Basile Morin – Ambigramme auf den 4000 Islands [Laos]

[Article in English @ Vagabundler – Ambigramist Basile Morin – Laos]

Während unseres Laos-Trips im letzten Jahr sind wir auf den 4000 Islands nicht nur auf die tollen Toiletten Graffitis gestoßen, wir haben noch einige weitere Mysterien im Dschungel und der Insellandschaft entdeckt. Auf der Insel Don Det gibt es keine Autos, dafür aber Fahrräder und das Baba Guesthouse. Das sollte unsere Unterkunft an dem idyllischen Ort sein, perfekt zum Abspannen, zusätzlich stellte sich auch noch heraus, dass der Besitzer ein französischer Künstler ist und sich mit Schriftstellerei, Pixelfotografie und Ambigrammen beschäftigt. Was ist das denn jetzt schon wieder? Ambigramme? Wussten wir zunächst auch nicht, aber man könnte es als geometrische Schreibkunst beschreiben. Basile hat uns das Prinzip erklärt und auch all die schönen Fotos zum Artikel beigesteuert.

Ein Ambigramm ist ein Schriftzug oder ein symmetrisches Symbol, der oder das um einen bestimmten Winkel (meist 180°) gedreht wiederum einen Schriftzug oder ein Symbol ergibt, sprich, man stellt das Geschriebene auf den Kopf und es steht wiederum etwas da, in manchen Fällen sogar das gleiche Wort. Wie sehr man dreht oder spiegelt oder die Perspektive wechselt und was dann in der anderen Version da steht, kann ganz unterschiedlich ausfallen und mehr oder weniger gut erkennbar sein.

Im Grunde ist es eine Denkspielerei, eine geschickte Verdrehung der Optik. Das Wort „verdreht“ passt eigentlich nicht wirklich, man dreht zwar die Perspektive, aber diese Ambigramme sind nach einer bestimmten Logik oder Codierung aufgebaut. Nicht im Sinne von Computer- oder Zahlencodes. Aber es gilt den Schriftverlauf und die möglichen Schreibweisen der einzelnen Buchstaben so zu entwerfen, dass es eben eine geometrisch sichtbare Symmetrie ergibt. Wie sichtbar oder offensichtlich diese ist, kann auch wieder eigene Interpretation des Ambigramm-Entwerfers sein. Man benötigt also ein gewisses Gefühl für Sprache und Schrift, zusätzlich ein mathematisches und geometrisches Verständnis.

Basile Morin besitzt diese Fähigkeiten und auch das Auge für´s Detail. Der gebürtige Franzose ist vor mehreren Jahren nach Laos ausgewandert, um dort eine kleine Herberge zu eröffnen und in Ruhe und angenehmer Atmosphäre seinen Passionen nachgehen zu können. Basile ist im Grunde ein Allaround-Künstler, er schreibt, fotografiert, experimentiert mit Wörtern und Schriftzügen, mit Pixel und Grafiken und betreibt die Inselwebseite. Klar, dass wir hier ein Interview aufgezeichnet haben.

Basile Morin am Eingang zu seinem Guesthouse

Wir saßen auf dem hölzernen Terrassenanbau am Mekong River und unterhielten uns über seine Kunst und Betätigungen. Ich hatte gleich das Gefühl, dass Basile eigentlich ein Entdecker ist. Er spricht auch durchgehend vom Suchen und Finden. Nämlich von den passenden Worten und der richtigen Schreibweise bei den Ambigrammen oder Anagrammen. Das sind wiederum ungleiche Wörter oder Sätze, die aber aus den gleichen Buchstaben bestehen. Auch eine interessante Spielerei, bei der man aber erst einmal diese entsprechenden Wörter finden muss. Bei den Bildern, die er erstellt, geht es auch um ein Suchen und Finden. Es sind Pixelanordnungen, die ein hohes Maß an dem erwähnten geometrischen Verständnis benötigen, aber auch diesen Entdeckerdrang und das Auge zum Detail, um den richtigen Formationsalgorithmus und die passende Positionierung zu finden. Genauso kann dies auf Basil’s Fotografie übertragen werden, den Blick für den guten Moment und die Perspektive finden.

