Tirana´s Kreativ-Piraten

ARTIKEL AUF ENGLISCH

In Albanien und vor allem der Hauptstadt Tirana passiert momentan eine ganze Menge. Es wird im ganzen Land gebaut, Gebäude und neue Infrastruktur schießen aus dem Boden, es entwickelt sich, Gelder fließen und das Land bekommt vor allem in Bezug auf infrastrukturelle Renovierungen und Ausbauten, für Restaurationen von UNESCO Stätten und eine Vielzahl an tourismus-orientierten Vorhaben guten Input und Unterstützung. Es wird gebaut, wo man nur hinschaut. Und nicht nur so getan, als ob gebaut wird. Es wird gebaut.

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Dass es bei einem derartigen Boost und Vorhaben mit solch hochgesteckten Zielen in so kurzer Zeit an vielen Feldern zu kurz kommt oder auch gar ganz falsch angegangen wird, verquert gehandelt wird und natürlich am Ende wieder der soziale Bereich und die eigentlichen Menschen eher in der Berücksichtigung auf der Strecke bleiben, liegt auf der Hand. Und wir leben ja im Kapitalismus. Aber wir leben auch in einer Informationsgesellschaft und man kann hier aufklären, informieren und auf kreative Weise Fingerzeige gebe, zum Denken anregen und aktiv werden. Oft liegt das Problem an der allgemeinen (Un)-Beteiligung eben an der allgemeinen (Un)-Wissenheit.

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Alexander Schellow, Professor am Departement Cinéma d’animation der Universität Brüssel, befasst sich mit dieser Thematik schon seit Langem und auch auf sehr kreativ-pragmatische Weise. Über die Brüsseler Uni wurde ein Kooperationsprojekt mit belgischen und albanischen Studenten aufgebaut. Interessant war dann vor allem die gemeinsame Arbeit in Tirana. Es hat sich hier nicht nur eine dynamische und begeisterte Gruppe von Studenten gebildet, sondern es sind auch viele clevere und kritische Projekte entstanden, die aufklären und zum Denken anregen.

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Der Schwerpunkt des länderübergreifenden Vorhabens liegt auf dem Studienfeld Architektur und beinhaltet eine Vielzahl an gemeinsam erarbeiteten Projekten, die auch bei verschiedenen Ausstellungen und Präsentationstagen vorgeführt wurden. Wie kann die Stadt weiter ausgebaut werden, auf welche Faktoren sollte man achten und wie kann in Bezug auf die soziokulturelle Situation angemessen geplant werden. Gerade dieses Land ist in der Hinsicht des schnellen Bauens ein äußerst interessantes Phänomen, aber hier ist auch ein Ort bei dem aktiv und sinnbringend eingewirkt werden kann.

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Hier erzählt uns Alexander Schellow über das Projekt und die nette Geschichte der amüsanten aber auch tief-kritischen Plakatieraktion. (Schön, dass es Leute gibt, die die Ideen und den Mut haben sowas zu machen):

Es geht Schellow auch stark darum den Studenten aufzuzeigen, wie interdisziplinär die Fakultäten eigentlich miteinander verbunden sind und sich alles bedingt. Wenn falsch gebaut wird, hat dies Konsequenzen. Es geht nicht nur darum irgendetwas schön aussehend zu bauen. Es muss auch im Hinblick auf die weiteren sozio-kulturellen Faktoren geplant werden, sonst läuft der neue Planungsenthusiasmus, gepuscht durch frisches Budget, wiederum in kein langfristig wirksames Funktionieren hinaus. Und damit ist eben auch sehr das Soziale gemeint. Letztlich sollen ja in all dem Gebauten Menschen wohnen, tätig sein und sich wohl fühlen.  Bei einer kreativen und schlau ausgedachten Nacht-und-Nebel-Aktion abseits des Studienkurses an der Universität wurde ein Fingerzeig demonstriert, so wie er sein sollte. Es wurde keinerlei Vandalismus, Schaden oder dergleichen angerichtet. Es wurde lediglich eine Plakatwand mit einer anderen überdeckt. Und bei genauer Betrachtung ist die „eigentliche Plakatwand“ eher das manipulierende und dadurch auch „vandalierende“ Objekt, das verfälscht ….

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Ein neuer „Highway“ soll gebaut werden. Die Autofahrer sollen das schöne Bild sehen, wie es aussehen könnte. Ein riesen Plakat zeigt es ihnen. Wunderschön. Aber was ist hinter dem Plakat? Dem riesengroßen. Die Kreativ-Piraten haben einfach Fotos von dem fast schon „Slum“ und verkommenem Niemandsland dahinter gemacht, direkt auf Augenhöhe zur Straße, so wie es eben ohne Plakat aussieht. Diese Fotos wurden dann auf zigmeter Papierfassaden ausgedruckt und eben über dieses Werbeplakat gehängt. Dahinter leben Menschen, es ist ein erster Zuzugsort für Neuankömmlinge und sozusagen auch ein kleiner Meltingpot, aber in der Mitte eben das Niemandsland. Auf dem Plakat mit der tollen neuen Vision ist nur der neue große Stadthighway schön herausgeputzt zu sehen. Aber was passiert dann mit den Leuten und dem Areal dahinter? Zumindest sollen die Bürger Tiranas das wirkliche Bild sehen und nicht ein verfälschtes und erlogenes, und sich hier dann auch selbst Gedanken über ihre Heimatstadt machen.

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Nach einer gewissen Zeit kamen natürlich auch die Ordnungshüter und lange hing diese Botschaft auch nicht. Aber dies war nur ein Piraten-Akt, es wurden noch viele weitere Anstöße in der Zeit des Studentenprojektes gegeben und der Großteil auch eben in öffentlich Ausstellungen, Präsentationen und Aufführungen. Daher auch an alle werdenden und seienden Architekten: Gestaltet eure Stadt, schaut genau hin und denkt nach, nehmt alle Faktoren auf, und dann passt die Umsetzung auch und wird lange Bestehen haben.

Hier findet ihr ein Video mit Interview mit Alexander Schellow und Studenten aus der Grupp bei Club FM: https://www.youtube.com/watch?v=hhByI3IffaM

Info zu Alexander Schellow´s Kurzfilm Tirana: http://www.arte.tv/de/kurzspielfilm-tirana-von-alexander-schellow/7707878,CmC=7707902.html

Architecture Competitions Workshop an der Epoka Universität: http://arch.epoka.edu.al/competitions/184/

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