Der letzte Weihnachtsbaum erleuchtet die Hölle

Alle Jahre wieder, Christkind, Weihnachtsbaum,  Singelein und Tralala… die Geschichten kennt ihr ja.  Wir haben hier aber mal etwas „anderes“ für euch. Für alle Science Fiction Fans und Perry Rhodan Liebhaber aus dem frisch erschienenen Buch Weihnachtswundernacht Band 6. Die Fortsetzung der beliebten Buchreihe wieder mit einem Beitrag des Frankfurter Autors, Theologen und Eventpastors Mickey Wiese.

 „Alle Jahre wieder, kommt das –krckskrieee- Christuskind auf die –qieeuuietsch- nieder“, dudelte es leise aus dem verbeulten Kassettenrekorder, den sie auf einer verlassenen Raumstation gefunden hatten. Es war eines der letzten sogenannten Weihnachtslieder, Schlüssellieder, die irgendwo zwischen ihren Texten, Melodien und Rhythmen eine verborgene Botschaft enthielten. „Alle Jahre wieder“ war das Motto ihrer galaxisweiten Suche nach Erlösung geworden, und sie hatten als Zeichen für ihre Suche den Text in der Schrift der Ahnen über ihr gesamtes Raumschiff gemalt. Ihre Suche hatte begonnen, als sie ein paar alte Schriften aus einer Engelsbarke gerettet hatten, die im Begriff war, auf die Sonne zuzudriften. In einer der Schriften hatten sie Hinweise auf die Koordinaten des Ursprungsplaneten gefunden. Auf dem Ursprungsplaneten, hieß es in den kosmischen Legenden, sei der Erlöser geboren worden, der allein über den Durchgang durch die Entrückungsportale entschied. Und auf andere Weise konnte man nicht in die goldene Stadt des Allmächtigen gelangen.

Das letzte noch funktionierende Entrückungsportal sollte auf dem Ursprungsplaneten stehen. Es sollte sich außerhalb der linearen Zeitausbreitung in den jenzeitigen Landen, den Phylakä, befinden. Und der Portalmeister Christuskind sollte vor Tausenden von Jahren in einer nur drei Tage anhaltenden dyschronalen Anomalie den Weg dorthin gefunden haben. Dort hätte er dann, hatten sie im Petruslogion 1.Petrus 3,19 gelesen, den Seelen im Gefängnis gepredigt, die einst ungehorsam waren, als Gott in Geduld ausharrte zur Zeit Noahs, als man die Arche baute, in der wenige, nämlich acht Seelen, gerettet wurden durchs Wasser hindurch. Das hatten sie als Hinweis darauf verstanden, dass man zum einen nur in Achtergruppen durch die Portale gehen konnte und dass zum anderen die jenzeitigen Lande tatsächlich noch Bestand haben mussten, solange es lebende Seelen im linearen Raum-Zeit-Kontinuum gab. Und genau wie in diesem Text waren auch sie acht Seelen, die letzten Menschen eines sterbenden Universums.

Als sie mit Lichtgeschwindigkeit in das System des Ursprungsplaneten einflogen, starrten sie ergriffen auf den dunklen Planeten. Ihre Ortungsgeräte konnten zwar keine energetischen Impulse mehr anmessen. Aber dort sollte er unter einem großen ewigen Licht geboren worden sein, der Portalmeister Christuskind, von einer Hominiden namens Maria. Unfassbar, dass es ausgerechnet in diesem entlegenen Teil der Milchstraße eine Gottesgebärerin gegeben haben sollte, eine Theokotos. Mittlerweile war diese Spezies bereits aufgestiegen und lebte wie so viele andere in der goldenen Stadt Jerosolymorum. Diese gigantische Chronosphären-Arche zog ihre ewige Bahn durch das Multiversum, die allumfassende Schöpfung des Allmächtigen, geschützt durch einen Paros-Schattenschirm, der die Stadt durch eine Teilentmaterialisierung teilweise aus dem Normalraum entrückte.

