Malteser, das sind kleine, weiße Hunde. Aber auch köstliche Schokokugeln. Und ehrenwerte Ordensbrüder oder fleißige Sanitäter. Stimmt alles soweit. Vor allem sind Malteser aber die Einwohner eines bezaubernden, fast vergessenen Archipels im Mittelmeer.

 

Merħba tal Malta!

 

Der Große Hafen um Maltas Hauptstadt Valletta

 

Die Republik Malta umfasst ganze 6 Inseln: Malta, Gozo, Comino sowie die Felsformationen Cominotto, Fifla, St. Paul´s Island und Fungus Rock.

Davon sind allerdings nur die ersten 3 Inseln bewohnt. Naja, so richtig eigentlich nur Malta und Gozo. Comino zählt nämlich nur ganze 4 Einwohner.

Über Einsamkeit können sich die Cominesen jedoch kaum beklagen. Vor allem nicht im Sommer! Unzählige Boote schippern täglich hunderte Touristen und Urlauber auf die nur 3 km² große Insel, die sich ausgestattet mit Sonnenhut und Luftmatratze ihren heiß begehrten Lagunenplatz erkämpfen.

 

Die Blaue Lagune vor Comino. So verlassen findet man die Kleinstinsel leider nur auf Bildern

 

Das klingt erstmal nicht nach entspanntem Traumurlaub unter Palmenstränden. Gleich vorab – Palmenstrände gibt es hier auch nicht. Auch nicht auf der Hauptinsel Malta. Dafür jede Menge Fels. Und Menschen. Viele Menschen.

 

Rund 1360 Einwohner teilen sich einen km² auf Malta

Mit seinen rund 430.000 Einwohnern auf nur 316 km² verfügt der Inselstaat Malta über die fünfhöchste Bevölkerungsdichte weltweit. Dazu kommt, dass die Insel hauptsächlich vom Tourismus lebt. Zu der fast halben Millionen Einwohner gesellen sich also jährlich noch mal um die 1,8 Millionen Besucher.

Gemütlich wird es dann, da rückt man halt zusammen. Vor allem in den Bussen. Die kommen übrigens auch nur wann sie wollen. Fahrpläne existieren zwar offiziell, werden aber kaum zur Kenntnis genommen. Und kommt der Bus dann doch, kann es gut sein, dass der telefonierende Fahrer achselzuckend an dir vorüber fährt, weil er bis oben hin beladen ist.

Malta

Die maltesischen Busse galten lange als Wahrzeichen der Insel. Vor einigen Jahren wurden sie durch modernere Modelle ersetzt. Im Hintergrund der Triton Brunnen vor Maltas Hauptstadt Valletta

 

Dann wartet man halt… Warten gehört hier sowieso dazu. Auch beim Einkaufen. Vor allem in den unzähligen kleinen Garagenlädchen, die sich über das Festland erstrecken. Auf Malta ist nahezu jeder selbstständig. Mario verkauft Blumen, Carol ihr Gemüse und Jimmy eigentlich alles. Da stapeln sich dann die Cornflakespackungen über dem Toilettenpapier, neben dem Sekundenkleber und dem Käse. Das Ganze auf einer Fläche von ca. 7m².

Selbstständig trifft es aber auch nicht ganz. Selbst ja, aber bei weitem nicht ständig. Die Schilder mit den Öffnungszeiten sucht man oft vergeblich. Und steht man dann doch einmal in einem solchen Laden und freut sich wie ein Schneekönig, weil man die vorletzte Zucchini ergattert hat, heißt es wieder warten. Der Verkäufer muss nämlich erst noch mit der Nachbarin quatschen, die sich jetzt scheiden lassen will. Das ist übrigens neu – das Scheidungsrecht gibt es auf Malta erst seit 2011.

 

Malta war das vorletzte Land mit Scheidungsverbot – weltweit!

Zurückzuführen ist das auf die stark katholisch geprägte Geschichte der Insel. Fast 300 Jahre lang wurde diese von dem katholischen Malteser-Orden beherrscht. Noch heute sind 95% der Inselbewohner katholisch.

Abwechslung beim Kirchengang gibt es auf Malta auch genug. Die Insel verfügt über 365 Kirchen – eine für jeden Tag.

Malta

Rotunde von Mosta. Die Kirche Maria Himmelfahrt verfügt über die viertgrößte freitragende Kirchen-Kuppel der Welt

 

Falls jetzt der Eindruck entstanden sein sollte, Malta wäre überbevölkert, chaotisch und irgendwie etwas hinterher… Dann stimmt das schon. Aber das ist noch lange nicht alles!

 

Malerische Buchten, exzessive Partys oder doch lieber Kultur?

 

Der große Charme dieser Insel besteht in ihren vielfältigen Gesichtern. Alle 15 km eröffnet sich einem eine komplett neue Welt.

Möchte man in kleinen Sandbuchten am Meer entspannen, auf Pferden durch die steinige Landschaft galoppieren oder möglichst schnell mit der Fähre auf die Nachbarinsel Gozo überschippern – dann ist der Norden Maltas mit seinen Städten Mellieha, St. Paul´s Bay und Buggibba der Place to be!

 

Malta

Maltas schönste Buchten im sandigen Norden: Martinique, Gnejna und Golden Bay

 

Sucht man moderne Gebäude, edle Einkaufsstraßen, wilde Partys und den Multi-Culti-Citylifestyle, ist man weiter östlich der Insel gut aufgehoben. Die Städte Sliema und Gzira, St. Julians mit dem Partyviertel Paceville und die Hafenstadt Tax Biex bilden den Hotspot der Insel. Es ist bunt, laut, schrill und vor allem nie langweilig!

