Was ist abstrakte Kunst?

Die abstrakte Kunst ist eine noch junge Kunstströmung, entstanden
im frühen 20. Jahrhundert. Während Kunstrichtungen wie Barock, Expressionismus oder
Surrealismus in ihren Werken Menschen, Tiere oder Gegenstände klar erkennen
lassen oder sogar in den Mittelpunkt stellen, fehlt dies in der abstrakten oder
gegenstandslosen Kunst völlig oder kann nur entfernt erahnt werden. Die
Schaffung eines derartigen Kunstwerkes, ob Malerei oder Skulptur, soll den
Betrachter dazu bringen, sich intensiver mit dem Werk und seiner Schöpfung auseinanderzusetzen.
Hier kommt es dann zu der berühmten Frage: Was will der Künstler uns mitteilen?
Da sich ein gegenstandsloses Kunstwerk unter Umständen sehr weit von der realistischen
Darstellung entfernt, liegt es beim Betrachter, die Botschaft des Künstlers zu
ergründen. Zwangsläufig gilt: So viele Köpfe, so viele Meinungen. Da die Anzahl
der Interpretationen mit der Anzahl der Betrachter steigt, wird
gegenstandslosen Kunstwerken eine Botschaft oder Legende des Künstlers
beigegeben. Daraus ist zu erfahren, was den Künstler bei der Schaffung des
Werkes bewegte und wie seine Aussage lautet. Bedeutende Vertreter dieser
Kunstrichtung sind/waren Gerhard Richter, Wassily Kandinsky und Yves Klein.

Folgte die Kunst in älteren Stilrichtungen bestimmten Konvention, d.h.
es galt, die Natur oder den Menschen in allen Details oder unter gewissen
Gesichtspunkten darzustellen, so hat der Erschaffer abstrakter Werke deutlich
mehr Freiheiten. Natürliche oder auch künstliche Objekte finden in abstrakten
Kunstwerken Anwendung, allerdings kann ein abstraktes Bild auch einfach nur ein
Sammelsurium wilder Pinselstriche sein. Eine abstrakte Skulptur erscheint dann
wie ein Gewirr aus tatsächlich oder nur scheinbar zusammen passenden Elementen.
Das Ziel eines abstrakt agierenden Künstlers liegt darin, durch die Entfernung
von der Realität den Fokus auf das eigene Schaffen zu richten. Die eigene
Kreativität soll ausschlaggebend sein, nicht der Vergleich mit Personen oder
Gegenständen in der realen Welt. Die gegenstandslose Kunst verfolgt das Ziel
der Darstellung der an Facetten reichen „Innenwelten“. Die „Außenwelten“ sind
durch die Möglichkeit der visuellen Wahrnehmung in ihrem Facettenreichtum
limitiert.

Abstrakte Kunst ist nicht nur reich an Facetten und Ausprägungsformen, sie ist es auch in Bezug auf die angewandten Techniken. Bekannt ist die durch Jackson Pollock in den 50er-Jahren angewandte „Aktionsmalerei“ oder „Action Painting“. Dabei folgt der Aufbau des Werkes keinem erkennbaren Plan. Vielmehr wird u.a. Farbe, meist Öl- oder Acrylfarbe, mit dem Pinsel oder direkt aus Farbtöpfen heraus auf die Leinwand gemalt oder sogar gespritzt oder geschüttet. So wird der Zufall in die Schaffung des Werkes mit einbezogen. Ebenso kommen Farbguss und Spachteln zum Einsatz. Die abstrakte Bildhauerei bedient sich für ihre Werke Materialien wie Stahl, Sandstein und Holz aber auch Bronze oder Plastik. Trotz der aus der Vielzahl der Techniken und Materialien resultierenden Vielfalt ist die gegenstandlose Kunst eine polarisierende Kunstrichtung. Da sie von den etablierten Kunstbegriffen abweicht und auf die klare gegenständliche Darstellung verzichtet, finden sich bei Publikum und Kunstkritikern sowohl begeisterte Aufnahme als auch zum Teil heftige Kritik. Nicht selten wird der Vorwurf laut, gegenstandslose Kunst sei keine Kunst, da sie keine besondere handwerkliche Geschicklichkeit erfordere.