Die letzten acht Seelen brachten ihr Raumschiff in eine stabile Umlaufbahn um den Ursprungsplaneten, rekalibrierten ihre Ortungsgeräte und begannen die Oberfläche noch einmal zu scannen. Sie suchten das Zeichen des Tannenbaums. Denn so hieß es in einem anderen kryptischen Liedtext, dass das Kleid des Tannenbaums die Portalsucher etwas lehren wolle, also den Code für die Benutzung des Entrückungsportals. Seine Blätter seien treu und beständig, hieß es dann weiter. Das ließ sie darauf hoffen, doch noch eine schwache energetische Signatur eines leuchtenden Weihnachtsbaums zu finden. Nachdem nämlich auch die Nachfolger des Portalmeisters nach Jerosolymorum aufgestiegen waren, starben die übrig gebliebenen Seelen im gesamten Universum nach und nach an der merkwürdigen Black-Hole-Seuche, die wie kleine schwarze Löcher alle Lebensenergie nach innen verkrümmte, bis nichts mehr zum Leben vorhanden war. Und wenn der letzte Mensch gegangen sein würde, sagten alte Berechnungen, könnte es noch ca. 144 Jahre dauern, bis auch der letzte blinkende Tannenbaum auf dem höchsten Gebäude des Ursprungsplaneten erlosch. Nach diesem 828 Meter hohen Turm des Gottesgesandten, dem Burj Khalifa in Dubai, suchten sie jetzt. Hoffentlich waren sie nicht zu spät gekommen. Aber nein, da, auf der Außenterrasse der 148. Etage, der mit 555,77 Metern höchsten häuslichen Aussichtsplattform auf dem Ursprungsplaneten, stand er und leuchtete, ein echter Weihnachtsbaum, treu und beständig, auch wenn sein Licht schon bedenklich flackerte.

Mit immer wieder auf ihrer langen Reise eingeübten Handgriffen speisten sie die Lichtsequenz des Tannenbaums in den Portalfrequenzmodulator ein, den ihnen ein alter Erzengel auf Ambrosia VII überlassen hatte, einem Planeten des letzten Sonnensystems vor dem großen Leerraum zwischen Milchstraße und Andromeda. Dazu zitierten sie im vorgeschriebenen Rhythmus die alten Worte und hofften inständig, dass sie die Texte korrekt entziffert hatten: „Alle Jahre wiederkommt / der Portalmeister Christuskind / auf die Erde nieder, / wo wir acht Seelen sind. / Kehrt mit seinem Segen / ein ins höchste Haus, / geht auf Achter-Wegen / mit uns ein und aus. / Ist auch mir zur Seite / still und unerkannt, / dass er treu mich leite / in die jenzeitigen Lande.“

Sie hatten die Worte kaum gesprochen, da flimmerte die Luft vor ihnen, und sie sahen vor sich die Portalkonsole in Form einer liegenden Acht, dem Symbol der Glückseligkeit und des ewigen Neuanfangs. Sie stellten sich im Kreis um die Portalkonsole und berührten sie gemeinsam an den acht vorgesehenen Vertiefungen. Und von einem Augenblick auf den anderen standen sie plötzlich in einem weiten dunklen Raum. Ein leichtes Ziehen im Nacken verriet ihnen, dass der Transfer aus der linearen Zeitausbreitung heraus in die jenzeitigen Lande funktioniert haben musste. Und obwohl sie die Anwesenheit unzähliger anderer Seelen wahrnehmen konnten, war es unmöglich, Verbindung zu anderen Achtergruppen aufzunehmen. Die jenzeitigen Lande machten den Eindruck einer großen dunklen Leere, wie man sie sonst eben nur vom Raum zwischen großen Galaxien kannte oder von dem phylakischen Gefängnis, mit dem man den jungen Kindern Angst machte, wenn sie nicht hören wollten. Alle schienen auf etwas zu warten, aber es passierte nichts. Ängstlich hielten sie sich an den Händen. Ihres Wissens nach waren sie doch die letzten lebenden Seelen des bekannten Universums gewesen. Warum geschah dann nichts? Sollten sie das alte Petruslogion doch falsch verstanden haben?

Doch da wurde es auf einmal hell, ein Lichtstrahl fiel aus einer anderen Dimension in das Dunkel hinein, und es strahlte hell auf über dem Volk, das im Finstern wartete. Auf dem Lichtstrahl schwebte der Portalmeister Christuskind in das phylakische Gefängnis, gefolgt von himmlischen Heerscharen, bestehend aus Engeln, Theokotoi, Verkündern, Thronoi, Blutzeugen und vielen anderen. Und sie alle sangen das wunderschönste Lied, das im Multiversum jemals erklungen war: „Herrlichkeit des Christuskinds in der Höhe, das goldene Strahlen Jerosolymorums, und Friede auf dem Ursprungsplaneten in den Seelen des Wohlgefallens, der Schlüssel zum Aufstieg!“ Dann entzündete der Portalmeister Christuskind höchstpersönlich den letzten Weihnachtsbaum mitten im dunklen phylakischen Gefängnis, und sein Leuchten bahnte sich einen Weg durch die Nasen aller Anwesenden und machte sie wieder zu lebenden Seelen, indem sie den Verkrümmungsvektor der Black-Hole-Seuche auflöste.

