Ghana Report No.19 – Maxi in Ghana: (4) Gesundheitszentren und Geburtsstation

Ich habe inzwischen alle medizinischen Einrichtungen gesehen, die Hilfsgüter unserer Spendenkampagne erhalten sollen. Am vergangenen Mittwoch habe ich nämlich zwei weitere Gesundheitszentren besichtigt. Leider ist die Situation überall ähnlich: die gut ausgebildeten Krankenschwestern und Hebammen geben sich alle Mühe und könnten den Menschen sehr gut helfen, wenn sie das dazu erforderliche medizinische Equipment hätten. Zuerst habe ich ein größeres Gesundheitszentrum besichtigt, es ist verantwortlich für etwa 30.000 Menschen und hat – wie alle Gesundheitszentren- keinen Arzt. Ich habe mir gemeinsam mit Dr. Robert Kaba und Prof. Prudens die Entbindungsstation genauer angeschaut und war positiv überrascht, dass dort eine Informationsveranstaltung für schwangere Frauen abgehalten wurde: Wie läuft die Schwangerschaft ab? Was passiert bei der Geburt? Wie kümmere ich mich nach der Geburt um mein Kind? Auf all diese Fragen bekommen die überwiegend jungen Frauen Antworten. Diese Veranstaltungen sollen jeden Morgen stattfinden und es gibt sie auch in den anderen medizinischen Bereichen. Der Bevölkerung soll dadurch ein besseres Verständnis für Gesundheitsfragen vermittelt werden.

Im Raum nebenan standen sehr dicht aneinander einige Betten für schwangere Frauen, die auf die Geburt warten oder nach der Geburt geschwächt sind und sich erholen müssen. Alles ist sehr eng, die Luft ist schlecht und es riecht muffig. Einen Raum weiter findet die eigentliche Entbindung statt. Eine Frau liegt auf dem “Operationstisch” und wartet auf ihre Geburt. Ich wollte den Raum erst nicht betreten, um ihre Privatsphäre nicht zu verletzten. Die Schwangere hat dann aber ihr Einverständnis gegeben. Sie sah nicht glücklich aus und hatte offenbar Angst. Ihre Angst ist keinesfalls unbegründet, denn sie hat wahrscheinlich nie ein Ultraschallbild ihres Kindes gesehen und weiß nicht, ob ihr Kind gesund auf die Welt kommen wird. Die Geburt selbst ist natürlich auch nicht ungefährlich, denn ein Arzt wird nicht anwesend sein und falls es zu Komplikationen kommt, sind die erforderlichen Geräte und das erforderliche Wissen nicht vorhanden. Auch wenn sich die Müttersterblichkeit in Ghana in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert hat, sind Geburten in diesen Gesundheitszentren nach wie vor risikobehaftet. Der Raum selbst erfüllt – leider wie erwartet – keine hygienischen Anforderungen. Die Medizinprodukte werden mit einem Bleichmittel desinfiziert. Das ist wesentlich besser als die Medizinprodukte überhaupt nicht zu desinfizieren bzw. zu sterilisieren und Bleichmittel werden tatsächlich auch in Deutschland zur Desinfektion eingesetzt (nicht im medizinischen Bereich). Ein Sterilisator bzw. Autoklav wäre aber natürlich wesentlich besser. Einer der Hebammen gab mir am Ende noch einen Zettel mit einer Liste von den Sachen, die die Einrichtung braucht: ein Ultraschallgerät, ein Stromgenerator, ein Laptop, ein Autoklav und viele weitere Geräte. Alles wird man dieser Einrichtung vermutlich nicht geben könne, dazu reicht ein Container einfach nicht aus. Schließlich wollen wir nicht nur einem Gesundheitszentrum helfen.

Am selben Tag besichtigte ich auch ein wesentlich kleineres Gesundheitszentrum. Es ist verantwortlich für etwa 1600 Leute. Dort kann praktisch niemand behandelt werden, es gibt kein Strom, kein fließend Wasser (ein Tank für Regenwasser ist vorhanden) und keinen Kühlschrank für Medikamente oder Impfstoffe. Natürlich gibt es auch kein Labor, um Krankheiten richtig diagnostizieren zu können. Dort müsste man erst einmal ein Mindestmaß an Infrastruktur installieren, um diesem kleinen Gesundheitszentrum zu helfen. Momentan kann das kleine Gesundheitszentrum eigentlich nur die Patienten zu den größeren Gesundheitszentren schicken. Am selben Tag reisten wir außerdem nach Keta, eine Stadt, die am Atlantik liegt. Dort ist ebenfalls eine Schule für Krankenschwestern und Hebammen und wir planen auch diesen Standort mit einem Intranet auszustatten. Es ist eine wesentlich kleinere “Universität” als SONAM bzw. UHAS, doch ein neuer Campus ist bereits im Bau: gesponsort von der südkoreanischen Regierung entsteht keine 15 Minuten vom Ursprungsstandort entfernt ein neuer hochmoderner Campus mit Kapazitäten für hunderte Studenten und Lehrer. Es soll auch eine große Bibliothek geben – mit vielen aktuellen Büchern hoffentlich.

Außerdem haben wir noch die Burg “Prinzenstein” direkt am Atlantik besichtigt. Von Dänen erbaut und später von Briten und Deutschen benutzt, diente sie dazu Sklaven auf ihre Überfahrt nach Amerika vorzubereiten. Ein Teil dieser Befestigung ist noch in einem relativ guten Zustand erhalten und so konnten wir noch ehemalige Zellen besichtigen, in denen noch die Ketten von damals lagen. Der Ausflug war sehr interessant, aber natürlich auch sehr traurig, wenn man bedenkt, wie sehr die Menschen, die in dieser Burg gefangen gehalten wurden, gelitten haben. Als Europäer schämt man sich auch ein bisschen, wenn man so einen geschichtsträchtigen Ort besucht. Schließlich haben vor allem die Europäer durch Kolonialismus und Sklavenhandel ihre Imperien errichtet und sich selbst bereichert. Viele gesellschaftlich-politische Probleme, die wir heute in Afrika anfinden, haben ihre Ursachen in der Zeit des Kolonialismus. Es ist kaum vorstellbar, wie viel Leid einige Europäer Afrika (aber auch anderen Kontinenten) zugefügt haben. Dr. Robert Kaba sagte mir nach der Besichtigung: “Wir sollten uns nicht zu sehr auf das konzentrieren, was mal war, wichtig ist, was wir jetzt tun.” Ich stimme ihm absolut zu – nur leider ist das, was wir jetzt tun, auch nicht gut…

 

Bisherige Ghana-Reports: No.1, No.2, No.3, No.4, No.5, No.6, No.7, No.8, No.9., No.10., No.11, No.12, No.13, No.14, No.15, No.16, No.17, No.18

 

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