Lanzarote | César Manriques Erbe

Ist Kultur das Antonym zur Natur? Ist dann Kunst, als kulturelle Ausprägung überhaupt mit der reinen Natur zu vereinen? „Auf jeden Fall“ würde der Inselkünstler César Manrique sagen und liefert dafür einen überzeugenden Beweis: Seine Heimat, die gleichzeitig sein Lebenswerk darstellt.

Lanzarote – Der unerkannte Juwel der Kanaren

Lanzarote wirkt auf den ersten Blick wie eine Mondlandschaft. Beherbergt die Insel doch ein Naturereignis, das in Europa seines gleichen sucht: Die Feuerberge des Timanfaya.

 

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Die Feuerberge des Timanfaya. Das Vulkangebiet zählt als Wahrzeichen der Insel

 

Das südwestlich gelegene Lavagebiet nimmt etwa ein Viertel der gesamten Inselfläche ein. Die „Montañas del Fuego“ sorgten im 18. Jahrhundert für eine vulkanische Katastrophe, deren Ausmaß man sich kaum vorzustellen wagt. Über 6 Jahre hinweg zerstörte die heiße Lava aus dem Erdinnern nahezu die gesamte Insel.

Heute, knapp 300 Jahre später, wurde das Katastrophengebiet zum „Timanfaya Nationalpark“ umfunktioniert und lässt sich per Sightseeing Bus bereisen.

 

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Der „Parque Nacional Timanfaya“ ist der einzige eminent geologische Nationalpark in Spanien

 

Obwohl einem beim Anblick des dunklen Lavagesteins und der apokalyptischen Atmosphäre der Atem stockt, lässt sich hier kaum von Schönheit sprechen. Im Gegenteil, Lanzarote galt lange als unattraktivste der 7 Kanareninseln. Entsprechend gering fielen die Besucherzahlen aus.

 

Schönheit ist nur eine Frage der Darstellung

César Manrique, einstiger Architekt, Künstler und Bildhauer wollte das ändern. Seine Heimat war für ihn ein Juwel, den es nur zu bearbeiten galt. Er träumte von einem „Paradies des Wenigen“, das keinen Massentourismus aber „empfindsame und kultivierte Betrachter“ anziehen sollte.

Kunst und Natur waren für ihn zwei bedeutsame Glieder, die es in einem unzerbrechlichen Binom zusammenzufassen galt.

So begann er Ende der 1960er seine Insel zu gestalten. Und die Ergebnisse können sich wahrlich sehen lassen.

 

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Der „Jameos del Aqua“ zählt als erstes und bedeutendstes Werk des Inselkünstlers César Manrique

 

Der „Jameos del Aqua“ etwa, eine Lavahöhle mit unterirdischem See, gilt heute als eine der größten Touristenattraktionen. Der hundert Meter lange Höhlenabschnitt ist von zwei Seiten geöffnet und von einem Swimmingpool sowie einem Gewölbe umrandet. Im Sommer finden hier oft Konzerte statt.

 

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Im unterirdischen See des „Jameos del Aqua“ tummeln sich kleine weiße Albinokrebse, ein biologisch einzigartiges Phänomen!

 

 

Das Binom aus Kunst und Natur stellt sich auch in Manriques beeindruckendem Kakteengarten dar. Im Ort Guatiza, Teil der Gemeinde Teguise, erstrecken sich weite Felder von Kaktusfeigen. Dort werden die für Lanzarote bedeutsamen „Cochenille“ – Schildläuse – gezüchtet.

 

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Der legendäre „Jardín de Cactus“ ist eines der letzten Werke Cesár Manriques.

 

Darüber hinaus lässt sich nahezu die gesamte Architektur der Insel auf Manriques Einfluss zurückführen. Große Wolkenkratzer und moderne Gebäude findet man auf Lanzarote kaum. Stattdessen blickt man über würfelförmige weiße Häuser, die nie höher als zwei Stockwerke gebaut werden.

 

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Blick auf Manriques Geburtsstadt Arrecife, die deutlich seine Handschrift trägt. Die kleinen weißen Häuser sowie die Farben blau und grün gelten heute als typischer Stil der Insel

 

Wer Cèsar Manriques Spuren folgt, landet unweigerlich in seiner eigenen Foundation. Das ehemalige Wohnhaus des Künstlers ist heute eine private kulturelle Stiftung, die 1992 – kurz vor seinem tragischen Tod bei einem Autounfall – eingeweiht wurde. Das integrierte Museum beinhaltet Skulpturen, Zeichnungen und Gemälde Manriques und anderer Künstler.

 

Eingang zur 1982 gegründeten Stiftung César Manriques in Tahiche

 

Der Gebäudekomplex erstreckt sich über einen insgesamt 30.000 Quadratmeter großen Lavastrom und wurde in 5 natürliche Vulkanblasen integriert.

Auf den 1.800 Quadratmetern Wohnfläche, den 1.200 qm Terrassen und der 3.000 qm großen Gartenanlage lässt sich Manriques Vision bis auf den kleinsten Zentimeter nachempfinden: Das von ihm gestaltete Gebäude verkörpert eine harmonische und zugleich einzigartige Form der Synthese von architektonischer Kunst und Natur.

 

Terrassenausschnitt mit Pool im ehemaligen Wohnhaus des César Manriques

 

 

Lanzarote – Die Modellregion für nachhaltige Entwicklung

Cèsar Manriques lebenslanger Einsatz hat sich gelohnt: 1993, ein Jahr nach seinem frühzeitigen Tod, wurde Lanzarote als erste Insel der Welt von der UNESCO zum Biosphärenreservat ernannt.

Lanzarote gilt seither als exemplarische Verwirklichung für eine ökologische, ökonomische und soziale Entwicklung der Nachhaltigkeit.

Nachhaltig beeindruckt bin auch ich von dieser Insel. Neben Kunst- und Kultur bietet Lanzarote übrigens auch wunderschönes Strände und nahezu das gesamte Jahr über strahlende Sonne. Vor allem Surfer kommen hier auf ihre Kosten – nicht umsonst wird die Insel auch das Hawaii Europas genannt.

 

Der „El Papagayo Playa“ ist nur einer von zahlreichen Stränden auf Lanzarote.

 

Ganz egal also, ob ihr naturalistische Schönheit in kunstvoller Gestalt erleben oder einfach nur am Strand abhängen möchtet – Lanzarote ist auf jeden Fall eine Reise wert!

 

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