 

Spinola Bay in St. Julians bei Sliema. Maltas modernes Gesicht und der Hotspot der Insel

 

Malerische Gassen, Museen und Kultur bietet vor allem Valletta – die kleinste Hauptstadt der EU. Betritt man die befestigte Stadt durch ihr Haupttor, erkennt man am Ende der zum Meer hin abfallenden Republik Street bereits ihre äußeren Stadtgrenzen.

 

Maltas Hauptstadt Valletta wird 2018 zur Kulturhauptstadt Europas!

 

Valletta ist nicht nur seit 1980 als Gesamtmonument Teil der Liste des UN-Weltkulturerbes, sondern gilt auch als eine der historisch am besten gesicherten Städte der Welt. Dies verdankt sie dem Ring aus zahlreichen Bastionen, der sie umgibt.

 

Malta

Blick auf Valletta. Von Sliema aus erreicht man die benachbarte Hauptstadt innerhalb von 7 Minuten mit dem Boot

 

Die 1566 errichtete Festungsstadt thront auf der strategisch äußerst gut gelegenen Landzunge Monte Scibberas. Diese wird von den zwei größten Naturhäfen im Mittelmeer umschlossen.

 

Maltas Drei Städte mit den sieben Namen

Am Grand Harbour, direkt gegenüber der Hauptstadt, liegen die berühmten Drei Städte Cospicua, Vittoriosa und Senglea.

Die Malteser nennen sie oft noch bei ihren ursprünglichen Namen Bormla, Birgu und L`Isla oder nutzen die Sammelbezeichnung Cottonera. Letztere entspringt der imposanten Befestigungsanlage Cotonera Lines, die 1670 vom Johanniterorden errichtet wurde um die Drei Städte zu schützen.

Schutz brauchten sie, die Malteser. Wurden sie doch nahezu die gesamte Geschichte hinweg belagert und angegriffen.

Deutlich wird dies vor allem in der geschichtsträchtigen ehemaligen Hauptstadt Mdina, die von den Maltesern nur „The Silent City“ genannt wird.

 

Mdina – „Die Stadt der Stille“

Auf einem 185 Meter hohen Ausläufer des Dingli-Plateaus thront die alte Mutterstadt, deren Besiedlung bis in die Bronzezeit zurückgeht. Der ehemalige „Malet“ (Zufluchtsort) wandelte sich in der Römerzeit zur Stadt Melita. 870 wurde sie von praktisch denkenden arabischen Eroberern nach dem benannt, was sie war: Mdina – die „von Mauern umgebene Stadt“.

 

Malta

Maltas ehemalige Hauptstadt Mdina im Landesinneren. Zahlreiche Filme und Serien wurden hier gedreht

 

Doch Mdina ist nicht nur von Mauern, sondern auch von einer wunderschönen Naturkulisse umgeben. Und so zeigt sich das Dritte Gesicht dieser bezaubernden Insel.

 

Maltas blühende Landschaften, weite Felder und unbeschreibliche Naturformationen

Zugegeben, blühende Landschaften bekommt man auf Malta nur während der Frühlingsmonate zur Gesicht. Aufgrund der unmittelbaren Nähe zum afrikanischen Kontinent blüht hier ab dem frühen Sommer erstmal gar nichts mehr. Außer den Kaktusfeigen. Damit machen die Malteser übrigens super leckeres Likör!

Ein Ausflug in Maltas Natur lohnt sich aber trotzdem das ganze Jahr über. Den Westen der Insel erkundet man am besten zu Fuß. Von Mdinas Zwillingsstadt Rabat aus erstrecken sich wundervolle Wanderwege mitten durch Maltas Land- und Forstwirtschaft.

 

Buskett Gardens

Der alte Buschetto, Maltas einziges Waldgebiet. Ein absoluter Geheimtipp!

 

Ein Ausflug in die Buskett Gardens, Maltas einzigem Wald, verspricht meditative Stunden in wilder Natur. Erklimmt man den Berg Ta`Dmejrek der Südwestküste, verschlagen einem die unfassbaren Felsformationen der Dingli Cliffs, die Sprache.

 

Dingli Cliffs auf Malta

Maltas atemberaubende Klippen. Der Weg in das benachbarte Dorf Dingli führt dich in eine stehengebliebene Zeit.

 

Ja, Malta ist überbevölkert, chaotisch und irgendwie auch etwas hinterher… Aber gleichzeitig auch super authentisch, unfassbar geschichtsträchtig und unbeschreiblich liebenswert.

Und mal ganz ehrlich, die Insel ist so groß wie Bremen und dabei so facettenreich, dass man sich nach einem Maltaurlaub fühlt, als hätte man die halbe Welt bereist.

Klar, man muss sich darauf einlassen können. Wer deutsche Perfektion sucht, ist hier völlig fehl am Platz. Wer es jedoch schafft, die Dinge einfach so zu nehmen wie sie sind, die Uhr auch mal etwas langsamer laufen lassen kann und offen für das Unbekannte ist – der sollte sich Malta auf keinen Fall entgehen lassen!

Man sagt, wer es schafft 6 Monate auf der Insel zu bleiben, bleibt ein Leben lang. Meine 6 Monate sind schon seit Langem abgelaufen… Und ich kann mir derzeit keinen anderen Ort auf der Welt vorstellen, an dem ich lieber sein möchte!

 

Wenn ihr Maltas einzigen Wald besuchen wollt, lest doch unseren Bericht über: Erlebe Malta Buskett Gardens

Einen wunderschönen Artikel über die Dingli Cliffs könnt ihr hier lesen: Erlebe Malta Dingli Cliffs