen soll.

Im Gegensatz zum Graffiti überwiegt dabei meist der bildliche, statt dem schriftlichen Anteil. Im Normalfall beschränkt sich Streetart auf die Gestaltung bereits vorhandener Flächen – so findet man sie beispielsweise auf Medien wie Wänden, Stromkästen, Verkehrsschildern, Laternen, Telefonzellen, Mülleimern, Ampeln, Straßen, Bürgersteigen und sogar Bäumen. Im Prinzip nutzt der Streetartist alle erdenklichen Untergründe, doch auch Installationen, Skulpturen, Plastiken oder Lichteffekte zählen zu Streetart. Da sich die Techniken oft mit denen des Graffiti überschneiden, fällt die Unterscheidung der beiden Formen oft nicht leicht. Andere Begrifflichkeiten für Streetart sind beispielsweise Urban Art oder Post- und Neograffiti.

Streetart wird meist illegal und selbstautorisiert angebracht. Sie ist öffentlich zugänglich und hat somit keine bestimmte Zielgruppe, sondern soll von Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten konsumiert werden. Die Abbildungen zeigen hauptsächlich Charaktere, Zeichen und Symbole mit illustrativer, wiedererkennbarer Bildsprache, die oft eine lustige, ironische oder kritische Mehrdeutigkeit beinhalten, um die Betrachter zum Nachdenken anzuregen.

Man kann Streetart als eine Weiterentwicklung des klassischen Graffiti sehen, die sich inhaltlich oft gegen Komsumismus, Kapitalismus und öffentliche Ordnung wendet. Inspiriert durch die vielen Möglichkeiten in einer städtischen Umgebung, bietet Streetart einen Weg aktiv am urbanen Veränderungsprozess teilzunehmen. Streetartists haben ein Interesse daran, ihre eigene Umwelt auf anarchistische und/oder kreative Weise visuell mitzugestalten, sowie einen künstlerischen Gegenpol zur omnipräsenten Werbung und Gentrifizierung zu schaffen. Streetartists wehren sich gegen sterile Stadplanung und die Macht der Architekten, Stadtplaner und Eigentümer des urbanen Raums und handeln meist anonym und selbstfinanziert in Eigeninitiative, verzichten jedoch großteils auf eine konkrete Botschaft.

Streetart scheint in der Kunstszene einen Raum gefunden zu haben. Sie gilt weitgehend nicht mehr nur als Schmiererei, sondern als populäre Form von Kunst, die sich in der Gegenwart etabliert hat. Private Grundstückseigentümer oder Gemeinden beauftragen Arbeiten auf ihren Grundstücken, angesehene Streetartists stellen in Museen und Galerien auf der ganzen Welt aus. Als Urvater dieser Kunstform gilt Gérard Zlotkamien. Weitere bedeutende Streetartists sind Keith Haring, Werner Nöfer, Harald Naegeli, Blek le Rat, Klaus Paier, Miss.Tic, Blu, Os Gêmeos & Nina, John Fekner, Shepard Fairey und Ikone Banksy, dessen prämierte Filmdokumentation „Exit Through The Giftshop“ international Gefallen fand.

Im Gegensatz zu früher, muss der Interessent keine Zeitschriften über Streetart im Fachhandel kaufen, sondern kann sich der exponentiellen Verbreitung dieser Kunstform im Internet und sozialen Medien bedienen. Kostenlos für jedermann, wächst die Kooperation zwischen Streetart und Social Media stetig. In der zeitgenössischen, modernen Welt wird Streetart auch als Ausdrucksmittel von Unternehmen eingesetzt. Sowohl in ihrer Stilistik als auch als in ihrer Gesamtkeit wird Streetart als Werbemittel verschiedener Branchen aufgegriffen, um ihren Produkten ein jugendkulturelles Image zu verpassen. In der Streetart-Szene stößt diese Art von Werbung jedoch oftmals auf Widerstand, da die Ursprungsidee hinter dieser Kunstform als Kampf gegen Kapitalismus und Konsumgesellschaft verstanden wird.