 

Mir schwirrte ständig das Wort „Code“ im Kopf. Einen Code finden, den Code im Bild, in der Schrift. Eine Entschlüsselung, um das ganze zerlegen zu können, und dann aber wieder auf neue Weise zusammen zu bauen. Bei den Fotos findet sich zunächst das schlichte Erfassen der Umgebung, die passende Situation muss eben gefunden werden. Bei den Pixelbildern wird es nun schon etwas komplizierter. Die Struktur des Bildes muss zerlegt und verändert wieder zusammen gesetzt werden, es ist aber nicht ein beliebig zusammengemischtes Wirrwarr, sondern eine durch und durch berechnete Konzeption der Bildfragmente. Mit den Ambigrammen wird nun nochmals in eine weitere Denkebene übergegangen. Es reicht nicht nur das optisch Sichtbare neu darzustellen, sondern das Geschriebene muss auch noch einen Sinn ergeben und erkennbare Wörter darstellen. Man denkt sich erst mal, ja gut, interessant und auch eine komplexe Denkarbeit, aber es ist doch nur ein Gedankenzeitvertreib. Wo liegt der Nutzen in derartigen Entdeckungen? Das ist eben das Künstlerische an der Geschichte und Basile beschäftigt sich mit diesen Themen, weil es ihm zum Einen natürlich Spaß macht. Genauso sind diese Schriftzüge auch Grafiken, die wie alle anderen Grafiken auch Verwendung etwa beispielsweise als Logos, Headliner oder auf Flyern und Schildern finden. Wenn noch ein aktueller Bezug besteht, wie beispielsweise bei dem „Hilary Clinton – Donald Trump“ Werk, finden sich schnell weitere Nutzungsideen und Interessenten.

Eine absolut geniale „Entdeckung“ gelang Basile letztes Frühjahr, als er wieder einmal durch eine kurze Eingebung die ambigrammische Verbindung vom Wort „Penelope“ zu „Benevole“ fand. Auf ein kariertes Blatt Papier gekritzelt sah das geschriebene Penelope ganz gewöhnlich aus. Jedoch mit Hilfe eines Spiegels konnte man schön das darin verborgene Benevole lesen. Das ist jetzt erst mal keine groß skandalöse Sache. Aber in Anbetracht des derzeitigen Geschehens in Frankreich und der Tatsache, dass die Politikerin Penelope Fillon in eine Korruptionsaffäre verstrickt war, was durch alle Medien ging…….. also das Ammbigramm schlug ein wie eine Bombe und wurde mehre Zehntausendmale geteilt und gepostet. Benevole bedeutet im Französischen eigentlich ehrenamtlicher oder freiwilliger Helfer. Penelope Fillon war da eher das Gegenteil davon. Dieser Effekt der Namensspiegelung und der darin versteckten verdrehten Botschaft hat die Leute derartig begeistert und eine ganze Posting- und Teilens-Welle ausgelöst. Basile versteht das gar nicht, er hat doch eigentlich nur ein simples Wort geschrieben, meinte er schmunzelnd…. 😉

Sollet ihr mal nach Don Det kommen, das Guesthouse ist sehr zu empfehlen und eines der moderneren Angebote auf der Insel mit fließend Wasser, westlichem Bad und dennoch preiswert. Basile gibt ausgiebig Auskunft über interessante Aktivitäten und das Sehenswerte in der Umgebung, aber auch wenn man nicht dort logiert, steht seine Webseite www.dondet.net online für alle zur Verfügung. Dort findet man sämtliche Informationen zur Region mit Karten, genauen Verzeichnungen der Wasserfälle, Tempel und Fahrradrouten, unzählige Fotos und Insidertipps.

 

INFOTHEK

Basile Morin

   Email: b@ici.la

   Webseite: http://www.basilemorin.com

Twitter   Twitter: https://twitter.com/BasileMorin

fb_icon_325x325   Facebook:  https://www.facebook.com/basilemorin

   Insel-Seite Don Det: http://www.dondet.net/

   News France: Artikel über das Penelope-Benevole-Ambigramm

   Wikimedia: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Images_by_Basile_Morin

 

Baba Guesthouse

   Adresse:  Baba Guesthouse, Ban Dondet, 4, 000 thousand Islands, Ban Dondét 01000, Laos

   Telefon: +856 20 98 893 943

   Email: b@ici.la

   Tripadvisor: Profilseite und Reviews

   Booking.com: Profilseite, Buchung und Reviews

   Lonley Planet: Artikel

   Le Routard:  Beitrag Reisebuch

 

CREDITS

Alle Fotos und Grafiken im Artikel sind von Basile Morin

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