Und als alle wieder mit dem Herzen hören und sehen konnten, fing der Portalmeister Christuskind an zu predigen. Von einem Gott, der alle Menschen bedingungslos liebt, erzählte er, und dass dieser Allmächtige sie alle nach Hause holen wolle und dass in der goldenen Chronosphären-Arche noch genügend Platz für jeden Einzelnen aus den jenzeitigen Landen sei und niemand im phylakischen Gefängnis bleiben müsse. Und sie hörten ihm zu, die Prostituierten, Freier, Atheisten, Gläubigen, die Mörder, die Steuerhinterzieher, die Kindersoldaten, die den Eltern Ungehorsamen, die Börsenspekulanten, die Gleichgültigen und Leidenschaftlichen, Kreativen und Verwaltungsbeamten und aus welchen Hintergründen sie alle kamen. Und sie begannen zu weinen, tief erschüttert über die Erkenntnis, dass die Augen ihrer Herzen durch die Umstände des Lebens erblindet waren und dass sie den Stern, der ihren Namen trug, unter all dem Mist nicht mehr gefunden hatten, nicht mehr hatten finden können. So oder so ähnlich waren sie alle in den jenzeitigen Landen gestrandet. Doch jetzt streckte der Portalmeister Christuskind seine Hand aus und bot jedem eine sichere Passage durch das letzte funktionierende Erlösungsportal an. Und gegen alle metaphysikalischen Regeln reichte der kleinste Funken Vertrauen in seine Botschaft aus, und binnen eines Wimpernschlags war das phylakische Gefängnis leer und die Mission Weihnachten endlich erfüllt.

Darum singt man seit Äonen an allen Orten des Multiversums davon, dass der letzte Weihnachtsbaum in der Hölle brennt!

 

 

BUCHINFOS

„Der letzte Weihnachtsbaum erleuchtet die Hölle“, mit dieser spannenden und etwas abgedrehten SciFi-Weihnachts-geschichte erscheint der Frankfurter Autor und Eventpastor Mickey Wiese zum sechsten (6.) Mal in Folge im sechsten (6.) Band der beliebten Buchreihe „Weihnachtswundernacht“, die im Brendow Verlag herausgegeben wird. Unterhaltsam geschrieben, vermittelt er mit seiner Geschichte aber trotzdem zentrale Aspekte der Weihnachtsbotschaft, die in der Zukunft zum Tragen kommen können. Dabei merkt man dem Theologen und Autor seine Vorliebe für Science Fiction – Geschichten und besonders Perry Rhodans fantastische Abenteuer an. Mickey Wiese arbeitet auf einer Teilzeitstelle als Sozialarbeiter an einer Schule und freiberuflich als Hochzeitsredner, Trauerredner, Prediger und Autor. Darüber hinaus als Life-Coach mit eigener Praxis in Frankfurt. Sein Motto dabei ist, das er „als Event-Pastor, Buchautor und Life-Coach Licht in vielen Finsternissen aufstrahlen lassen und das Leben feiern will (www.mickeywiese.de).

Darüber hinaus geht es im neuen 6. Band der Weihnachtswundernacht-Buchreihe, die vom  Duisburger Autor und Theologen Thomas Klappstein im Brendow Verlag herausgegeben wird, u. a. um die „U79 – Weihnachtswunderlinie“ und ihre besondere Fahrt am Heiligen Abend (inklusive einer streikbedingten Unterbrechung, einem musikalischen Spontaneinsatz der Toten Hosen, einem Weihnachtsgottesdienst auf (fast) freiem Feld mit einer bunten U-Bahngemeinde und Hübis HFN-Jam-Gang), um den „Schlüssel zu den Dingen“, einem verloren gegangenen Schlüssel zur Kellertür, der das familiäre Weihnachtsfest gefährdet, inklusive einem gescheiterten Einbruchsversuch und Notvisite in einem Krankenhaus, den Tag, an dem jemand „Weihnachten kapierte“ und in einer weiteren SciFi-Storys um mögliche weihnachtliche Szenarien der Zukunft. Zwölf neue Geschichten die es in sich haben – von Autorinnen und Autoren, die es drauf haben. Bewährten Schreiberinnen und Schreibern, die vom ersten Band an vertreten gewesen sind, und einigen neuen.

Mal mit viel Humor, mal tiefgehend und Impuls gebend, aber immer unterhaltsam, erzählen die 12 Geschichten vom Wunder der Weihnacht. Ein kleine literarische Oase, die positiv auf den Tag einstimmen oder als Gute-Nacht-Lektüre“ den Tag beenden kann. Und das nicht nur im Advent und zur „klassischen“ Weihnachtszeit.

Webseite Brendow Verlag:  www. brendow-verlag .de

 

Thomas Klappstein (Hrsg.)
Weihnachtswundernacht Bd.6
Geschichten für die schönste Zeit des Jahres
Brendow Verlag, Moers
Gebunden, 120 Seiten, Preis: € 12
ISBN 978-3-86506-991-7

 

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