Die wohl populärste, aufwändigste und im Gegensatz zu den anderen, einzig legale Form von Streetart sind die sogenannten Murals. Sie kennzeichnen sich durch ihre enormen Ausmaße und finden ihren Platz gewöhnlich in Form von riesigen Bildern an Gebäudefassaden.

Eine weitere Form von Streetart ist das Stencil oder auch Schablonenkunst oder Pochoir genannt. Die Künstler bereiten im Vorfeld ihre Schablonen vor und malen sie meist mit Spraydose, aber auch mit Ölfarben, Pinseln oder Airbrush-Technik aus. Diese sehr alte Form geht auf die 1980er Jahre zurück und wurde vom Pariser Blek le Rat geprägt. Verwendete Motive sind oft Portraits von Politikern, berühmten Personen oder politische Symbole.

Nicht als Sachbeschädigung, sondern lediglich als Ordnungswidrigkeit wird die Stickerkunst rechtlich gehandhabt, da sie in den Bereich des Wildplakatierens fällt. Die günstigen oder oftmals auch kostenlos erhaltbaren Sticker werden mit eigenen Bildern oder Schriftzügen gestaltet und Zieren Stellen in der Stadt wie Regenfallrohre, Schaltkästen, Ampeln, Laternen, Briefkästen, Bauschilder, Marmorwände, Schaufensterscheiben oder Automaten.

Als raumergreifendes Genre der Streetart gilt die Installation. Dabei werden Gegenstände selbstautorisiert an Stellen angebracht, wo sie normalerweise nicht hingehören und stellen somit eine narrative, räumliche Inszenierung dar.

Ad-Busting nennt sich die teilweise oder gänzliche Veränderung von Werbung im öffentlichen Raum. Werbeplakate werden beispielsweise überklebt oder ihre Message so verändert und verdreht, dass oftmals ein lächerlich unterhaltsamer Inhalt entsteht und die ursprüngliche Werbung ablöst.
Ähnlich amüsant ist das Urban Knitting, bei dem Gegenstände zum Teil oder auch komplett mit Strickelementen versehen werden und schonmal ein ganzes Auto umhüllen können.

Eine angepasste Form von Streetart ist das Cut-Out. Dabei wird ein Ausschnitt eines Motivs dargestellt, der in seiner Größe stets variiert und oftmals kleine Illustionen abbildet. Motiv kann alles mögliche sein – Menschen, Tiere, Autos, Pflanzen oder andere Gegenstände schauen beispielsweise in Form von Gliedmaßen aus einem Briefkasten heraus oder baumeln von Häuserdächern.

Beim sogenannten Roll-On wird mittels Farbrolle, Teleskopstange und Fassadenfarbe ein Motiv an die Wand gerollt, das sich durch besonders klare Balkenstärke bei Buchstaben und nicht selten durch „laufende Nasen“ kennzeichnen, die durch flüssige, herunterlaufende Farbe entstehen. Der beliebteste Farbstoff für diese Streetart Form ist Bitumen.

Weniger auf künstlerisches Können kommt es beim Pixação aus der brasilianischen Metropole São Paulo an. Diese Werke haben keinen Ausdruck von Kreativität zum Ziel , sondern stellen vielmehr ein Ventil für Jugendliche dar, die auf diese Weise auf Benachteiligung und Missstände aufmerksam machen wollen. Pixadores stammen hauptsächlich aus Armenvierteln und nutzen Spraydosen, mit denen sie meist das Logo des Sprayers oder dessen Gang abbilden. Je höher das Logo an Hauswänden platziert wird, umso mehr ist es in der Szene wert.

Weitere Formen von Streetart sind zum Einen das Scratching, bei dem mit spitzen Gegenständen Schriftzüge in glatte Oberflächen wie Glas oder Plastik geritzt werden und in Deutschland vorallem in Berlin oft gesehen sind, und zum Anderen Kreidezeichnungen, die eher spontan stattfinden. Der weißfarbene Kalkstein wirkt kindlich und unschuldig und ist leicht zu entfernen, weshalb er als legitimiertes Mittel zum Eingriff in den Stadtraum gilt und häufig auf Backsteinfassaden, Asphaltstraßen oder Gehwegplatten eingesetzt wird.

Trailer Banksy’s „Exit Through The Giftshop“

Foto:
www.webburgr.com

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